Kleine Dinge ganz groß darstellen
04.10.2007
Pro:
ausgezeichnete Verarbeitung, top Abbildungsqualität, perfektes Preis - Leistungsverhältnis
Kontra:
Tubus fährt beim Fokussieren aus
Empfehlenswert:
Ja
 NorthPole76
Über sich:
Mitglied seit:01.02.2002
Erfahrungsberichte:107
Vertrauende:8
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 54 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Kleine Dinge ganz groß aussehen lassen, das ist es, was das Tokina AT-X Pro Macro 100 F2.8 D am besten kann. Kein Wunder, denn bei dem genannten Objektiv (ich beziehe mich auf die Canon-Mount Version) handelt es sich auch um ein (reines) Makroobjektiv. Zu Beginn ein paar technische Daten zum Objektiv: Das Tokina ist mit der größten Blende von 2.8 recht lichtstark und kann bis f/32 (kleineste Blende) verwendet werden. Der Objektivaufbau besteht aus 9 Elementen in 8 Gruppen. Wichtig für ein Makroobjektiv ist der Minimalabstand zum zu fotografierenden Objekt und dieser ist beim Tokina mit 30cm angegeben. Dabei kann man eine maximale Vergrößerung im Maßstab 1:1 erzielen.
Nun aber zum harten Alltaggebrauch, nämlich dem Fotografieren mit dem Tokina. Ich verwende das Makroobjektiv derzeit an einer Canon EOS 350D und muss sagen, dass ich bisher damit nur sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Der Autofokus ist ausreichend schnell und fällt im Vergleich zum AF des Canon Makroobjektivs nur gering ab (ich konnte auch das Canon Objektiv ausgiebig testen). Da ich meistens nur das zentral Messfeld der 350D verwende, gibt es mit der Treffsicherheit kaum Probleme und der Fokus sitzt in 99% der Fälle. Wie man hier herauslesen kann, verwende ich, was für die Makrofotografie eher untypisch ist, sehr oft den AF und nur selten den manuellen Fokus. Bei manchen Objekten kommt man aber um den Einsatz eines Stativs und des MF nicht herum. Aus diesem Grund ist es für ein Makroobjektiv sehr wichtig, dass sich der Fokus auch manuell sehr gut und vor allem genau einstellen lässt. Beim Tokina erfolgt der Wechsel zwischen AF und MF in dem man den Fokusring nach hinten zieht. Das hat den Vorteil, dass man den voreingestellten Fokus im Wechsel zum manuellen Fokusieren nicht verstellt. Manuell lässt sich der Fokusring sehr gut und vor allem exakt bedienen und man kann wirklich im Millimeterbereich den Fokus einstellen.
Ein weiteres, bei vielen Makroobjektiven serienmäßiges, gutes feature ist das begrenzen des Fokusbereich. Da es eine Zeit dauert, bis der AF den gesamten Fokusbereich (Entfernung zum Objekt) durchlaufen hat, kann man den Fokusbereich limitieren. Das ist vor allem dann ein Vorteil, wenn man das Tokina nicht als Makroobjektiv einsetzt, sondern es als Portraitlinse zweckentfremdet (was übrigens sehr gut funktioniert, dazu aber noch später). Ist der Fokusbereich limitiert, fährt der Fokus nur in einem Bereich der Entfernungseinstellung durch und sperrt den restlichen Fokusbereich. Man kann sich das so vorstellen: Wenn man auf etwas fokussiert, das zB 10m von einem entfernt ist und man sperrt den Fokusbereich nicht, dann fokussiert das Objektiv von unendlich bis 30cm Naheinstellbereich und das dauer. Sperrt man allerdings den Fokusbereich, dann läuft der Fokus nur von unendlich bis zB 2m und ist somit um einiges schneller. Das gleich gilt natürlich auch für den Makrobereich - ist dort der Fokusbereich gesperrt, wird nur von 30cm bis 2m fokussiert. Eine Eigenheit des Tokina Makroobjektivs ist, dass der Tubus beim Fokussieren ausfährt. Man muss also berücksichtigen, dass, wenn man ein Objekt anfokussiert, der Tubus ausfährt und man so ein paar cm näher an das Objekt herankommt (wichtig zu beachten, dass man die Naheinstellgrenze nicht unterschreitet). In der Praxis hatte ich damit allerdings noch nie probleme und ich habe mir so noch nie ein Fotomotiv verscheucht.
Wie oben schon kurz erwähnt, kann man das Tokina AT-X Pro Macro 100 F2.8 D auch sehr gut (bis zu einem gewissen Punkt) für Portraitaufnahmen verwenden. Man sollte aber eines beachten - auf Grund der ausgezeichneten Abbildungsqualität sieht man im Gesicht jede falte, man sollte also nicht zu nahe an die Person gehen, da sonst Details sichtbar werden könnten, die man in der Portraitfotografie nicht unbedingt haben möchte. Was ebenfalls nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die ausgezeichnete Verarbeitungsqualität des Tokina Objektivs. Die Haptik ist ausgezeichnet und die verwendeten Materialien wirken äußerst hochwertig. Es steht in diesem Punkt dem Canon Objektiv in keinster Weise nach, ich würde sogar behaupten, dass es von der built-quality vor dem Canon liegt.
Wenn also jemand ein abbildungsstarkes Makroobjektiv, in Topqualität mit gewissen Portraiteigenschaften sucht und das zu einem vernünftigen Preis, dann ist er oder sie beim Tokina AT-X Pro Macro 100 F2.8 D zu 100% richtig.
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30.06.2008 09:06
Sehr guter Bericht. Habe hier bei Ciao das gleiche Objektiv auch bewertet. Taucht aber komischerweise in einer anderen Rubrik auf. Gruß colonski
04.10.2007 16:29
Was Du vielleicht erwähnen solltest, dass die Canon EOS 350D eine digitale Spiegelreflexkamera ist. Nicht jeder weiß das, und auf analoge Kameras passt dieses Objektiv wahrscheinlich auch nicht drauf... Ansonsten ein sehr schöner Bericht! Gruß aus dem gallischen Dorf Miraculix1967:-)