The Whirlwind (Digipack) - Transatlantic

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The Whirlwind (Digipack) - Transatlantic

Heavy Metal - 2 - CD - Label: Insideoutm - Vertrieb: bmg Deutschland - Veröffentlicht am: 23. Oktober 2009 - EAN: 5052205050583

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100% positiv

1 Erfahrungsberichte der Community

Erfahrungsbericht über "The Whirlwind (Digipack) - Transatlantic"

veröffentlicht 27.12.2009 | Pengoblin
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Erfahrungsberichte : 126
Vertrauende : 9
Über sich :
"Dies sind meine Überzeugungen und Grundsätze. Wenn Sie Ihnen nicht gefallen - ich hab' auch noch andere." (Groucho Marx)
Ausgezeichnet
Pro Das Beste des Genres in Vollendung
Kontra Nicht unbedingt innovativ
sehr hilfreich
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:

"Eine lange unerwartete freudige ProgRock-Überraschung"

The Whirlwind 2 Cd Digipack - Transatlantic

The Whirlwind 2 Cd Digipack - Transatlantic

INTRO
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Unerwartet, aber hochwillkommen – so dürfte einem nicht geringen Anteil der internationalen ProgRock-Gemeinde die dritte Studioveröffentlichung des Virtuosen-Spaßkongresses Transatlantic sein.
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Warum unerwartet? Nachdem die vier Ausnahmemusiker Mike Portnoy (U.S.A., Mitgründer und Drummer von Dream Theater), Pete Trewavas (Großbritannien, Mitgründer und Bassist von Marillion), Neal Morse (U.S.A., einst Gründer und Sänger der Gruppe Spock's Beard, jetzt solo unterwegs) und Roine Stolt (Schweden, Gründer, Gitarrist und Sänger von The Flower Kings) sich in den Jahren 2000 und 2001 zu insgesamt zwei überragenden Studioalben zusammengefunden hatten, denen zwei ebenfalls überragende Live-Doppelalben folgten, dachte man, das sei es gewesen mit dieser einmaligen Zusammenfindung von mit ihrer jeweils eigenen Musik längst fest etablierten und gut ausgebuchten Musikern. Um so schöner ist es, jetzt recht plötzlich ein weiteres Monumentalwerk der Vier genießen zu können. Dabei hat doch besonders Dream Theater erst vor kurzem selbst eine neue Scheibe vorgelegt; hat sich Herr Portnoy geklont? Na egal, bei den Ergebnissen bin ich der Letzte, der meckert.
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Warum hochwillkommen? Bereits mit "SMPTe" und "Bridge Across Forever" hatten Transatlantic unter Beweis gestellt, dass die vier virtuosen Routiniers eine ganz besondere Chemie verbindet. Fast noch deutlicher wurde das auf den beiden Livealben "Live in America" und "Live in Europe", denen man eine ungeheure lässige und mitreißende Spielfreude bei gleichbleibend höchstem Niveau anmerkt, und das bei zumeist 20 bis 30 Minuten langen Einzelepen. Das war damals selbst für die per se gigantophilen Maßstäbe des Progressive Rock eine Ausnahmeerscheinung und wurde in Rezensionen häufig schlicht als das Bestdenkbare des Genres – und damit leider auch als eigentlich unwiederholbar – bezeichnet.
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Wenn sich jetzt, rd. 8 Jahre später, die gleichen vier Musikerfreunde wieder zusammenfinden, liegt natürlich die Gefahr nahe, dass sie womöglich nicht in der Lage sein könnten, auf so hohem Niveau etwas Neues zu liefern. Wollen wir also mal testen, ob das neue Album "The Whirlwind" mit seinen – in dieser Version - rd. 134 prallvollen Minuten nicht zuletzt womöglich doch nur eine Wiederholung und Verlängerung der bereits jetzt schon als Genreklassiker etablierten beiden Vorgänger bildet.
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"In dieser Version" heißt: es gibt von "The Whirlwind" drei Versionen, nämlich die reguläre CD mit 78 Minuten, das hier besprochene 2CD-Set mit der regulären CD, ergänzt um eine CD mit 8 weiteren Stücken (4 neue und 4 Coverversionen), und zuletzt eine 2CD+DVD-Edition, die zusätzlich eine 105 Minuten langes 'Making of' enthält. Da mir persönlich filmische Musiker-'Making ofs' auch bei Lieblingsbands in der Regel völlig wurscht sind, habe ich mir die 2CD-Version besorgt.
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HAUPTTEIL
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CD 1
THE WHIRLWIND (78min)
01 Overture / Whirlwind (10min)
02 The Wind Blew Them All Away (6min)
03 On The Prowl (6min)
04 A Man Can Feel (7min)
05 Out Of The Night (4min)
06 Rose Colored Glasses (8min)
07 Evermore (4min)
08 Set Us Free (5min)
09 Lay Down Your Life (5min)
10 Pieces Of Heaven (2min)
11 Is It Really Happening (8min)
12 Dancing With Eternal Glory / Whirlwind (Reprise) (12min)
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Die Suite "The Whirlwind" ist mit ihren rd. 78 Minuten eine vollstmögliche Kelle aus dem besten Musikereintopf, den der Progressive Rock zu bieten hat. Der in seinem Schaffensdrang spürbar kaum zu bremsende Neal Morse hat (wie auch schon auf Bridge Across Forever) die kompositorische Basis für dieses Epos gelegt, wollte wohl zunächst ein weiteres überaus üppiges Soloalbum daraus machen, kam jedoch dann auf die Idee, seine drei Kollegen vom Virtuosenspaßkongress Transatlantic zu sich heim nach Nashville einzuladen. Dort entstand dann ein Monumentalwerk, das in der Kategorie Soundsoviel-Qualität-für-Soundsoviel-Aufwand auf Jahre hinaus die Referenz schlechthin darstellen dürfte: ein kompositorisch, und soundtechnisch exzellentes Ergebnis, entstanden innerhalb weniger Wochen in kleinem Studio, und doch strahlt das Werk eine Majestät und eine Kraft aus, die manch andere Band auch nach Monaten in Abbey Road nicht erreicht.
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Das Geheimnis, warum das so gut funktioniert, ist wohl schlicht das gereifte Können der vier Hauptbeteiligten, die darüberhinaus unglaublich gut miteinander harmonieren. Das ist zum einen besonders erstaunlich, da Transatlantic als Band ja überhaupt nur zwei Alben und eine Handvoll Konzerte lang existierten, und das ist auch schon wieder acht Jahre her. Zum anderen gerät die Zusammenarbeit mehrerer Virtuosenegos rasch auch mal zum (zumindest musikalischen) Wettstreit, was zuweilen ziemlich zulasten des Ergebnisses gehen kann – was einige der traurigeren Erzeugnisse z.B. von Yes oder ELP deprimierend eindrucksvoll belegen. Hier dagegen treffen sich vier Größen, die sich und anderen absolut nichts mehr beweisen müssen, um gemeinsam Spaß zu haben. Derweil Neal Morse hier kompositorisch ganz klar den Ton angibt (Portnoy und Trewavas sind da ja eh sehr ruhig, und selbst Stolttypisches bekommt man hier recht wenig zu Gehör), vermeiden Transatlantic dennoch insgesamt erfolgreich den Eindruck, hier 'lediglich' die Neal Morse-Begleitband zu geben.
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U.a. hält dieser sich mit seinen ganz klar christlichen Themen (Bekehrung zum Glauben, Schöpfung, Glaubenskämpfe, biblische Figuren etc.) hier sehr zurück; im Ergebnis ist der Text von The Whirlwind ein bißchen kryptisch, ein bißchen metaphysisch, ein bißchen nichtssagend, nett und etwas unbesonders. Mit der großen positiven Ausnahme von "We All Need Some Light" ist das aber auch bei den anderen Stücken der Band so. Es geht wohl (so übersetze ich mir das) vor allem um die chaotischen Elemente der Existenz und um den Kampf des Menschen darum, inmitten der Stürme aus Zufall, Materie, Zeit, Energie und Schicksal sich selbst, seine Bestimmung und einen Weg zu finden:
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"And we got caught in the whirlwind
Torn by the storms of our lives.
And just when we thought we had something,
It turned into dust in our eyes..."
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Das Thema wird in vielen Stimmungsvarianten durchgespielt, mal dramatisch und verfrickelt, mal gesetzter und melancholischer, bis sich zuletzt im zwölfminütigen Finale eine erlöste und kraftvolle Erlösung ergibt:
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"There is in the heart of the whirlwind
One who has been for all time.
And he was sent to deliver
And bring forth the river of life.
And we are here in the wilderness
Seeking some shelter inside
And now that it's done
Out of the whirlwind
Comes forth the true breath of life..."
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Musikalisch ist The Whirlwind die konsequente und genüssliche Verlängerung der ersten beiden Alben der vier: ausgedehnte Variationen über Melodien, garniert mit Umkehrungen, Sprüngen, Akkordwechseln, Soloeinlagen und anderen ProgRock-Spielereien; Morse besitzt die Fähigkeit, wunderbar eingängige Melodien aus dem Ärmel zu schütteln (sofern ich mich das zuzuordnen traue, würde ich sagen, bis auf die Teile IV und V, die eher von Stolt stammen dürften und auch von diesem gesungen werden, ist das komplette Whirlwind-Epos von Morse), diese in der richtigen angezuckerten Dosis für sich wirken zu lassen, dann aber mit den virtuosen Einlagen auch wieder gehörig aufzupeppen. So wechselt sich Balladeskes (Rose Colored Glasses) mit Verfrickeltem (Pieces of Heaven) wunderbar ab, findet kurz vor Schluss nochmal zu scheinbarer Ruhe (Is It Really Happening?), wiederholt sich dort ständig, baut sich ganz langsam und spannungstreibend wieder auf, um dann nach kurzer Pause in das ausgedehnte hymnische Finale überzugehen. Schlicht ganz großes Kino.
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CD 2
SPINNING (10min)
LENNY JOHNSON (4min)
Die ersten beiden Stücke der 2. CD stammen aus der Feder Roine Stolts, und das merkt man auch, wenn man dessen Soloalben oder die Flower Kings kennt.
"Spinning" ist einer der netteren Stolt-Tracks, hat einen munteren, ins Ohr gehenden Refrain ("Still spinning / So beautiful / Every day a new beginning…"), einen flotten Mittelteil und sehr schön entspannt dazugeschüttelte Gitarreornamente; Stolt lebt ja in einem ganz eigenen blümchenumkränzten und oft federleichten Rockuniversum und "Spinning" ist ein völlig undramatisches, schwebendes und rundum gelungenes Stückchen Gitarrehimmel darin.
Mit "Lenny Johnson" habe ich mich noch nicht ganz so angefreundet, vielleicht weil es das Stück ist, bei dem man am wenigsten von Transatlantic hört; es würde auf Stolts eigenem jüngsten Album "Wall Street Voodoo" nicht weiter aufgefallen sein. Ein etwas schleppender Rhythmus, Stolts nasaler Gesang, ein etwas skurriler Text; ich mag es aber doch aufgrund seiner Platzierung hier, weil es dem etwas substanzarmen "Spinning" ein leicht quergebürstetes Gegenstück ist.
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FOR SUCH A TIME (5min)
Fünf ganz typische Morseballadenminuten, dieser Track wäre auch auf "It's Not Too Late" absolut nicht aufgefallen. "We used to laugh, we used to cry ...", so haben schon 10.000 andere Lieder angefangen, und dieses ist ganz bestimmt nicht das Schlechteste davon. Perlt wunderbar ins Ohr, ohne den kleinen zusätzlichen Sprung ins Geniale zu schaffen wie einige andere Morse-Balladen (ich denke da an "Goodbye to Yesterday" oder "I Will Go/Made Again").
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LENDING A HAND (9min)
Ich kenne mich zwar mittlerweile recht gut mit Dream Theater, den Flower Kings und Spock's Beard aus, wurde aber mit den "Post-Fish-Marillion" nie so ganz warm. Insofern hat mich der erste ganz eigenständige kompositorische und gesangliche Beitrag von Pete Trewavas doch etwas überrascht, zumal auch bei Transatlantic bislang überwiegend Morse und Stolt das Material geliefert haben. Aber unwillkommen ist er natürlich nicht. Beim ersten Hören wirkt das relativ langsame, etwas kühle Stück noch etwas farblos, aber es gewinnt durch die Wiederholung und erweist sich dann als sorgfältig gesetztes und gut ausbalanciertes Gesamtkunstwerkchen. Trewavas' Gesang wirkt zunächst ein bißchen hilflos so ganz allein (man kennt ihn ja sonst fast nur als Hintergrundstimmbeisteuerer) und gerät auch etwas nasal, aber im Gesamteindruck war es eine gute Wahl, ihn das Stück selbst interpretieren zu lassen, weil z.B. Morses wesentlich wärmeres Timbre hier dem Stück eher etwas genommen hätte.
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Hier endet der von Transatlantic-Mitgliedern selbstgeschriebene Bonusteil und wird um vier weitere Tracks ergänzt, die allesamt Coverversionen darstellen:
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THE RETURN OF THE GIANT HOGWEED (8min)
"Strike by night! We must destroy them!
They all need the sun to photosynthesize their venom."
Einer der schmissigeren Klassiker aus der Genesis-Mottenkiste aus dem Jahre 1971 und von dem damaligen Album Nursery Cryme (dem dritten der Band überhaupt und dem ersten mit Phil Collins am Schlagzeug). Auf "Live in America" hatten Transatlantic den frühen Genesis ja bereits mit einem Cover von "Firth of Fifth" (kombiniert mit dem Intro von "Watcher of the Skies") gehuldigt.
Diese Coverversion nun bleibt inkl. der gesprochenen Titelnennung am Anfang sehr dicht an den beiden Genesis-Urversionen (neben der Studioversion gibt's ja noch die Variante vom 1973er Album "Live") und zeigt vor allem erstmal eine gehörige Portion Spielfreude: Könner covern Könner. Warum? Ei, weil's geht. 
Textlich zählt die "Rückkehr des Riesen-Bärenklaus" mit seiner Vision von der Invasion des Unkrauts in Großbritannien ja ohnehin zu den verschrobeneren Frühwerken von Genesis, dass man nur seine helle Freude dran haben kann. Neal Morse vermag dabei stimmlich mit der unverwechselbaren manischen Intensität eines jungen Peter Gabriel nicht wirklich mitzuhalten, aber er schlägt sich doch recht wacker, zumal er ja auch parallel noch den Part von Tony Banks mitbestreitet. Derweil schütteln Stolt und Trewavas gewohnt lässig den Hackett und den Rutherford aus dem Ärmel. Und Mike Portnoy verpasst dem mittlerweile 38 Jahre alten Ersteinsatz von Phil Collins eine gehörige Frischzellenkur – weniger um ihn zu übertrumpfen, als wohl vielmehr einfach mal zu würdigen, was für eine schlicht geile Mucke Genesis damals in ihrer Frühphase (und unbestritten in ihrer Bestbesetzung) geliefert haben.
Kurz: Für diese Studiozugabe haben sich Transatlantic ein richtig gutes Werk ausgesucht, das heute wieder genau so funktioniert wie auch 1971. Dem Original haben sie hier nicht wirklich etwas Neues hinzugefügt, und es bleibt unübertroffen, aber eine gelungene Hommage ist es doch, zumal sie ja den klaren Vorteil einer wesentlich besseren Studiotechnik haben. Trotzdem lege ich mir heute abend wohl nochmal die Nursery Cryme auf.
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A SALTY DOG (5min)
'All hands on deck, we've run afloat!' I heard the captain cry,
'Explore the ship, replace the cook: let no one leave alive!'  
Across the straits, around the Horn: how far can sailors fly?
Dieses melancholische, getragene Stück ist von den ursprünglichen Machern Procol Harum 1968 schon sehr schön umgesetzt worden, und das gleichnamige Album gilt vielen als eines der besten seiner Art. Auch dieser Band haben Transatlantic auf ihrem Erstling "SMPTe" mit dem etwas kryptisch betitelten "In Held ('Twas) In I" ja schon mal die Ehre erwiesen. Mike Portnoy hat nun dieses Lieblingsstück seines vor einiger Zeit verstorbenen Vaters hier gemeinsam mit Transatlantic und relativ dicht am Original neu eingespielt und selbst gesungen. Eine schöne Würdigung, wenn auch 'the Fang' am Mikrofon eher durch Enthusiasmus als durch wahres Können überzeugt – manch andere Instrumentalgenies (ich denke da an Mike Oldfield oder Steve Howe) sind da allerdings, und das zum Teil albenlang, noch weit qualitätsresistenter. Letzten Endes trägt hier aber das etwas ungeschliffene Organ zum herben Charme des Stückes sogar bei, denn eine allzu glatte Interpretation hätte auch nicht recht zu dem surrealen, paradoxienreichen Text gepasst.
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I NEED YOU (4min)
"I need you, like the flower needs the rain, you know, I need you…" /
"You don't realise how much I need you. Love you all the time and never leave you…"
I Need You beginnt wie eine weitere von den vielen wundervollen sanften gefälligen Neal Morse-Balladen, die der glaubensfeste Mann aus Nashville ja absondert wie meine Wohnung Staubbällchen, erweist sich dann aber in der ersten Hälfte als die Coverversion eines Stückes von America, das dann in der zweiten, etwas schwungvolleren Hälfte umspringt auf die Coverversion des gleichnamigen Stückes von George Harrison (vom Beatles-Album "Help!"). Dass einige der oder gar alle Mitglieder der Band große Beatles-Fans sind, ist ja nicht gerade neu (bei Mike Portnoy weiß man es allerspätestens seit dem "Suite Charlotte Pike" Beatles-Livemedley auf "Live in Europe"). Die Kombination der beiden I Need Yous macht die beiden an sich ganz netten, aber in meinen Ohren auch etwas belanglosen Einzelstücke tatsächlich reizvoller, und so ergibt sich ein schönes leichtes und melodisches Zwischenstück, bevor es wieder anstrengender wird.
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SOUL SACRIFICE … + Winzbonus (10min)
Zu den trommelfreudigen Klängen von Soul Sacrifice haben sich vor ziemlich genau 40 Jahren ziemliche viele Leute an einem Ort namens Woodstock erstmals den Namen Santana gemerkt. Erwartungsgemäß ist das natürlich erstmal ein Glanzstück für Drummer Portnoy, der denn auch prompt im Mittelteil ein flottvirtuoses, für seine Begriffe federleichtes Perkussionssolo hinlegt. Aber auch Stolt, Morse und Trewavas ziehen sich das Latinhemd ihres mexikanischen Kollegen problemlos über und gestatten sich für einige Minuten eine schwungvolle Leichtigkeit, die man im meist bierernst-dramatischen Progressive Rock zuweilen erstmal suchen gehen muss. Ich erinnere vage, dass auch Spock's Beard, die frühere Band von Neal Morse, das Stück mal zitiert hat, aber nicht in kompletter Form, so wie hier. Achteinhalb Minuten lang ehren Transatlantic auf diesem Wege einen weiteren ihrer musikalischen Ahnen, bevor es rd. dreißig Sekunden Pause gibt …
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… und dann, quasi als Hidden Bonus Rausschmeißer, ein spaßiges Minütchen lang gesangerklärt wird, warum man eigentlich Transatlantic heißen kann:
Well, I guess, you could call me transatlantic
Cause I've been all around this world
I've played some tunes - some quite frantic -
But I aways come back to the pool.
I don't know what it is about
The way they used to be,
Can't put my finger on it
But it's sure does tickle me
I wish that I could figure out
The words they used to say
From the times of that all the records
That i love to play
.
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FAZIT:
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Der womöglich einzige Nachteil von The Whirlwind mag – neben seiner schieren Gesamtlänge, was natürlich ein Vertrautwerden mit dem Ganzen erschwert – darin bestehen, dass es kaum wirklich Neues enthält und damit schon so ein bißchen den Anklang eines Alterswerkes hat. SMPTe und Bridge Across Forever waren mit ihren immer wiederholten Versatzstücken und den eingeflochtenen Hommages an andere Bands (Beatles, Procol Harum, Genesis u.a.) zwar zuweilen kompositorisch etwas orientierungslos, machten das aber durch den geballten Drive und Spaß des Ganzen mehr als wett. Eine Band, die es fertigbringt, aus zwei Studioalben zwei proppenvolle Live-Doppelalben zu generieren, ohne dass es irgendwann langweilig wird, macht ganz offenbar irgendwo etwas sehr richtig.
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Das ist auch hier der Fall, aber Transatlantic sind insgesamt eher eine Band, die das Beste des Genres in Vollendung umsetzt, dessen Grenzen jedoch (außer liedlängenmäßig...) nicht gerade neu definiert. Man kann einem so grandiosen Mammutwerk eigentlich nix anderes als 5 Sterne geben, zumal bei so nettem Zusatzmaterial, aber der Effekt, seinerzeit zum allerersten Mal von "SMPTe" durchgepustet zu werden, lässt sich eben nicht in der gleichen Form wiederholen.
Ich empfehle das Album bedingungslos, füge aber trotzdem hinzu, dass ich einem Ersthörer dieser Virtuosenversammlung trotzdem entweder "SMPTe" oder "Live in Europe" in die Hand drücken würde, weil diese Alben noch einen Tick unperfekter sind, was für mich inmitten all dieser Hochglanzgelungenheit noch einen zusätzlichen Reiz darstellt.
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Die Covergestaltung ist - siehe Bild - wie immer makellos, zeigt ein weiteres Mal das wuchtbrummige futuristische Transatlantic-Luftschiff in schön koloriertem Erdorbit; das Booklet enthält Aufnahmen der Musiker und die Texte zum Epos.

Community Bewertungen

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • freetibet veröffentlicht 25.02.2010
    Bietet alles, was so eine Rezension eben bieten muss. Ich nahm einen kleinen musikalischen Teaser auf youtube und fühlte mich an die guten alten Kansas-Zeiten erinnert. - Kleiner musikalischer Tip: Elephant 9.
  • Anacrusis veröffentlicht 20.01.2010
    Auch wenn mich dieses Album aufgrund der von dir beschriebenen Nachteile etwas langweilt (Smpte ist Hammer!), ist dein Text ganz großes Kino!
  • FernsteuerungCiao veröffentlicht 02.01.2010
    Dieser Bericht ist Dir richtig gut gelungen ... Susanna.
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Produktdaten : The Whirlwind (Digipack) - Transatlantic

Produktbeschreibung des Herstellers

Heavy Metal - 2 - CD - Label: Insideoutm - Vertrieb: bmg Deutschland - Veröffentlicht am: 23. Oktober 2009 - EAN: 5052205050583

Haupteigenschaften

Titel: The Whirlwind (Digipack)

Künstler: Transatlantic

Komponist: .

Genre: Heavy Metal

Schlagworte: Progressive Rock; Classic Rock & Pop

Medium: CD

Set-Inhalt: 2

Veröffentlichungsdatum: 23. Oktober 2009

Label: Insideoutm

Vertrieb: bmg Deutschland

EAN: 5052205050583

Titel auf CD 1

1.: Overture / Whirlwind

2.: The Wind Blew Them All Away

3.: On the Prowl

4.: A Man Can Feel

5.: Out of the Night

6.: Rose Colored Glasses

7.: Evermore

8.: Set Us Free

9.: Lay Down Your Life

10.: Pieces of Heaven

11.: Is It Realy Happening?

12.: Dancing With Eternal Glory - Whirlwind (Reprise)

Titel auf CD 2

1.: Spinning

2.: Lenny Johnson

3.: For Such a Time

4.: Lending a Hand

5.: The Return of the Giant Hogweed

6.: A Salty Dog

7.: I Need You

8.: Soul Sacrifice

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