PETER PLEITE WIRD ZUM CHEF GERUFEN !

1  26.01.2002

Pro:
hier gibt es nichts was man nennen könnte

Kontra:
eine sehr peinliche Angelegenheit

Empfehlenswert: Nein 

Papa_Santano

Über sich: Man soll ja immer positiv denken. Doch das Licht am Ende des Tunnels ist oftmals auch der entgegenko...

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Vorwort:

Man kann ja sagen was man will, aber es gibt Momente im Leben, da möchte man einfach nur aus Scham im Erdboden versinken. Einfach plötzlich nicht mehr da sein, Klappe zu, Affe tot !
Aber leider geht es nicht so einfach, denn es gibt immer wieder mal Situationen aus denen man so ohne weiteres nicht rauskommt. Im privaten Umfeld sind peinliche Momente ja schon schlimm genug, aber im Berufsleben gibt es wohl kaum etwas schlimmeres als wenn man zum Gespött der ganzen Firma wird. Ich bin bislang zum Glück nur ein einziges Mal in dieser Situation gewesen, und auch wenn dies schon viele Jahre her ist, möchte ich so etwas nie wieder erleben.
Ich rede hier von der Lohnpfändung, die einen meist völlig unerwartet trifft und man dann auf einmal viele Fragen zu beantworten hat. Offiziell ist es zwar so, dass es eine Verschwiegenheitspflicht seitens der Personalbüros bei solchen Dingen gibt, doch ist es mehr als sicher dass es immer eine undichte Stelle gibt und es nicht lange dauert bis es die ganze Firma weis.
Mein eigenes Erlebnis will ich hier nun nicht bis ins kleinste Detail ausschlachten, denn zum Glück blieb es bei einer einmaligen Sache und handelte sich auch „nur“ um eine nicht bezahlte Telefonrechnung, zu Zeiten als die Telekom noch Post hieß und ein staatliches Unternehmen war.
Viel lieber möchte ich in mich in diesem Bericht mit der Gesetzeslage der Lohnpfändung beschäftigen und versuchen Tipps zu geben wie man sich im Fall der Fälle am besten verhält, oder es noch besser erst überhaupt nicht zur Pfändung kommen lässt. Dazu sollte man aber zunächst einmal wissen was es mit dem Begriff der Lohnpfändung auf sich hat.

Was ist eine Lohnpfändung ?

Der Name sollte es eigentlich schon in ersten Zügen erklären. Bei einer Lohnpfändung ist es so, dass ein Gläubiger dem Arbeitgeber schlicht und ergreifend verbietet den Lohn an den Schuldner auszuzahlen. Da könnte ja nun jeder kommen mag man denken, doch tatsächlich ist es so dass der Gläubiger einen so genannten Titel haben, also das Recht besitzen muss bei dem Schuldner pfänden zu dürfen. Man darf eine Lohnpfändung auch auf keinen Fall mit einer Lohnabtretung verwechseln die man seiner Bank gibt wenn man zum Beispiel einen Kredit aufnimmt, denn dies ist etwas völlig anderes, und basiert auch auf anderer Rechtsgrundlage.
Der Unterschied besteht vereinfacht gesagt darin, dass man bei einer Lohnabtretung seinen Lohn mehr oder weniger als Pfand hinterlässt, für den Fall dass man seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen sollte. In einem solchen Fall braucht sich der Gläubiger nicht lange mit Formalitäten und Anträgen aufhalten, sondern kann die Abtretung einfach beim Arbeitgeber „offen legen“ wie es in der Fachsprache heisst.
Bei der Lohnpfändung muss sich der Gläubiger wie gesagt zunächst einen Titel besorgen, also das gerichtliche Mahnverfahren und daran anschließend den Vollstreckungsbescheid in Händen halten.
Damit kann er nun zum Arbeitgeber des Schuldners gehen und auf Zahlung des Lohnes an ihn bestehen. Der Arbeitgeber muss dem sofern es sich um einen rechtlich abgesicherten Titel handelt nachkommen, denn dazu ist er gesetzlich verpflichtet.

Doch braucht sich niemand Sorgen machen dass einem nun der ganze Lohn weggenommen wird, denn es gibt jede Menge Dinge die zur Berechnung des tatsächlich pfändbaren Betrages zu beachten sind. Und genau hier liegen auch die Probleme die ein Arbeitnehmer nicht selten mit seinem Chef bekommt, da es für die Firma ein ganz schöner Aufwand ist so eine Lohnpfändung korrekt zu bearbeiten. Anhand eines fiktiven Beispiels will ich mal so eine Lohpfändung in den einzelnen Schritten verdeutlichen.

Peter Pleite wird eines Tages ins Personalbüro gerufen weil dort eine Lohnpfändung der Firma Geldgier eingetroffen ist. Peter Pleite fällt zunächst einmal aus allen Wolken, denn damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet.
Was dies denn bedeute will er nun von seinem Personalchef wissen, der ihm daraufhin mitteilt, dass er die Firma Geldgier einen vollstreckbaren Titel über 2000 € hat und sein Lohn nun solange gepfändet wird, bis die Firma ihr Geld hat.
Peter, der sich schon auf dem Weg zum Sozialamt sieht versucht sich mit Händen und Füssen zu verteidigen, doch sind dem Personalchef die Hände gebunden, da er an die Firma zur Zahlung gesetzlich verpflichtet ist.
„Wovon soll ich denn nun leben ? „ fragt Peter Pleite, doch hat er noch Glück im Unglück, denn den kompletten Lohn darf die Firma Geldgeier nicht pfänden, wie genau sich dies nun rechnet weis der Personalchef so auf Anhieb aber auch nicht, denn da müsse er sich erst schlau machen.

Was darf Peter Pleite von seinem Lohn behalten ?

Nun, zunächst einmal muss der Personalchef einen Blick in die aktuelle Pfändungstabelle werfen, in der steht wie viel gepfändet werden darf. Neben einem Freibetrag von derzeit etwas über 600 € geht aber nicht automatisch der Rest an den Gläubiger, denn es gibt weitere Dinge zu beachten. Da Peter Pleite verheiratet ist und seine Frau über kein eigenes Einkommen verfügt gilt Peter als unterhaltspflichtig was ihm einen nicht unerheblichen Teil seines Lohnes vor dem Zugriff rettet. Peter und seine Frau haben auch noch zwei minderjährige Kinder, und schon wieder reduziert sich der pfändbare Teil seines Einkommens.
Peter verdient bei seinem Chef 1800 € netto, was nach der Pfändungstabelle bedeutet, dass bei ihm rund 185 € gepfändet werden dürfen. Den Rest muss der Chef an Peter Pleite ausbezahlen.
Für Peter sind 185 € allerdings eine Menge Geld und er überlegt sich schon ob er Überstunden machen kann um den Verlust wieder auszugleichen. Was Peter aber nicht weis ist, dass von seinem Verdinest aus Überstunden auch jeweils 50 % an die Firma Geldgier gehen, selbst sein Weihnachtsgeld wird ihm bis auf einen Freibetrag von 275 € weggenommen.
Lediglich das Urlaubsgeld ist vor der Pfändung geschützt und bleibt in seiner Geldbörse.
Sollte Peter Pleite weitere Zahlungen wie etwa Gefahrenzulage, oder Schmutzzulage erhalten, sind diese für die Firma ebenfalls tabu.

Darf der Chef Peter wegen der Lohnpfändung kündigen ?

Natürlich nicht, denn eine Lohnpfändung ist kein Kündigungsgrund. Erst wenn die Lohnpfändung eine erhebliche Belastung für seinen Arbeitgeber wäre eine Kündigung unter Umständen rechtens. Doch was hier als erhebliche Belastung gilt entscheidet nicht sein Chef, sondern im Zweifelsfall ein Arbeitsgericht.
In der Praxis ist es auch so, dass es kaum einem Arbeitgeber gelingen wird, diesen erheblichen Mehraufwand vor Gericht nachzuweisen, weshalb es leider so aussieht, dass man oft nach anderen Gründen sucht um den nun plötzlich unbequemen Mitarbeiter vor die Tür setzen zu können.
Wäre Peter Pleite noch in der Probezeit könnte er davon ausgehen diese nicht zu überstehen.
Sollte der Chef aber in einem ersten Anfall von Wut die Kündigung aussprechen und Peter auch schriftlich geben, täte Peter gut daran sofort einen Rechtsanwalt aufzusuchen.

Peter reicht sein Restlohn aber vorne und hinten nicht, zumal er längere Zeit an dieser Lohnpfändung zu knabbern haben wird. Mittlerweile hat sich Peter auch ein wenig schlau gemacht und beantragt eine Erhöhung der Pfändungsfreigrenze.

Was ist das denn ?

Wie oben schon beschrieben gibt es bei der Lohnpfändung immer einen Betrag den man dem Schuldner lassen muss um überleben zu können. Unter Umständen kann es aber nun sein, dass man mit dem Restbetrag nicht auskommt, was allerdings ein Gericht zu prüfen hat. Hat der Schuldner zum Beispiel hohe Ausgaben weil eines seiner Kinder, oder selbst chronisch krank ist, wird er gute Chancen haben dass das Gericht die Pfändungsfreigrenze nach oben setzt.
Von alleine passiert hier aber natürlich nichts, denn für alles was Peter Pleite nun erreichen will muss er Anträge stellen, weshalb er sich am besten in die Hände einer Schuldnerberatung begibt.

Doch hat Peter noch ein Problem, denn für einen Kredit hat er seiner Bank den Lohn abgetreten und kann nun durch die Pfändung der Firma Geldgeier die Raten nicht mehr bezahlen. Jetzt hat Peter in der Tat ein Problem, denn nun muss er seinem Arbeitgeber mehr oder weniger seine ganze finanzielle Situation wie ein offenes Buch auf den Tisch legen. Denn generell gilt, dass eine Lohnabtretung vorrangig zu bedienen ist wenn.............. und das ist ganz wichtig, diese vor der Rechtskraft des Titels eines anderen Gläubigers unterschrieben wurde. Dann gilt nämlich der alte Spruch „Wer zuerst kommt mahlt zuerst“ und sein Chef muss nun plötzlich nicht mehr an die Firma Geldgier, sondern an die Bank den Lohn auszahlen, die Peter über die Lohnpfändung informierte und die nun ihrerseits von ihrem Recht Gebrauch macht.

Und was passiert mit der Firma Geldgier ?

Ganz einfach, die haben erst einmal Pech gehabt und bekommen keinen Cent von Peters Lohn. Erst dann wenn alle vorrangigen Forderungen erfüllt sind, bekommt auch die Firma Geldgier einen Teil von Peters Lohn.

Hätte sich Peter schützen können ?

Oh ja, denn heute muss es nicht mehr zu einer Lohnpfändung kommen. Als Schuldner hat man derart viele Mittel derer man sich bedienen kann um eine Pfändung zu verhindern. Im Prinzip hätte Peter sogar die Spielregeln bestimmen können, denn wir wissen ja mittlerweile dass der Lohn immer zuerst an den ausgezahlt wird der die ältesten Rechte hat. Und genau hier hätte Peter einhaken müssen. Hätte er nämlich der Firma Geldgier mitgeteilt, dass da eine Bank ältere Rechte auf seinen Lohn hat und dies am besten auch noch durch eine Kopie belegt hätte es sich die Firma dreimal überlegt eine Pfändung anzustreben. Besonders dann wenn Peter im gleichen Schreiben eine Ratenzahlung angeboten hätte.
Die Firma Geldgier hätte nun wählen können zunächst einmal keinen Cent zu bekommen, oder aber Teilbeträge.
In der Praxis hat sich dies bewährt und nahezu jeder Gläubiger sieht unter solchen Umständen von eine Lohnpfändung ab, da sie ihm ja eh nichts bringt.

Besonders gut macht es sich wenn Peter Pleite in seinem Brief erwähnt hätte, dass er sich noch in der Probezeit befinde ( wenn dem so sein sollte ) , denn auch dann kann sich die Firma Geldgier ausrechnen dass Peter bei einer Lohnpfändung eventuell seinen Arbeitsplatz verliert, und man dann wieder nichts bekommt.

Wer hätte Peter helfen können ?

Peter ist nun in solchen Dingen nicht so ganz firm und kann sich in Briefen auch nicht so gut ausdrücken. Das macht aber nichts, denn es gibt die Schuldnerberatungsstellen, die Peter kostenlos geholfen hätten mit der Firma Geldgier einen „Deal“ auszuhandeln. Und die Lohnpfändung hätte es dann wahrscheinlich nie gegeben.

Mein persönlicher Tipp:

Ich habe nun wie Eingangs gesagt in jungen Jahren selbst eine Lohnpfändung überstehen müssen und wusste damals nicht was man machen kann.
Heute sieht dies ganz anders aus, und auch wenn mir heute keiner mehr an meinen Lohn will wüsste ich was ich zu tun hätte.
Generell würde ich empfehlen im Bezug auf die Weitergabe von Daten an seine Gläubiger so sparsam wie möglich zu sein. Bei Peter konnte nur gepfändet werden weil er den Fehler machte und der Firma Geldgier seinen Arbeitgeber bekannt gab. Sowas darf man niemals machen, denn derartige Informationen sind für Gläubiger Gold wert. Lieber geht man hin und verhandelt mit den Gläubigern bevor es hart auf hart kommt. Der Dialog zwischen Schuldner und Gläubiger ist mehr als wichtig, um auch seine Interessen wahrnehmen zu können.
Es ist nämlich tatsächlich so, dass die Gläubiger öfter als man denkt zu Zugeständnissen bereit sind, wenn man glaubhaft versichert seine Schulden zu bezahlen, auch wenn man dies in einer Summe nicht kann.

Eine Lohnpfändung kann durch Verhandlungen in den meisten Fällen abgewendet werden. Sollte man sich aber in einer Situation befinden, aus der man ableiten kann dass eine Lohnpfändung auf jeden Fall kommen wird, gilt es sich ein Herz zu nehmen und zum Arbeitgeber zu gehen. Erfahren wird er es sowiso, und wer frühzeitig die Karten offen auf den Tisch legt wird von der bösen Überraschung verschont. Und auch der Arbeitgeber weis was da kommen wird und kann sich entsprechend positionieren.
Nun kann es wie bei Peter ja auch sein, dass man eine Lohnabtretung unterschrieben hat und im Falle einer Lohnpfändung seine dortigen Raten nicht mehr zahlen kann. Auch hier muss man sich ein Herz nehmen und die Bank oder wen auch immer über die drohende Pfändung seitens eines anderen informieren. Dann nämlich meldet die Bank schon einmal ihre Rechte beim Arbeitgeber an um selbst keinen Schaden zu nehmen.
Zusammenfassend lässt sich sagen dass man immer aktiv am Ball bleiben, und keinesfalls resignieren sollte. Es gibt nämlich immer einen Weg. Ob dieser zu gehen nun weh oder auch sehr weh tut, entscheidet man zu großen Teilen selbst.

© Papa_Santano am 26,01,2002 für Ciao


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willibald-1

willibald-1

26.02.2004 12:21

"Lohnpfändung, die einen meist völlig unerwartet trifft" - sorry, aber DAS kann doch nicht sein. Zumindest muß es ja irgendwo einen Titel geben, mit dem gepfändet werden kann. Und bevor es einen Titel gibt, ist ja wohl vorher was passiert. Und gepfändet werden kann mit dem Titel auch nur, wenn Du nicht freiwillig gezahlt hast!

Mr.Crash

Mr.Crash

10.01.2003 00:44

Einen guten Bericht hast Du hier abgeliefert und verfasst. Ich vermisse allerdings, den Hinweis, daß es, bevor es zu einer Lohnpfändung kommt, erst diverse Mahnungen, Gerichtsbeschlüsse und eventuell auch der Besuch eines Gerichtsvollziehers vorangehen. Wobei zu Mahnbescheiden zu sagen wäre, daß viele sich nicht die Mühe machen und Einspruch dagegen erheben.Damit könnte man allerlei abwenden, oder zumindest erst einmal entschärfen. Aber das beste ist doch mal keine so hohen Schulden anzuhäufen. Gruß Dieter

HarryF

HarryF

09.04.2002 15:24

Am besten gar nicht erst dazu kommen lassen (leichter gesagt als manchmal getan). *** Gruß Harry ***

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