Thirteen Days

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Die Realität schreibt die besten Geschichten!

4  20.12.2001

Pro:
kein typisches historsiches Hollywood - Machwerk, Bonus - DVD

Kontra:
Schnitt, Musik

Empfehlenswert: Ja 

1701D

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:88

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 47 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Wer mich ein wenig kennt, weiss das ich hinter allem was mit historischen Ereignissen zu tun hat her bin. Dabei liegen Schwerpunkte auf dem 2. Weltkrieg, dem kalten Krieg und der Zeit bis zur Wiedervereinigung Deutschlands, die ja das Ende des kalten Krieges kennzeichnete.

Hin und wieder erinnert sich Hollywood auch mal daran, historische Begebenheiten zu verfilmen. Dies gelingt mal reißerisch und in einer Art Popcorn-Kino (Pearl Habour), mal Spektakulär und wenig fundiert (U-571) und mal recht dramatisch und wenigstens ansatzweise historisch fundiert (Schindlers Liste, James Ryan). Allen gemein ist die Tatsache, dass historische Fakten schon mal verdreht werden, damit sie besser in ein Drehbuch fassen. Fakt ist, die Geschichte lässt sich eben nicht immer spannend in ein Drehbuch verpacken. Fakt ist auch, dass man aus Hollywood keine objektiven Filme über eben jene historischen Ereignisse erhalten wird. Und dennoch, wann immer mir ein Film unterkommt, der sich mit historischen Begebenheiten beschäftigt, versuche ich mein Glück erneut und schaue mir den Film an. Diesmal mit „Thirteen Days“, welches die Cuba-Krise zum Thema hat und damit wohl eine der schwierigsten Situationen im kalten Krieg. Da ich niemanden fand, der mit mir ins Kino ging, kaufte ich mir kurzerhand die DVD. Ein Bericht folgt nun.

Story:

Bei Spionageflügen über Cuba werden russische Atomraketen entdeckt, die dort stationiert werden. Der Vorstoß, offensive Waffen in der westlichen Hemisphäre zu stationieren, stößt in den USA natürlich nicht auf Gegenliebe und man findet sich schnell in einer internationalen Krise wieder aus der es nur einen Ausweg zu geben scheint, den Angriff auf die Waffen in Cuba. Präsident Kennedy, sein Bruder Robert Kennedy und sein politischer Berater Kenneth O´Donnell suchen fieberhaft nach einer anderen Lösung. Gibt es noch einen Ausweg, der nicht im dritten Weltkrieg endet? Der Film zeigt die 13 Tage der Cuba-Krise und verdeutlicht, wie nah die Welt am Abgrund gestanden hat.

Wie in der Einführung erwähnt, hält sich der Film nicht ganz, jedoch weitestgehend, an die historischen Fakten. So wird Kevin Costner in seiner Rolle als politischer Berater O´Donnell im Film fast eine bedeutendere Rolle zugestanden, als John F. Kennedy, was zumindest fragwürdig ist. Hinzu kommt, das die ganze Story aus Sicht der USA erzählt wird, was das ganze doch ein wenig einseitig macht. Die spannendsten Geschichten bietet das Leben und Regisseur Donaldson gelingt es über 140 Minuten einen Spannungsbogen zu erzeugen, der nur selten abbricht. Der Film ist schnell und flüssig und Langeweile kann eigentlich kaum aufkommen. Vorausgesetzt, man kennt sich zumindest ein wenig in der Geschichte und dem „Vorpsann“ aus. Sonst ist man nämlich hin und wieder verloren, wenn beispielsweise das Schlagwort „Schweinebucht“ fällt, dann wird hierauf kaum weiter eingegangen. Eine gewisse Vorbildung ist also unumgänglich.

Durchweg gute Schauspieler halten diesen Film am Leben. Ein recht interessanter Einblick in die Welt der 50er Jahre in der glücklicherweise weitestgehend auf sentimentale Nebenhandlungen verzichtet wird. Der Hauptteil spielt sich im Weißen Haus ab und das ist auch gut so. Hin und wieder werden einige Flug- und Seeszenen eingefügt, die dramaturgisch gut platziert sind. Nur was um alles in der Welt haben sich die „Macher“ gedacht, den ganzen Film fast ausnahmslos mit Musik zu untermalen. Spätestens nach 50 Minuten wird das nervig und man wünscht sich, die Musik manchmal abschalten zu können. Ein wenig weniger hätte sicherlich nicht geschadet. Musik soll den Film untermalen und nicht störendes Beiwerk sein. Als weiteres Manko kann der teilweise schlechte Schnitt angefügt werden. Denn so witzig das manchmal aussieht, wenn ein Mikro sichtbar wird, es spricht eben nicht für erstklassige Arbeit. Als Fazit zum Film lässt sich sagen, dass es einer der besseren Filme nach wahren Begebenheiten ist. Positiv fällt auf, dass man eben nicht das große pathetische Epos aufzieht sondern nüchtern einen Spannungsbogen aufbaut, dem sich geschichtsinteressierte Zuschauer nicht entziehen können.

Die DVD:

Geboten wird doch einiges an Specials. Neben dem deutschen Ton in dts und Dolby 5.1, wird der englische Ton in 5.1, sowie ein Audiokommentar des Regisseurs und ein historischer Audiokommentar geboten. Untertitelt wird jedoch nur in deutscher Sprache, doch das ist verschmerzbar. Die Menügestaltung gefällt mir sehr gut. Sound und Bild sind gut gelungen.
Besonders interessant ist die Tiefflugszene, die man in verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann. Sicher, ein wenig Spielerei wird manch einer sagen, doch irgendwie auch ganz nett.

Auf der zweiten DVD findet sich dann ein Making-Of, eine Dokumentation, Videobiographien der wichtigsten Personen der Cuba-Krise, kurze Lebensläufe der Schauspieler, jede Menge Deleted Scenes, insgesamt fast 2 Stunden Bonusmaterial. Die Dokumentation, die gut 45 Minuten dauert hilft dem nicht so kenntnisreichen Zuschauer, die Hintergründe zu verstehen und ist nicht nur gut gelungen, sondern sogar sehr wichtig. Alle Specials können untertitelt betrachtet werden. Ein 36-seitiges Booklet rundet die DVD ab, so dass man wirklich von einer Fülle an Zusatzinformationen sprechen kann.

FAZIT:

Auch wenn der Film einige Schwächen hat und der Schnitt zu wünschen übrig lässt, ist der Film durchaus interessant und wertvoller als manch Anderer der sich mit „historsichen Fakten“ brüstet. Die Bonus-DVD macht das ganze zu einem guten Paket für geschichtsinteressierte Zuschauer. Ich lege den Film auch allen anderen ans Herz, doch ich befürchte, dass viele aufgrund mangelnder Actionszenen recht schnell Langeweile empfinden werden. Alles in allem 4 Sterne. Der Preis liegt zwischen 39,95 und 54,95 DM. Preisvergleiche lohnen sich also.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
D-Tox

D-Tox

29.07.2002 15:21

Ein toller Bericht zu einem gelungenen Film. Vorallendingen Costner überzeugt seit langem mal wieder richtig... Gruß D-Tox

SVoigt2000

SVoigt2000

20.12.2001 13:54

Ja, endlich mal ein Film über ein geschichtliches Ereignis ohne Liebesgeschichte a la "Titanic" oder "Pearl Harbor". Tolle Meinung. CU und frohes Fest - Stephan

trikerbraut

trikerbraut

20.12.2001 13:48

Hi! Den werden wir uns mal in der Videothek ausleihen. LG heike

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