Thirteen Days

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Oh Gott, fast wäre ich nur 5 geworden!

5  11.04.2001

Pro:
spannend, ergreifend und ein wichtiges Zeitdokument

Kontra:
4 - 5 mal tauchen Mikrofone am oberen Bildrand auf  -  ätzend !

Empfehlenswert: Ja 

JuergenP

Über sich: Alles was ich weiß, weiß ich von einem andern und alles was ich schreib, schreib ich für einen ander...

Mitglied seit:26.04.2000

Erfahrungsberichte:34

Vertrauende:86

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 66 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ciao Kinofans, "Sie haben keine Ahnung, wie nah das Ende wirklich war." Hmmm, was weiss ich eigentlich über die Kubakrise? Zu wenig offenbar, um mich von diesem Plakat angeödet, abzuwenden und in einen anderen Film zu gehen. Warum also nicht einmal etwas "Bildungskino"?

Karte gekauft, Werbung ertragen, der Film fängt an.
Minutenlang detoniert eine Atombombe nach der anderen, Pilz an Pilz. Ja, bin ich im falschen Film, sitz ich hier in einem Remake von The Day After, oder was??? Dieses "was-wäre-wenn-Szenario gleich zu Anfang gefiel mir, und gefällt mir bis heute, überhaupt nicht. Ich fing schon gerade an zu bedauern nicht doch in einen anderen Film gegangen zu sein, als ich, von Minute zu Minute mehr und mehr, in den Bann der Erreignisse der damaligen Zeit gerissen wurde...

Zum Film:

Wir schreiben den 16.Oktober 1962,

Der erste Tag:

Aufklärungsflugzeuge der CIA entdecken mindestens 32 sovietische Raketenstellungen auf Kuba. JFK ruft einen Krisenstab ins Leben. Das Militär fordert einen sofortigen Luftwaffenangriff und anschliessende Invasion Kubas.
Fakt: Es bleiben 13 Tage bis die Raketen der Sovjets scharf sind. 13 Tage um die Krise auf diplomatischem Wege zu lösen. Danach hätte die USA keine Alternative, als die Invasion.

zweiter Tag:

Robert Kennedy sucht im Krisenstab nach Alternativen, während Bruder JFK Amtgeschäften in Conneticut nachgeht um die Krise geheim zu halten.
Verteidigungssekretär McNamara hat die Idee einer Seeblockade, denn weitere Raketen und nukleare Sprengköpfe können nur über den Seeweg nach Kuba gelangen.

dritter Tag:

Das Militär drängt. Gromyko ist auf Staatsbesuch in den USA. Vor laufenden Kameras fragt ihn JFK, ob Raketen auf Kuba stationiert werden. Er verneint. Jetzt ahnen die Sovjets, dass die USA bescheid weiss.

vierter Tag:

CIA-Chef McClone schlägt sich auf die Seite des Militärs, der Druck auf JFK wird stärker. UN-Botschafter Stevenson macht den Vorschlag Truppen und Raketenstellungen der USA aus der Türkei abzuziehen, wenn die Sovjets ihre Raketen aus Kuba entfernen. Kennedy will am 22.Oktober vor dem Volk eine Erklärung abgeben.

fünfter Tag:

JFK kommt aus Conneticut zurück und ordnet die Seeblockade gegen Kuba an. Die Unruhe im Volk wird grösser.

sechster Tag:

alle Raketenstützpunkte auf Kuba sind ausgemacht. JFK beugt sich dem Druck des Militärs und ordnet Mobilmachung an.

siebter Tag:

Kenndy hält seine Rede im Fernehen. Öffentlich stellt er die Sovjets vor ein Ultimatum. Er WIRD Kuba invasieren, wenn die Raketen nicht in 6 Tagen abgezogen werden.

achter Tag:

Russland verkündet die Seeblockade zu missachten.
Hinter Kennedys Rücken fliegt das Miltär Aufklärungstiefflüge über Kuba. Sollten sie beschossen werden, würde General LeMay dies JFK als kriegerischen Akt unterbreiten und somit ein Einlenken zur Invasion erzwingen. O´Donnell, Kennedys Berater (Costner) beschwört daraufhin den Luftwaffenkommandeur keine Aggressionen seitens der Sowjets zu melden, egal was auch passieren würde.
Die Aufklärer werden beschossen, doch Kommandeur Ecker meldet: keine besonderen Vorkommnisse.

neunter Tag:

Keines der Schiffe, die auf Kuba zusteuern macht Anstalten sich aufhalten zu lassen. Als JFK anordnet das erste Schiff zu torpedieren, drehen plötzlich alle Schiffe bei. Alle bis sechs...
Hinter Kenndeys Rücken ordnet das Militär schärfere Massnahmen an. JFK ist ausser sich.

zehnter Tag:

vor den Augen aller Welt auf der Sitzung der UNO zeigt Stevenson dem Abgesandten der Sowjets Aufklärungsfotos von Kuba. Es gelingt ihm, dass sich der Sowjet in arge Widersprüche verwickelt.
Aufgrund dieser moralischen Niederlage lässt Chruschtschow Kennedy zukommen, dass er bereit sei die Raketen aus Kuba abzuziehen, wenn er verspricht Castro nicht zu stürzen.

elfter Tag:

Als das erste Schiff der Sowjets die Seelockade durchbricht, ordnet das Miltär Warnschüsse an. McNamara rastet aus und befielt nur noch auf direkten Befehl des Präsidenten zu schiessen.
Unterdessen rätselt man fieberhaft, ob das Angebot der Russen aufrichtig, oder eine Falle ist. Die Lager sind gespalten.

zwölfter Tag:

JFK gibt dem Kreml noch 48 Stunden, da ziehen die Sowjets ihr Angebot zurück. Verzweiflung macht sich breit. Ist Chruschtschow etwa entmachtet worden? Der dritte Weltkrieg scheint unausweichlich...

dreizehnter Tag:

den möchte ich euch verschweigen, denn wer den Film noch nicht gesehen hat, soll ja trotz meiner Angaben (die ich übrigens nachgelesen habe, denn so exakre Inhaltsangaben bringe ich nach einmal Kino nicht zu Wege. Ich hoffe ihr toleriert das) noch Lust haben sich diesen superspannenden Film selbst anzuschauen.

Meine persönliche Meinung:

Dieser dialoglastige Film ist spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Das ist nicht so selbstverständlich, wie man meint. Jeder weiss, dass es keinen 3. Weltkrieg gegeben hat, jeder weiss die ganze Zeit über: egal, es geht ja gut aus. Aus dieser Perspektive bertrachtet kann ich ich vor den Dramaturgen dieses Films nur den Hut ziehen.

Der Film wird natürlich nur aus der Warte der USA gezeigt und wie üblich, typisch amerikanisch, hochpathetisch und dem Heldenmythos JFK noch mächtig eins draufgesetzend. Doch selbst wenn nur die Hälfte der gezeigten (nicht nachweisbaren) Einzelheiten stimmt, so wird doch deutlich, was für ein grandioser Staatsmann dieser JFK doch war. Da war ja auch noch Vietnam. Alles auf den Schultern eines Mannes. Und letztlich hat er alles gemeistert. Was hätte er wohl noch alles zu Wege gebracht, wäre er nicht 13 Jahre später so brutal abserviert worden.

Obwohl alle Darsteller ihre Rolle gut und überzeugend rüberbringen, kann ich nicht behaupten irgendjemand sei über sich hinaus gewachsen, oder hätte einen Oskar für den besten Darsteller verdient. Wer schwülstige Romantik, oder Actionszenen erwartet, ist in diesem Film auch falsch abgemalt. Es sind einfach die Ereignisse jener 13 Tage, die einen fesseln. Um so fesselnder sind sie, da es 13 Tage aus unserer Geschichte sind.

Ich möchte JEDEM diesen Film ans Herz legen. Und zwar nur aus einem Grund: Er zeigt einen der wichtigsten Abschnitte der Menschheitsgeschichte. Es ist nicht der Film an sich, es ist das Thema, das ihn so sehenswert macht.

Man kann ungeheuer viel aus diesem Film mitnehmen! Er eignet sich hervorragend zur Relativierung seiner globalen Gesinnung. Wenn man sieht, wie nah man am 3. Weltkrieg, der mit Sicherheit ein Atomkrieg geworden wäre, stand, sieht man plötzlich den Kinoausgang und die Strasse, auf die man dann tritt ganz anders. Es hilft auch Politker, auf die man ja mit wachsender Begeisterung eindrischt, heutzutage, einmal anders zu sehen. Was für eine gewaltige Verantwortung die doch haben. Und bis jetzt haben sie doch auch alles richtig gemacht, zumindest was einen erneuten Weltkrieg betrifft, oder?

Jedem wird wohl nach dem Film kurz der Gedanke durch den Kopf gehen, wie schnell soetwas wieder geschehen kann. Es kann schon morgen wieder passieren, dass wir noch 13 Tage haben. Dann werden es unsere Politiker sein, die diese Krise lösen müssen. Was, wenn wir dann keinen JFK haben? Hmmm? Ihr Nichtwähler?


Beim Verlassen des Kinos fällt mein Blick noch einmal auf das Plakat mit den drei nachdenklich dreiblickenden Gesichtern. Ich weiss ja nicht wie es euch so ging, oder gehen wird, bei mir jedenfalls war es Dankbarkeit, die ich empfand.
Danke John, Danke Robert, Danke Kenny, Danke Kommander Ecker, Danke an den Regierungsschreiber, der es nicht über´s Herz brachte die Kriegserklärung zu schreiben, Danke an all die, die damals einen kühlen Kopf bewahrt haben und auch Danke an die namentlich nicht genannten Sovjets, die ebenfalls verhinderten, dass es einen 3. Weltkrieg gab.
Euch habe ich es zu verdanken, dass ich am 29.Oktober 1962 morgens fröhlich aus dem Bett gekrabbelt bin.

Dann lese ich den Satz unter den Gesichtern noch mal.
"Sie haben keine Ahnung, wie nahe das Ende wirklich war."
Mit diesem Satz wird man wohl nicht nur ins Kino gelockt, viel mehr wird man mit ihm entlassen.

Viel Spass Jürgen
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Catblue22

Catblue22

12.10.2004 19:48

Ich glaube, heute hätten wir noch nicht einmal mehr 13 Tage Zeit...Ein Gedanke, der erschreckt, aber auch bewusst macht, dass Frieden nicht selbstverständlich ist.

Destany

Destany

07.01.2003 18:09

lieber jürgen! sicherlich ein interessanter streifen zu einem brisanten thema. zur zeit habe ich leider zuviele "filme für den kopf", die ich mir noch ansehen möchte. später werde ich mich diesem widmen. liebe grüsse, desty ps: jürgen...manchmal schriebst du "soviets" und manchmal "sowjets" (die letztere variante ist die richtige *smile*)

jens_01

jens_01

08.03.2002 22:00

Durchaus glaubwürdig gespielt. Und Kevon mag ich ja irgendwie eh...

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  1. MrKritik

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