Tierheim Leipzig - ein Skandal!

1  18.04.2003

Pro:
viele unterschiedliche Tiere zu vermitteln, für jeden das passende

Kontra:
schlechte Haltung, Tiere krank, ungenügende Vermittlung, schlechter Service

Empfehlenswert: Nein 

KathrinHeberle

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Tierheim Leipzig – ein Skandal!

Ich habe sehr lange überlegt, ehe ich mich dazu entschließen konnte, diesen Beitrag zu schreiben und einer breiten Masse von Lesern zugänglich zu machen. Denn die Leidtragenden sind in jedem Fall die Tiere!

Ich schreibe hier einen Bericht zu den Zuständen, die ich vor Ort selbst erlebt habe. Wer es liest, wird es nicht glauben können und denken, dies sei nur ein übles Schauermärchen. Das dachte ich zunächst auch, als vor einiger Zeit in der Leipziger Volkszeitung (LVZ) darüber ein Bericht erschien. Aber dann konnte ich mich selbst von der Realität im Tierheim Leipzig überzeugen. Und die sah genauso aus, wie in der LVZ beschrieben.

Da ich mit den Tieren und der Natur aufs innigste verbunden bin, wollte ich aktiv etwas für die armen Kreaturen tun, die aus den unterschiedlichsten Gründen dort gelandet waren. Wenn es nach mir ginge, dann hätte ich selbst eine ganze Farm voller Tiere. Aber das bleibt wohl für alle Zeiten ein unerfüllbarer Traum, denn dafür habe ich weder die Finanzen, noch die räumlichen Möglichkeiten. In meiner kleinen Dachgeschoßwohnung hat nur ein Kater Platz, der mir natürlich total verwildert und gesundheitlich sehr angeschlagen zugelaufen ist. Mehr kann ich mir nicht leisten. Kater Berry, so heißt mein Liebling, kostet mich schon ein Vermögen! Gerade die Tierarztkosten sind so extrem hoch, daß ich sie mir eigentlich mit meiner sehr geringen Arbeitslosenhilfe gar nicht leisten kann. Aber ich bringe diese Kosten auf, auch wenn ich selbst dabei das größte Kunststück vollbringen muß, trotz allem noch alle laufenden monatlichen Belastungen finanzieller Art abzusichern. Das klappt nur unter großer Zurücksetzung eigener Bedürfnisse. Aber das tue ich gern, denn Berry soll es so richtig gut gehen. Sein erstes Leben war nicht schön, also soll er jetzt den „Himmel auf Erden“ haben! Wenn es ihm gut geht, dann bin auch ich glücklich.

Da mein Herz für sehr viele Tiere Platz hat, bin ich ins Tierheim und habe dort einige Zeit ehrenamtlich mitgearbeitet. So hatten andere Tiere auch noch etwas von mir und ich konnte meine Liebe auf viele dieser reizenden Lebewesen verteilen. Das halte ich für sehr wichtig, denn diese Tiere waren ausgestoßen. Und es bedurfte viel Anstrengung, sie wieder in liebevolle Hände zu vermitteln.

Ich habe vorwiegend auf der Katzenstation gearbeitet und war entsetzt. Zum einen reichten die Zimmer, in denen die Miniaturraubtiere gehalten wurden, nicht aus. Sie quollen förmlich über. Freilauf gab es für diese Tiere gar keinen. Sie hockten also den lieben langen Tag auf Fliesen und ein paar dreckigen Decken, vollgebrochenen Kratzbäumen. Denn die Tatsache war leider die, daß es in jedem dieser Zimmer mindestens ein Tier gab, was entweder massiven Durchfall oder sich mehrfach erbrochen hatte. Zwangsläufig waren deshalb fast alle Katzen krank, denn die eine steckte rundherum andere an. Ein gesundes Tier im Tierheim Leipzig vorzufinden, grenzte fast an ein Wunder. Auch meine Eltern mußten erst kürzlich diese Tatsache erleben, die sich eigentlich ein neues Kätzchen adoptieren wollten. Im ganzen Tierheim Leipzig gab es zu dieser Zeit nicht ein einziges gesundes Tier! So blieb eine Vermittlung schließlich erfolglos.

Die Tiere im Tierheim wurden regelmäßig gefüttert und mindestens zweimal täglich ihre Zimmer gewischt. Aber das reichte bei weitem nicht aus! Ich kann mich nicht daran erinnern, daß die verdreckten Decken einmal ausgetauscht worden wären. Eine Waschmaschine habe ich im Tierheim auch nicht stehen sehen. Die verdreckten Kratzbäume wurden auch nicht gereinigt, geschweige denn gegen saubere ausgetauscht. Es war regelrecht eklig und in meinen Augen eine echte Sauerei. Mit Streicheleinheiten wurde auch sehr gegeizt. Von den Angestellten bekamen die Tiere so gut wie gar keine. Zum Glück aber gab es sehr liebevolle Praktikanten, die sich wirklich rührend um die vielen Tierchen kümmerten. Ihre Zeit war nur viel zu kurz, um sich verwilderter Hausgenossen anzunehmen und sie ohne Angst an die menschliche Hand zu gewöhnen. So blieben viele Stubentiger völlig verängstigt und handscheu.
Das Tierheim Leipzig hatte auch eine Tierärztin, die ließ sich aber nur 1 – 2 mal pro Woche blicken, in meinen Augen viel zu wenig. Wenn sie dann doch mal da war, wurden dann die Kastrationen der Neuzugänge durchgeführt. Um kranke Tiere, die Hilfe brauchten, kümmerte sie sich nur sehr selten. Es bedurfte vieler Anläufe und unzähliger Bitten, bis sie sich doch mal genau diese Tiere ansah. Das kann ich nicht verstehen. Deshalb war mir genau diese Tierärztin von Anfang an nicht sehr sympathisch. Ich erlebte sie als reine Geschäftsfrau, mit wenig Feingefühl für diese Kreaturen. Ganz entsetzt war ich dann, als ich miterleben mußte, wie genau diese Tierärztin die Katzen untersuchte. Um sie erst einmal in die Hände zu bekommen, wurden die Katzen mit Besen oder ähnlichem so lange gejagt, bis sie vor Erschöpfung freiwillig liegenblieben. Und das im Tierheim Leipzig!!! Leider war das keine einmalige Gegebenheit, sondern ereignete sich mehrfach. Dann wurde dem Tierchen nur mal kurz ins Schnäuzchen und in die Augen gesehen, einmal kurz mit der Hand drüber gefahren und das war es dann. Mehr passierte nicht.
Bezüglich der Vermittlungen sah es genauso katastrophal aus. Nur wenige Tiere wurden vermittelt. Und das meistens von den Tierpflegern, die ausschließlich bei den Hunden beschäftigt waren und keine Katze im Charakter kannten! Ich habe auch immer wieder erlebt, daß Leute einfach weggeschickt wurden, obwohl die Zimmer bald überquollen! Dabei gab es Tiere, die 9 Jahre im Tierheim zugebracht hatten! Das muß man sich mal vorstellen. Ich kann das nicht begreifen. Um so weniger, weil es Besucher gab, die ganz genau einem solchen ein neues Zuhause geben wollten.

Meine Frage, warum Suchende einfach fortgeschickt würden, brachte mir viel Ärger ein. Solche Fragen wollte man im Tierheim nicht. Jemand der fragte und Dingen auf den Grund ging, war unliebsam und unbequem. Er hatte im Tierheim nichts zu suchen. Und so kam es sehr schnell dazu, daß man mir gänzlich das Wort verbot und mir auch mitteilte, daß ich im Tierheim unerwünscht sei und das Haus nicht mehr zu betreten hatte.

Katzen, die regelmäßig Tabletten bekamen, wurden generell gar nicht mehr vermittelt, die verblieben einfach als lebendes Inventar im Tierheim.
Völlig entsetzt und fassungslos war ich aber dann, als ich wiederholt miterlebte, daß Katzen einfach „ausgewildert“ wurden. Wenn Tiere seit Jahren im Tierheim lebten, wurden sie eines Tages einfach in die Wildnis befördert und konnten dann zusehen, wo sie blieben. Das ist kein Märchen, sondern grausame Wahrheit!!!

Das Klima unter den Mitarbeiterin im Tierheim war entsprechend: rauh und grob, ja schon fast feindselig. Das zeugt in meinen Augen von einem schlechten Führungsstil. Ich muß zugeben, daß ich die Tierheimleiterin von Leipzig, mit der ich mehrfach Kontakt hatte, für diesen Posten als überfordert betrachte. Irgendwie paßte sie nicht auf diesen Posten. Es war eine ebenso derbe, wie grobe Frau. Sie paßte in meinen Augen mehr in die Viehwirtschaft oder in einen Fleischerladen ...
Und dann gibt es im Tierheim Leipzig auch noch Mitarbeiter aus dem Strafvollzug. Die werden dort regelmäßig eingesetzt. Im Grunde ist das eine gute Sache. Schließlich integriert man diese Menschen wieder in die menschliche Gesellschaft und der Kontakt zu den Tieren hilft diesen Menschen sehr eigene Probleme aufzuarbeiten und Bindungen einzugehen, ohne Angst und ohne Furcht Berührungen zulassen zu können. Das ist zweifelsfrei ein sehr gutes und lohnenswertes Projekt. Nur leider waren diese Straftäter im Tierheim Leipzig die reinsten „Schlägertypen“. Mir selbst haben sie Prügel angeboten. Und so lebte ich in der ständigen Angst von körperlicher Gewalteinwirkung.

An diesem Punkt möchte ich meinen Beitrag, der ein ganz persönlicher Erfahrungsbericht von mir ist, schließen. Jetzt möge sich jeder Leser ein Bild machen und selbst urteilen.

Am Ende möchte ich dennoch etwas schreiben, was mir noch sehr am Herzen liegt: Jedes Tier aus dem Tierheim Leipzig möge schnell liebevolle Hände finden, ein neues und glückliches Zuhause, um all dem Schlimmen zu entgegehen!!! Jedes Tierchen hat es verdient, ein gutes Leben zu haben. Und ein jedes Tierchen ist es wert, denn jedes von ihnen ist ein wirklich rührender Schatz! Mit viel Liebe und Zuwendung, ein bißchen Zeit und Feingefühl läßt sich selbst der größte „Rüpel“ unter ihnen zu einem doch anhänglichen Hausgenossen umfunktionieren. Das beste Beispiel dafür ist mein Kater Berry. Am Anfang doch recht spröde, scheu, ängstlich und angriffslustig, ist er jetzt zu einer riesengroßen „Schmusebacke“ geworden, anhänglich, anschmiegsam, ein Genießer durch und durch und für jede Streicheleinheit und Zuwendung zu begeistern. Manchmal ist Berry schon regelrecht lästig, weil er praktisch nur noch auf dem Schoß liegt und gegrault werden will. Hausarbeit und alles andere muß sich dem unterordnen. Denn wenn ich ihn dann mal sachte zur Seite lege, holt er mich mit der Pfote und ausgefahrenen Krallen zurück. „Nur ja nicht aufhören“ ist seine Devise. Gibt es einen schöneren Liebesbeweis??? ...

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Nachbemerkung:

Ich bin über das Einstellen in dieser Kategorie mehr als traurig und enttäuscht ... – aber Ciao läßt mir keine andere Wahl. Seit über 3 Monaten versuche ich vergeblich, Ciao davon zu überzeugen, für das Tierheim in Leipzig eine eigene Spalte zu schaffen – so wie für vergleichbare Tierheime in anderen Städten auch. Aber trotz hartnäckigem, immer wiederkehrendem neuen Produktvorschlag geht Ciao nicht darauf ein. Also bleibt mir nun nichts anderes übrig, wenn ich nicht vergeblich weitere Wochen warten will. Dabei hat auch das Tierheim hier in Leipzig eine eigene Kategorie verdient und sollte nicht in vielen anderen Berichten zum allgemeinen Tierschutz untergehen!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Bluebirdunfa

Bluebirdunfa

13.01.2005 23:09

Das geschäft mit dem Tierelend boomt. Ich habe das GEfühl, das wir Tierheime als "Unternehmen" ansehen müssen, die ebend Profit machen müssen. Und solange mit traurigen Tieraugen Spenden abkassiert werden können, bleiben die tiere ebend im Tierheim. Lieber innerhalb von 24 Stunden zweimal Futter bekommen und 0,5 Minuten Aufmerksamkeit, als eine Abgabe an Berufstätige Menschen. Diese Politik werde ich nie verstehen. Mit gruß

Timtone

Timtone

09.05.2004 13:25

Hat sich der Zustand mittlerweile geändert. Ein update wäre toll....????!!! Gruß Sylvia

BlueIce78w

BlueIce78w

01.12.2003 21:34

Schön das ich etwas zum Tierheim Leipzig gefunden habe. Ich hatte auch nichts anderes erwartet, denn als wir dort waren durften wir nichtmal zu den Katzen. Wir haben uns aber die superneumodernen "Hundeunterbringungen" angesehen uns das hat uns schon gereicht. Absolut unpersönlich. Werde darüber auch noch einen Artikel schreiben. Liebe Grüße Blue

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