In Neanikis herrscht die Angst. Vor zehn Jahren verließ die Magierin Baliante ihre Heimat, jetzt, bei ihrer Rückkehr findet sie die Stadt verändert vor. Ein düsterer Dämonenturm... mehr
Erfahrungsbericht von mary-p über Thronräuber - DSA-Roman (Nr. 83) / Alexander Lohmann 15.12.2004
Produktbewertung des Autors:
Niveau
anspruchsvoll
Unterhaltungswert
durchschnittlich
Spannung
durchschnittlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
berührt ein wenig
Pro:
sehr detaillierte Welt und tiefe Charaktere . . .
Kontra:
. . . aber Schwächen im Aufbau
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
»Das schwarze Auge«, kurz DSA, gehört zu den beliebtesten deutschen Rollenspielen. Seit geraumer Zeit werden unter diesem Namen auch Fantasyromane veröffentlicht, die anfangs noch auf dem Hauptkontinent Aventurien spielten. 2000 wich man auf einen neuen Kontinent aus, Myranor, aus, auf dem auch »Thronräuber« von Alexander Lohmann spielt.
Im Mittelpunkt steht die Zauberin Baliante, die ein zurückgezogenes Leben in Lyrnathas, der Stadt ohne Tod, führt. Sie wohnt zurückgezogen in einem Stadtviertel der Stadt, in der die Toten nicht beerdigt, sondern in ihren Häusern »verschanzt« werden, und hält sich mit kleinen Zaubereien über Wasser. Denn die junge Frau hat eine bewegtere Vergangenheit hinter sich, als man denkt... Eines Tages geschehen einige unvorhergesehene Dinge, als sie sich auf den Markt begibt, um Kräuter für ihre kleinen Zaubereien zu kaufen. Eine Ashariel, ein Vogelmensch, namens Melheni landet auf dem Weg zurück vor ihr und behauptet, den gleichen Feind wie Baliante zu haben. Dazu muss man wissen, dass das Volk der Ashariel sich einen Erzfeind sucht, dessen Besiegung das Lebensziel des jeweiligen Vogelmenschen ist. Baliante weist die Frau ab und flüchtet vor ihr – und vor ihrer Vergangenheit. Auf dem Rückweg beobachtet sie, wie eine Gruppe Jugendlicher den geistig Zurückgebliebenen Chrysonias zusetzt. Sie hilft ihm, kann aber nicht verhindern, dass er in das Haus eines Toten einbricht und damit gegen die Gesetze der Stadt verstößt. Baliante steckt genauso wie Chrys in dieser Sache und ihnen bleibt nichts anderes als die Flucht.
Auf dem Weg durch den Dschungel, bei dem sie anfangs von Baliantes einzigem Freund in der Stadt, dem jungen Tischler Daridorius, werden sie von einer Gruppe Pardir, gefährlichen Panthermenschen, angegriffen, die den Tischler entführen. Baliante und Chrys werden von Melheni gerettet, die sie zu einem fliegenden Handelsschiff der Vinshina bringt. Dort trifft die junge Zauberin auf Palibatka, einen Charmeur und Geschichtenerzähler, den die Vishina ebenfalls mitgenommen haben. Gemeinsam landen sie in Neanikis, wo sie Unterschlupf in einem verlassenen Viertel finden. In der Stadt herrschen Unruhen, denn der rechtmäßige Herrscher, der Trodinar, scheint von seinem jüngeren Bruder unterdrückt und in einen Turm gesperrt zu werden. Das Volk leidet unter immer abstruseren Steuern und es bilden sich im Untergrund Gruppen von Rebellen. Einer dieser Banden schließt sich Palibatka an, der zudem noch versuchen will, etwas über Baliantes Vergangenheit herauszufinden. Doch es geht alles ziemlich schnell, denn auf einmal ist die Chance da und man stürmt den Turm des unrechtmäßigen Herrschers, um den Trodinar zu befreien...
»Thronräuber« gehört zu der Art von konventionellen Fantasyromanen, in der Machtspiele in einer Welt mit Magie und Mittelaltertouch gespielt wird. Das ist jetzt nicht negativ gemeint, denn so lange die Welt einer solchen Geschichte so perfekt ausgearbeitet ist wie Myranor ist schon mal ein wichtiger Kritikpunkt der Authenzität erfüllt. Jede der vorkommenden Städte hat ein eigenes Stadtbild, das von Eigenarten in den Bauten und der Kultur, wie zum Beispiel der Todeskult in Lyrnathas, geprägt ist. Auch die einzelnen Wesen sind gut ausgedacht und wirken nicht wie ein Abklatsch von anderen Geschichten.
Ähnlich verhält es sich mit den gut ausgeloteten Charakteren, die, anders als in manch anderer Fantasyliteratur, psychologisch sehr ansprechend mit Charakterstärken und –schwächen gestaltet sind. Baliante zum Beispiel ist keine besonders selbstbewusste Person, sondern eine sehr ängstliche, unsichere Frau, die immer noch von ihrer Vergangenheit gejagt wird. Palibatka ist zwar ein Aufschneider und Lügner, aber trotzdem ist er dem Leser dank seiner teilweise reuigen, authentischen Gedanken sympathisch.
Was die Geschichte auf dieser grundlegenden Basis mehr als gut macht, verliert sie im Laufe der Handlung allerdings wieder. Am Anfang scheint es zwar noch gut auszusehen - denn wie oft überschlugen sich nach einem allmählich ansteigenden Anfang schon die Ereignisse? -, aber leider ist das, was folgt, allzu planar und ohne Überraschungen, Seitenwege, Sackgassen, einen wirklichen Spannungsaufbau. Das Ende bringt zwar noch eine unerwartete Wendung ins Spiel, aber bis dahin hat die Geschichte allzu gerade darauf zugesteuert, so dass das, was zuerst nur wie eine vorübergehende Länge wirkte, sich zäh wie Kaugummi hinzieht. Das nimmt dem Buch leider ungefähr ab der Mitte ein beträchtliches Maß an Spannung, was bei einer so gut durchdachten Welt und tiefen Charakteren eigentlich schade ist.
Der Schreibstil von Alexander Lohmann ist sehr angenehm und ausgeglichen. Keine zu ausführlichen, aber hinreichende Beschreibungen mit einem etwas gehobeneren Deutsch, aber ohne Fachwortgesimpel erlauben ein flüßiges Lesen. Die Dialoge sind gelungen, das Buch insgesamt in einer schönen Sprache geschrieben. Und für den DSA-unerfahrenen Leser gibt es glücklicherweise ein umfassendes Glossar, das sämtliche Fachbegriffe erklärt.
Letztendlich ist »Thronräuber« von der Welt und den Charakteren sowie vom Schreibstil eine nette Angelegenheit, aber die Handlung, die nach einer gewissen Zeit etwas erlahmt und zu einsträngig auf das dann doch wieder überraschende Ende hingeht, lässt das Buch nicht wirklich über den Durchschnitt hinauskommen.
DATEN Peter Lohmann - "Thronräuber" Erschienen 2004 als Taschenbuch bei Fanpro 344 Seiten plus Glossar Preis: 9 Euro ISBN: 3890645127
[Zuerst erschienen bei und mit freundlicher Unterstützung von www.roterdorn.de]
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goswin
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Pro: Schöne Charaktere und interessanter Ort Kontra: Völlig vorhersehbare Handlung
In Neanikis herrscht die Angst. Vor zehn Jahren verließ die Magierin Baliante ihre Heimat, jetzt, bei ihrer Rückkehr finden sie die Stadt verlassen vor. Ein düsterer Dämonenturm ragt über dem Palast auf, ein Tyrann beherrscht die Stadt, die am Rande eines ...
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