Die Größte der Welt

5  03.07.2004

Pro:
Beeindruckende Größe, Vatergefühle

Kontra:
Nichts für Anfänger, man braucht Fingerspitzengefühl

Empfehlenswert: Ja 

Schiller1971

Über sich:

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Liebe Ciao Leserinnen und Leser. Einige von euch werden wohl den Bericht "Weib des Teufels" gelesen haben. Da diese Kathegorie zu spät eröffnet wurde, möchte ich noch einmal kurz die wichtigsten Fakten erklähren damit auch diejenigen mitkommen, die meinen Bericht nicht gelesen haben. Gleichzeitig möchte ich euch erzählen, wie ich dieses Riesentier halte, dass ich nun schon in der zweiten Generation besitze (hab sie erstaunlich erfolgreich nachgezogen).

Inhalt
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Was ist eine Theraphosa und woher kommt sie
Grundlagen der Haltung
Das Wesen des Tieres
Preise und Bezugsquellen

Was ist eine Theraphosa Blondi?
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Um es mal platt zu erklären. Theraphosa blondi ist der lateinische Name für die größte Spinne, die zur Zeit versucht auf unserem Planeten ihren Weg zu gehen. Ihre Heimat sind die Urwälder von Venezuela und Französisch Guyana, wo sie in Hölen auf dem Waldboden lebt.
Nun ein kleines, technisches Datenblatt dieses Wunderwerks der Natur:

Ihre Färbung ist Rostbraun, das sich für eine kurze Zeit nach der Häutung in Schwarz ändert. Ihre Körperlänge beträgt maximal 14 cm und ihr Umfang beträgt 28 - 34 cm. Sie kann bei zu guter Fütterung ein Gewicht von 160!! Gramm erreichen, wobei ihr Hinterteil (Abdomen) die Größe eines Tennisballs erreicht. Als Futter kommen nur sehr große Insekten, ausgewachsene Mäuse, Küken, junge Ratten und kleinere Reptilien in betracht - Reptilien lassen wir aber mal außen vor. In der Natur frisst sie sogar Schlangen von einem halben Meter!!!! Die Zähne dieser Spinne betragen satte 2,5 cm!!!!!!! Ach ja, ehe ich es vergesse - diese Spinne ist Nachtaktiv.
Man sagt ihr eine hohe Aggressivität nach, die ich aber nur bedingt zustimmen kann - wenn sie naturgerecht gehalten wird besteht nur selten die Gefahr gebissen oder bombardiert zu werden - trotzdem sollte man immer vorsichtig im Terrarium agieren.

Grundlagen der Haltung
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Wer sich eine Theraphosa blondi anlegen möchte, der sollte genau wissen was er tut - Anfänger in der Spinnenhaltung sollten es tunlichst vermeiden mit diesem Tier anzufangen, da die Haltung aufgrund der Anforderungen der Spinne nicht ganz einfach ist. Dazu ist zu erwähnen, dass diese Spinne zumeist sehr aggressiv ist und der Umgang mit ihr für den Anfänger etwas schmerzhaft und kompliziert werden kann.

Fangen wir mit der Haltung an:
Da wir es mit der größten Spinne der Welt zu tun haben, müssen wir für einen passenden Lebensraum für sie sorgen, somit fallen die üblichen 30X30X20 Terrarien leider weg. Diese Spinne braucht mindestens ein Terrarium der Größe 60X40X40 cm. Dabei ist zu beachten, dass dieses Terrarium zwei Belüftungsgitter besitzt, eines auf der unteren Frontseite und eines auf der Oberseite, damit sich keine Stickluft bilden kann, die zum Tode dieses faszinierenden Tieres sorgen würde.
Da diese Spinne sehr gerne ihre Höhlen selber gräbt, empfielt sich den Bodengrund 15 cm hoch einzufüllen, dazu eignet sich ungedüngte Blumenerde sehr gut.
Die Theraphosa blondi stammt aus einem feuchten Lebensraum, so muss auch die Erde ständig feucht gehalten werden. Die Luftfeuchtigkeit muss Tagsüber 70% und abends bzw. in der Nacht 90% betragen und darf auf keinen Fall niedriger sein, da sie auf Trockenheit sehr empfindlich reagiert.
Weiter muss sich im Terrarium ein ausreichend großer Trinknapf befinden, da sich die Spinne zuweilen gerne mal badet und daraus trinkt. Ein täglicher Wasserwechsel empfiehlt sich auch, da sie gerne mal in den Trinknapf kleckst oder ihre Futterreste darin entsorgt.
Eine Höhle (die großen Rinden aus der Kaninchenabteilung aus dem Tiermarkt empfiehlt sich) die groß genug ist, ist Pflicht, damit sich das Tier darunter vergraben und verstecken kann.
Und nun noch etwas - es geht um die Beheizung, da ich nicht annehme dass die Raumtemperatur über 25 Grad in der Wohnung beträgt.
Im größten Teil der Literatur liest man immer wieder, dass die Haltungstemperatur der Theraphosa bei 29 - 30 Grad liegt. Das ist absoluter Schwachsinn. Laut Klaas halten sich Vogelspinnen in den heißen Tageszeiten in ihren Höhlen auf, in denen die Temperatur niemals höher als 25 Grad herrscht - also geben wir unserer Theraphosa auch diese Temperatur. Um sie zu erreichen verlegen wir einfach ein 15 W Heizkabel an den Seitenwänden des Terrariums (niemals unter dem Terrarium, da sich die Spinne bei hohen Temperaturen eingräbt und sich verbrennen könnte). Abends lasse ich die Temperatur dann auf 20 Grad abfallen - und sie fühlt sich pudelwohl. Gefüttert wird je nach Beutegröße etwa 1 mal Wöchentlich - 1 mal alle zwei Monate.

Noch was. Terrarien ind der oben genannten Größe gibt es nur mit Schiebescheiben. Eine Theraphosa ist aber so kräftig, dass sie diese Türen locker aufmachen kann um sich zu verdünnisieren. Um Probleme mit der Frau/Freundin zu vermeiden sollte man denn doch ein Terrarienschloss anbringen.

Das Wesen dieses Tieres
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Wie oben schon erwähnt, wird diese Spinne sehr oft als sehr aggressiv beschrieben - und ich stimme dem nur ganz bedingt zu. Bisher habe ich keinerlei Aggression mir gegenüber feststellen können. Aggressiv ist sowieso der falsche Begriff - die Spinne hat einfach nur Angst und verteidigt sich dementsprechend. Wenn man das Terrarium wie oben entsprechend einrichtet, so kommt man sich gegenseitig nur selten ins Gehege und die Spinne wird nur selten nach dem Pfleger schnappen. Apropo schnappen : Diese Vogelspinne wird ehe sie beißt eher zuerst stridulieren (fauchen) und nach dem vermeindlichen Angreifer schlagen, ehe sie beißt - sie bombardiert (sie verschießt Brennhaare, die fies auf der Haut brennen) bei Gefahr auch ganz gerne. Mich hat sie nur einmal angegriffen - als ich sie ins Terrarium aus einer Dose entließ - aber sie wollte nicht beißen, sie ist stehen geblieben und hat ihr Abdomen immer Zielgenau auf meine Hand gerichtet und bombardiert wie eine Weltmeisterin - ich kann sie verstehen, weil ich in ihrer Lage auch Angst gehabt hätte.

Also - bei richtiger Haltung und etwas Vorsicht kann nichts passieren.

Preise und Bezugsquellen
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Ich bin ehrlich und liebe Tiere, deswegen möchte ich euch Raten, gerade Vogelspinnen nicht bei Zoohändlern zu kaufen, da diese oft Wildfänge sind, der Verkäufer keine Ahnung hat was er verkauft und/oder die Tiere in einem erbärmlichen Zustand sind und Parasiten in sich tragen könnten. Deswegen empfehle ich euch ehrer, euch in entsprechenden Foren und Anzeigenringen umzuhören. Dort bekommt ihr zwar nur sehr sehr selten ausgewachsene Tiere (wenn überhaupt, denn ein Halter/Züchter gibt gerade diese Spinne nicht so gerne ausgewachsen ab), dafür bekommt ihr aber Spiderlinge (Vogelspinnenkinder), die zum einen Gesund und Munter sind, die billiger als im Laden sind - und ihr habt immer einen Ansprechpartner wenn es Probleme gibt, denn ab und an ist guter Rat wichtig - und wo bekommt man ihn kompetenter als beim Züchter?

Die Preise für einen Theraphosa spiderling schwanken teilweise erheblich, deswegen lässt sich auch nichts genaues sagen. Spiderlinge der Theraphosa sind aber im allgemeinen etwas teurer und das hat seine Gründe. Ein Theraphosakokon beherrbergt meist nur 50 Eier und von den 50 Larven die daraus schlüpfen werden etwa die Hälfte (wenn nicht mehr) sterben - das ist halt so weil gerade diese Larven und jungtiere bis zu einer gewissen Größe sehr empfindlich sind und selbst erfahrene Züchter es nicht schaffen, alle Durchzubekommen. Aber die Spiderlinge wachsen sehr schnell - und man kann später stolz sein, ein solches Tier vorzeigen zu können.

Fazit
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In der Tat - eine einfache Spinne ist die Theraphosa blondi wirklich nicht, aber es lohnt sich, sich dieses Tier einmal genauer anzuschauen. Es ist ein wunderbares und einmaliges Gefühl, einen Spiderling dieser Spinnenart aufwachsen zu sehen (man fühlt sich fast wie ein Vati) - und es erfüllt den Halter mit Stolz eine solch außergewöhnliche Spinne aufgezogen zu haben und sie in ihrer beeindruckenden Größe bewundern zu können.
Freilich, für den Anfänger ist eine Theraphosa blondi nicht sonderlich gut geeignet, weil sie ein gesundes Maß an Fingerspitzengefühl verlangt, aber es gibt ja auch noch Spinnen, die für Anfänger besser geeignet wären. Das Aussehen der blondi ist nicht besonders (wie eine Klospinne) - das wirklich faszinierende ist ihre gewaltige Größe.
Die Haltung ist etwas kostspieliger als die bei anderen Vogelspinnen und ein Biss von ihr ist auch nicht gerade als harmlos einzustufen - trotzdem empfehle ich diese Spinne dem interessierten Halter weiter - eben weil sie so beeindruckend ist.


Bilder von Theraphosa blondi
  • Theraphosa blondi Bild 35738 tb
  • Theraphosa blondi Bild 35741 tb
  • Theraphosa blondi Bild 35743 tb
Theraphosa blondi Bild 35738 tb
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Adelina3

Adelina3

15.07.2004 18:45

Tier- Berichte lese und schreibe ich sehr gerne . Wir haben auch mal Brachypelma Arten gehabt , jetzt halte ich nur noch Reptilien , Amphibien, paar Insekten , Vögel und Dobi-Hund . Dein Bericht ist sehr interessant und informativ , Hut ab! Grüsse Adelina3

Black_Beauty1104

Black_Beauty1104

04.07.2004 20:53

Gelungener Bericht, und nachdem ich schon einige dieser Art von dir gelesen habe, würde ich dich gern fragen, warum du dir kein Kuschltier zulegst. Ich meine, so nen Hund, den kann man anfassen und frei umherlaufen lassen, aber ne Spinne oder ne Schlange lassen sich doch kaum an der Leine führen und bringen das Stöckchen... LG BB

Violinchen28

Violinchen28

03.07.2004 22:01

Dein Bericht hat mir sehr gefallen obwohl ich so gar nichts deinem Hobby abgewinnen kann. Kann mir auch vorstellen das es ein tolles Gefühl ist so ein Tier dann zu Züchten, doch ich finde immer man sollte sie nicht in Gefangenschaft halten, denn unsereins möchte auch seine Freiheit haben. Gruß Vio

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