Gelebte Geschichte
15.04.2001
Pro:
siehe Meinung
Kontra:
siehe Meinung
Empfehlenswert:
Ja
 Troopa
Über sich:
Mitglied seit:25.11.2000
Erfahrungsberichte:13
Vertrauende:15
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 66 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Kevin Costner hat sich in seiner Karriere auf Liebesfilme und Politthriller spezialisiert. Mit "Thirteen Days" versorgt er wieder das zweitere Genre mit einem der wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts und man verdeutlicht, wie knapp wir in den 60er Jahren an einem Atomkrieg vorbeigeschrammt sind.... Worum geht's`?
13. Tage haben im Oktober 1962 entschieden, ob die Erde einem 3. Weltkrieg zum Opfer fallen würde. Die Russen unter Nikita Cruschtschow ließen in Cuba Raketenabschussbasen installieren, welche mit Atomsprengköpfen ausgerüstet und auf Amerika gerichtet waren. Als sich die Sowjets noch in Sicherheit wiegen, haben die Amerikaner die Basen längst ausfindig gemacht und beraten über die nächsten Schritte. Einzig Präsident John F. Kennedy steht zwischen den Stabchefs und Vergeltungsangriffe gegen Cuba, was bei den meisten seiner Untergebenen als ungeheure Schwäche attestiert wird. Erstschlag, Invasion oder Quarantäne: Kennedy musste entscheiden, und er hat die richtige Wahl getroffen. Seiner Hinhaltetaktik ist es zu vedanken, dass wir nicht heute noch an den Nachwehen eines Atomkrieges leiden müssen.... Ich meine:
"Thirteen Days" möchte ich nicht nach dem selben Maßstab bewerten, welchen ich bei anderen Filmen anlege, denn dafür ist dieser Streifen viel zu wertvoll. Mag es doch einige Längen und Schönheitsfehler gegeben haben, so kann man gelebte Geschichte fast nicht eindrucksvoller für ein Massenpublikum auf die Leinwand bannen. Er ist keinesfalls auf Effekthascherei aus, versucht den damaligen Ereignissen gerecht zu werden und zeigt, wie knapp wir 1962 einem Atomkrieg entkommen sind. Natürlich ist der Film durch die amerikanische Brille gedreht und deshalb kann man natürlich nicht auf die reine Wahrheit hoffen, aber ich denke schon, dass diese Version des Films ziemlich nahe dran ist.... Der Film zeigt den Stellenwert von John F. Kennedy in der Geschichte und vermittelt auch heutigen Jugendlichen, dass es nicht Kennedys größter Verdienst war, eine Affäre mit Marilyn Monroe gehabt zu haben. Anhand der Umstände und der Meute an Stabschefs, welche alle auf einen Krieg gesetzt haben, nur um ihn zu stürzen, ist seine Leistung gar nicht hoch genug einzuschätzen. Nur: Die Geschichte gibt ihm zwar recht, aber wie würden wir heute über Kennedy sprechen, wenn seine Taktik genau die falsche gewesen und eine Invasion Cubas doch die richtige Entscheidung gewesen wäre. Plausibel wäre sie gewesen und ich traue mir nicht zu anzumaßen, dass ich genau so wie JFK reagiert hätte. Das können glaube ich nur die Wenigsten.
Geschichtlich stellt sich natürlich die Frage, was Cruschtschow jetzt genau mit den Raketenabschussbasen bezwecken wollte. Das Ziel war ja einleuchtend (eine Machtdemonstration vor den Toren der freien Welt und als Antwort auf amerikanische Abschussbasen nahe der Sowjetunion), aber hat er alles Ernstes geglaubt, Amerika würde sich das gefallen lassen? Interessant wäre es schon, wenn man irgendwann einmal (wenn Russland dazu bereit ist), diese Affäre von russischer Seite aus verfilmt zu sehen. Nochmal kurz zurück zum Film: Viel Action bekommt man nicht zu sehen und rund zweidrittel des Films spielt sich in Verhandlungssälen ab, aber ich glaube schon, dass auch diese Herangehensweise sehr gut und beklemmend den Ernst der Lage deutlich gemacht hat. Noch dazu führen Kevin Costner, Bruce Greenwood und Steven Culp schauspielerische Höchstleistungen an, die zwar vielleicht beim Mainstreampublikum nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen werden, aber doch ein recht gutes Mittel zum Zweck dieser Quasi-Dokumentation sind. Einige Szenen des Films sind in schwarz-weiß gehalten: Den dramaturgischen Sinn verstehe ich dabei zwar nicht ganz, aber auch dies trägt wesentlich zur Atmosphäre bei.
"Thirteen Days" gehört an den Schulen in den Geschichtsunterricht, damit unserer Jugend vor Augen geführt werden kann, wie leicht es durch einige Missverständnisse und Sturköpfe zu einer Katstrophe kommen kann. Fazit: "Thirteen Days" ist gelebte Geschichte, die nicht nur für Amerikaner interessant ist und sich alle ansehen sollten, die mehr über die Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg erfahren wollen.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Verwandte Tags für Thirteen Days
|
|
20.05.2001 13:02
Hi Troopa... das Resümee, das Du zu diesem Film findest, macht mich ziemlich nachdenklich... Grüße vom Kai (Loverman).
15.04.2001 01:28
Ein bischen mehr zum Regisseur hätte mich noch interessiert. Ansonsten O.K.. Gruß, Marcos.
15.04.2001 01:12
Hi, klasse Bericht, zu einem klasse Film. Wenn du mal Zeit und Lust hast, kannst du ja mal bei mir rein schauen. Gruß Shafeeq