Tipps & Tricks für Allergiker

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Erfahrungsbericht über "Tipps & Tricks für Allergiker"

veröffentlicht 03.12.2004 | Nochoi
Mitglied seit : 05.08.2003
Erfahrungsberichte : 36
Vertrauende : 5
Über sich :
Gut
Pro nichts
Kontra schränkt die Lebensqualität ein, kann tödlich enden
sehr hilfreich

"Für Pflanzenallergiker-Haben Sie ein Spathiphyllum"

Das ist ein Spathiphyllum

Das ist ein Spathiphyllum

Ist die Frage die ich am Telefon immer erstmal stelle, bevor ich irgendwo zum ersten mal essen gehe.
Kurz vorneweg: Ich habe eine Zimmerpflanzenblütenstauballergie (tolles Wort, oder?), deshalb sind meine Tips am ehesten für Zimmerpflanzenallergiker geeignet. Für Menschen mit längerer Allergiegeschichte sind es wohl eher Alltäglichkeiten, aber falls jemand neu dabei ist kann ich vielleicht doch etwas helfen.

~~ Die Vorgeschichte ~~
Im Jahr 1998 ungefähr fing alles an, jedenfalls ist das der Zeitpunkt, an dem in meiner Krankenakte die Eintragungen für Halsentzündungen sprunghaft nach oben schnellen. Anfänglich nur alle paar Monate, bis dann schließlich ab Sommer 2001 mindestens jeden zweiten Monat eine behandlungsbedürftige Halsentzündung aufgetreten ist. Im Frühling 2002 kam dann der Höhepunkt - mehrere aufeinander folgende Halsentzündungen, Kehlkopfentzündung, Oedeme im Gesicht, Atemnot, ständige Kopfschmerzen, schließlich psychische Auffälligkeiten (war auf dem besten Weg in eine Depression - wen wundert's).
Nach langer anstrengender Suche mit Untersuchungen auf so ziemlich jede erdenkliche Krankheit fand sich dann der Auslöser - eine heftige Allergie gegen oben erwähntes Spathiphyllum. (Gab es reichlich an meinem Arbeitsplatz und mein Mann hatte im Frühjahr 2002 so eine geschenkt bekommen - stand im Wohnzimmer). Die Halsentzündungen kamen daher, dass die Schleimhäute durch den Allergenkontakt stark gereizt und somit anfälliger für Infektionen waren.
Inzwischen lebe ich schon seit über 2 Jahren mit einer bekannten Allergie und wollte meine inzwischen erworbenen "Überlebenstipps" an alle Interessenten weitergeben...

~~ Für diejenigen die es interessiert: Meine Symptome~~
Bei Kontakt mit Blütenstaub des Spthiphyllums treten bei mir zunächst leichte Kopfschmerzen auf und ich werde "übellaunig" (höchstwarscheinlich durch die Kopfschmerzen).
Im weitern Verlauf verschlimmern sich die Kopfschmerzen und es kommt zu Schwellungen der Schleimhäute im Rachen und zu Schwellungen der Augen. Wenn ich es dann noch immer nicht kapiert habe, und den Ort nicht fluchtartig verlasse, verschlimmern sich die Schwellungen, ich kann kaum noch sehen und bekomme auch kaum noch Luft.
Helfen tun mir nur eine konsequente Vermeidungsstrategie und Antihistamine. Eine Desensibilisierung ist nicht möglich.

~~ Die Tips ~~

1) Niemals und unter keinen Umständen ohne Medikamente aus dem Haus gehen
Klingt banal - ist es aber nicht. Nun ist das ein Ratschlag, den "alte Hasen" sicherlich schon verinnerlicht haben, sonst wären sie nämlich eventuell gar nicht so alt geworden. Aber mal im Ernst: Wenn das erste Mal eine asthmaähnliche Reaktion aufgetreten ist, sofort zum Arzt und einen Spray aufschreiben lassen und immer am Mann (bzw. an der Frau führen). Ich werde nie den Tag vergessen an dem ich meine erste richtig heftige, pfeifende Atemnotreaktion hatte und gehe ohne meinen Spray nirgendwo mehr hin. Dieser Punkt betrifft insbesondere Blütenstauballergiker, denn man kann ja schon noch kontrollieren wo und ob man was ißt, aber atmen müsst Ihr überall und selbst in der kleinsten Tankstelle gibt es inzwischen Blumen zu kaufen. (Ach ja, einen Allergiepaß solltet ihr Euch auch gleich ausstellen lassen und auch IMMER dabei haben, damit euch im Notfall schnell geholfen werden kann)

2) Niemals einen Ort aufsuchen an dem man längere Zeit verbringen will ohne ihn vorher zu checken.
Nun, bei dieser Regel gibt es (zwangsweise) Ausnahmen. Natürlich rufe ich bei einem Vorstellungsgespräch vorher nicht an und erkundige mich nach dem Bestand der Blumenkästen - das ist aber auch schon mal so richtig in die Hose gegangen. (1 1/2 Std. unerwartete Wartezeit zwischen zwei Spathiphyllen - bei dem Gespräch stand ich dann so unter Antihistaminen das ich mich selbst nicht eingestellt hätte).
Hierbei geht es eher um Restaurants, Kneipen, Frisöre, Arztpraxen, etc, also alle Orte an denen man länger verweilen will oder muß. Am Anfang war mir das Ganze total peinlich, angefangen vom irritierten Schweigen am anderen Ende der Leitung, dem Problem, zu erklären, wie denn besagte Pflanze aussieht (jeder hat 'se, keiner kennt 'se), bis hin zu der Frage ob ich den Angerufenen verar****en wolle - ich fand es einfach nur schrecklich.
Trotzdem ist das für mich die einzige akzeptable Möglichkeit um einen "sicheren" Besuch eines anderen Ortes zu ermöglichen. Wenn man dann da ist und die Leute feststellen das man gar nicht so verrückt aussieht sind sie meistens recht freundlich und verzichten im Zweifelsfall auch in Zukunft darauf die betreffende Pflanze anzuschaffen (womit wieder ein Ort geschaffen wäre den man häufiger besuchen kann).

3) Allergene bei der Arbeit? Die BG hilft!
Die Berufsgenossenschaft des Arbeitgebers ist bei Allergenen am Arbeitsplatz der passende Ansprechpartner. Kommt es aufgrund eines Allergens am Arbeitsplatz zu einem behandlungsbedürftigen medizinischen Problem handelt es sich dabei um einen Berufsunfall und muss somit der BG gemeldet werden. Die haben im Normalfall ein großes Interesse daran, dass der Arbeitgeber schnellstmöglich etwas gegen die Allergenquelle unternimmt. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, alles in seiner Kraft stehende zu unternehmen, um einen Allergiker vor dem Allergen zu schützen (wenn es im Haus auftritt, er muss nicht die Birken an der Straße abholzen lassen) Im Falle einer Zimmerpflanzenallergie ist es kaum vorstellbar wie sich ein Arbeitgeber anstellen kann um die Pflanze nicht entfernen zu müssen - aber auch hier hilft die BG. Notfalls machen die nochmal richtig Druck. Auf den Betriebsarzt kann man sich in diesem Zusammenhang leider selten verlassen, da der häufig zu großes Interesse daran hat weiterhin Betriebsarzt zu sein und sich daher nur selten mit dem Arbeitgeber anlegt (Wohl dem, der einen besseren Betriebsarzt hat).

4) Offensiv sein
In meinem Arbeitsamt stehen eine ganze Menge Spathiphyllen, allerdings nicht auf den Fluren sondern in den einzelnen Büros, ich habe sie also erst bei einer längeren Wartezeit bemerkt. Meine Sachbearbeiterin wollte nur ein Attest vom Hausarzt - und jetzt bekomme ich für den kleinsten Mist den ich regeln muss einen festen Termin - ohne Wartezeiten und erhöhter Allergenbelastung.
Im Supermarkt haben sie eine Verkaufsecke für Blumen eingerichtet und die Allergene verbreiten sich munter über den ganzen Laden? Mit dem Filialleiter sprechen, in meinem Fall haben sie die Anzahl sofort auf 2 Stk. reduziert, mit der Bitte mich sofort zu melden falls das noch zu viele sind.
Für viele Orte gibt es die Möglichkeit mit Verantwortlichen zu sprechen, und die meisten Läden z.B. sind sehr daran interessiert den Kunden zu halten. Es gibt natürlich auch immer mal den Moment an dem man auf vollständiges Unverständniss und Desinteresse stößt, aber mal ehrlich - wollt ihr bei einem Bäcker einkaufen dem es egal ist ob er euch mit Blütenstaub auf dem Brötchen umbringt? Seht ihr, ich auch nicht.

5) Den Freundeskreis miteinbeziehen
Auch das ist ein Punkt der eigentlich eher nervig und unangenehm ist, schließlich will man weder als Spaßverderber noch als Hypochonder dastehen. Auf der anderen Seite merke ich mir auch wie meine Freunde ihren Kaffee trinken oder welche Sachen sie nicht gerne essen und nehme darauf Rücksicht wenn ich für Gäste koche. Daher halte ich es nicht wirklich für übertrieben, wenn gute Freunde sich auf meine Allergie einstellen und ich mich darauf verlassen kann, dass sie a) die Dinger nicht anschaffen und b) mich nicht an einen Ort schaffen an dem sie wissen, dass sie da stehen. Habe ich eigentlich nur positive Erfahrungen mit gemacht.

6) letzter und wichtigster Tip: Den Kopf nicht hängen lassen
Das Leben ist schon eingeschränkter und auch komplizierter, aber davon sollte man sich nicht unterbuttern lassen. Inzwischen habe ausreichend "sichere" Orte gefunden, so dass ich (bis auf die ständige Begleitung meines Adrenalinsprays) im normalen Leben kaum noch an meine Allergie erinnert werde.

~~ Fazit~~
Jede Allergie schränkt das Leben des Betroffenen anders ein, manchmal mehr, manchmal weniger. Trotzdem kann man zumindest mit meiner Art der Zimmerpflanzenallergie recht gut leben, wenn man einige grundlegende Tips und Regeln beachtet (denen ich einfach mal 3 Sterne gebe).

Allen Mitallergikern wünsche ich ein anfallsfreies Leben und den Nichtallergikern das sie es immer bleiben mögen!

*****Update****
Aufgrund der vielen Nachfragen habe ich unten noch ein Bild der Pflanze, gegen die ich allergisch bin, angehängt, auch wenn das ja eigentlich gar nicht der Schwerpunkt des Berichtes war.
Vielen Dank für das Interesse, Gruß, Silke

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • testkon veröffentlicht 16.05.2005
    Nützliche und vor allem anwendbare Tipps. Danke. Gruß, ds.
  • feliz5 veröffentlicht 12.12.2004
    Hast du gut beschrieben. Eine Allergie wie Du sie hast, ist sicher sehr einschränkend - ist ja echt furchtbar, was du alles auf dich nehmen mußt! Aber mich würde iinteressieren wie das Ding aussieht, weil ich weder mit dem Spatiphyllum noch mit der dankenswerterweise unten angefügten "Einblatt" was anfangen kann. Wie ist dein Arzt denn DARAUF gekommen? LG feliz
  • Pik7 veröffentlicht 05.12.2004
    "Die Berufsgenossenschaft des Arbeitgebers ist bei Allergenen am Arbeitsplatz der passende Arbeitgeber." Das muß wohl "Ansprechpartner" heißen.
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