Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
spannende Unterhaltung, gute Charaktere, gelungene Medienkritik |
| Kontra: |
Überzeichnung des Medienwahns |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Zehn kleine Mitbewohner... und am Ende war einer Tot. Vor dem Hintergrund der Big Brother Manie gelingt es Ben Elton eine spannende Geschichte um Geld, Gier und Gewalt (ich liebe Alliterationen) zu inszenieren und gleichzeitig reichlich Seitenhiebe auf die Medien auszuteilen.
Der Hintergrund
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Während Ben Elton hierzulande vielleicht eher als Autor der Bücher Popcorn, Letzter Countdown oder Abgefahren bekannt ist, so hat er in England bereits eine treue Fangemeinde die ihn auch als Autor von sehr erfolgreichen Bühnenstücken (z.B. Co-Autor des Queen-Musicals) und Fernsehserien schätzt - hier insbesondere die beiden Klassiker 'The Young Ones' und natürlich dem unvergleichlichen 'Blackadder’ (damit ist Rowan Atkinson erst bekannt geworden).
Er weiß also sehr gut wovon er schreibt und kann es sich wahrlich erlauben bestimmte Medien durch den Kakao zu ziehen, denn er hat ja bereits vorgemacht, dass es besser geht ohne schlechte Quoten zu bekommen (ganz im Gegenteil).
Die Story
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In den letzten Jahren dürfte es kaum gelungen sein, sich dem Phänomen 'Reality TV' zu entziehen und nicht von Big Brother, Survivor oder ähnlichen Fernsehsendungen gehört zu haben. Auch England macht da natürlich keine Ausnahme und so beschreibt Ben Elton die Geschichte einer fiktiven Fernsehsendung namens Hausarrest (im Original treffender als 'Peeping Tom' benannt), in der 10 Kandidaten darum buhlen als letzter das Haus zu verlassen und neben 500.000 Pfund zu gewinnen auch Berühmt zu werden.
Doch während der Sendung geschieht am 27 Tag ein Mord, sozusagen Live, und plötzlich ist einer der Kandidaten tot und die gesamte Zuschauerschaft fragt sich natürlich wer der Mörder sein könnte, denn obwohl der Mord von den Kameras aufgezeichnet wurde, konnte man den Mörder doch nicht erkennen.
Die 10 Kandidaten sind alle jung, attraktiv und wollen auf jeden Fall berühmt werden - genug Motiv um einen Konkurrenten, ähhh Mitbewohner umzubringen? Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass mehr als einer der Mitspieler ein gutes Motiv hat, um den Mord zu begehen. Oder ist es vielleicht der schleimige Kameramann der sich in einer der 'Insassen' verliebt hat? Jemand von Außerhalb? Genug Fragen für den ermittelnden Inspektor Coleridge und seine beiden jungen Mitarbeiter Trish und Hooper.
Die Charakter sind liebevoll (vielleicht sollte man in diesem Fall doch eher 'abschätzig') gezeichnet und orientieren sich (sehr) lose an tatsächlichen Mitspielern aus den ersten beiden Staffeln von Big Brother in England und Australien. Ben Elton lässt den Leser nicht im unklaren über die, seiner Meinung nach eher niederen, Motive der Mitspieler und benutzt Inspektor Coleridge als Gegenstück zu dieser neuen Populärkultur, der immer wieder erstaunt darüber ist, warum sich Leute einem solchen medialen Voyeurismus aussetzen und Berühmtheit als erstrebenswerten Wert per se betrachten. Die kleinen Marotten und Träume der Mitspieler werden sehr schön aufs Korn genommen und ich bin sicher, dass sich etliche Parallelen auch zu deutschen Sendungen dieser Art ziehen lassen.
Die Mechanismen mit denen das Interesse an dieser Form der Unterhaltung gesteigert werden, sind durch die Person der Produzentin von Hausarrest vertreten und die im Buch von ihr benutzten Tricks vermutlich nicht allzu weit von der Realität entfernt. Herrlich sind die Beschreibungen der Moderatorin der Hausarrest-Show Chloe, die einen unweigerlich an einige auf deutschen Fernsehbildschirmen ihr Unwesen treibenden Moderatoren denken lässt. Betrachtet man die Hysterie mit der sich insbesondere die englische Presse allen Prominenten (und solchen die es gerne wären) annimmt, dann ist er nicht weit von einer akkuraten Beschreibung der Medienlandschaft (leider auch der Deutschen) entfernt.
Eigener Eindruck
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Ich habe das Buch eher zufällig gekauft, da ich als Fan von Blackadder schon immer einmal ein Werk von Ben Elton lesen wollte und war sehr angenehm überrascht. Es hat nur wenige Tage gedauert und ich habe jeden Abend mit Freuden ein paar Kapitel gelesen, immer gespannt wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird. Meine Erwartungen, ein spannendes und lustiges Buch zu bekommen, dass mir für ein paar Stunden gute Unterhaltung bietet, wurden voll erfüllt.
Der konservative und immer etwas missmutige Inspektor Coleridge wächst einem in seinem scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Verflachung der Gesellschaft fast ans Herz und es handelt sich trotz aller Gesellschaftskritik um einen guten Krimi. Zwar nicht unbedingt fesselnd, aber immer noch spannend genug um schnell weiter lesen zu wollen. Wer einen Thriller mit viel Action sucht ist mit diesem Buch sicher nicht so gut beraten, wer aber eine amüsante und spannende Story sucht, die gleichzeitig noch genügend Seitenhiebe auf die gegenwärtige Heldenverehrung im Fernsehen austeilt, liegt hier genau richtig.
Fazit
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Auch als bekennender Nicht-Fan von Big Brother und ähnlichen Sendungen hat mir die Lektüre des Buches viel Spaß gemacht und die Spannung blieb bis zum überraschenden Ende erhalten. Ben Elton erhebt sicher nicht den Anspruch tiefgeistige und philosophische Traktate über den Zustand der Medien zu verfassen, sondern ihm gelingt es seine Medienkritik in eine spannende Story zu verpacken (und ist daher vielleicht sogar mit seiner Kritik viel erfolgreicher). Insgesamt wirklich gutes Lesefutter oder um es in der Sprache seiner Protagonisten zu sagen (im englischen Original): 'Wicked and Brilliant'.
+ gute und spannende Unterhaltung bis zum Schluss
+ gute und glaubwürdige Charaktere
+ gelungene und aktuelle Medienkritik
o die fragwürdige Motivation der Teilnehmer teilweise etwas zu überzeichnet