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... Um aber nicht zu simpel zu wirken, reist „Timeline“ zusätzlich auf dem scheinbar ausklingenden Science-Fiction-Trip mit; verbindet das mittelalterliche Geschehen mit einer Zeitreise. Crichtons Vorlage ist ein gelungenes Werk, das den Leser zu fesseln weiß – doch als Kenner des Romans ... Bericht lesen





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...Ja so warn’s, die alten Rittersleut...
Erfahrungsbericht von ZordanBodiak über Timeline
14.03.2004


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Der Film hat durchaus seine Momente und besticht zumindest mit einer netten Finalschlacht .  .  .  Gute Grundidee aufgrund des Crichton Romans .  .  .
Kontra: .  .  . doch leider wurde der Roman auf ein Hollywood - kompatibles Grundgerüst zurechtgekürzt .  .  .  Sehr schwache Darsteller .  .  .  Öde Score .  .  .

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht

Peter Jackson und seiner „der Herr der Ringe“-Verfilmung sei dank: Nun wurde Hollywood endgültig mit dem Mittelalter-Virus infiziert! Zahllose Produktionen befassen sich mit Schwert-Kämpfen in den vergangenen Tagen oder hohlen schnell phantastische „Tiere“ in die Gegenwart. Und wieso sollte man in solchen Zeiten nicht zu einem Michael Crichton Roman greifen, der schon seit über vier Jahren – für Bücher des Autoren sicherlich eine halbe Ewigkeit – unverfilmt herumschlummert. Um aber nicht zu simpel zu wirken, reist „Timeline“ zusätzlich auf dem scheinbar ausklingenden Science-Fiction-Trip mit; verbindet das mittelalterliche Geschehen mit einer Zeitreise.

Crichtons Vorlage ist ein gelungenes Werk, das den Leser zu fesseln weiß – doch als Kenner des Romans kann man sich eigentlich sicher sein, dass man den Stoff nicht in einen einhundertsechzehnminütigen Film würde pressen können. Zuviel Handlungsorte müssten in zu kurzer Zeit abgeklappert werden. Zu komplizierte wissenschaftliche Theorien müssten zu unverständlich und knapp wiedergegeben werden. Kürzungen würden somit unvermeidlich sein. Aber daran sollte eine Verfilmung eigentlich nicht scheitern, denn sollte das filmische Produkt in sich stimmig sein und ein sinnvolles Gesamtbild ergeben, sollte man eigentlich jegliche Veränderungen verschmerzen können...


*Der Inhalt*

Professor Johnston ist der abwesende Leiter einer jungen Archäologengruppe, die im französischen La Roque Ausgrabungen tätigt. In einer der Ruinen macht sein Team einen unglaublichen Fund: Neben einem Brillenglas entdecken sie auf einer alten Papierrolle einen Hilferuf des Professors aus dem Jahre 1357. Zunächst noch im Glauben, dass dies ein schlechter Scherz sei, wendet sich Chris – der Sohn des Professors – an die in New Mexico ansässigen Sponsoren der Ausgrabungen. Eigentlich sollte sich dort sein Vater befinden und dieser sollte doch das Geheimnis aufklären können.

Eigentlich – denn wie Chris erfahren muss, wurde sein Vater mittels einer Zeitmaschine in das Jahr 1357 befördert und dank widriger Umstände steckt ihr in dieser Zeit fest. Nun liegt es an Chris und seinen Kollegen sich in das Mittelalter zu begeben und dort seinen Vater aus den Wirren des Einhundertjährigen Krieges zu retten zurück in die Gegenwart zu bringen. Nach kurzen Instruktionen treten sie ihre Reise in die Ungewissheit an – haben sechs Stunden Zeit um ihre Mission zu erfüllen. Sollten sie scheitern und nicht in der gegebenen Zeit den Heimweg antreten, werden sie auf ewig im dunklen Mittelalter festsitzen. Schlecht, dass sie aber gerade am Tage einer entscheidenden Schlacht zwischen den Engländern und Franzosen ankommen müssen...


*Die Inszenierung*

Wer zu den Kennern des Buches zählt, wird wohl spätestens nach der Ankunft im Mittelalter nur noch ein Rudiment der eigentlichen Geschichte erkennen können. Die Drehbuchautoren Jeff Maguire und Gorge Norfi haben – wie man schon an der verkürzten Verweildauer im Mittelalter erkennen kann [im Buch sind es 37 Stunden] – gekürzt was das Zeug hält. Und um noch ein „stimmiges“ Gesamtbild zu erzeugen wurde nur noch der Grundhandlungsstrang der Professoren-Rettung beibehalten. Der Hintergrund vieler Figuren bleibt so gänzlich auf der Strecke, manche tauchen gar auf der französischen Seite auf – obgleich sie im Buch Briten waren. Aber wie schon gesagt, man sollte über solche Abänderungen hinwegsehen können – sollte der Film in sich ein gutes Gesamtbild hinterlassen.

Äußerst nachteilhaft ist leider nur, dass man schon nach wenigen Minuten der Filmhandlung erkennen kann, dass Maguire und Nolfi ihr Drehbuch gänzlich dem Hollywood-Kommerz entgegengerichtet haben. So schnell wie möglich versucht man den Weg in die Vergangenheit zu finden. Lange Erklärungen braucht scheinbar kein Mensch. Ebenso wenig sind plausible Charaktere für eine Handlung notwendig. Hauptsache ist, dass man endlich Action aufbauen kann. Und so verwundert es nicht, dass jegliche Begebenheiten im Mittelalter einer ewigen Verfolgungsjagd gleichen. Zeit zum Verschnaufen gibt es nicht. Immer wieder werden die Reisenden von den (bösen) Briten durch die schöne Kulisse gehetzt – bis letztlich alles in einer entscheidenden Schlacht gipfelt. Toll, vielleicht kann man so noch ein paar der vorpubertären Jungen im Kino begeistern – jegliche anderen Altersgruppen werden wohl aber nur noch ermüdet gähnen. Vor allem wenn diese ganze Rennerei mit derartig flachen Dialogen gewürzt wird, dass man teilweise einen dezenten Brechreiz verspürt.

Doch man kann in gewisser Weise Entwarnung geben – denn ganz so übel ist „Timeline“ glücklicherweise nicht. Die Kulissen sind äußerst gut gelungen – und wecken dank des Verzichts auf übermäßigen Computer-Einsatz Erinnerungen an die vergangenen Tage Hollywoods. Und auch die Geschichte plätschert gefällig vor sich hin - trotz ihrer Plattheit und Vorhersehbarkeit kann man sich zurücklehnen und sich getrost berieseln lassen. Man kann sein Gehirn in den Leerlauf schalten, fühlt sich nicht sonderlich gequält und übersieht so auch, dass die Logik teilweise (Wurm-)Löcher aufreißt.


So steht natürlich auch „Timeline“ vor dem Problem der Unstimmigkeiten im Raum-Zeit-Kontinuum. Ein Schicksal dem wohl kein Zeitreisefilm entgehen kann. Erstaunlicherweise bringen aber im Vergleich zur Romanvorlage die zahllosen Kürzungen unter diesem Gesichtspunkt einen kleinen Vorteil: Ein großer Logik-Fehler konnte so ausgemerzt werden! In der Verfilmung verzichtet man nahezu gänzlich darauf, den Vorgang der Zeitreise zu erklären, setzt sie dem Betrachter als „gegeben“ vor. Crichton legt jedoch in seinem Werk [stark verkürzt] dar, dass man als Zeitreisender nicht in die wirkliche Vergangenheit reist, sondern in ein Parallel-Universum – das eben diese Vergangenheit darstellt. Diese Zeitebene kann man zwar durch seine Handlungen beeinflussen, da es sich aber um nicht um das „eigene“ Universum handelt – kann man die einem bekannte Vergangenheit nicht verändert.

Schön und gut die besagte Theorie, wie aber unter diesen Umständen die Archäologen auf die Brille und das Schriftstück stoßen konnten, ist äußerst fraglich. Denn schließlich hat der Professor seine Brille und den Hilferuf in einem Paralleluniversum zurückgelassen und hätte so eigentlich nicht die Zukunft (aus seiner Sicht / Vergangenheit aus der Sicht der Archäologen!) beeinflussen dürfen! Zwar versuchte Crichton scheinbar diesen Logik-Fehler noch auf seiner Homepage auszumerzen. Seine Erklärung [die Paralleluniversen überlappen sich und nahezu überall geschehen die gleichen Dinge] hinkt aber gehörig – oder vielleicht muss man auch nur für das Verstehen erst die gesamte Quantenphysik verstanden haben!

[SPOILER]
Betrachtet man jedoch die Handlung der Verfilmung wird in deren Verlauf die Zeit als ein fortlaufender Strahl dargestellt, den man nicht verändern kann. Jegliche Handlungen sind vorherbestimmt – und somit sind auch die Ereignisse der Zeitreise fest im Raum-Zeit-Kontinuum verwurzelt. Eigentlich ein guter Schritt – würde das Drehbuch diese (zusammengereimte) Erklärung nicht spätestens im Finale madig machen: Marek, einer der Zeitreisenden entschließt sich aufgrund seines Wissens aus der Zukunft dazu in der Vergangenheit zu bleiben. Er sieht es als seine Bestimmung an mit Lady Claire eine Familie zu gründen. Schön – aber im Film erscheint dieser Sinneswandel ein „wenig“ zu überstürzt. Vermutlich wäre es „etwas“ besser gewesen, wenn man die Darstellung der Beziehung zwischen Lady Claire und Marek intensiviert hätte. Hätte so seine Entscheidung etwas glaubhafter gestalten können.
[SPOILER-ENDE]


Erschreckend ist in der Gesamtbetrachtung des Filmes, dass hinter der Kamera eigentlich erfahrene Leute die Macht in der Hand hatten. Richard Donner [u.a. „Lethal Weapon 1 - 4“] hat eigentlich schon des öfteren bewiesen, dass er aus simplen Drehbüchern anständige Unterhaltungsprodukte fertigen kann und selbst im Mittelalter kennt er sich dank des wunderschönen Märchens „Ladyhawke / Der Tag des Falken“ bestens aus - aber scheinbar waren bei „Timeline“ jegliche Erfahrungen unnötig und konnten nicht mehr vor dem Desaster retten.

Ärgerlich, dass aufgrund eines Neuschnitts – der Film in seiner ursprünglichen Fassung wurde bei Testvorführungen gänzlich zerrissen – die Musik des neunzehnfach Oscar-nominierten Jerry Goldsmith (ausgezeichnet nur für seine „Das Omen“-Score) außen vor gelassen werden musste. Sicherlich hätte er eine wesentlich hörbarere musikalische Untermalung für die Szenen gefunden als Brian Tyler, der eine äußerst belanglose Orchestral-Score geschrieben hat. Schön klassisch versucht er die Emotionen des Zuschauers zu beeinflussen. Leider funktioniert dieses Bestreben aber nicht in der Praxis. Viel zu brav, gewöhnlich und unbedeutend wird das Orchestra eingesetzt – keine der Melodien bleibt im Gedächtnis, wenn sie mal dem Zuschauer bewusst auffallen sollten nur aufgrund ihrer unterschwelligen Penetranz.


*Die Schauspieler*

Emotionslos und so glaubhaft wie ein Hund, der vorgibt eine Katze zu sein. Ein Urteil, dass man eigentlich über alle Akteure in „Timeline“ fällen könnte. Sicher, von Paul Walker (Chris) - der vor Jahren noch als großes Talent gehandelt worden ist - hatte man nach seinen Schmalspurmimik-Auftritten in „the fast and the furious“ und „Joy Ride“ nicht sonderlich viel erwartet. Wieso aber auch bei gestandenen Mimen wie Billy Connolly (Professor Johnston; u.a. „still crazy“ und „the Boondock Saints / Der blutige Pfad Gottes“) eine derartig lieblose Tendenz zu erkennen ist, verwundert. Es erscheint dem Betrachter als wäre die gesamte Schauspieler-Riege dank des glanzlosen Drehbuches gelähmt. Als hätten sie jegliche Gegenwehr schon vor Drehbeginn aufgegeben und würden sich dem Schicksal der platten Figuren gänzlich ergeben.

So erscheint es schon fast lachhaft, wenn Frances O'Connor (Kate; u.a. „Artificial Intelligence: AI“ und „Windtalkers“) versucht erstaunt zu gucken oder wenn Bill Connolly als Wissenschaftler herumhantiert. Einzig aus dem Meer gelangweilter Schauspieler können ansatzweise Gerard Butler (Marek; u.a. „Tomb Raider 2“ und „Reign of fire / Die Herrschaft des Feuers“) und Anna Friel (Lady Claire; u.a. „A midsummer night’s dream / Ein Sommernachtstraum“) herausragen. Zwar leiden auch sie unter den Dialogzeilen – aber wenigstens herrscht in ihren gemeinsamen Szenen nicht eine derartig erfrorene zwischenmenschliche Chemie vor.


*Fazit – In 6 hours they’ll be history!*

Wie konnte man eine Roman-Verfilmung – trotz solch großer Möglichkeiten – nur verhunzen? Verständlich, dass man Kürzungen vornehmen musste. Wieso man aber eigentlich das ganze Story-Grundgerüst umgeworfen hat, ist nicht nachzuvollziehen! Dass bei diesem ganzen Umwälzungsprozess aber auch noch ein schrecklich massentauglicher Film herausgekommen ist, ist wohl die größte Schande. Immer schön darauf bedacht ein möglichst großes Publikum anzusprechen. Nie auch nur ein Risiko eingehen. So können weder die Kampfszenen einem „Herr der Ringe“ das Wasser reichen, noch kann die Story eine notwendige Tiefe entwickeln, die zum Mitfiebern einlädt. Alles plätschert belanglos vor sich hin.

Dass bei einem derartig auf Massenunterhaltung angelegten Produkt der Kassengau [Den Produktionskosten von 80 Millionen Dollar steht ein US-Einspielergebnis von 20 Millionen Dollar gegenüber!] eintreten musste, war eigentlich selbstverständlich. Wer möchte schon ein Reißbrettfilm von der Stange sehen? Und so wurde der Film verständlicherweise von dem überwiegenden Teil der Kritiker äußerst milde bewertet und auch als gewöhnlicher Kinogänger muss man feststellen, dass „Timeline“ nur ein stark durchwachsenes Spektakel bietet, das bei weitem nicht den erhofften Unterhaltungswert gewähren kann.

Und so kann man „Timeline“ abschließend als weitere durchwachsene Schnell-Produktion einstufen, die zwar nicht wirklich langweilt, aber dank mangelnder Höhepunkte und mieser Darsteller schnell im Meer der Durchschnittsware untergehen wird.

Wertung: noch gerade 4 mittelalterliche Punkte auf meiner 10er-Skala
Internet: www.timeline.de   
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