Tiefe (Hörbuch) / Henning Mankell

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Tiefe (Hörbuch) / Henning Mankell

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Die Abgründe des Lebens

4  11.10.2005

Pro:
Poetisch verpackte Psychologie, Lebensweisheiten

Kontra:
nicht jedermanns Geschmack, nicht in jeder Gemütsverfassung zu hören

Empfehlenswert: Ja 

Bavaria123

Über sich: * *☼ ☼ - Gerade aus Südafrika zurück...muss mich erstmal wieder ins Klima einfinden~ ...

Mitglied seit:09.02.2004

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 208 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ich liebe Bücher. Wobei ich mich kaum auf eine bestimmte Sparte oder einen Autoren festlegen kann. Wobei ich natürlich gewisse Vorlieben habe. Auf Autorenseite ist dieses unter anderem sicher Henning Mankell. Er schreibt sehr faszinierend, spannend, mitreißend... Bekannt geworden ist er unter anderem durch die Krimis um den Kommissar Kurt Wallander.
„Tiefe“ habe ich als Buch gelesen ... aber es war mir wert, auch die Hörversion kennen zu lernen. Über dieses Hörbuch geht es auch im nachfolgenden Bericht.


= Der Autor =

...heisst eben Henning Mankell.
Er wurde im Jahr 1948 in Härjedalen in Schweden geboren. Er arbeitet als Theateregisseur und Autor. Sein Leben verbringt er abwechselnd in seiner schwedischen Heimat und dem afrikanischen Maputo (Mosambik). Er ist ein sehr kritischer Autor mit einem sehr offenen Blick. International bekannt geworden ist er durch die Kriminalromane um Kurt Wallander. Neben diesen Werken hat er weitere Bücher veröffentlicht. Im Erwachsenenbereich unter anderem die Afrika-Abhandlungen „Der Chronist der Winde“ , „Die rote Antilope“ oder auch „Das Auge des Leoparden“. Außerdem hat er einige Kinder- und Jugendbücher verfasst.


= Das Hörbuch =

...hat zumindest teilweise das gleiche Cover wie das dazugehörige 366 seitige Buch. Unter einem hier auberginefarbenen (statt schwarzem) Drittel ist ein Gemälde abgebildet. Leider steht nirgendwo verzeichnet, wer es gemalt hat oder wie der Tietel lautet. Ich verbinde damit Engel und Teufel, also Gut und Böse, aber auch Naturgewalten wie Sturm und tobendes Meer.
Das Hörbuch beinhaltet 4 weinrote CD`s, die jeweils circa 70 Minuten Spielzeit haben, zusammen ergeben sie 281 Minuten Hörvergnügen.Etwa alle 5 Minuten sind Tracks gesetzt.
Die autorisierte gekürzte Lesung ist unter der ISBN 3- 89940-614-1 ist erschienen bei „der Hörverlag“ (mehr Infos unter www.hoerverlag.de).
Weitere Informationen :
Technik : Audio Vision Studios, Berlin
Texteinrichtung : Katja Semprich
Regie : Ralf Becher
Das kleine Büchlein, das in der Vorderseite des Hörbuches steckt, weist auf weitere vertonte Werke von Henning Mankell hin.


= Der Sprecher =

...heisst Leonard Lansink. Wer das ist?? Tja, im Fernsehen ist er seit 1997 desöfteren als Detektiv Wilsberg in und um Münster aktiv.
Der 1956 in Hamm geborene Lansink gründete 1980 nach seiner Schauspiel-Ausbildung eine eigene Theatergruppe und führte dabei selbst Regie. In Werken wie Biermann`s „Der Dra-Dra“ oder auch Goethes „Urfaust“ ging er dabei auch selbst auf die Bühne.
Neben der Arbeit im Theater und für`s Fernsehen ist er auch auf der Leinwand vertreten. Bekannte Werke sind hier „Der bewegte Mann“ und „Nur für eine Nacht“.

= Die Geschichte =

Wir befinden uns im Oktober 1914 in Stockholm. Der Marineoffizier und als Seevermessungsingeniuer angestellte Lars Tobiasson – Svartman hat in dem gerade tobenden Ersten Weltkrieg einen militärischen Spezialauftrag. Er soll in den Gewässern rund um die Stockholmer Schären das Fahrwasser ausloten. Dieses ist sein Spezialgebiet.
Das Lebensziel der Hauptfigur ist aber ein ganz anderes, er will nicht nur die bodenlose Tiefe des Meeres ausmessen, sondern sucht auch so etwas wie dem unbekannten Grund in sich selbst.

Während einer der Expeditionen trifft Lars Tobiasson – Svartman, dessen Frau daheim auf ihn wartet, auf eine eremitisch lebende Frau. Zwischen ihm und dieser Sara Frederika ist es so etwas wie Liebe auf dem ersten Blick. Aber sie können nur eine kurze Zeit miteinander verbringen, denn der Auftrag ist erfüllt und der Weg führt den Marineoffizier zunächst ins eheliche Leben zurück. Allerdings hält er es hier nicht aus und so erfindet er eine besondere Geschichte, um wieder zu Sara Frederika zurückkehren zu können. Aber die Frau hat seine Abwesenheit nicht allein verbracht...ein deutscher Deserteur hat bei ihr unterschlüpfen dürfen. Und er wurde scheinbar nicht nur im Haus aufgenommen... Lars Tobiasson – Svartman wird von einer großen Eifersucht gepackt...und immer öfter muss er lügen, betrügen...und irgendwann sind die Grenzen zur Brutalität und auch zum Mord nicht mehr vorhanden...

= Meine Meinung =

Ich habe zuerst das Buch gelesen und kann somit sagen, dass der Text nur geringfügig gekürzt worden ist. Wer den Roman nicht kennt, wird die Hörbuchfassung eindeutig verstehen und es wird ihm sicher nichts fehlen. Die herausgenommenen Details waren eher schmückendes Beiwerk – ihr Fehlen macht sich in keinster Weise als negativ bemerkbar.

Wie kaum anders zu erwarten, erledigt der Sprecher Leonard Lansink seinen Job hier mehr als nur einwandfrei. So weit ich das nach einem Semester Schwedisch an der Volkshochschule und einem sechswöchigen Aufenthalt im Land beurteilen kann, spricht er auch die schwedischen Ortsnamen und feststehenden Begriffe einwandfrei aus. Er liest ohne jeglichen Fehler aber in einer gelungenen Art und Weise. Er schafft es, allein mit seiner Stimme verschiedene Atmosphären und Charaktere hervorragend aufzuzeigen. Es ist ein großes Vergnügen, ihm zuhören zu können, wobei man durchaus merkt, dass auch Leonard Lansink von dem Text angetan ist.

Das Hörbuch ist frei von Musik oder Geräuscheinspielungen – aber ich kann nicht sagen, dass das negativ auffällt. Ansonsten ist kein Rauschen oder ähnlich Störendes auch nach mehrfachen Abspielen zu hören. Etwa alle fünf Minuten ist ein Plot geschaltet, so dass man sich nach Unterbrechungen schnell wieder an die richtige Stelle navigieren kann. Die Aufnahme aller dazugehörenden CD´s ist von einer durchgehend gleichbleibenden Lautstärke, so dass man ohne weiteres Regeln einfach zuhören kann.

Wobei ich zum Schwierigsten komme, nämlich die vielseitigen Eindrücke, die der Roman bei mir hinterlassen hat.
„Tiefe“ spielt zwar in Schweden, ist aber etwas ganz anderes als die „Wallander“-Krimis. Während Kurt Wallander der Leserschaft so nahe gebracht worden ist, dass man seine Marotten kennt und ihn fast in den Bekanntenkreis aufnehmen möchte, so stellt sich zur diesmaligen Hauptperson Lars Tobiasson-Svartman eher eine ziemliche Distanz auf. Wobei das kein Wunder ist, denn dieser Mann ist sich selbst und seiner Umwelt nicht nahe. Als Schutz vor der möglichen Nähe zu seinem verstorbenen Vater stellt er zwischen seinem Vornamen Lars und seinem eigentlichen Nachnamen Svartman schützend den Namen seiner Mutter : Tobiasson. Wobei man hier gleich ein Hauptthema des Buches ankratzt. Denn es geht nicht nur um die Tiefen des Meeres, sondern um die Tiefen der eigenen Seele, des räumlichen Abstandes, der Abgründe des Miteinanders, der menschlichen Nähe zwischen Partnern, Familie oder auch Arbeitskollegen.
Und doch schafft es Mankell, dass man gerne weiter hört.

Was ich faszinierend finde, sind verschiedene psychologische und poetische oder auch kritische Sätze und Beschreibungen, die mich immer mal zum Stoppen der CD´s bewogen haben.
Beispiele?? Gerne!!
„War er unterwegs, um etwas zu finden oder um etwas zu verlieren?“
„Ich weiß, wie man eine Lüge erschafft. Aber es ist mir nicht gelungen, in der Landschaft zu leben, die die Lüge erschuf.“
„Der Betrüger lebt ein Leben, der Betrug ein anderes.“
„Er konnte nie jemandem nah sein, aus Angst, sich selbst zu verlieren.“
„Ich suche immer noch nach dem unbekannten Grund in mir, nach nicht vermessenen Tiefen, unerwarteten Hohlräumen. Auch in mir selbst muss ich ein Fahrwasser kartographieren und bezeichnen.“
Ich denke, die Sätze sollte man sich dann schon ein paar mal durch den Kopf gehen lassen. Man muss sich die Zeit nehmen, um einen ausreichenden Blick in die Gefühlswelt, die Mankell aufzeichnet, zu werfen.

Aber Henning Mankell hat auch in dieser Erzählung nicht auf eine gewisse Portion Brutalität verzichtet. Ganz besonders facettenreich beschreibt er die Einzelheiten, die einen doch schauern lassen. Der menschliche Wahnsinn, Verzweifelung, Mord, Betrug ... alles findet man in „Tiefe“ wieder.

Man sollte das Hörbuch nicht einschalten, wenn man abgelenkt oder traurig ist, auf atemlose Spannung erpicht ist oder eine Identitätsperson im Roman braucht. In allen anderen Fällen lohnt sich ein Reinhören mit Sicherheit, weshalb ich das Hörbuch auch gerne empfehle. Einen kleinen Stern ziehe ich ab, weil es sicher nicht der allgemeine Geschmack ist und man das Hörbuch auch nicht bei jeder persönlichen Gelegenheit hören kann.


Vielen Dank für`s Lesen, Kommentieren und Bewerten, Bavaria
Bilder von Tiefe (Hörbuch) / Henning Mankell
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Cover


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
chrischi_ciao

chrischi_ciao

21.08.2006 21:52

Ein gute Analyse von Dir.

Julia__88

Julia__88

09.02.2006 18:43

Von dem Autoren hab ich noch das Buch Mittsommermord im Regal stehen, muss ich auch noch demnächst mal lesen...LG Julia

Lupenglas

Lupenglas

13.11.2005 18:26

tief ist dein abschließender Ratschlag. Toll! Freundlich grüßt das Lupenglas

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