Thirteen Days

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... In Thirteen Days treten eine Menge Kampfhunde in Uniform auf. Von Präsident Kennedy im Oktober 1962 nach ihrem Rat befragt, wie die USA auf die Entdeckung von der Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba reagieren sollen, können sie ihm folglich nur einen Ratschlag geben: ... Bericht lesen





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Tage lang hielt die Welt im Oktober 1962 den Atem
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Weltkrieg - zum Greifen nah schien. In West und
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einer politischen, diplomatischen und
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einem nuklearen Schlagabtausch zwischen den beiden
Weltmächten geführt hätte. Es waren vor allem
US-Präsident John F. Kennedy (Bruce Greenwood) und
sein Bruder Robert (Steven Culp), die im
Mittelpunkt des eskalierenden Konflikts standen.
Durch die Augen des Präsidentenberaters und
Vertrauten, Kenneth P. O'Donnell (Kevin Costner),
werden die Geschehnisse jener 13 Tage im Oktober
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- der Dritte Weltkrieg - zum Greifen nah schien.
In West und Ost verfolgten die Menschen gebannt
jeden Schritt einer politischen, diplomatischen
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zu einem nuklearen Schlagabtausch zwischen den
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allem US-Präsident John F. Kennedy (Bruce
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die im Mittelpunkt des eskalierenden Konflikts
standen. Durch die Augen des Präsidentenberaters
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1-6 von 95 Erfahrungsberichten    
> Alle 95 Thirteen Days Erfahrungsberichte anzeigen
Der kubanische Krieg findet nicht statt
Erfahrungsbericht von sp67 über Thirteen Days
30.10.2001


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Spannende Dramaturgie
Kontra: sehr unkritisch, zu viel martialische Effekthascherei

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Warnung vorweg: Der Bericht ist zwar extrem lang; auf den Film bezieht sich aber nur knapp die erste Hälfte, der Rest sind historische Hintergrundinfos.

---

Kampfhunde werden gezüchtet und abgerichtet auf Aggressivität und Angriffslust. Sie wollen kämpfen und töten, weil sie darauf konditioniert wurden, genau diese Absicht bei ihrem Gegenüber zu vermuten und ihm zuvorzukommen.

In Thirteen Days treten eine Menge Kampfhunde in Uniform auf. Von Präsident Kennedy im Oktober 1962 nach ihrem Rat befragt, wie die USA auf die Entdeckung von der Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba reagieren sollen, können sie ihm folglich nur einen Ratschlag geben: Sofort angreifen! Die Raketenstellungen durch Luftbombardements ausschalten und schnellstmöglich eine Invasion vornehmen, Castro stürzen und diese Gefahr ein für allemal aus der Welt schaffen. Daß die Sowjetunion das nicht hinnehmen wird und vermutlich mit einer Invasion West-Berlins antworten wird, daß dies wiederum die USA zum Eingreifen verpflichten und schließlich einen weltweiten Nuklearkrieg zur Folge haben wird, soweit wollen die Herren nicht denken. Auf der anderen Seite stehen die Diplomaten, die verhandeln und Tauschangebote machen wollen, kubanische Raketen gegen türkische.

Dazwischen stehen John F. Kennedy (Bruce Greenwood) mit Bruder Robert (Steven Culp) und ihrer "intellektuellen" Führungstruppe, die zwischen diesen Extremen einen Weg finden müssen, der nicht durch Schwäche oder Gewalt den Weltuntergang herbeiführt. Man leitet eine Seeblockade Kubas ein und versucht, mit Chruschtschow eine Kommunikation herzustellen, was in den Zeiten vor dem direkten Draht zwischen Kreml und Weißem Haus nicht einfach ist.

Erzählt wird der größte Teil des Films aus der Perspektive von Kenneth O'Donnell (Kevin Costner), Assistent des Präsidenten und fünffacher Vater.


Der Film ist spannend gemacht, kann aber mit seiner Rezeptur nicht überzeugen. Ich hatte den Eindruck, Donaldson konnte sich nicht klar entscheiden, ob er ein psychologisches Kammerspiel kochen wollte, ein Historiendrama, einen Kriegsfilm oder ein Oliver-Stone-Imitat, und so ist von allem ein wenig im Topf gelandet.

Die Hauptdarsteller wirken bis auf Costner zu blaß, klischeehaft, zweidimensional, und Bruce Greenwood als JFK wirkt sogar weniger überzeugend als Stephanie Romanov (Melrose Place), die immerhin eine Minute lang eine perfekte Jackie K. abgeben darf, leider nur ein Effekt, nicht weiter ausgebaut. Und ein wenig möchte ich auch daran zweifeln, ob die Stabschefs des US-Militärs wirklich die dämlichen Kommißköppe waren, als die sie hier präsentiert werden.

Im Nachhinein hatte ich den Eindruck, ein zum Hollywood-Spektakel aufgeplustertes Kammerspiel gesehen zu haben, und als reines Kammerspiel wäre die Wirkung stärker gewesen: manche Augenblicke erinnern an "Die zwölf Geschworenen", aber Thirteen Days erreicht bei weitem nicht dessen Klasse. Er hätte ihr nahekommen können, wenn da nicht die Effekthascherei der andauernden martialischen, typisch amerikanischen Militärszenen wäre - Fliegereinsätze, Konfrontationen der kampfbereiten Kriegsschiffe, der abgeschossene U2-Pilot und sein furchtbar sentimentales Telefonat mit Costner. Wenn man sich wenigstens konsequent für einen actionlastigen Militärfilm entschieden hätte, aber dafür reichte es auch nicht.

Chruschtschow, die zweite Hauptfigur des Dramas neben Kennedy bleibt für den Film unsichtbar, und das ist der richtige Ansatz - für das Kammerspiel, denn dessen zentrale Frage ist ja: Wie bekommt man mit den zur Verfügung stehenden Kommunikationsmitteln heraus, was die andere Seite vorhat - und wie macht man der anderen Seite klar, daß man selbst es sich nicht leisten kann, nachzugeben und notfalls trotz aller Friedensliebe zur "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" greifen würde? Wie findet man eine Lösung, bei der beide Seiten halbwegs das Gesicht wahren können, wenn man nicht miteinander reden und nur über verschlungene Umwege kommunizieren kann?

Wie Richard Semple in seinem Kommentar in der IMDB [2] treffend bemerkt, ist der Film "eine intelligente Studie der letzten Endes lähmenden Effekte der Macht" - zumindest, wenn man sie verantwortungsbewußt handhaben will (oder muß). Auch wer über nahezu unbegrenzte Macht zu verfügen scheint, ist an die Gesetze von Ursache und Wirkung gebunden - "Beim ersten sind wir frei, beim zweiten sind wir Knechte." Die amerikanische Redensart ist prosaischer als Goethe: "You pick up one end of the stick, you pick up the other."

Wie dicht und packend hätte dieser Film mit diesem Thema werden können, wenn die Macher sich für das Kammerspiel entschieden hätten, beschränkt auf die Debatten und Seitengespräche des Präsidenten und seines Beraterstabes?

Stattdessen wollte man beide Zielgruppen zur Kasse bitten, und so entsteht der fatale Eindruck, der Film wolle - wie so oft in Hollywood - die Geschichte nur aus nationalistischer US-Perspektive erzählen, deren Horizont an der letzten "state border" endet. Aber ich denke nicht, daß das wirklich die Absicht war: Der Film soll aus der Perspektive von Kennedys Beraterstab erzählen (was eben im Kammerspiel plausibel wäre), bekommt aber von den Top-Gun-gestylten Navy- und Air-Force-Werbespots Schlagseite und dümpelt nun zwischen den Stühlen herum. Das Motiv der Kommunikationsversuche via militärischer Aktionen wird erst viel zu spät richtig eingeführt, und man möchte höchstens noch spekulieren, wie das Tauschangebot "eure Raketen auf Kuba gegen unsere in der Türkei" von Freud interpretiert worden wäre.

Das ist schade, denn trotz alledem erzielt der Film eine fesselnde Wirkung, da er die altbekannten Mittel der Dramatisierung historischer Vorgänge durch Projektion auf Einzelschicksale souverän handhabt. Costner als Kassenmagnet spielt als O'Donnell den kleinen Jungen, dem allmählich klar wird, mit welchen Streichhölzern er als Assistent des Präsidenten spielt, und aus dem die dreizehn Tage einen anderen Menschen machen. Zu Beginn des Films schäkert er mit Jackie, klaut dem im Pyjama frühstückenden JFK den Toast vom Teller, brüllt politische Marionetten am Telefon an und setzt die Entscheidungen seiner Idole, der Kennedy-Brüder, rücksichtslos ("Wir sind doch keine Pfadfinder") in die Tat um. Am Ende begreift er, daß er und alle anderen trotz seiner harten Macherpose letztlich auf Gedeih und Verderb dem Gespür der Kennedys und einer Menge Zufälle ausgeliefert waren, und seine Kinder sehen am Frühstückstisch etwas noch nie dagewesenes, das sie gar nicht begreifen können: einen weinenden Vater - unerhört für die sechziger Jahre. In der Schlußszene zögert er, sich den Kennedys so selbstverständlich wie früher anzuschließen und sieht sie in dem verklärten Licht, in dem Amerika sie seit dem 22. November 1963 erstrahlen läßt, bevor der Film in Schwarz-weiß überblendet und damit wieder die Patina der alten Wochenschaubilder über das Geschehen legt.

Gut gemacht ist das, nur: Wo führt es hin? Brauchen die Kennedy-Brüder wirklich noch mehr Kerzen auf dem Altar? Da der Film auch auf Robert Kennedys Buch über die Krise beruht, ist klar, daß eine Kritik an den Kennedy-Brüdern hier nicht zu erwarten war, vielmehr wird wieder einmal nur ihr Mythos unterstrichen, an dem Kritik zu üben in Amerika auch heute noch Hochverrat zu sein scheint.

Geschichtsunterricht und das vielbeschworene "Wie es damals wirklich war" sollte man weder von der Kunst noch vom Kunsthandwerk jemals erwarten. Für Hollywood ist Geschichte immer nur Stofflieferant, und wer das im Kino vergißt, riskiert eine Gehirnwäsche.

Kennedy war sicherlich der charismatischste Präsident, den die USA im 20. Jahrhundert hatten, und zweifelsohne hat seine Präsidentschaft vieles in die Wege geleitet, was ihn lange überdauert hat. Aber auch wenn man die Wirkung seines Auftretens und die Kürze seiner Amtszeit in Rechnung stellt: Seine konkreten Leistungen bleiben klar hinter denen eines Franklin D. Roosevelt, ja, sogar hinter denen eines Richard Nixon zurück. Vermutlich hat Oliver Stones Nixon recht, wenn er in der Nacht seines Rücktritts das Phänomen Kennedy mit der überdimensionierten Projektionsfläche erklärt, die dieser den Menschen geboten hat: "Wenn sie Dich ansehen, sehen sie, was sie sein wollen. Wenn sie mich ansehen, sehen sie, was sie sind."

Das alle überragende Genie JFKs und seiner Administration, seinerzeit mit König Artus und den Rittern der Tafelrunde verglichen, die Amerika beinahe in das goldene Zeitalter geführt hätten - eine bedenkliche Sichtweise, deren antidemokratische Tendenzen Mario Puzo in seinem Roman "The Fourth K" wunderbar entlarvt hat.

Interessant ist vor diesem Hintergrund auch, wie selbstverständlich im Film gezeigt wird, daß die Regierungsvertreter (Vertreter nicht etwa der Nixon-, sondern der Kennedy-Administration, den Abgöttern des liberalen Amerika!) Druck auf die Presse ausüben, um die Weitergabe von Informationen zu unterbinden - natürlich nur zum Schutz der Öffentlichkeit vor sich selbst. Das kennt man sonst eher aus Die-Hard-ähnlichen Actionfilmen, in denen der sensationsgeile Reporter den Helden oder die armen Geiseln gefährdet und dafür eine auf's Schandmaul bekommt. In den USA gehört diese Tätigkeit allerdings schon seit Kennedys Zeiten zum Aufgabenbereich der "Spin-Doctors", die spätestens seit 1998 auch in der alten Welt Einzug gehalten haben [1].

Letzten Endes will der Film aus den Kennedy-Brüdern die Retter vor dem Weltuntergang machen, dabei zeigt er in Wirklichkeit, daß die beiden selbst am Ende ihrer Weisheit waren und am großen Knall nur haarscharf vorbeigeschlittert sind, weil der Fahrer des anderen Wagens doch noch die Bremse gefunden hat. Da wird wieder einmal die Sehnsucht nach dem großen, weisen, guten, starken Mann genährt, und wenn man genau hinschaut, sieht man, daß auch dieser Kaiser nackt ist.

Fazit: ein spannendes Stück Unterhaltung und gut gemachtes Szenario einer Entscheidungsfindung unter Dauerstreß, leider unter Wert verkauft. Und wer wissen will, wie diese Geschichte mit etwas weniger glücklichen Akteuren verlaufen wäre, der sehe "Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben"...


Am 9.April 2001 fand in Havannas Charles-Chaplin-Kino eine Aufführung von Thirteen Days statt - im Beisein von Kevin Costner und Fidel Castro.

--

[1] Dr. Frank Esser, Carsten Reinemann: "Beeinflussung der Journalisten - Nicht mal Zeit zum Niesen" in Message, 2/1999

[2] http://german.imdb.com

Erstveröffentlichung 26.4.01 auf dooyoo.

USA 2000, Regie: Roger Donaldson; Darsteller: Kevin Costner, Bruce Greenwood, Steven Culp, Michael Fairman; Drehbuch: David Self


---

"Damals in den Ardennen..."

Eine persönliche Nachbemerkung, da hier irgendwo zu lesen war, der Film gehe einem auf die Nerven mit seinem dauernden "sonst geht die Welt unter".

Ich weiß nicht, ob jemand, der nach, sagen wir: 1975 geboren ist, an den "kalten" Krieg noch eigene Erinnerungen hat. Meine grundgesetzlich legitimierte, fünfzehnmonatige Freiheitsberaubung fand 1986/87 statt, als Michail Gorbatschow vielen im Westen noch eine unbekannte Größe war, seine Maßnahmen als reine Propaganda abgetan wurden und das Ende des Warschauer Paktes und der Fall der Berliner Mauer noch reine Phantasie waren. An irgendeinem Nachmittag, ich glaube im Frühjahr '87, hörten wir im Radio die Meldung, daß eine bundesdeutsche Fregatte während einer Manöverbeobachtung in der Ostsee von einem polnischen Schiff versehentlich mit scharfer Munition beschossen worden sein sollte. Am nächsten Morgen wurden wir um drei Uhr mit NATO-Alarm geweckt, Waffen wurden ausgegeben und wir auf unsere Dienststellen geschickt. Ein paar Stunden später wurde der Alarm genauso ohne weitere Erklärung beendet, wie er ausgegeben worden war. Ich weiß bis heute nicht, welchen Unsinn und Zweck diese Aktion haben sollte, aber es war kein angenehmer Tag. Vielleicht geht mir der Film deshalb mehr unter die Haut, als ich es ihm vielleicht erlauben sollte. In Billy Joels "Leningrad" gibt es zur Kubakrise die Zeilen

And in that bright October sun
We knew our childhood days were gone
And I watched my friends go off to war -
What do they keep on fighting for?

---

Wen es interessiert: ein wenig zeitgeschichtlicher Hintergrund, der für das Verständnis des Films und seiner Details und Personen vielleicht hilfreich ist.

Die USA folgten 1962 noch ganz dem von George F. Kennan 1946 entworfenen Konzept des containment, der Eindämmung der Ausbreitung des Kommunismus durch politischen Druck und Demonstration von Stärke. Ab 1950 trat dabei die Rolle der militärischen Aufrüstung in den Vordergrund, und um die Kosten der konventionellen Rüstung zu verringern, setzte Präsident Dwight D. Eisenhower in den fünfziger Jahren auf das Prinzip der massive retaliation: einen eventuellen sowjetischen Angriff sofort mit massivem Einsatz von Nuklearwaffen zu vergelten. Der "Sputnikschock" erschütterte 1957 den Glauben an die technologische Überlegenheit der USA, es entstand der Begriff des "nuklearen Patts" und im Wahlkampf 1960 sprach Kennedy wiederholt von einer missile gap, einer "Raketenlücke". Der Begriff setzte sich im öffentlichen Bewußtsein fest, obwohl die Luftaufklärung durch U2-Spionageflugzeuge ergeben hatte, daß von sowjetischer Überlegenheit keine Rede sein konnte.

Im Mai 1960 wurde der U2-Pilot Francis Gary Powers von den Sowjets abgeschossen und gefangengenommen - laut sowjetischer Darstellung über Swerdlowsk (Jekaterinburg im Mittleren Ural) während eines Aufklärungsfluges, der von Pakistan bis nach Norwegen hätte führen sollen. Partei- und Regierungschef Nikita S. Chruschtschow bezeichnete den Flug als aggressiven Akt der USA, verlangte eine Entschuldigung, die Einstellung dieser Flüge sowie die Bestrafung der Verantwortlichen. Die USA stritten zunächst ab, für einen solchen Flug jemals eine Genehmigung erteilt zu haben; später gab Eisenhower zu, daß solche Aufklärungsflüge seit 1955 auf seine Anweisung hin durchgeführt worden waren, verweigerte aber eine Entschuldigung, woraufhin Chruschtschow die damalige Pariser Gipfelkonferenz abbrach.

Von den puritanischen Einflüssen im amerikanischen Denken war die Konfrontation mit dem sowjetischen Kommunismus zum apokalyptischen Kampf zwischen Gut und Böse hochstilisiert worden: Demokratie, Freiheit und Menschenrechte gegen totalitäre Herrschaft und Unterdrückung. In den Schablonen dieses Schwarz-Weiß-Denkens wurde selbst der Neutralismus der blockfreien Staaten als Begünstigung der UdSSR ausgelegt; entsprechend war die Reaktion auf die 1959 in Kuba erfolgte Machtübernahme Fidel Castros, der sich unter ständigen Schimpftiraden über den amerikanischen "Imperialismus" an die Sowjetunion annäherte und seine Diktatur an deren Vorbild ausrichtete. Nachdem die Eisenhower-Regierung 1960 den bis heute andauernden Wirtschaftsboykott Kubas einleitete, beschleunigte Castro die Verstaatlichung amerikanischen Eigentums.

Am 17. März 1960 wies Eisenhower die CIA an, eine paramilitärische Streitmacht aus Exilkubanern aufzubauen, die Castro stürzen sollte. In Guatemala wurden daraufhin 1200 Contras vom CIA für eine Landung auf Kuba ausgebildet. Der gerade erst in sein Amt eingeführte Präsident John F. Kennedy stimmte 1961 dieser Aktion zu, nachdem CIA-Chef Allen Dulles ihm versichert hatte, daß ein massiver Zustrom von kubanischen Widerstandskämpfern zu einer landesweiten Erhebung führen und Castro stürzen würde; andernfalls könnten die Landungstruppen zumindest in die Escambray-Berge flüchten und sich dort der Gegenguerilla anschließen. Außerdem verwies Dulles auf das disposal problem: niemand wußte, was man mit den fanatisierten und kampfwilligen Exilkubanern sonst hätte anfangen sollen. Zwar sprachen sich Senator William Fulbright und die Kennedy-Berater Arthur Schlesinger und Richard Goodwin gegen die Aktion aus, aber Kennedy gab seine Einwilligung und im April 1961 endete das Unternehmen in der Schweinebucht mit einer Katastrophe. Castros Miliz nahm alle gelandeten Contras der "Brigade 2506", die nicht getötet wurden, gefangen. Da Kennedy einem zweiten Luftangriff auf kubanische Flughäfen nicht zugestimmt hatte, weil man diesen vor der Weltöffentlichkeit nicht mehr als rein exilkubanische Aktion hätte darstellen können, warfen Generalstab und CIA ihm Führungsschwäche vor. Kennedy übernahm öffentlich die Verantwortung für das Scheitern der Aktion und strukturierte anschließend die Führungsspitze dergestalt um, daß wesentliche Entscheidungsbefugnisse auf die Mitglieder seines engsten Beraterzirkels übergingen. Castro war durch die Aktion in seiner Anlehnung an die Sowjetunion bestärkt worden.

Nach diesem Fiasko sah die Öffentlichkeit die entscheidende Bewährungsprobe für Kennedy in seiner Begegnung mit Chruschtschow im Juni 1961 in Wien. Chruschtschow, der die westlichen Alliierten aus Berlin hinausdrängen wollte, sah in Kennedy einen schwachen Präsidenten und drohte (zum zweiten Mal seit 1958) damit, einen separaten Friedensvertrag mit der DDR abzuschließen, um diese in die Lage zu versetzen, selber ihre Hoheitsrechte auszuüben und über den Status West-Berlins zu bestimmen. Als Kennedy das Ultimatum ablehnte und unnachgiebig klarstellte, daß die USA ihre Präsenz in West-Berlin nicht aufgeben würden, drohte Chruschtschow damit, daß nach Abschluß des Vertrages eine Verletzung der DDR-Grenzen - also auch alle amerikanischen Truppenbewegungen von und nach West-Berlin - unweigerlich zu einem Krieg zwischen den Supermächten führen würde. Da Kennedy angesichts dieser Perspektive zunächst niedergeschlagen war und "grimmige" Gespräche mit Journalisten führte, enstand die Legende, Chruschtschow habe ihn angeschnauzt, traumatisiert und in Panik versetzt, was in entsprechenden Kreisen das Bild vom schwachen Präsidenten verstärkte. Hingegen hatten beide - der Darstellung von Kennedys Berater Theodore Sorensen zufolge - einander nur auf Schwächen geprüft und keine gefunden. [3] Es war die einzige persönliche Begegnung der beiden Staatschefs.

Während in Washington die Hardliner um Dean G. Acheson, den ehemaligen Außenminister Trumans, auf Chruschtschows Drohung mit Notstand und Mobilmachung reagierten, um so die tatsächliche Bereitschaft zur Kriegsführung zu signalisieren, wurden von der Gruppe um Adlai Stevenson am anderen Ende des politischen Spektrums Verhandlungen vorgeschlagen, für die das Außenministerium unter Dean Rusk aber kein überzeugendes Konzept vorlegen konnte. Kennedy fand seine Position in der Mitte und gab in seiner Rede zur Lage der Nation am 25. Juli 1961 zwar militärische Maßnahmen bekannt, welche die Absicht unterstrichen, in Berlin zu bleiben, signalisierte aber auch die Bereitschaft, nach friedlichen Lösungen für den Konflikt zu suchen, und das liest sich wie aus dem Programmheft für Thirteen Days: "Wir wollen nicht, daß militärische Erwägungen das Denken sowohl des Ostens wie des Westens dominieren. Im thermonuklearen Zeitalter kann ein falscher Schluß auf einer der beiden Seiten über die Absichten des anderen in wenigen Stunden mehr Vernichtung bewirken, als es in allen Kriegen der menschlichen Geschichte bisher geschehen ist." [3]

Chruschtschow signalisierte nach anfänglicher Polemik ebenfalls Verhandlungsbereitschaft, aber die Berlinkrise fand ihren Höhepunkt vorher durch den Mauerbau. Während diese im wortwörtlichen Sinne Zementierung der Teilung in Deutschland einen Schock und anschließende Ernüchterung bewirkte und die Kennedys sich schon am Rande eines Krieges wähnten, bewirkte die Abriegelung des Fluchtstroms in den Westen tatsächlich eine Stabilisierung der Lage und die UdSSR zog das Ultimatum zurück.

Die Kriegsdrohung Chruschtschows war eine unfreiwillige Hilfe für den Ansatz der Kennedy-Administration, die amerikanische Strategie der massive retaliation umzuwandeln in die der flexible response, der flexiblen Erwiderung, an deren Ende nach wie vor die Abschreckung durch Nuklearwaffen stand, die aber vorher ein Konzept abgestufter Maßnahmen der konventionellen Streitkräfte vorsah, denn seitdem die UdSSR nuklear nachgerüstet hatte und die USA als Atommacht nicht mehr alleine dastanden, war die primitive Drohung mit massiver nuklearer Vergeltung zunehmend unglaubwürdig und damit zu einer politischen Behinderung geworden, wie die Berlinkrise klar zeigte.

Das gleiche Schema schien sich zu wiederholen, als die Sowjetunion im September 1962 die USA warnte, jede militärische Aktion gegen Kuba würde zu einem Atomkrieg führen. Am 14. Oktober ergaben U2-Flüge, daß sowjetische Soldaten auf Kuba atomare Mittelstreckenraketen installierte. Am 22. Oktober informierte Kennedy die Öffentlichkeit und drohte ebenfalls mit dem Einsatz von Atomwaffen, falls die Raketen nicht abgezogen würden. Gewarnt durch das Schweinebucht-Debakel setzte er diesmal ein Beratergremium ein, in dem alle Handlungsalternativen offen angesprochen und durchdiskutiert werden sollten. Neben den Außenminister Dean Rusk, Verteidigungsminister Robert McNamara, den Stabsmitgliedern Army-General Taylor und Air-Force-General Curtis LeMay gehörten Stevenson, Sorensen, Acheson, McGeorge Bundy, Robert Lowell, General Walter Sweeney, der Chef des Strategischen Luftkommandos SAC, und Robert Kennedy dazu.

Die für Kennedy plausibelste Hypothese über Chruschtschows Motive für diese riskante Kraftprobe bestand in der Annahme, daß die Hardliner in Moskau die Amerikaner für zu dekadent, zu reich und zu liberal hielten, um sich tatsächlich auf einen Krieg einzulassen. Ließ man Chruschtschow gewähren, so konnte er die Berlinfrage wieder aufwärmen und dabei die Mittelstreckenraketen im "Vorgarten" der USA als Druckmittel benutzen.

Kennedys militärische Optionen waren: ein Luftangriff gegen die Raketenbasen, die Invasion Kubas und die Seeblockade. Weil die beiden ersten Alternativen die Kriegsgefahr noch verschärft hätten, entschied Kennedy sich für die dritte, welche euphemistisch als "Quarantäne" bezeichnet wurde und am 24. Oktober in Kraft trat. Eine Seeblockade war ein kriegerischer Akt, die "Quarantäne" hingegen konnte vor der OAS und der UNO vertreten werden, da man sie auf sowjetische Schiffe beschränkte, die weitere Offensivwaffen nach Kuba transportierten.

Nach einem geheimen Briefwechsel mit Kennedy ließ Chruschtschow am 28. Oktober die sowjetischen Schiffe abdrehen und ordnete die Demontage der Raketenbasen an. Im Frühjahr 1963 ließ Kennedy die amerikanischen Raketen aus der Türkei abziehen, die den Süden Rußlands bedroht hatten. Offiziell beendet wurde die "Kubakrise" im Januar 63 durch eine gemeinsame Note der beiden Staaten an den UNO-Generalsekretär U Thant.

Als Folge der Krise wurde 1963 der "heiße Draht" als direkte Fernschreibverbindung zwischen dem US-Präsidenten und dem Staats- und Parteichef
der Sowjetunion eingeführt. Außerdem wurde als erste Rüstungskontrollmaßnahme zwischen USA und UdSSR das partielle Atomteststoppabkommen noch unter Kennedy in Kraft gesetzt.

Wie Kennedys Geschichte endete, ist zur Genüge bekannt. Chruschtschow, in seiner Position durch das Fehlschlagen des Kuba-Abenteuers geschwächt, wurde schließlich 1964 vom Zentralkomitee der KPdSU abgesetzt (in der "Geschichte der KPdSU" heißt das "auf eigenen Wunsch von seinen Pflichten entbunden") und fortan als Unperson behandelt, er starb 1971 in Moskau. Daß die persönlichen Beziehungen zwischen Kennedy und Chruschtschow weniger eisig waren als der politische Konkurrenzkampf es vermuten ließe, deutet Borch unter Verweis auf den Tonfall des Briefes an, den Jackie Kennedy nach der Ermordung ihres Mannes an Chruschtschow schrieb [3].

Castro selbst hatte angeblich die Raketen gar nicht gewollt und war von Chruschtschow überredet worden, ihrer Stationierung zuzustimmen. Er äußerte sich zwölf Jahre danach einem US-Journalisten gegenüber über Kennedy: "Er war einer der wenigen, die den Mut hatten, eine einmal gefällte Grundsatzentscheidung erneut infrage zu stellen und nötigenfalls zu revidieren. Wir hätten es lieber gesehen, wenn er länger im Amt geblieben wäre." [6]

----

Quellen:
[3] Herbert v. Borch: "John F. Kennedy - Amerikas unerfüllte Hoffnung", München 1986, Serie Piper 5203
[4] Jürgen Heideking: "Ost-West-Konflikt: Die politischen Konzepte der USA" (im Brockhaus premium 2001)
[5] Encyclopedia Britannica online [http://www.britannica.com] (U-2 affair; Cold War; Strategy in the nuclear age; Looking Down from on High; Kevin Costner in Cuba to Screen 'Thirteen Days'; Who's Who in Thirteen Days)
[6] Arthur Schlesinger jr.: "Schweinebucht, revisited"; Die Welt 21.4.2001
[7] Kumpanei auf Cuba, SZ vom 14.4.2001


Erstveröffentlichung 26.4.01 auf dooyoo.
   
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