Tomb Raider - Der Film

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"Tetris - der Film" wär unterhaltsamer gewesen!

1  03.03.2002

Pro:
Da fällt mir auf Anhieb nichts ein

Kontra:
Langweilig, ohne Witz & Charme, talentfreie Schauspieler .  . GÄHN !

Empfehlenswert: Nein 

Mims

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:45

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 75 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet


Heute ist mir klar geworden, dass es eine weise Entscheidung war, diesen Film zu ignorieren, als er 2001 ins Kino kam. Was wurde dafür die Werbetrommel gerührt. Da hieß es, der coolste Film aller Zeiten käme hier auf uns zu. Die innovativste, actionreichste, cleverste und cooooolste Filmumsetzung eines Computerspiels würde alles bisher gesehene in den Schatten stellen – hieß es. Lara Croft, eine überproportionierte Computerfigur mit überdimensionalem Bekanntheitsgrad hatte nun also endlich auch den Sprung auf die große Leinwand geschafft. Nachdem schon ständig diverse Lara-Lookalike Wettbewerbe in Zeitungen und sonstwo zu sehen gewesen waren, war es ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis man in Hollywood auf den glorreichen Gedanken kommen musste, aus den Computerabenteuern von Miss Croft einen abendfüllenden Spielfilm zu machen. Bisher gingen solche Projekte ja mit schöner Regelmäßigkeit baden, man erinnere sich nur an solche Machwerke wie „Super Mario Bros.“. Aber mit Tomb Raider sollte das ja alles anders werden... hieß es. Vergleiche mit den legendären Indiana Jones Filmen wurden massenweise gezogen und man behauptete sogar teilweise, Tomb Raider wäre um einiges rasanter, spannender, höher, schneller, besser...

Heute hab ich mich schließlich dazu durchgerungen, mir diesen vielgelobten Film mal mit eigenen Augen auf Leih-DVD (ohne weitere Extras!) anzuschaun. Dazu muss ich noch sagen, dass ich die dazugehörigen Spiele bisher noch nie gespielt hab und auch sonst keinerlei Vorwissen über die Figur Lara Croft mitgebracht hab. Ich wusste nur soviel, dass sie eine kurvenreiche Archäologin ist, die sich durch irgendwelche Gruften und Höhlen tritt, schießt, prügelt usw. Im Film dargestellt von der mir bis heute auch eher unbekannten Angelina Jolie. Soweit, sogut. Ich würde von der Filmumsetzung eines Computerspiels nie besonders anspruchsvolles Kino erwarten, das nun wirklich nicht. Aber ich dachte, Tomb Raider wäre wenigstens bunte Popcorn-Unterhaltung zum Zurücklehnen und Spaßhaben; vielleicht mit einigen geklauten Indiana Jones-Ideen, aber was soll’s. So lange es irgendwie noch witzig ist.
Aber Denkste. Was mir da geboten wurde, kann ich persönlich beim besten Willen nur als blanken Hohn bezeichnen.

Meiner Meinung nach ist Tomb Raider schlichtweg langweilig, vorhersehbar und durch und durch unspektakulär. Die Schauspieler brillieren durch das bis zuletzt durchgehaltene Fehlen von Talent und Ausdruckskraft, sowas wie Humor gibt’s auch nicht; nur ständig irgend welche dämlichen Sprüche, die anscheinend cool sein sollen. Naja, wer’s mag. Teenies finden sowas vielleicht noch irgendwo amüsant, Lara-Fans womöglich auch – aber der Durchschnittskinogänger, der einfach nur einen spaßigen Film sehen will, wird leider schlecht bedient.
Bevor ich hier aber weiter zetere, mal die

*************HANDLUNG***********

Die Story beginnt in der Villa Croft, wo unsere Heldin Lara grade dabei ist, zu Trainingszwecken ein paar Riesenroboter fachgerecht mittels Riesenknarren, Tritten und anderen Stunteinlagen zu zerlegen. Ihr komischer Erfinderfreund Bryce ist davon gar nicht begeistert, hat er die Dinger doch feinsäuberlich zusammengebastelt (sonst hat er keine nennenswerte Funktion).
Inzwischen in Venedig, wo die eigentliche Handlung beginnt: ein böser Geheimbund namens „Die Erleuchteten“ tritt zusammen. Eine besondere Planetenkonstellation steht in Kürze an, die sich nur alle 5000 Jahre wiederholt. Zu diesem denkwürdigen Zeitpunkt kann man mittels zweier Hälften eines sagenumwobenen Dreiecks die Zeit manipulieren und somit über die gesamte Welt unwahrscheinlich große Macht ausüben. Das Teil muss also her, und der schmierige Manfred Powell soll dafür sorgen, dass es so schnell wie möglich aufgetrieben wird.
Laras verstorbener Vater hat ihr als kleines Mädchen auch immer von diesem Dreieck erzählt, das sie einmal finden muss, wenn sie erwachsen ist. Und schon geschieht es, dass sie eines Nachts eine seltsame Uhr in einem Geheimraum des Hauses entdeckt. Man verweist sie ausgerechnet an Powell, der sich mit solchen antiken Uhren auskennen soll. Sie bringt allerdings nur Photos mit zu dem Treffen, da sie ja ein schlaues Mädchen ist und den Braten riecht. Prompt erscheint des Nachts darauf eine bis an die Zähne bewaffnete Einbrechertruppe in Laras Eigenheim, um das gute Stück zu stehlen – gerade, als sie mal eben wieder dabei ist, ein paar Turnübungen an Bungee-Seilen, die quer über die Empfangshalle gespannt sind, zu vollführen. Die Kerle kriegen ordentlich Haue, können die Uhr aber stehlen und zu Powell bringen.
Am nächsten Morgen erhält Lara einen Brief, den ihr Vater vor seinem Tod an sie verfasst hat. Dadurch erfährt sie die ganze Geschichte um das Dreieck. Vor 5000 Jahren fiel ein Meteor auf die Erde und aus dem mitgelieferten Metall schmiedeten die Menschen eben besagtes Dreieck, das dann wie ein Heiligtum vergöttert wurde (denn man erinnere sich – damit kann man die Zeit beherrschen). Leider wurde damit aber Schindluder getrieben und eine ganze Stadt dadurch vernichtet. Daraufhin beschloss man weise, das Dreieck in zwei Hälften zu schlagen und die Teile an zwei entgegen gesetzten Orten der Erde zu verstecken, damit sie nie wieder so missbraucht werden können und weiteres Unheil anrichten.
Nun soll Lara diese zwei Teile finden und sie vernichten, bevor der finstere Geheimbund das tut und die Welt beherrschen kann. Wird ihr die Suche gelingen? Oder haben Powell und seine Leute die besseren Karten?
Laras Wege führen sie zu Tempelruinen in Kambodscha bis nach Sibirien, und immer gibt es reichlich Gelegenheit für sie, sich zu prügeln, ihre zwei riesigen... Knarren einzusetzen, ihren blonden Freund Alex zu retten (der eigentlich nur ein Statist ist), das Outfit zu wechseln und wild entschlossen drein zu blicken. Dazwischen gibt’s immer wieder wehmütige Erinnerungen an Papa Croft und jede Menge „coole“ Sprüche. Und das wär’s auch schon.

********Kritik, Kritik, Kritik*********

Nein, ich kann dem Film einfach nichts abgewinnen. Das fängt schon bei der Hauptdarstellerin an. Angelina Jolie mag ja haargenau so aussehen wie die fleischgewordene Lara Croft, aber was ihre schauspielerischen Fähigkeiten angeht, ist sie einfach nur schwach. In einem Computergame mag ein einziger Gesichtsausdruck ja genügen, aber das hier ist ein Spielfilm, und da fällt diese eingeschränkte Mimik eben ganz einfach unangenehm auf. Schauspieler sollten eigentlich mehr drauf haben als nur gut auszusehen – auch wenn’s nur ein Actionabenteuer ist! Überhaupt bleibt Lara durch und durch blass. Durch die ständigen Rückblenden mit ihrem Vater sollte der Figur wohl sowas wie Tiefgang verliehen werden, was aber leider scheitert. Sie bleibt auch im Film das, was sie eigentlich ist: eine leblose Figur, ohne besonderen Charakter. Ich verlang ja keine tiefschürfenden Charakterstudien von so einer Filmfigur – aber dann sollte sie zumindest witzig und sympathisch rüberkommen! Angelina Jolie legt hier wirklich keine Glanzleistung hin. Die anderen Darsteller/Figuren sind überhaupt nicht weiter erwähnenswert. Bezeichnend ist ja auch, dass man sich während des ganzen Films nicht mal ordentlich ihre Namen merken kann. Bösewicht Powell, gespielt von Iain Glen, ist zwar schleimig und unsympathisch, für einen richtigen Filmfiesling aber viel zu nichtssagend. Jon Voight, der auch im wirklichen Leben Angelina Jolies Vater ist, spielt seine Rolle als Lord Croft routiniert, rettet das ganze aber auch nicht, zumal grade diese Flashback-Szenen dermaßen kitschig geraten sind, dass schon alles zu spät ist.
Die Story ist so vorhersehbar und einfallslos, dass es einem die Zehennägel hochrollt und wird schnell recht langweilig. Mit überraschenden Wendungen oder besonderen Randgags sollte man bei Tomb Raider wirklich nicht rechnen. Alles verläuft sehr geradlinig, und erinnert leider viel zu oft an ein Computerspiel (Artefakt passt in Vorrichtung an der Wand, eine Geheimtür geht auf, Steinfiguren erwachen zum Leben usw.). Sicher, das war ja auch die Vorlage – nur brauche ich als Kinobesucher so etwas auf der Leinwand? Am heimischen PC macht das doch wesentlich mehr Spaß, zumal ich da wenigstens noch selber ins Geschehen eingreifen kann und es dadurch doch irgendwo spannend bleibt.

Diesen Film mit der Indiana Jones Trilogie zu vergleichen ist schlicht und einfach lächerlich. Indy hat alles, was Lara Croft fehlt (zumindest aus meiner Sicht *gg*)!
Für beinharte Actionfreaks und Computerfans ist Tomb Raider aber wahrscheinlich durchaus noch sehenswert. Der Film lief an den Kinokassen ja nicht grade schlecht und hat auch die eine oder andere passable Kritik bekommen. Bei mir persönlich fällt der Streifen aber leider mit Pauken und Trompeten durch. Sorry, Lara.

**********Tomb Raider kompakt**********

Tomb Raider
Kinostart: 2001
Regie: Simon West
Drehbuch: Patrick Massett & John Zinman
Musik: Graeme Revell

Darsteller:
Lara Croft : Angelina Jolie
Lord Croft: Jon Voight
Alex Marrs: Daniel Craig
Bryce: Noah Taylor
Manfred Powell: Iain Glen
u.v.a.

************FAZIT**********

Auch auf die Gefahr hin, mich bei allen Lara Croft/Tomb Raider/Angelina Jolie usw.-Fans unbeliebt zu machen, für mich ist dieser Film einfach nur Müll und verdient eigentlich gar keinen Stern. Man kann aus einer eher belanglosen Rahmenhandlung eines Actionspiels einfach keinen großartigen Kinofilm machen. Innovativ ist hier rein gar nichts, man hat alles schon mal anderswo gesehen. Ob nun Verfolgungsjagden oder wildes Geballere mit allen erdenklichen Schusswaffen – das reicht mir allein einfach nicht! Ich weiß, dass solche Actionstreifen nie besonders gehaltvoll sind, aber ein Mindestmaß darf man doch wohl erwarten. Hier kommt einfach weder Spannung noch Humor auf, alles ist mehr als klischeehaft (um sich prügelnde Powerfrau, dümmlicher trotteliger Freund, verehrte und geliebte Vaterfigur mit dunklem Geheimnis usw) und alle Figuren sind so leb- und emotionslos wie ein paar sprechende Computerpixel. Alles in allem gehört Tomb Raider für mich in die Kategorie Filme, die die Welt nicht braucht.
Tja, eine große Oberweite täuscht halt nicht über eine komplett leere Story hinweg – zumindest mich nicht ;-).


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Zankafein

Zankafein

27.04.2005 22:36

Eine sehr schöne Überschrift, bei der ich laut loslachen musste. Der Bericht ist sehr gut.

Tuvok1

Tuvok1

25.12.2003 18:04

so langweilig war er auch wieder nicht dein bericht ist gut

Christo-Boy

Christo-Boy

18.11.2002 16:09

Ich fand den Film auch ziemlich scheiße. Allerdings stellst du - in meinen Augen - zwei Fehlbehauptungen auf: 1. dass der Film unspektakulär sei. Das stimmt nicht, denn die Effekte rasseln wie aus dem Maschinengewehr und es macht krachwummbumm allerorts. 2. dass Angelina Jolie eine schlechte Schauspielerin sei. Sie hat das Beste aus der psychologisch gesehen Minimalrolle Lara Croft herausgeholt. Sie hat 1993 immerhin den Oscar gewonnen als beste Nebendarstellerin. Ansonsten stimme ich einwandfrei mit dir überein.

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