Das "Brettl" was die Welt bedeutet

4  20.06.2009

Pro:
gutes Programm

Kontra:
nicht behindertenfreundlich

Empfehlenswert: Ja 

MatthiasHuehr

Über sich: Ich bin gerade mit den Texten für meine neuen Seite www.MV-Trip.de beschäftigt. Da bleibt leider nic...

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Bei meinem letzten Besuch in Dresden war ich dort in mehreren Theatern zu Besuch um dort meine Abende recht unterhaltsam zu verbringen. Begonnen habe ich meinen Aufenthalt in der Semperoper, da ich aber auch ein großes Faible für Kleinkunst habe, war auch diese Dresdner Institution quasi ein Muss bei meinem Besuch. Der Theaterkahn hat einen recht guten Ruf, dem ich nicht widerstehen wollte, und mir deshalb auch für dieses besondere Theater auch eine Eintrittskarte besorgt habe.

Theater

Dieses Theater ist das offiziell das erste Theater, welches in Ostdeutschland in eine freie Trägerschaft überführt wurde. Der Theaterkahn befindet sich in einem ehemaligen ziemlich verrosteten und für den Schrott bestimmten Elbkahn, welcher für den Zweck eines Theaterbetriebes umgebaut wurde, welcher nach dem Umbau an der Augustusbrücke vertäut wurde, welche zufällig auch die älteste Brücke in Dresden ist. Dieses Theater hat kein festes Ensemble, die auftretenden Künstler, welche auf der Bühne des Theaters auftreten, arbeiten ansonsten freischaffend oder sind auf anderen Bühnen engagiert. Das "Dresdner Brettl", wie sich der Theaterkahn auch selber schimpft, ist in seinen eigenen Augen kein reines Gastspieltheater, sondern trotz allem ein individuelles Theater, dessen Künstler weltweit engagiert werden.
Anfahrt

Man muss sich schon recht blöd anstellen, um dieses Theater in Dresden nicht finden zu können. Der Theaterkahn befindet sich in der Nähe der Semperoper, des Zwingers und des Residenzschlosses vertäut am Ufer der Elbe. Mit einem öffentlichen Verkehrsmitteln in Form einer Straßenbahn muss man beispielsweise bis zur Haltestelle Theaterplatz fahren und ist schon fast am Ziel angelangt. Man muss nur noch die Treppe zur Elbe runter und dann hoffen, dass dann der auf der noch zu überquerenden Straße herrschenden Verkehr nicht allzu zu stark ist, so dass man schnell über die Straße gelangen kann. Diese Hoffnung sollte man nicht unbedingt haben, denn diese wird nicht unbedingt erfüllt, diese Straße ist leider sehr stark befahren. Sicher kommt man über Ampeln über die Straße, welche sich aber recht weit vom Theater entfernt befinden. Entweder heißt es also schnell über die Straße rennen, wenn die Gelegenheit dazu günstig ist, oder den für meinen Geschmack doch recht weiten Umweg zu nehmen. Ansonsten ist die Lage des Theaters doch recht gut, denn die Lage im Zentrum der Stadt ist recht optimal, falls man anschließend nach dem Theaterbesuch noch um die Häuser ziehen, oder im Vorfeld einige der bekannten und

Bilder von Theaterkahn - Dresdner Brettl, Dresden
Theaterkahn - Dresdner Brettl, Dresden IMG_0194 - Theaterkahn - Dresdner Brettl, Dresden
das Foyer
interessanten Museen der Stadt besichtigen möchte.
Eintrittskarten

Es gibt mehrere Möglichkeiten Eintrittskarten für dieses Theater zu erwerben. Eine Möglichkeit ist die über Tickethändler im Internet, die man als Tourist nutzen kann und sollte, da es in der Hochsaison recht schwierig wird, wegen der erhöhten Nachfrage überhaupt noch Karten zu bekommen. Das Theater hat aber auch eine eigene Vorverkaufkasse, die man telefonisch, per Fax oder per Email nutzen kann. Die Sächsische Zeitung verkauft aber auch Eintrittskarten über ihr Ticketsystem. Welche Möglichkeit man dann wohl selber nutzt hängt vom Heimatort und der Bequemlichkeit ab. Ich kaufte meine Karte mit einigen anderen Tickets zusammen bei Getgo, da ich während meines Urlaubs mehrere Tage in Dresden weilte, und meine Abende unterhaltsam verbringen wollte.
Theaterkahn

Das Theater wurde in einem für diesen Zweck umgebauten Schiff untergebracht. Völlig praktisch wurde dieses aber nicht umgesetzt. Das Prädikat "behindertenfreundlich" würde ich beispielsweise überhaupt nicht vergeben können. Der Zugang zum Schiff ist über eine Art Bootsteg, welche im Winter, ich war im Januar in Dresden, recht glatt war. Der Zugang zu den unteren Räumlichkeiten auf dem Schiff erfolgt über eine Treppe, welche die einzige Möglichkeit ist, nach unten zu gelangen. Die Toiletten befinden sich im unteren Bereich und sind wie man so schön sagt, recht eng um die Hüften, sauber sind sie zwar, aber trotz allem recht eng. Was mir sonst noch an der Einrichtung des Theaters negativ aufgefallen war, war die Tatsache, dass es im Theaterkahn nur eine unbewachte Garderobe gibt. Sie befindet sich im unteren Bereich des Schiffes und nach der Vorstellung herrscht dort ein recht großer Andrang. Ich finde es zwar sonst recht negativ, wenn es eine nur eine Garderobe gibt, bei der man ungerechtfertigt hohe Gebühren für die Aufbewahrung der Jacken und Mäntel der Gäste gibt, eine unbewachte Garderobe ist aber bei der Größenordnung dieses Theaters als nicht gerade optimal zu bezeichnen.

Gastronomie

Auf dem Schiff befindet sich auch ein Restaurant namens "Kahnaletto", welches 98 Sitzplätze vorzuweisen und eine mediterrane Küche zu bieten hat. Besucht habe ich es aber aus Prinzip nicht, denn die Präsentation der Karte außerhalb des Hauses war leider nicht gegeben, und da ich schon schlechte Erfahrungen mit Restaurants gesammelt habe, die nicht offen genug in dieser Beziehung waren.. Am frühen Abend stand leider immer noch der Werbeaufsteller mit den Angeboten des Mittagstisches des Restaurants vor dem Schiff. Da ich es nun überhaupt nicht mag, wenn ich vor dem Besuch ines Lokales nicht weiß, wie preiswert das jeweilige Restaurant überhaupt ist, und welches Angebot an Speisen es überhaupt seinen Gästen zu bieten hat, habe ich es daher vorgezogen in die Innenstadt von Dresden zu gehen und dort in einer der vielen Gaststätten in der Weißen Gasse zu speisen, da man bei diesen Anbietern wenigstens vorher wusste woher man dran ist.

Es gibt zudem eine Schiffsbar im unteren Bereich des Schiffes, welche ab 18.00 Uhr geöffnet ist. Ich habe beim Warten im Foyer von der Bar nichts mitbekommen bis andere Besucher beschlossen dorthin zugehen und da es noch über eine halbe Stunde bis zum Programmbeginn war, beschloss ich mir noch ein Bierchen zu gönnen. Die Bar auf dem Schiff ist sehr maritim gestaltet und machte einen gemütlichen und urigen Eindruck auf mich. Ich bekam einen Sitzplatz auf einem Hocker an der Bar. Die Schiffsbar war an diesem Abend sehr gut besucht, man sollte daher schon recht früh dort sein, um überhaupt einen Platz zu bekommen, falls man nicht erst kurz vor Beginn der Vorstellung ankommen möchte. Das Angebot an Getränken war sehr groß und für die Lage im Zentrum trotz allem nicht überteuert, wie ich es leider bei anderen Anbietern schon erlebt habe, die hemmungslos hohe Preise verlangten.

Programm

Das Stück, welches ich mir an diesem Abend angeschaut habe, war mit "Tauben vergiften - Ein Georg-Kreisler-Abend" betitelt. Der Interpret, der zynisch-provokanten Lieder des in Humor Wien geborenen Kabarettisten Georg-Kreisler, war der in Dresden bekannte Schauspieler Tom Quaas, der von der Pianistin Anna Böhm auf dem Klavier begleitet wurde. Wer die Kritiken gelesen hat, die die beiden in der örtlichen Presse für ihren Auftritt bekommen haben, welche zudem auch sehr positiv ausgefallen sind, dem kann ich bestätigen, dass das Lob der Kritiker nicht unbegründet war. Die Darstellung des eleganten Lebemanns mit einem Frack, Stock und Oberlippen-Bärtchen , der zudem reichlich Pomade in sein Haar geschmiert hatte, war bisher eine der besten Interpretationen, die ich von den Stücken des Georg Kreisler gesehen habe. Einige gewagte Kletterübungen konnte man zudem auch an diesem Abend erleben, als Tom Quaas am Geländer des Balkons entlang hangelte und dabei ein zu dieser Aktion passendes Stück vortrug. Am Programm dieses Abends konnte ich keinerlei Kritikpunkte finden, es war sehr unterhaltsam und gut vorgetragen. Es ging ungefähr zwei Stunden mit einer kleinen Pause zwischendurch.
Theatersaal

Der Saal des Theaters befindet sich im unteren Teil des Schiffes und bietet laut der Internetseite des Theaterkahns seinen Besuchern insgesamt 216 Sitzplätze an. Der Saal wiederum ist aufgeteilt in ein Parkett, in dem sich 15 Stuhlreihen befinden, sowie einem Balkon, der mit 3 Reihen relativ klein ausgefallen ist. Die Form des Balkons wiederum ist nicht gleichmäßig, denn auf der linken Seite ist er in Richtung Bühne in den Zuschauerraum gezogen und mit einigen seitlichen Sitzplätzen ausgestattet. Optimal ist der Blick vom Balkon aber nicht. Ich hatte bei meinem Besuch den Platz 13 in der zweiten Reihe, welcher in die zweiten Preiskategorie zugeordnet war. Rein theoretisch hätte man einen guten Blick, aber den nur solange sich niemand mit einem Sitzplatz auf der Balkonverlängerung auf die Brüstung flegelt, dann hat man nämlich ein Problem mit dem ungestörten Blick auf die Bühne, falls man sich nicht mit der langweiligen und meist auch nicht ansehnlichen Rückansicht eines rücksichtslosen Theaterbesuchers begnügen möchte. Einen ungestörten Blick hatte ich nicht, denn den linken Teil der Bühne konnte ich nicht richtig einsehen. Es waren bei meinem Besuch in diesem Theater zwar zwei Akteure auf der Bühne, aber das den Sänger begleitende Klavier habe ich nur rein geräuschetechnisch wahrnehmen und die dazugehörige Pianistin erst zum Applaus am Ende der Vorstellung erblicken können. Leute die wie ich einen platzsparenden Körperbau vorweisen können, haben in einigen Theater- oder Kinosälen doch einige Probleme, einen guten Blick auf die Bühne zu bekommen. Mit meinem Sitzplatz war ich daher nicht wirklich zufrieden, für die zweite Kategorie war er etwas ungünstig platziert. Als bequem waren die Sitzplätze zwar zu bezeichnen, aber beispielsweise Abstellmöglichkeiten für die Getränke konnte ich jedenfalls nicht sehen.

Preise

Die Preise für einen Besuch im Theaterkahn variieren je nach der Preisgruppe der ausgewählten Plätze, von denen es von der Anzahl her vier Kategorien gibt, und dem jeweiligen Wochentag, an dem man dieses Theater besuchen möchte. Derzeitig bezahlt man an der Theaterkasse für einen Besuch am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag zwischen 10,00 und 17,50 Euro für eine Eintrittskarte. Freitags, am Wochenende und den Abenden vor Feiertagen muss man schon etwas tiefer in seinen Geldbeutel greifen und somit zwischen 12,50 und 20,00 Euro pro Eintrittskarte locker machen. Für den Besuch von Premieren erhöht sich der Preis einer Karte dann aber um weitere 2,50 Euro. Da das Theater sich in einer freien Trägerschaft befindet und keinerlei Subventionen bekommt, sind die von den Besuchern zu zahlende Preise für eine Eintrittskarte doch noch als relativ preiswert einzustufen. Die billigsten Plätze sollte man dann aber doch nicht wählen, der unter Umständen schlechtere Blick auf die Bühne ist manchmal die kleine Geldeinsparung nicht wert.
Bewerung

Der Abend in diesem Theater war sehr unterhaltsam, die Sicht aber nicht unbedingt optimal. Die Einrichtung an sich hat einige bautechnische Schwächen, die ich in meiner Bewertung beschrieben habe. Programmtechnisch bekommt dieses Theater die volle Punktzahl, bautechnisch einige Abzüge. Mein Endresultuat bei der Bewertung ist zwar recht positiv, sie bekommt aber aufgrund der von mir vorgetragenen Kritikpunkte ein negatives Vorzeichen. Eine Empfehlung für dieses Theater spreche ich aus und zudem auch eine Empfehlung für den Besuch des von mir besuchten Programms.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Myhnegon

Myhnegon

05.09.2009 23:00

Was ist eine "freie Trägerschaft"? Schöner Schachtelsatz in Folge. ;-) In Bremen gibt es auch ein Theaterschiff und ich glaube, das ist auch nicht sonderlich behindertenfreundlich.

sunrise67

sunrise67

07.07.2009 22:03

sh und lg Beate

Leo56

Leo56

29.06.2009 22:39

BH, leider später.

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