Traumjob - wenn man ihn erstmal hat

4  16.07.2002

Pro:
viele verschiedene Möglichkeiten

Kontra:
Arbeit nicht leicht zu bekommen, am Anfang meist schlecht bezahlt

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Einstellungschancen:

Aufstiegschancen

Verdienstmöglichkeiten:

Sozialleistungen:


Anuschka

Über sich:

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Erfahrungsberichte:236

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Tontechniker ist ein sehr weitgefächerter Berufsbereich, gibt es doch die unterschiedlichsten Einsatzmöglichkeiten. So zum Beispiel im Live-Geschäft, bei Rundfunk und Fernsehen, in der Werbung, in diversen Arten von Studios für Musik- und Wortproduktionen usw.

Die Ausbildung
zum Tontechniker ist immer noch eine schwierige Angelegenheit. Nicht unbedingt, weil es inhaltlich so schwer ist (das ist bekanntlich immer relativ), sondern mehr, weil es kaum eine "offizielle" Ausbildungmöglichkeit gibt. Da gehen viele wohl immer noch den alten Weg, mit einem Praktikum im Tonstudio anzufangen und sich da langsam "hochzuarbeiten".

Früher bildete die srt - www.srt.de - (Schule für Rundfunktechnik) in Nürnberg noch aus, heute gibt es da "nur" noch einzlene Kurse zu bestimmten Themen. Da die srt zu den öffentlich.rechtlichen Sendern gehört, liegt ihr Schwerpunkt natürlich im Rundfunk- und Fernsehbereich.

Kürzlich bekam ich einen Tip, noch den Studiengang Ton- und Bildtechnik der FH Düsseldorf mit zu erwähnen. Abschluss ist Diplom Ing. Nähere Infos gibt es auf der Webseite www.bildundton.de , die ich übrigens ziemlich klasse finde.

Dann gibt es die sae - www.sae.edu - (ehemals School of AudioEngineering, heute "Institut" mit weiteren Ausbildungen u.a. im MultiMedia-Bereich). Zweifellos eine umfassende Grundausbildung, mit Schwerpunkt Musik. Als Privatschule natürlich kostenpflichtig, mit gewissen Förderungschancen vom Arbeitsamt oder Bund. Die sae ist nebenbei die einzige Möglichkeit in Deutschland den internationelen Bachelor of Arts (Recording Arts) zu erlangen. In Deutschland gibt es sechs Schulen.

In Wuppertal gibt es die sft - www.sft.de - Schule fürTontechnik. Die Ausbildung ist stark an die der sae angelehnt, durch die räumliche Begrenzung jedoch allgemein relativ unbekannt.

Vorwiegend die öffentlich-rechlichen Sender bieten den "ganz normalen" Ausbildungsberuf zum "Mediengestalter Bild und Ton" an. Eine dreijährige Ausbildung sowohl im Bild und Tonbereich der Sender. Mit der Zeit kann man sich seine Schwerpunkte selber wählen.

Berufsaussichten
Hat man sich für eine Ausbildung entschieden und diese auch beendet, will man meist auch als Tontechniker arbeiten. Stellt sich also die Frage nach den Berufsaussichten. Die sind aktuell nicht unbedingt die besten. Dank der immer stärker werdenden technischen Möglichkeiten, werden auch immer weniger Leute gebraucht. Mal ganz abgesehen von den diversen Möchtegern-Produzenten, die in ihrem Keller sitzen und meine neue Hits zu produzieren.

Es ist nicht unbedingt leicht, auch wirklich einen Job zu bekommen, noch schwieriger ist es gerade als Anfänger einen zu finden, in dem man auch tatsächlich bezahlt wird. Meist hangelt man sich doch von Praktikum zu Praktikum immer in der Hoffnung, daß man diesmal doch einen reelen Arbeitsplatz bekommen kann. Ganz ehrlich: Gerade im Bereich Musikproduktion ist es verdammt schwer einen Fuß auf den Boden zu bekommen. Da gibt es viel zu viele Studios mit viel zu kleinem Budget die gute und billige (kostenlose) Arbeitskräfte suchen. Da sollte man sich keine Illusionen machen.

Dennoch handelt es sich bei der Spezies der Tontechniker meist um ausdauernde Geschöpfe, die bereit sind für ihren Traumjob auf vieles zu verzichten. Dazu gehört auch dieses Fremdwort, was so viele Bekannte und Freunde oft in den Mund nehmen: Geregelte Arbeitszeiten. Das kann man getrost vergessen. Auch hier wieder besonders hervorzuheben die Spezies der Musiktontstudiomitarbeiter. Stehen doch in den meisten Studios gleich ausreichend Schlafsofas zur Verfügung, damit man zwischen Aufnahmeende morgens um 6 und Mixdownbeginn um 10 Uhr mal kurz ein Auge zumachen kann. Eigentlich braucht man da schon mal keine eigene Wohnung mehr, was natürlich wieder ein geringes Gehalt erträglich macht.

Aber im Ernst: ganz so schlimm ist es nciht immer. Obwohl man es bei der Arbeit nicht mal als schlimm empfindet, macht es doch ganz nebenbei auch einfach Spaß. Schlimmer sind da schon nervige Produzenten, die ungemeinen Zeitdruck ausüben können, fürchterlichen Streß machen und sowieso nie zufrieden sind.

Einsatzmöglichkeiten
Für alle, die ich bis jetzt noch nicht abgeschreckt habe mal Näheres zu ein paar der vielen Möglichkeiten, die man als Tontechniker hat. Diese aber nur ganz grob, Details sind in diesem Rahmen einfach nicht möglich. Lücken und Oberflächlichkeit sind also zwangsweise vorhanden. Klar ist für viele der Traum in einem richtigen Studio die Hits zu produzieren. Da nehme ich mich auch nicht aus. Gerne würde ich mal wieder hinter einem "richtigen" Pult stehen (sei es nun analog oder digital) und Musik mischen. Aber die wenigsten haben dieses Glück. Und auch die Fähigkeiten dafür. Sehr viel häufiger landet man entweder bei Ikea an der Kasse (nein, das hat nichts mit Tontechnik zu tun, ist aber eine häufige Tätigkeit von Tontechnikern ohne Job im eigenen Beruf), oder man macht wesentlich weniger spektakuläre Dinge.

Ich bin derzeit zum Beispiel beim Radio gelandet, der einzige Ort, wo ich nie arbeiten wollte. Werbung, okay, Hörspiele, Video, alles klar, aber Radio? Neee. Was tut man da? Nun, zum einen produziert man die Beiträge, nimmt auf und schneidet sie zurecht. Das ist meist das einfache. Etwas anspruchsvoller wird es, wenn man Jingles und Trailer produziert. Da gibt es zumindest bei uns auch ein getrenntes System für, das alles aufzuzählen führt aber endgültig zu weit. Schließlich gibt es zumindest beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch die Sendetechniker. Die öffnen das Mikrofon, und spielen die Musik ab, wie manche Leute es gerne einfach beschreiben. In der Tat steckt da jedoch viel mehr dahinter und es ist schon ein gewisser Streß mit dieser Arbeit verbunden.

In der Werbeproduktion kann man "einfach nur" ein paar Spots aus vorgefertigten Musiken, Sounds und Sprache produzieren, häufig sind hier aber auch eigene MIDI Fähigkeiten gefragt und z.B. Keyboarder sind da echt im Vorteil, wenn sie mal eben den benötigten Sound selber basteln können. Hier gibt es auch viel Schnippelarbeit am Computer zu erledigen, da braucht man schon viel Geduld und gute Augen. Gutes Gehör setze ich voraus ;-) In der Werbung ist man häufig im Zeitdruck, der Feierabend geht nicht selten drauf. Und das Umfeld ist unter Umständen gerne mal ein wenig überheblich und lebt in einer eigenen Welt.

Manch einer landet auch einfach bei den Herstellern der Audio Hard- und Software. Sie es als Tester, Produktberater, Verkäufer, im Support, oder sonstwas, was damit zu tun hat.

Die Musikproduktion umfaßt natürlich vieles. Angefangen beim Aufbau, über Aufnahme bis zum Mixen und Schneiden. Mittlerweile wird auch hier überwiegend am Computer gearbeitet. Zumindest die Aufnahme erfolgt immer seltener auf analogen 24Spur Bändern und immer häufiger auf digitalen Aufnahmesystemen. Hier kann man dann auch prima editieren. Das Mischen der einzelnen Instrumente ist natürlich extrem wichtig und erfordert, wie auch schon die Aufnahme ein sehr gutes Gehör und auch viel Übung. Das macht man nicht einfach mal so ohne jede Erfahrung. Theoriewissen ist hier auch nicht ganz unwichtig.

Bevor eine CD - egal welcher Art - im Preßwerk landet wird sie noch gemastert, auch hier sind wieder Tontechniker oder -ingenieure gefragt., die aus der fertigen 2Spur-Produktion das letzte herauskitzeln.

In Sachen Film- und Fernsehen fehlt es mir selber komplett an Erfahrungswerten, ich erwähne damit nur ihre Existenz.

Natürlich gibt es dann noch die Live-Leute. Diese entweder bei Konzerten oder auch bei Musicals, Theatern, diversesten Veranstaltungen... Halt alles was in der Öffentlichkeit zu tun hat. Je "kleiner" man in in diesem Job ist, umso mehr muß man schleppen. Ist man erstmal bei den ganz großen Konzerten dabei, gibt es extra Rigger u.a. die für den Aufbau verantwortlich sind. Aber im allgemeinen ist es hier auch ein Knochenjob.

Fazit:
Tontechniker ist eine Arbeit, die viele Möglichkeiten bietet. Der Weg bis zu einem vernünftig bezahlten Arbeitsplatz ist meist jedoch lang und auch mit viel Frust behaftet. Hinzu kommt die eigentlich nicht vorhandene behördlich anerkannte Ausbildung. Stellen für Tonmenschen findet man auch nicht in Jobbörsen oder Zeitschriften. Man muß sie wirklich suchen.

Hat man aber eine Arbeit gefunden, die bezahlt wird und auch noch Spaß macht, finde ich persönlich hat sich die meist schwierige Anfangsphase gelohnt. Mal abgesehen davon, daß die Leute, die diesen Beruf wählen es sowieso meist aus Überzeugung und Enthusiamus tun. Es ist für viele wirklich DER Traumjob schlechthin. Auf keinen Fall sollte man bei der Berufswahl aber nur träumen, sondern auch der Realität in die Augen blicken.

Trotz aller Schwierigkeiten habe ich noch nicht eine Sekunde bereut, diesen Beruf gewählt zu haben, das sei mir erlaubt zu sagen. Wer ein gutes Gehör hat und gerne mit Musik und Worten zu tun hat, bringt gute Voraussetzungen mit.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
OlafZ

OlafZ

24.11.2003 15:55

Guter Bericht. Mittlerweile gibt es den Ausbildungsberuf zum Veranstaltungstechniker... Aber generell hat sich dann wohl nicht viel geändert! ;)

Devise

Devise

18.11.2002 10:00

Ist ja in den meisten Medienberufen so: Keine geregelten Arbeitszeiten, manchmal schlecht bezahlt, unsichere Zukunft. Aber so wollten wir es wohl haben, sonst hätte man auch eine Bäckerlehre machen können... {-;

s-girl22

s-girl22

25.10.2002 12:59

Ein Freund hat auch bei SAE eine Ausbildung absolviert und hat jetzt einen klasse Job bei einer der größten Medienfirmen Deutschlands. MfG Steffi

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