Titanic Satiremagazin (Magazin)

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... Titanic, das endgültige Satiremagazin? Aber immer. Monatlich erscheint das Heft zum nicht ganz billigen Preise von immerhin sieben Märkern und versammelt auf ca. 70 Seiten die unterschiedlichsten Beiträge. Diese fügen sich zu einem Ganzen zusammen, das im Laufe der Zeit den unverkennbaren ... Bericht lesen





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Karius lacht
Erfahrungsbericht von Karius über Titanic Satiremagazin (Magazin)
30.11.2000


Produktbewertung des Autors:   


Pro: siehe Meinung
Kontra: hie und da auch mal ein schwächerer Beitrag

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Viele, die meine letzte Meinung gelesen haben, werden es nicht auf Anhieb glauben, es stimmt aber nichtsdestotrotz: Ich lache gern, und zwar über so manches was komisch ist, sei die Komik beabsichtigt oder nicht. Beides ist bei ciao anzutreffen, deshalb habe ich trotz allem noch/wieder Spaß daran – dies als Botschaft an jene lieben Kommentar- und Mailschreiber, die nach meinem letzten Beitrag meinen Ausstieg fürchteten.

Worüber kann ich außerdem noch lachen? TV total? Immer seltener. Harald Schmidt? Schon eher. Quatsch Comedy Club? Gelegentlich. Sieben Tage...? Niemals. Titanic, das endgültige Satiremagazin? Aber immer.

Monatlich erscheint das Heft zum nicht ganz billigen Preise von immerhin sieben Märkern und versammelt auf ca. 70 Seiten die unterschiedlichsten Beiträge. Diese fügen sich zu einem Ganzen zusammen, das im Laufe der Zeit den unverkennbaren Titanic-Stil formte, der sich zwar im Laufe der Zeit verändert hat, sich dabei aber stets treu geblieben ist und niemals versucht hat auf irgendeiner "Comedy"- oder sonstigen Welle mitzuschwimmen.

Viele Ikonen anspruchsvoller Satire und humoristischen Schreibens und Zeichnens haben hier eine Heimat gefunden und es zu einer gewissen Popularität gebracht. Herausragendes Beispiel dürfte Max Goldt sein, aber auch Namen wie Wiglaf Droste, Gerhard Henschel, Eckhard Henscheid, Bernd Pfarr, Rattelschneck und natürlich auch Robert Gernhardt dürften Freunden des gepflegten Unsinns ein Begriff sein.

Von Zeit zu Zeit begnügen sich die Satiriker nicht mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit, sondern schaffen mit publicityträchtigen Aktionen gehörig Außenwirkung, die bisweilen beim gemeinen Volk außerordentliche Empörung hervorruft, beim treuen Leser Karius aber meist für ebenso große Erheiterung sorgt. Natürlich werden solche Aktionen auch in der Zeitschrift selbst ausführlich dokumentiert, so dass der Leser länger etwas davon hat.

Beispiele gefällig? Aber gerne: Den älteren unter den Lesern dürfte noch der Auftritt des damaligen Titanic-Redakteurs Bernd Fritz in "Wetten dass...?" erinnerlich sein, bei dem er glaubhaft machte, Buntstifte am Geschmack erkennen zu können und seinen Betrug anschließend mit Hinweis auf die nächste Ausgabe aufdeckte. Weniger medienwirksam, dafür aber umso aufschlussreicher waren die Erfahrungen, die die Titanic-Mitarbeiter mit ihrem eigenen Stand im Zuge der Unterschriftenaktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft im Vorfeld der letzten Hessenwahl machten. Ebenfalls äußerst gelungen war eine Aktion, bei der Chefredakteur Martin Sonneborn der österreichischen Außenministerin Ferrero-Waldner (ÖVP) in seiner angeblichen Eigenschaft als rechte Hand Joschka Fischers mitteilte, Österreich sei hiermit auf Grund der politischen Situation von der Expo ausgeladen, was die Dame ihm prompt glaubte (dieser Vorfall zog immerhin eine Sondersendung des österreichischen Fernsehens nach sich, die ebenfalls ausführlich in der Titanic dokumentiert wurde).

Das absolute Highlight der letzten Jahre war allerdings die angebliche Bestechung eines FIFA-Delegierten am Vortag der endgültigen Abstimmung über die Vergabe der Fußball-WM 2006. Per Fax wurden im Falle einer Stimmabgabe zugunsten Deutschlands deutsche Wurst, Bier und eine Kuckucksuhr versprochen. Mit Erfolg: Der vermeintlich Bestochene enthielt sich der Stimme (er hatte eigentlich Anweisung für Südafrika zu stimmen), Deutschland erhielt mit dem kleinstmöglichen Vorsprung von nur einer Stimme den Zuschlag. Das schlug hohe Wellen: In England und Südafrika witterten die Medien einen handfesten Skandal, und auch in Deutschland kochte die Volksseele hoch. Statt der Titanic für ihren Beitrag zum Erfolg dankbar zu sein, bezeichnete die Bildzeitung Chafredakteur Sonneborn als "Feind des Fußballs" und veröffentlichte die Telefonnummer des Redaktionsbüros. Das Ergebnis ist inzwischen auf CD erhältlich("Bild-Leser beschimpfen Titanic-Redakteure", nur über die Zeitschrift zu bestellen). Mein Favorit: "Im Rechtsstaat gehören Leute wie Sie ins KZ!"

Aber natürlich ist die Titanic nicht in erster Linie ein Zusammenschluss von Aktionskünstlern, sondern eine Zeitschrift, über deren konkreten Inhalt ihr gewiss ein wenig mehr erfahren wollt. Deshalb stellt euch der Onkel Karius jetzt mal so nach und nach seine Favoriten vor. Bevor´s losgeht, möchte ich noch anmerken, dass in der Titanic durchaus auch schwächere Beiträge zu finden sind, die werde ich aber einfach mal ganz nonchalant übergehen, weil erstens die Meinung sonst zu lang wird und weil sie zweitens von den besseren locker wieder wettgemacht werden. Los geht´s:

Titelblatt

Die Titelblätter haben meiner Meinung nach mit der Ablösung der Kohl-Regierung einen qualitativen Aufschwung erlebt, nachdem der "Kanzler der Einheit" früher in verschiedenen Verfremdungen jedes zweite Cover zierte, was mit der Zeit doch ein wenig die Originalität vermissen ließ. Das Dezembertitelblatt lüftet endlich das Geheimins um die US StimmzetteL. Drei Möglichkeiten stehen zur Auswahl (1. Bush/Gore, 2. Zu blöd zum Wählen, 3. Ungültig), ale drei sind angekreuzt. Schlussfolgerung: "Das dümmste Volk der Welt". Manch älteres Titelblatt wurde auch bereits preisgekrönt, allerdings von den Gerichten: So musste die Titanic ein erkleckliches Sümmchen berappen, nachdem sie Björn Engholm mir Quietscheente in Uwe Barschels Badewanne abgebildet hatte...

Briefe an die Leser

In Briefform bekommen hier mehr oder weniger bedeutende Persönlichkeiten des öffentlichen und sonstigen Lebens auf meist sehr scharfsinnige, witzige und wortgewandte Art ihr Fett ab. Erfreulich ist hier auch, dass Titanic nach rechts und links gleichermaßen austeilt, so dass zB. "konkret" ebnso geschmäht wird wie Jörg Schönbohm.

Sondermann

Die Doppelseite von Bernd Pfarr, die ebenso wunderbar gezeichnet wie gekonnt getextet ist, ist so zum Brüllen komisch, dass jeder Versuch, sie mit Worten zu beschreiben, kläglich scheitern muss. Unbedingt anschauen!

Max Goldt

In den letzten Ausgaben leider nicht mehr vertreten – ich hoffe, es handelt sich nur um eine kleine Schaffenspause, denn auf Dauer möchte ich auf seine Kolumne auf gar keinen Fall verzichten. Nicht zu unrecht füllt Goldt mit seinen Lesungen spielend auch große Säle und erzielt mit seinen Büchern (die größtenteils aus gesammelten Titanic-Kolumnen bestehen) beachtliche Verkaufszahlen. Nirgendwo anders wird so unterhaltsam ohne erkennbares Thema geschrieben. Derzeit tritt Goldt lediglich als Mitautor von Comics (KatzundGoldt) in Erscheinung – auch nicht schlecht, aber lange nicht so gut wie in den Kolumnen.

Humorkritik

Hans Mentz (ein Pseudonym, hinter dem sich mehrere Autoren verbergen) befasst sich regelmäßig mit den unterschiedlichsten humoristischen und humoristisch gemeinten Publikationen in Wort, Schrift und Bild – Lob gibt es hier genauso wie saftige Verrisse, und beides ist gleichermaßen unterhaltsam. Auch bin ich hier schon auf so manch lustig Büchlein gestoßen, das mir anschließend große Freude machte.

Last Exit Sossenheim

Urgestein Chlodwig Poth stellt in Einzelbildern und Alltagszitaten den Wahnsinn durchschnittlichen Vorstadtlebens dar. Meist sehr gelungen.

Partner Titanic

Drei Seiten gesammelter Unsinn garantiert ohne Tiefgang. Regelmäßig taucht "Stulli, das Pausenbrot" auf (schön mit Margarine beschmiert und dick mit Fleischsalat belegt), ebenso wie ein recht eigenwilliges Preisausschreiben. Garniert wird das Ganze mit immer überaus nützlichen Tipps für den Alltag. Kostprobe:

"Helfen kann so einfach sein! Was ich mir diesen Monat vornehme:
- einem einsamen Schneemann eine Schneemannsbraut spendieren
- dem schlecht verdienenden Fachhändler an der Ecke ein paar Fächer abkaufen
- nach dem Einkaufen die Tüten nicht wegschmeißen, sondern einem Drogensüchtigen schenken
- in der Wohnung eines stadtbekannten Depressiven einen Lachsack verstecken (heimlich)
- einen Zitteraal beruhigen"

und so weiter und so fort.

Außerdem sind die Cartoons von Rattelschneck, Greser/Lenz, Ernst Kahl und Rusi Hurzlmeier in aller Regel den einen oder anderen herzhaften Lacher wert, entziehen sich aber meinen Beschreibungsversuchen auf das Hartnäckigste.

So, liebe Leser, gar viele Worte sind wieder einmal gemacht. Ich hoffe, ich habe niemanden gelangweilt und möchte schließen, indem ich euch das Heft wärmstens ans Herz lege. Allerdings glaube ich fast, dass die meisten meiner Vertrauten und regelmäßigen LeserInnen ohnehin bereits regelmäßig auf der Titanic zu Gast sind, so wie die immer schreiben...

Macht´s gut, einen schönen ersten Advent wünscht

Karius

P.S.: Selbstbeweihräucherung: Ist euch wenigstens aufgefallen, dass ich es geschafft habe, lang und breit über Satire zu schreiben, ohne "bissige Ironie", "beißenden Spott", "bitterböse Satire" und "Lachen, das im Halse stecken bleibt" zu erwähnen, wie es andernorts beklagenswerte Unsitte ist? Na? War gar nicht so einfach…


P.P.S.: Siehe Unten: Qualität der Besprechungen und Tipps? Hä??


   

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