Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Es hat was ! |
| Kontra: |
Die armen Nerven ! |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Theater, Theater, der Vorhang geht auf.....
Theaterverein Paulus(t)spiel e.V., das sind wir. Nähere Infos über unser Ensemble, die Geschichte, das aktuelle Projekt etc. gibt es auf unserer Homepage unter www.paulustspiel.de, allen, die daran interessiert sind, kann ich diese Seite sehr empfehlen.
Mein Mann und ich haben uns - wie manch einer vielleicht weiß - über das Internet kennengelernt. Er wohnte damals ca. 70 km von mir entfernt und ist dann hierher gezogen. In seiner Heimatstadt hatte er Jahre lang Theater gespielt, allerdings waren ihm 140 km allwöchentlich für die Proben dann doch etwas zu viel. So kamen wir auf die Idee: Probieren wir es hier.
Unsere Tageszeitung hat uns kräftig unterstützt, ein Riesenartikel: Es meldeten sich 22 Frauen und ein (in Zahlen 1) Mann. Wie sagte mein Mann damals: Toll, ich wollte immer schon mal Ali Baba und die 20 Räuberinnen spielen.
Eingependelt hat sich unser Ensembel nun, da wir in die 4. Saison gehen, bei 6 Frauen, 5 Männern und einem Fast-Teenie von 12 Jahren (meine Tochter). Wir spielen nur und ausschließlich Komödien, leichte, locker-lustige Sachen. So viel zur Geschichte im Kurzformat.
Ich selber war damals fest überzeugt: Ich mache gar nichts auf der Bühne. Klar, ich organisiere Auftrittsorte etc., rede mit der Presse, aber selber spielen? Neee.... Aber der Mensch denkt, und Gott lacht;-)
Im Januar 2002 war die erste Premiere geplant, genauer gesagt am 17.01. Anfang Dezember 2001 hat eine Mitspielerin ihre Rolle geschmissen. Sie hatte einfach nicht die Nerven, hatte schon 6 Wochen vorher Lampenfieber, fiel ständig um, hatte Durchfall und Magenschmerzen... na gut, ihr könnt es euch denken, nicht wahr? Innerhalb von 6 Wochen musste ich arme Socke, die doch gar nicht auf der Bühne stehen wollte, diese Rolle lernen. Natürlich nur als Ersatz und nur für dieses eine Mal (hört ihr das Gelächter im Hintergrund?).
Und was soll ich euch sagen: Es machte mir Spaß. Ich hatte eine Riesenfreude daran, jemand anders zu werden. Meine erste Rolle war die einer trotteligen Detektivin mit Namen Andrea Magnum "von der Detektei Magnum Hawai ohne Schnurrbart". Der Text saß eigentlich relativ schnell, und beim Rest hat mir mein Mann, auch Regisseur unserer Truppe, wahnsinnig geholfen.
Ich werde nie diese erste Premiere vergessen. Komischerweise - glaubt es oder nicht - hatte ich überhaupt gar kein Lampenfieber. Vor jedem Auftritt mit unserem Chor stelle ich mich an wie ein Mädchen und routiere vorher, aber da? Kalt wie ein Katzenschnäuzchen.
Es war einfach nur genial. Die Bühne, der dunkle Zuschauerraum, die Leute, die sich scheckig lachten...... was soll ich sagen? Applaus macht tatsächlich süchtig. Kein Gedanke mehr daran, aufzuhören.
Im zweiten Stück war es dann eine biestige, fiese, widerliche Erbschleicherin. Es hat noch mehr Spaß gemacht. Glaubt es mir, das Mieseste, was es in meinen Augen gibt, sind die Typen, die im Käseblättchen an Tante Klara schreiben: "Meine Mutter verschleudert mein Erbe". Ihr kennt solche Leserbriefe sicherlich. Meiner Meinung nach ist das Geld meiner Mutter das Geld meiner Mutter und nicht mein Erbe und damit Feierabend. Aber das auf der Bühne darzustellen... es war die totale Herausforderung. (Dreistes Stück im Greisenglück).
(Eine kurze Einfügung: Natürlich sind solche Typen nicht das Mieseste, da gibt es ganz klar Abschaum, der noch schlimmer ist. Aber ihr versteht mich, oder?)
Im letzten Stück war meine Rolle dann die einer übekandiedelten Klatschreporterin, die eine Riesenstory wittert und mit allen Mitteln versucht, ständig im Brennpunkt des Geschehens zu sein (Trouble im Alten Hof). Es ist mir gelungen;-)) Noch dazu schrieb mir diese Rolle eigentlich vor, im schwarzen Neglige über die Bühne zu schweben. ICH!!! Im Neglige! Na gut, ich bin keine Roseanne Barr, weder was den Umfang noch was das Schauspieltalent betrifft, aber ich bin, wie mein sehr lieber Mann es formuliert, ein Prachtweib. Und das in sonne Klamotten! Nee, ganz ehrlich, das wäre peinlich geworden. Also hab ich mich in einen uralten Schlafoverall geworfen, eine Schleife ins Haar gebunden, einen Teddybären unter den Arm geklemmt und noch dazu die riesengroßen Bärentatzenpantoffeln angezogen, die mich winters vor kalten Füßen schützen. Die Leute haben echt auf dem Boden gelegen vor Lachen (Fotos auf der Homepage).
Diesen Monat haben wir mit dem neuen Stück angefangen, Premiere wird im Januar 2005 sein. Dies Mal ist meine Rolle die einer totalen Jasagerin, die völlig unter dem Pantoffel ihrer Mutter steht (Napoleon lebt). Und auch das geht.
Was ich am Theater spielen so enorm schätze, das ist nicht nur der Applaus, obwohl der natürlich wunderschön ist. Es ist dieses Aufgehen in einem völlig anderen Charakter, der Spaß, sich eine Rolle zu erarbeiten, sie zu spüren, mit Leben zu füllen. Es ist einfach ein unheimlich gutes Gefühl.
Und natürlich, für alle von uns, die es lesen: Es ist diese absolut geniale Truppe, die einen enormen Zusammenhalt hat und zu guten Freunden geworden ist.
Ich bin total glücklich und dankbar, dass ich dieses Hobby gefunden habe. Oder hat es mich gefunden?
Und zwei Jahre später bin ich immer noch so eingestellt! Diese Saison ist eine besondere Herausforderung: Ich bin seit 400 Jahren tot!