Thirteen Days

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Die 3 von der Zankstelle

4  03.11.2001

Pro:
informationshaltiger Blick in die hohe Politik

Kontra:
sehr einseitige Sichtweise

Empfehlenswert: Ja 

Filfar

Über sich: Zu viele Interessen sind der Ernsthaftigkeit Tod. Also habe ich hier Schwerpunkte gesetzt, die sich ...

Mitglied seit:30.07.2000

Erfahrungsberichte:180

Vertrauende:25

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 108 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Gleich zu Beginn sei schon einmal eine Antwort auf die Frage gegeben, warum sich das Anschauen des Films überhaupt lohnt. Nun, „Thirteen Days“ ist ein Film über einen US-Präsidenten, der sich dadurch auszeichnete, dass er einen Krieg verhinderte und sich nicht blindwütig in die Schlacht stürzte. Und davon gibt es nun mal nur sehr wenige – sowohl Filme als auch Präsidenten.

Aus diesem Grund muss der Film auch weit in die Zeitgeschichte zurückgehen und landet im Jahr 1961. Ein Aufklärungsflug (wie es die Amerikaner sehen) bzw. ein Spionageflugzeug (wie es alle anderen sehen) erzielt bei einem Flug über Kuba Aufnahmen von Raketenstellungen, mit denen nuklear bestückte Mittelstreckenraketen abgeschossen werden können. Sollte dieses tatsächlich erfolgen, hätten die USA gerade einmal eine Vorwarnzeit von 5 Minuten. Mit anderen Worten: keinerlei Gelegenheit, effektive Gegenmaßnahmen zu treffen.

(Zwischendurch sei die Bemerkung erlaubt, dass dem Aspekt, was ein us-amerikanisches Flugzeug im kubanischen Luftraum verloren hat, selbstverständlich keine Bedeutung zugemessen wird. Weder an der beschriebenen Stelle noch später im Film. Das Vorrecht, welches sich jede US-Regierung großzügiger Weise selbst einräumt, völkerrechtliche Bestimmungen so zu interpretieren und anzuwenden, wie es mit den eigenen Interessen im Einklang steht, wird durch „Thirteen Days“ nicht in Frage gestellt. Umgekehrt gilt natürlich auch, dass sich keine andere Staatsregierung derartiges erlauben darf – schon gar nicht eine kubanische oder russische)

Die Bilder liegen kaum dem Weißen Haus vor, da steht auch schon fest, dass diese Raketenstellungen als militärische Bedrohung anzusehen sind, die nicht hinnehmbar sind. Dies ist der einzige Grundkonsens zwischen den beteiligten Politikern und Militärs. Fortan scheiden sich aber die Geister. Insbesondere bei der Frage, wie auf diese Herausforderung zu reagieren sei.

Ginge es nach den Militärs, so müsste sofort losgebombt werden, um die Einsatzbereitschaft der Raketenstellungen erst gar nicht aufkommen zu lassen. Ergänzt werden diese Bombardements dann durch eine umfassende Invasion.

Die US-Regierung – vor allem repräsentiert durch die Kennedy-Brüder und den Sicherheitsberater O’Donnell – sieht hierin ein absolutes Horrorszenario, was wiederum den Unmut der Generäle hervorruft.

Unterdessen gehen die Arbeiten an den Raketenstellungen weiter und zudem ist eine Armada von Frachtern unterwegs, um Nachschub zu bringen...

Historische oder zeithistorische Filme haben, soweit sie sich um Authenzität bemühen, ein großes Manko zu bewältigen: Der Ausgang der Geschichte ist allgemein bekannt. Bei zeitgeschichtlichen Filmen kommt noch erschwerend hinzu, dass so manch Zuschauer sich an die Ereignisse persönlich erinnern kann. Einen Spannungsbogen aufzubauen, der letztlich in einem offenen Finale mündet, macht daher keinen Sinn. Dennoch folgen auch diese Filme zumeist der Logik, dass zunächst das Problem aufbereitet und erst zum Schluss die Lösung aufgezeigt wird. Kann dies dann spannend sein?

Die Möglichkeit besteht durchaus. Zum einen können irgendwelche Nebensächlichkeiten, die vielleicht nicht so bekannt sind, zu Großereignissen aufgepuscht werden und so für künstliche Spannung sorgen. Oder aber der Blick gilt mehr den handelnden Personen als der Handlung selbst. Gerade bei Personen der Zeitgeschichte wird so der Effekt erzielt, den jeweiligen Menschen „näher kennen zu lernen“.

Regisseur Roger Donaldson hat sich vor allem auf die letztgenannte Methode konzentriert, schreckt aber auch nicht vor der anderen Vorgehensweise zurück. Hilfreich beim Erstellen des Drehbuchs dürfte sicherlich die Tatsache gewesen sein, dass zwischenzeitlich die Originalaufzeichnungen der seinerzeitigen Beratungen freigegeben wurden. Anhand dieser Protokolle konnten nun die unterschiedlichen Positionen zur sog. „Kuba-Krise“ eindeutig den damals agierenden Personen zugeordnet werden, was dem Film bisweilen einen sogar einen beinahe dokumentarischen Charakter gibt.

Diesen Effekt wollte Regisseur Donaldson offenbar aber auch mit Gewalt erreichen und fügte in sein überwiegend in Farbe gedrehtes Werk auch Schwarz/Weiß-Szenen ein. Eine aus meiner Sicht überflüssige Demonstration filmischer Tricktechnik.

Dem Drehbuchautoren David Self ist es gelungen, aus den ursprünglich wahrscheinlich stundenlangen Wortgefechten die wesentlichen Momente herauszufiltern und die einzelnen Szenen in einander übergehen zu lassen, dass daraus eine flüssige Handlung wurde. Und das ein oder andere Mal gelingt es sogar, die Dramatik der damaligen Geschehnisse auf den Punkt zu bringen. Zum Beispiel wenn John F. Kennedy seinen Unmut über die Kriegsbegeisterung der Militärs mit der Bemerkung unterstreicht, dass diese es sehr leicht hätten, denn sollten sich ihre Vorstellungen durchsetzen, wäre hinterher niemand mehr da, der sie kritisieren könnte. Andererseits wird dem Zuschauer die Botschaft des Films an manchen Stellen auch mit der Holzhammer-Methode eingetrieben. So wird die Gefahr des drohenden Atomkriegs durch ständige Aufnahmen von Atombombentests herausgestellt. Ein Film, der für sich einen (be)lehrenden Anspruch erhebt, hätte auf derart plumpe Effekte besser verzichten sollen.

Unverständlich war für mich, warum die Filmkritik der FAZ zur Einschätzung gelangte, in „Thirteen Days“ würde die Mär eines geplanten Militärputsches gegen die Kennedys aufbereitet. Zwar wird die Kontrastellung der Generalität zu ihrer politischen Führung herausgestrichen, aber der Eindruck von Putschisten wird dabei nicht vermittelt. Dass letztendlich der Präsident über den Beginn militärischer Maßnahmen zu entscheiden hat, wird von keinem der Uniformträger in Frage gestellt. Wenn ein Film einmal nicht den bösen Russen als Ursache allen Übels darstellt, scheint dies reflexartig bei einigen Betrachtern antikommunistischen Schaum vorm Mund hervorzurufen, der offenkundig den Blick auf die Dinge versperrt.

Die letzte Anmerkung zum Drehbuch soll jedoch das Lob enthalten, dass von wenigen Ausnahmen abgesehen die Spannung des Films aus den verbalen Auseinandersetzungen zwischen den Kennedys auf der einen und den Militärs auf der anderen Seite gezogen wird und die wohl unvermeidlichen und konventionellen Action-Sequenzen diesem Anliegen untergeordnet wurden.

Die Hauptdarsteller spielen ihre Parts weitgehend überzeugend. Eine der wenigen Ausnahmen wir ausgerechnet vom prominentesten Beteiligten verkörpert: Kevin Costner in der Rolle als Präsidenten-Berater Kenneth O’Donnell. Während man Bruce Greenwood seinen J.F.K. abnimmt und Steven Culp als Bruder Robert überzeugt, bleibt Costner der ewige Costner, der nur einen neuen Rollennamen trägt. Vielleicht war der Name Costners wichtig, um die Finanzierung des Films sicherzustellen, dafür schadet er dem Werk beinahe jedes Mal, wenn er auftritt.

Auch wenn „Thirteen Days“ weit entfernt ist von jeglichem Hurra-Patriotismus, der viele Hollywood-Produktionen prägt (ein besonders übles Beispiel ist sicher der in Kürze auf DVD/Video erscheinende „Pearl Harbor“), so bleibt ein Manko doch festzuhalten: hier wird eine äußerst einseitige Sicht der Dinge gezeigt. Über die russischen Absichten wird viel spekuliert, letztlich kommt die russische Politik allerdings nur in Form zweier Briefe und eines angeblichen Agenten zu Wort. Welches Motiv die Kubaner hatten, die Aufstellung der Raketenabschussbasen zuzulassen, wird gar nicht erst erforscht.

Auch das liberale Amerika hat so seine Grenzen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
dieanke

dieanke

01.04.2003 12:33

Den Film haben wir in Geschichte (LK) geguckt und drüber diskutiert, war ziemlich spannend!

bocdanovic

bocdanovic

11.11.2001 16:10

Ich fand den Film gut und teilweise auch sehr spannend, auch wenn der Ausgang bekannt war. Ein guter Bericht von dir. Gruß vom Boc.

hsnow

hsnow

03.11.2001 10:59

Solche Filme sind nichts für mich. Irgendwann fange ich mich an zu langweilen. MfG hsnow

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