Drei Jahre habe ich die Navigon-Software auf meinem PDA (IPAQ 2210) genutzt und war absolut zufrieden. Jetzt habe ich das NOKIA E60 Handy, das beinahe alle Funktionen bietet, die ich bisher mit meinem PDA genutzt habe.
Alles, was ich unterwegs brauche (ich fahre ca. 70.000 km im Jahr), kann dieses Handy mindestens genau so gut wie mein PDA: Termine und Kontaktlisten verwalten , MS-Office-Dateien lesen und darin kleine Änderungen machen, PDF-Dateien anzeigen. Mehr habe ich mit meinem PDA bisher auch nicht gemacht.
Außerdem hat mein Handy Internetzugang mit UMTS. Davon kann mein IPAQ nur träumen. Der Rest interessiert an dieser Stelle weniger. Der steht irgendwann in meinem Erfahrungsbericht zum E60.
Wozu brauche ich also noch meinen IPAQ? Bis vor ca. 6 Wochen nur noch zum Navigieren! Auf dem PDA läuft äußerst zuverlässig der NAVIGON Navigator 5 und würde auch heute noch laufen, wenn nicht zufällig meine PDA-Halterung abgebrochen wäre.
Eine ordentliche PDA-Halterung kostet 40 Euro. Da bin ich über das NAVIGON-Angebot gestolpert: Software incl. Europakarte für 99 Euro zum Download.
Da ich die sehr zuverlässige Navilock-BT338-Bluetooth-Maus habe, die sich problemlos sowohl mit dem PDA als auch mit Handy paart, benötigte ich keine zusätzliche Hardware, Da waren die 60 Euro Differenz ja einen Versuch wert:
Eine Fummelhalterung weniger im Auto, in dem ich täglich mehrere Stunden verbringen muss, ist ja auch nicht schlecht. Und ein Teil weniger synchronisieren zu müssen, ist sicher noch besser, denn so ganz ohne manuelle Nacharbeit läuft offensichtlich keine Synchronisation der Datenbanken auf PC, PDA und Handy, wobei die Nokia-PC-Suite zum Verbinden von Handy und PC noch die wenigsten Macken hat.
Nach meinen jahrelangen positiven Erfahrungen mit NAVIGON habe ich natürlich zuerst die Symbian-Version vom MN6 ausprobiert und war auf den ersten Blick begeistert:
Sehr saubere Ergonometrie bei der Bedienung, eine toll an die Auflösung meines Handy-Displays angepasste Grafik!
Der einzige und letzendlich entscheidende Wermutstropfen:
Auf meinem Handy funktioniert der NAVIGON-NM6 nur zum Teil:
Der GPS-Empfänger wird schnell gefunden, Nachdem die Strecke gemächlich berechnet ist und die erste Fahranweisung zu hören war, dann ist erst einmal für 5 - 6 km (oder Minuten) der Fahrtstrecke Funkstille. Die Navigation friert ein. Nichts geht mehr.
Wenn ich zum nächsten Kunden fahre, irre ich zuerst einmal wie ein Blinder durch die Stadt! Dafür brauche ich keine Navigation. Danach nimmt der MN6 die Navigation plötzlich wieder wieder auf und läuft problemlos weiter.
Mindestens 10 Anrufe habe ich deshalb bei NAVIGON gemacht. Die übliche Antwort des Telefonsupports kennt auch mein Papagei:
Neu installieren. Auch das habe ich dreimal gemacht. Ohne Erfolg.
Dann empfahl man mir, eine vorherige Version vom MN6 zu installieren ( 6.1 soll angeblich funktionieren), was aber technisch nicht geht, denn ein DOWNGRADE vom meiner aus dem Internet geladenen Version 6.2.14 ist offensichtlich nicht vorgesehen. Die Installation wird ganz einfach verweigert.
Die immer wieder versprochenen Antworten des NAVIGON-Telefonsupports per E-Mail blieben aus.
Dann kam aber doch doch zwei E-Mails:
1. " Entfernen Sie unter Einstellungen-Verbindungen das Häkchen."
Das haben Sie, lieber Leser, wahrscheinlich genau so gut wie ich kappiert. Es ergibt keinen Sinn, und die Telefonhotline konnte mir nicht weiter helfen.
Und dann die stärkste Antwort:.
2. "Sie benötigen eine GPS-Maus, damit das Satelittensignal empfangen werden kann."
Nach diesem "äußerst hilfreichen" Support war einfach sauer auf NAVIGON und habe mir, weil ich ja gesehen habe, dass die Handy-Navigation prinzipiell funktioniert, den TOMTOM Navigator 6 gekauft.
Und siehe da: Der TOMTOM Navigator 6 läuft und läuft und läuft...
Die Bedienung vom TOMTOM ist gegenüber vom NAVIGON etwas hausbacken und die Displaydarstellung, was den Handybetrieb betrifft, zu sehr auf das PDA-Format abgestellt. Die Schrift ist, zumindest auf dem hochauflösenden Display des E60, teilweise sehr klein. Man braucht gute Augen.
Die Streckenberechnung beim TOMTOM geht aber mindestens fünfmal so schnell wie beim NAVIGON. Dabei wird er letzte Standort gespeichert, was die Berechnungen zum nächsten Ziel noch einmal beschleunigt.
Der NAVIGON hat eine super Kartendarstellung, allerdings in einem sehr großen Maßstab. Alle Details sind sehr klein. Erst wenn die die Geschwindigkeit beinahe auf Fußgangerniveau zurückgeht uns sich der Zoomfaktor anpasst, sind mehr Details zu sehen.
Von Weitem sieht das Displaybild beim NAVIGON sehr gut aus und erinnert an eine Karte auf Papier, aber durch den großen Maßstab wird offensichtlich auch die sehr langsame und ruckelige fortlaufende Strechenberechnung kaschiert. Hier kommen die Geschwindigkeitsvorteile vom TOMTOM voll zur Geltung.
Beim TOMTOM ist die Kartendarstellung ziemlich schematisch und weniger naturgetreu, aber der Streckenverlauf ist äußerst gut nachvollziehbar. Obwohl viel mehr für die Navigation wichtige Details als beim NAVIGON angezeigt werden (Querstraßen, Abfahrten, etc), ist ein Ruckeln kaum wahrnehmbar. Dafür verzichtet man bei TOMTOM aber z.B. auf die Darstellung eines Badesees in 5 km Entfernung ( zu dem ich auch nicht hin will ).
Als sehr hilfreich empfinde ich, dass beim TOMTOM zuerst einmal die Strecke insgesamt auf dem DISPLAY dargestellt wird. Außerdem ist die Vorabstreckenplanung beim TOMTOM viel komfortabler. Es sind Zwischenziele einzugeben und Strechenabschnitte auszusparen. Hier bietet NAVIGON keinerlei Möglichkeiten.
Die Fußgängerstrecke wird beim TOMTOM erheblich praxisnäher dargestellt als beim NAVIGON. Die wichtigen Informationen gehen nicht in der Grafik unter.
Das Zusammenspiel mit meiner Bluetooth-Freisprecheinrichtung (PAROTT CK 3200) funktioniert mit beiden Navis gut. Alle Ansagen werden sauber übertragen.
Das derzeit verfügbare Kartenmaterial ist beim TOMTOM aktueller, jedenfalls in der Region Nordrheinwestfalen, in der ich mich meistens bewege. Eine Reihe von Änderungen, die beim NAVIGON noch nicht im aktuellen Kartenmaterial vorhanden sind, hat der TOMTOM schon.
Beim NAVIGON kann man nur einzelne Länderkarten installieren. Grenzübergreifende Navigation ist nicht möglich. Das geht beim TOMTOM. Deshalb habe ich bem TOMTOM zuerst einmal die Europakarte auf meine Handy-Speicherkarte übertragen.
Das war keine gute Sache, denn den Zielort aus einem Wust von Vorschlägen aus ganz Europa herauszusuchen, ist nicht sehr komfortabel, insbesondere dann, wenn man sich normaler Weise nur in einem engen Bereich bewegt und den Rest von Europa nicht braucht.
Also habe ich meine Speicherkarte neu installiert und die Europakarte zusätzlich zur Deutschlandkarte. 2 GB - Speicherkarten gibt es ja mittlerweile für 40 Euro. Und jetzt wollte plötzlich die Software-Aktivierung beim TOMTOM nicht mehr.
Auch hier habe ich die Hotline kontaktiert und im Gegensatz zu NAVIGON sehr hilfreiche Antworten bekommen. Derzeit funktioniert TOMTOM bestens.
TOMTOM interessiert sich auch noch für die Supportqualität, denn man fragt ausdrücklich nach. Daran denkt bei NAVIGON derzeit offensichtlich absolut niemand.
In der Zuverlässigkeit der Navigation kann ich keine großen Unterschiede feststellen. Weder TOMTOM nach NAVIGON haben mich auf insgesamt etwa 15.000 KM in die Irre geschickt. NAVIGON hält einen länger auf der Autobahn, wohingegen TOMTOM offensichtlich oft eine Abfahrt früher nimmt. Zeitlich kommt es etwa gleich aus. TOMTOM nimmt auch die Option "kürzeste Strecke" wörtlicher als NAVIGON.
Die Verkehrsinformationen, die beim TOMTOM über Internetverbindungen abrufbar sind (gegen Entgelt) können sehr hilfreich sein. Allerdings wird nicht eindeutig angezeigt, welche Umleitung eingeplant wird. Der Signalton, der eine geänderte Streckenführung anzeigt, sagt leider nichts über den Sinn oder Unsinn der Umleitung. Man muss sich "blind" auf die Technik verlassen. Navigon bietet auf diesem Gebiet keinerlei Ansätze.
Zu Radarwarnungen, die in TOPMTOM eingebaut werden können, will ich mich nicht äußern, denn diese stehen auf rechtlich sehr unsicheren Füßen und entsprechen auch nicht meiner Mentalität. Ich will nicht schnell fahren und trotzdem nicht erwischt werden. Viel hilfreicher sind da die Geschwindigkeitsinformationen, die offensichtlich in der Karten beider Systeme bei den einzelnen Strecken hinerlegt sind. Man bekommt Warnungen, wenn man zu schnell fährt.
Beim TOMTOM erscheint dann mikroskopisch klein am unteren rechten Rand des Bildschirms die zulässige und die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit der jeweiligen Strecke. Wenn man zu schnell fährt, sind die Zahlen rot. Die Information ist also offensichtlich verfügbar, aber sie ist nicht nutzbar, weil man während des Fahrens nicht konstant das Display absuchen kann.
Hier hat NAVIGON eindeutig die Nase vorn. Das Geschwindigkeitssymbol ist gut sichtbar und es werden deutliche Sprachwarnungen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen ausgegeben .
Faszit
Der NAVIGON MN6 sieht schöner aus, die Anbindung an die Handy-Kontaktdatenbank ist besser. Die Streckenberechnung dauert aber viel länger als beim TOMTOM. Absolut ärgerlich ist aber, das dieses Programm die ersten fünf Minuten der Navigation verpennt (wenigstens in meiner Konfiguration) und dass von NAVIGON auch nicht ein im Ansatz brauchbarer Support zu bekommen ist.
Der TOMTOM sieht hausbackerner aus, läuft aber absolut zuverlässig und man scheint den Support Ernst zu nehmen.
Für alle, die beruflich ankommen müssen und die Navigation nicht nur zum Spielen brauchen, ist im Bereich der Handy-Navigation mit Symbian der TOMTOM nach meiner Meinung die mit Abstand besser nutzbare Alternative.
Und: Meinen IPAQ und das damit verbundene zusätzliche Kabelgwewirr vermisse ich nicht!
Hier noch ein Trost für alle, die schöne Displaybildchen haben und trotzdem zügig ankommen wollen: NAVIGON und TOMTOM vertragen sich bestens auf meiner 2 GB-Speicherkarte des Handys. Ich kann also wählen.
Wenn ich dann mal die ersten 5 oder 6 km der Fahrtstrecke kenne, kann ich ja den NAVIGOn nehmen. Wenn ich aber zügig losfahren muss, bleibt nur der TOMTOM.
21.08.2007 20:44
alles klar
23.07.2007 01:19
Hmm....also, ich bräuchte auch son Ding, dann bräuchte ich mich nicht mehr an Läden zu orientieren: "am supiteuren Schuhladen links und am hübschen blaulichten Lampenladen rechts" :-)) Mal gucken, was ich noch so finde :-) war informativ bei Dir.
20.04.2007 01:17
Ein sehr interessanter Bericht. LG Tina