Die Entwicklung eines kleinen Jungen!!
14.10.2005
Pro:
Einfühlsam, spannend, mitreißend
Kontra:
Das es sowas überhaupt geben kann
Empfehlenswert:
Ja
 Tigerente79
Über sich:
Das echte Leben hält mich momentan völlig auf Trab, komme einfach nicht mehr zum Schreiben, und auch...
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Hallöchen ihr Lieben, heute ist es endlich mal wieder an der Zeit für einen Buchbericht aus meiner umfangreichen Sammlung. Vor über 2 Jahren habe ich euch schon von einem Buch mit dem Title "A child called it" berichtet, heute soll es um den zweiten Teil davon gehen, "The lost boy", ebenfalls aus der Feder von Dave Pelzer.~*~Allgemeines~*~ Die mir vorliegende Taschenbuchausgabe umfasst 318 Seiten, stammt aus dem Heyne Verlag und hat die ISBN-Nummer 3-453-87318-1. Bezahlt habe ich für dieses Buch mit dem deutschen Title "Der verlorene Sohn" 8,95 Euro. Ich habe mich für euch einmal bei Amazon schlau gemacht, dort gibt es dieses Buch in der deutschen Fassung ab 6 Euro, die englische Variante gibt es schon ab 3,39 Euro.~*~Ein kurzer Rückblick~*~ Für alle, die weder meinen ersten Bericht kennen, noch jemals irgendetwas von diesem Autor gehört haben, möchte ich kurz auf den ersten Teil eingehen, damit sie wissen, um was es hier eigentlich geht.Dave Pelzer hat in 3 Büchern, A child called it, The lost boy und A man named Dave, seine eigene Lebensgeschichte erzählt. Der erste Teil berichtet von seiner Kindheit, von seinem Leidensweg zwischen 4 und 12 Jahren. Dies ist die Zeit, in der seine Mutter eine Wandlung durchläuft. Die einst liebevolle Frau, wird zu einer Bestie, die all ihre Aggressionen auf perverse Art und Weise an dem kleinen Dave auslässt. Und nur an ihm, seine 3 Brüder behalten weiterhin ihr liebevolles Zuhause. So muss Dave zum Beispiel in die Garage ziehen, schläft dort auf einem provisorischen Feldbett, als einzige Decke ein paar alte Zeitungen. Seine Mutter bestraft ihn mit Essensentzug, 3 Tage ohne jegliche Nahrung sind noch wenig. Einmal muss er auch den Inhalt aus der Windel seines kleinen Bruders essen, oder seine Mutter versucht ihn im Ofen zu verbrennen, lässt ihn stundenlang im eisigkalten Badewasser liegen, oder zwingt ihn, giftige Dämpfe von Reinigungsmitteln einzuatmen. Dies sind nur wenige Beispiele von Misshandlungen, die der kleine Dave jahrelang zu ertragen hat, und die er in seinem ersten Buch eindrucksvoll schildert. Als er 12 Jahre alt wird, ändert sich die Situation. Seine Lehrer erkennen endlich, weshalb er so abgemagert ist, was seine Narben und Hämatome zu bedeuten haben, und informieren die Polizei, die Dave von der Schule abholt, und in die Obhut von Sozialarbeitern gibt. Damit endet das erste Buch, und an dieser Stelle fängt auch das zweite an.~*~Der verlorene Sohn~*~ Dieses Buch ist in einzelne Kapitel unterteilt, und so werde ich es bei meiner Inhaltsangabe auch machen, und kurz auf die einzelnen Bereiche eingehen.1.Der Entlaufene Dieses Kapitel beinhaltet noch einmal einen kurzen Rückblick zu Teil eins, und beschreibt den einzigen Versuch von Dave von zuhause wegzulaufen, der jedoch scheitert, und die Situation für den kleinen Jungen fast noch schlimmer macht, wie zuvor.2. Ein Engel namens Ms. Gold Nun endlich beginnt das zweite Buch richtig, Dave beschreibt, wie er von der Schule durch die Polizei abgeholt wird, und nicht mehr zu seiner Mutter zurück muss. Er kommt als erstes in ein Krankenhaus, um von einem Kinderarzt untersucht zu werden. Eindrucksvoll schildert Dave, mit wie viel Angst er sich bewegt, immer mit dem Gedanken belastet, seine Mutter würde um die nächste Ecke kommen, und ihn wieder mitnehmen. Der Polizist bringt ihn dann aber schließlich in ein Kinderheim, wo er bei Tante Mary eine zeitlang leben wird. Dort lernt er auch Ms. Gold kennen, seine persönliche Sozialarbeiterin, zu der er bald Vertrauen fasst. Ein sehr wichtiger Abschnitt in diesem Teil ist die bevorstehende Gerichtsverhandlung, in der es darum geht, Daves Mutter das Sorgerecht zu entziehen, und es auf den Staat zu übertragen.3. Die Gerichtsverhandlung Diese stellt kurzfristig einen kritischen Punkt dar, da Dave durch einen Besuch seiner Mutter bei Tante Mary völlig eingeschüchtert wurde, nun wieder glaubt, er sei an dem grausamen Verhalten seiner Mutter schuld, und beschließt, keine Aussage zu treffen, was bedeuten würde, dass er wieder zu ihr zurück müsste. Man merkt auf beängstigende Art und Weise, wie er psychisch manipuliert wurde, und sich selbst als den Schuldigen für das Verhalten seiner Mutter sieht. Trotzdem wendet sich im Gerichtssaal das Blatt, die Mutter bekommt das Sorgerecht entzogen, und Dave wird unter Amtsvormundschaft gestellt.4. Ein neuer Anfang Eine Weile noch lebt Dave bei Tante Mary und den anderen Pflegekindern, und fällt dort bald in sein altes Verhaltensmuster zurück, Essen zu stehlen, um sich davon Vorräte für eventuell schlechtere Zeiten anzulegen. Es ist einfach krass, wie sehr es in Dave verinnerlicht ist, er kann seine neue Freiheit nur bedingt genießen, und hat immer wieder Angst, dass er plötzlich wieder neue Qualen zu erleiden hätte. Irgendwann kommt dann der Tag, wo es für ihn heißt von Tante Mary Abschied zu nehmen, um zu seiner ersten dauerhaften Pflegefamilie zu ziehen, der Familie Catanze.5. Hilflos Mehr oder weniger gut lebt er sich dort ein, er ist ein wildes Kind, das zu Hyperaktivität neigt, und das zu bändigen wirklich nicht leicht fällt. In diesem Kapitel soll er dann mit Hilfe eines Psychiaters seine Vergangenheit aufarbeiten, ein Versuch, der durch die Unfähigkeit des Psychiaters schnell scheitert. Dieser geht kein bisschen auf Dave ein, was in ihm Aggressionen hervorruft, denn er will ja seine Vergangenheit verstehen.6. Der Trotzige Dave beginnt seine Gefühle abzuschalten. Er glaubt hart werden zu müssen, damit ihn nie wieder irgendjemand verletzen könnte. Außerdem bleibt er seiner schlechten Eigenschaft treu, Sachen zu stehlen, die er eigentlich gar nicht braucht. Es geht nicht lange, und er wird erwischt, was natürlich für neuen Ärger in seiner Pflegefamilie sorgt. Er haut von ihr ab, wird frech den Pflegeeltern gegenüber, wird einfach immer schwerer im Zaum zu halten. Er lernt die falschen Leute in der Schule kennen, was dazu führt, dass er sich plötzlich mit dem Vorwurf der Brandstift auseinandersetzen muss, da einer seiner vermeintlichen Freunde die eigene Tat Dave in die Schuhe zu schieben versucht. Dies ist der Zeitpunkt, zu dem er ins Jugendgefängnis Hillcrest gebracht wird.7. Mutterliebe Im Gefängnis erfährt er zum ersten Mal, was Mutterliebe bedeuten kann. Ms. Catanze glaubt ihm nämlich, dass er mit dem Feuer nichts zu tun hat, und will alles dransetzen, um ihm hier raus zu helfen. Im Gefängnis erfährt er auch, dass seine Mutter schon lange versucht, ihn bei sämtlichen Behörden als verrückt darzustellen, um ihn in eine geschlossene Psychiatrie einweisen zu lassen. Sie rechtfertigt ihr Verhalten Dave gegenüber damit, dass er besonders aggressiv sei, schon immer gerne Brände gelegt hätte, und nur durch Gewalt zu bändigen gewesen sei. Es kommt wieder zu einer Gerichtsverhandlung, man kann Dave nichts beweisen, und er darf zu seiner Pflegefamilie zurück, hat nun aber auch einen Bewährungshelfer, Gordon Hutchenson.8. Entfremdet Nach seiner Rückkehr zu den Catanzes hat es Dave dort sehr schwer, die anderen Pflegekindern sind ängstlich und misstrauisch ihm gegenüber, und es geht nicht lange, bis Gordon kommt, und ihm erklärt, er müsse in eine andere Pflegefamilie. Ihn woanders unterzubringen ist nicht leicht, und so wandert Dave in der nächsten Zeit von einer Pflegefamilie zur anderen, bis er bei Alice und Harold Turnboughs landet.9. Zu Besuch nebenan Anfangs hatte man ihm erklärt, dass er dort auch wiederum nur vorübergehend sein würde, doch er bleibt lange dort. Er fängt auch an, in verschiedenen Jobs zu arbeiten, weil er erkannt hat, dass er mit nun 15 Jahren so langsam daran denken muss, auch einmal auf eigenen Beinen stehen zu können. Die schöne Zeit bei den Turnboughs ändert sich, als dort 2 neue Pflegekinder einziehen, mit denen Dave von Anfang an nicht zurecht kommt. Er erklärt Alice, sie müsse sich zwischen ihm und denen entscheiden, als Alice das nicht wirklich ernst nimmt, bittet er Gordon darum, ihn in einer anderen Familie unterzubringen. So landet er bei einem jungen Ehepaar, John und Linda Walsh, und bei ihnen lernt er auch zum ersten Mal in seinem Leben richtige Freunde kennen. John und Linda sind zwar sehr locker drauf, dennoch streiten sie sehr viel, was auch oft in tätlichen Auseinandersetzungen endet. Dave hält dies nicht mehr lange aus, und dieses Kapitel endet mit seiner Rückkehr zu den Turnboughs, es ist für ihn wie eine Rückkehr nach Hause, denn dort fühlt er sich daheim!10. Aufbruch Das letzte Kapitel dieses Buches beinhaltet noch etwas sehr wichtiges, Dave trifft zum ersten Mal seit vielen Jahren seinen Vater wieder, der sich in all der Zeit kein einziges Mal gemeldet hat. Doch der einstige Held seiner Kindheit ist zu einem heruntergekommenen Alkoholiker geworden, in Frührente auf der Straße lebend. Dave verspürt bei diesem Treffen keinerlei Wut mehr im gegenüber, nur noch Mitleid. Als er wieder geht, weiß er, dass er seinen Vater zum letzten Mal in seinem Leben gesehen hat. Das Buch endet mit Daves Eintritt in die US Air Force.~*~Meine Meinung~*~ Für mich ist dieses Buch sehr einfühlsam und bewegend geschrieben. Ich empfehle aber auf jeden Fall, erst den ersten Teil zu lesen, ansonsten fehlt einem einfach zu viel von Daves Geschichte, um im zweiten Teil richtig mit ihm mitfühlen zu können.Da Dave Pelzer hier ja seine eigene Geschichte niederschreibt ist es klar, wie einfühlsam er sich auszudrücken versteht. Als Leser hatte ich förmlich das Gefühl, dem kleinen Dave helfen zu müssen, auf seinem schwierigen Weg durchs Leben. Sehr schön fand ich, wie der Autor die besondere Stellung von Pflegefamilien hervorhebt, die von dem größten Teil der Bevölkerung als asozial abgestempelt werden, da sie deren Meinung nach einzig das Geld wollten, das der Staat für die Aufnahme eines Pflegekindes bezahlt. Wie viel sie dafür aber leisten müssen, wie sie versuchen den Kindern ein liebevolles und behütetes Heim zu geben, davon wissen die meisten nichts. Und es gelingt Herrn Pelzer, dem Leser dies zu vermitteln, ihm begreiflich zu machen, wie wichtig solche Einrichtungen sind.War ich beim Lesen des ersten Teils schon fassungslos über das, was dem armen Jungen widerfahren ist, so musste ich auch hier mehrmals tief schlucken, und ab und zu eine Lesepause einlegen. Es ist einfach furchtbar, wie sehr seine Kindheit ihn geprägt hat, wie sehr er dort erlerntes Verhalten auch weiterhin beibehält. Und trotzdem ist er irgendwie ein lieber Junge, ein ganz besonderes Kind, das auch durch die vielen, wechselnden Pflegefamilien, sich selbst irgendwie treu bleibt. Besonders spannend fand ich es, die Entwicklung von Dave Pelzer zu beobachten. Vom verschüchterten, misshandelten Kind, zu einem wilden, fast unbändigen Jungen, und dann durch die Liebe und Zuneigung der Pflegefamilien zu einem verantwortungsvollen jungen Erwachsenen.Dieses Buch ist sehr kurzweilig und spannend geschrieben, bis auf kurze Pausen wegen der extremen Emotionen, habe ich es ziemlich in einem Rutsch durchgelesen. Es ist absolut ergreifend und wirklich lesenswert! ~*~Mein Fazit~*~Ich halte dieses Buch für ein Muss für jedermann, zusammen mit den anderen beiden Teilen. Es ist aufklärend in vielerlei Hinsicht, vor allem aber räumt es mit den Vorurteilen auf, dass Pflegekinder automatisch Kriminelle sind, die deswegen von ihrer Familie getrennt werden. Diese Kinder können oft überhaupt nichts dafür, sind oft selbst die Leidtragenden an der ganzen Sache. Ich vergebe alle Sterne und eine klare Empfehlung, natürlich nur für die Bücher an sich, und nicht für das, was der Autor zu erleiden hatte. Bis zum nächsten Mal,LG eure Verena
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The Lost Boy, Dave Pelzer
2001, repr., 340 Seiten, Maße: 11,1 x 17,7 cm, Taschenbuch, EnglischMass market ...
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The Lost Boy - Pelzer, Dave
Taschenbuch, 340 S., Erschienen: 2001
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18.02.2006 22:00
Besser geht´s kaum. Wenn ich es nicht schon gelesen hätte, würde ich es kaufen. Hat mich wahnsinnig gefesselt. LG funnyy
15.10.2005 04:43
Prima Beschreibung, man kann sich jetzt schon einiges unter dem Buch vorstellen. Über den ersten Teil hab ich inzwischen schon mehrere Berichte gelesen, wußte allerdings nicht, daß es noch 2 "Fortsetzungen" gibt. LG Martin
14.10.2005 21:57
Hi Verena, hab mich richtig in dein Buch hinein versetzt! Ein echt toller Bericht...LG Stefan