Too Tired to Die

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... Die Independent-Produktion „Too Tired to Die“ ist in erster Linie eine kongeniale One-Man-Show für Takeshi Kaneshiro. Der „Fallen Angels“-Star besticht durch seine großartige darstellerische Leistung, gibt sich mal spitzbübisch, dann wieder melancholisch oder gar aggressiv – seine Launen ... Bericht lesen





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Ausgabedatum: 2008-04-18, Bewertung: Freigegeben ab 16 Jahren
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Can you come back later? I need more sleep!
Erfahrungsbericht von CiscoGianino über Too Tired to Die
06.02.2004


Produktbewertung des Autors:   


Pro: herrlich abgedreht, erfrischend anders, Darsteller, Humor, Inszenierung
Kontra: einige Handlungsstränge laufen ins leere, zu sehr auf Takeshi Kaneshiro zentriert

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Der in New York lebende Japaner Kenji (Takeshi Kaneshiro) träumt in einer Art Stummfilm, in dem ein arabischer Mann von einer Blondine (Mira Sorvino) und ihren zwei Helfern gejagt wird. Ein Talisman hilft ihm immer wieder aus den Klauen seiner Häscher zu entkommen.
Ein Telefonanruf reißt Kenji aus seinem Traum und er misst dem Ganzen weiterhin keine großartige Bedeutung zu bis er auf der Straße von einem Mann angerempelt wird, der ihm furchtbar vertraut vorkommt. In seinem Stammcafe erblickt Kenji ihn erneut und jagt ihm hinterher, allerdings nicht ohne vorher ein Date mit der jungen Deutschen Pola (Geno Lechner) auszumachen.
Kenji erledigt, was die Handlanger der Blondine bisher nicht schafften: Er überwältigt den Araber um endlich zu erfahren, woher er ihn kennt. Daraus wird allerdings nichts, denn der Orientale spricht leider nur Arabisch und plötzlich taucht auch noch die mysteriöse Blondine auf, die kurz darauf mit dem Araber wie vom Erdboden verschluckt scheint. Nur sein Talisman bleibt zurück und Kenji, der sich langsam gewiss wird, wo er die beiden bereits gesehen hat, nimmt diesen an sich.
Nach einigen Treffen mit seinem Freund, dem Italiener Fabrizio (Michael Imperioli) und Pola, der Kenji den Talisman schenkt, fällt er todmüde ins Bett. Am nächsten Morgen wird er nicht vom Telefon geweckt, sondern von der kühlen Blonden. Diese erweist sich als tot oder besser gesagt: sie ist der Tod. Dafür, dass er den Araber überwältigt hat, gibt sie ihm eine Frist von zwölf Stunden bevor sie ihn holen kommt – eine Ehre, die sonst niemandem zuteil wird.
Seine letzten Stunden werden für Kenji zu einer wahrhaftig bizarren Odyssee: Er wird von einem kleinen Mädchen mit Tony Leung Kar-Fai aus „Der Liebhaber“ verwechselt und unterhält sich mit ihr über die Wichtigkeit von Sex, er schüttet sein Herz einem Transvestiten aus, er muss erleben, wie Fabrizio noch vor ihm den Löffel abgibt und er trifft die Koreanerin Anouk (Hye-Soo Kim) und ihren wesentlich älteren Mann John (Ben Gazzara), der ihn zu einer Party einlädt, wo Kenji seine letzten Augenblicke zu verbringen gedenkt...

Die Independent-Produktion „Too Tired to Die“ ist in erster Linie eine kongeniale One-Man-Show für Takeshi Kaneshiro. Der „Fallen Angels“-Star besticht durch seine großartige darstellerische Leistung, gibt sich mal spitzbübisch, dann wieder melancholisch oder gar aggressiv – seine Launen werden mit seiner verstreichenden Lebenszeit immer extremer. Neben ihm kommen all die kleinen Nebenrollen zwar nicht gleichwertig zur Geltung, aber auch das restliche Ensemble, das aus aller Welt stammt, ist absolut hervorragend: Der große Blickfang ist sicherlich Mira Sorvino, die sich seit ihrer Oscar-prämierten Rolle in Woody Allens „Geliebte Aphrodite“ durch eher zweitklassigen Streifen wie Chow Yun-Fats US-Einstand „Replacement Killers“ oder Guillermo del Toros Tierhorror „Mimic“ schlagen musste. In „Too Tired to Die“ ist sie wirklich hinreißend und mit großer Sicherheit der süßeste Tod aller Zeiten. Die Koreanerin Hye-Soo Kim gibt in ihrem Leinwand Debüt die perfekte femme fatal und Ben Gazzara hat als ihr Mann einige wirklich bemerkenswerte Auftritte. Auch toll ist „Shaft“-Bösewicht Jeffrey Wright, der in Kenjis Stammcafe allen Leuten mit seinem ewigen herum philosophieren auf die Nerven fällt.

Regisseur und Drehbuchautor Won-Suk Chin verzichtete komplett auf Klischees, die sonst gerne verwendet werden um zu zeigen, was Leute vor ihrem letzten Atemzug alles noch so tun. Stattdessen wählte er einen komplett anderen Weg und lässt seinen Protagonisten durch allerlei verfahrene Situationen laufen, die dieser so gar nicht geplant hatte. Auch beschäftigt sich „Too Tired to Die“ mit der Frage ob es überhaupt ein Segen ist zu wissen, wann man stirbt. Für Kenji sicherlich nicht: Er wird verprügelt und kriegt sogar ein Messer in den Rücken gerammt, was er allerdings selbst provoziert hat. Kein Wunder, dass er noch vor Ablauf seiner vermurksten zwölf Stunden versucht Selbstmord zu begehen, doch der Tod will ihn einfach nicht gehen lassen...

Genauso abgedreht wie die Geschehnisse präsentiert sich auch die Inszenierung: Chin rührte einen wilden Cocktail aus Stummfilm, Fantasy-Elementen, poetischen Momenten, New Yorker Großstadtleben, Komödie und sogar etwas Hongkong-Action zusammen. Dass das Ganze trotzdem noch genießbar ist, verdankt der Film vor allem seinem klasse Drehbuch, das nie das Ziel aus den Augen lässt. Allerdings sind Chin dennoch einige Fäden aus der Hand geglitten, denn einige Episoden präsentieren sich als recht unschlüssig oder gar überflüssig.
Insgesamt aber ein großartiger Independent-Film, der mit seiner Abgedrehtheit sehr erfrischend wirkt. Wenn der Tod wirklich so scharf ist wie Mira Sorvino, dann komme ich gerne mit...

Originaltitel: Too Tired to Die
Produktionsland & -jahr: Korea/USA 1998
Regie & Drehbuch: Won-Suk Chin
Produktion: Donna Bascom, Connie Kaiserman, Victor Hwang
Kamera: Jim Denault
Schnitt: Merril Stern
Darsteller: Takeshi Kaneshiro, Mira Sorvino, Ben Gazzara, Geno Lechner, Hye-Soo Kim, Jeffrey Wright, Michael Imperioli

   


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