Über "Pipi" und "AA" - Mama, ich muss mal!

4 16. Jun 2004

Pro:
verständlich und gut geschrieben, Übersichtlich, Erfahrungsberichte, anschauliche Fotos

Kontra:
ausführlichere Tipps hätte ich mir in den Bereichen "Nachts" und "Draußen" gewünscht

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Aufmachung:

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Beavi

Über sich: Ich schau hier wieder öfter rein :-) Liebe Grüße an alle meine Vertrauten und CIS-LeserInnen!

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Eine Leseratte bin ich ja schon immer gewesen. Und zur Zeit verschlinge ich jedes Ratgeber-Buch für Babys und Kinder, das ich in die Hand bekommen kann. Über die Mailingliste „TopfFit! – Von Anfang an Windeln unabhängig“ (Newsgroup-Liste bei yahoo) erfuhr ich von einem Buch, dass in der deutschen Übersetzung Anfang Juni herauskommen sollte: „TopfFit! – Der natürliche Weg, mit oder ohne Windeln“. Voller Vorfreude habe ich auf das Erscheinen von „TopfFit!“ gewartet, dass ich über den Verlag direkt bestellt hatte. Am 09. Juni kam es per Post, und ich konnte kaum abwarten, es zu lesen.


>>> Das Buch:
Windeln gehören zu einem Baby bei uns (in den westlichen Industrieländern) einfach dazu. In Afrika, Asien, aber auch in Südamerika, tragen die Mütter ihre Babys allerdings ohne Windeln mit sich herum – und ihre Kleider werden nicht schmutzig. Wie das? Diese Mütter (und auch andere Betreuer und Bezugspersonen der Babys) halten ihre Babys ab, wenn sie „Pipi“ oder „AA“ machen müssen. Die Erwachsenen „wissen“ entweder einfach, dass die Babys müssen, oder sie spüren es an speziellen Bewegungen, Signalen, die das Baby macht (es wird plötzlich unruhig, strampelt auf eine spezielle Art, fängt an zu jammern...)

Laurie Boucke hat diese „Ausscheidungskommunikation“ selbst angewandt und der westlichen Lebensweise angepasst. In „TopfFit! – Der natürliche Weg mit oder ohne Windeln“ beschreibt sie nun, wie das gehen soll... Babys so wenig wie möglich in Windeln zu lassen, (die Babys pieschern und kackern aber nicht überall hin) und mit Hilfe von Kommunikation dem Baby bei seinen Ausscheidungen zu helfen.

Das Buch ist in mehrere Kapitel aufgeteilt. Zuerst geht es um ein paar grundlegende Fragen zur Thematik. Dabei beantwortet Laurie Boucke kurz und prägnant so die Gedanken, die einem in den Kopf schießen, wenn man von der „TopfFit“-Methode zum ersten Mal hört. Z. B. „Woher weiß ich, wann mein Baby muss?“ oder „Funktioniert das wirklich?“ In einem späteren Bereich des Buches geht die Autorin dann tiefer auf diese Fragen ein und zeigt an vielen Beispielen die Möglichkeiten bzw. Antworten auf.

Im zweiten großen Kapitel geht es um „Philosophie und Einstellung“ . Hier beschreibt die Autorin, worum es bei „TopfFit“ geht: Babys sind sich ihren Ausscheidungen von Anfang an bewusst (genauso wie ihrem Hungergefühl und anderen Körperempfindungen wie Frieren, Schwitzen, aber auch Langeweile haben...) und zeigen diese. Bei „TopfFit“ geht darum, dem Baby bei der „Ausscheidungsarbeit“ zu helfen – es z. B. in einer bequemen Position zu halten, wenn es „AA“ machen muss – und dass es so wenig wie möglich in seinen eigenen Ausscheidungen liegen bzw. sitzen muss (wenn „Teilzeit-TopfFit“ praktiziert wird, d. h. in bestimmten Situationen wird gewickelt). Die Mutter bzw. die Eltern oder andere betreuende Personen sollten auch die richtige Einstellung zu „TopfFit“ haben. Es geht hier nicht um eine schnelle Sauberkeitserziehung oder einen „Wettbewerb“; Strafen, Zwang, Druck oder Wut sind hier völlig fehl am Platz. Es geht um „Teamgeist“ zwischen Mutter (Eltern, betreuende Personen) und Baby.

Im nächsten großen Abschnitt beschreibt die Autorin die „Im-Arm-Phase“. Das bedeutet, man stütz das Baby beim Abhalten, denn das Baby kann noch nicht eigenständig sitzen. In diesem Bereich erklärt Laurie Boucke nun die einzelnen Schritte der „TopfFit“-Methode. Es gibt derer sechs: Von der Wahl eines Signales (z. B. „pssssch“), dass man immer macht, wenn man das Baby abhält, über „Timing und Ausscheidungsmuster“ (Baby pieschern immer nach dem Aufwachen, alle 10 – 15 Minuten...) und „Orte/Auffanggefäße“ (wie kann ich mein Baby abhalten? Und wo überall? Mit was kann ich das Pipi und AA auffangen?) über mögliche „Positionen“ des Abhaltens.
Ein weiteres Unterkapitel ist „Signale und Zeichen“ des Kindes. Hier wird beschrieben, welche Zeichen das Baby von sich gibt, wenn es muss. Da gibt es unterschiedliche: von Geräuschen über bestimmte Körperbewegungen oder auch Handzeichen (bei älteren Babys) – oder auch auf der intuitiven Ebene. Im Bereich „Die Im-Arm-Phase“ geht es außerdem unter anderem noch um „Unfälle“ und dem Umgang damit, „Veränderungen im Timing“ (je nach Entwicklung des Babys kann sich das recht schnell ändern), „Draußen ohne Windeln“ und die Kleidungsfrage, denn oft muss es dann recht schnell und einfach gehen, um Babys Popo frei zu bekommen.

Das nächste große Überkapitel beschreibt die „Töpfchenphase“, d. h. wenn ältere Babys schon gut und sicher auf dem Töpfchen sitzen können. Manche Eltern setzen ihre Babys aber auch schon früher auf das Pöttchen und stützen es dann ab. Laurie Boucke gibt hierzu Tipps, auch zu der Wahl des Töpfchens (bezüglich Höhe, Stabilität, Sitzdurchmesser, etc. ...) Meistens geht die „Im-Arm-Phase“ fließend in die Töpfchenphase über. Die Autorin spricht in diesem Bereich auch „Töpfchenpausen und –streiks“ an, die ganz normal sind und zur Entwicklung des Babys dazugehören. Wenn die Babys zahnen, krank sind, anfangen zu krabbeln, zu laufen... all das sind Zeitpunkte, an denen solche Töpfchenstreiks auftreten können. Laurie Boucke gibt auch hier Tipps und Hilfe, wie man mit solchen Phasen am besten umgeht. In diesem Überkapitel wird auch das Wort „sauber“ definiert („in welchem Alter wird mein Kind sauber sein?“) - da gibt es verschiedene Ansätze und Sichtweisen. Das letzte Unterkapitel heißt dann „Wann kann das Baby windellos sein?“ – Auch hier gibt es keine festgelegten Zeiten, denn jedes Kind entwickelt sich ja zeitlich anders.

Ein große Frage wird im nächsten Bereich beschrieben: Wie geht „TopfFit“ nachts? Die Autorin beschreibt mehrere Möglichkeiten, wie man damit umgehen kann. Manche Babys werden nachts unruhig, wenn sie müssen, andere wachen auf, manche schlafen durch und pieschern dann im Tiefschlaf... einige Eltern halten ihr Baby auch nachts ab, andere wickeln nachts, manche wiederum lassen ihr Baby auf einer wasserdichten Unterlage schlafen (und wechseln diese bei Bedarf).

Das Zeitfenster, die „sensible Phase“, in der sich die Babys ihrer Ausscheidungen bewusst sind, ist von der Geburt bis etwa zum fünften Lebensmonat. Wenn in diesem Zeitraum nicht auf die Signale des Babys geachtet wird, gewöhnt sich das Baby daran, weiter in die Windel zu machen – heißt es. Aber es gibt auch Babys, die über diesen Zeitraum hinaus sensibel bleiben. In diesem Bereich „Spätstarter“ gibt die Autorin speziell für Eltern, deren Babys älter als 6 Monate sind, Tipps und Hilfe.

Der nächste große Bereich geht auf die medizinische Sichtweise ein: „Medizinische Meinungen und Anatomie“. Laurie Boucke lässt mehrere westliche Mediziner zu Wort kommen und gibt auch drei Studien aus Ostafrika zu „TopfFit“ wieder. Im Unterkapitel „Anatomie“ beschreibt die Autorin dann das Zusammenspiel der Muskeln und dem Willen beim Stuhlgang bzw. Urinieren. Sie geht hier auch noch mal recht ausführlich auf die Meinung ein, dass Kinder (angeblich) erst ab einem bestimmten Alter ihre Schließmuskeln bewusst kontrollieren können.

„Umwelt und Windeln“ – so lautet das nächste große Kapitel. Hier geht die Autorin auf den Aspekt der Umweltverschmutzung durch Windeln ein, zeigt die Vorteile und Nachteile von Wegwerfwindeln zu den Stoffwindeln (die man ja immer wieder benutzen kann) auf. Ein Kapitel handelt vom berüchtigen „Windelausschlag“ und wie diese entsteht. Und letztendlich geht es auch um das Befinden des Babys mit und ohne Windeln (im Vergleich).

Im Bereich „Die Mythen“ gibt die Autorin Antworten auf kritische Fragen und Gegenargumente. Z. B. „TopfFit sei unmöglich, das geht nicht, das ist ein Tick...“ – viele Mütter und Babys widerlegen dieses: „TopfFit“ geht und „funktioniert“, wie in den nächsten großen Bereichen „Erfahrungsberichte“ und „Kulturübergreifende Studien“ gezeigt wird. Hier kommen Mütter und Eltern zu Wort, die „TopfFit“ auf unterschiedliche Weise praktiziert haben bzw. praktizieren und schildern, wie sie es machen bzw. was für Schwierigkeiten und Hürden sie überwunden haben.

Im letzten Teil des Buches geht es dann um eher „technische“ Informationen über „TopfFit“ (z. B. in welchen Ländern/Regionen es (früher) auf der Welt praktiziert wird/wurde, wo man noch mehr Informationen herbekommen kann, Quellenangaben...)


>>> Meine Erfahrungen:
Ich habe mir dieses Buch gekauft, um die „TopfFit“-Methode mehr von der „technischen Seite“ her kennen zu lernen – also, welche Signale kann das Baby geben? Was muss man alles beachten? Ich hatte mir bereits „Es geht auch ohne Windeln“ von Ingrid Bauer (erschienen im Kösel-Verlag) gekauft. Ingrid Bauer geht aber mehr auf die intuitive Seite ein („Gedankenübertragung“, „man weiß/spürt einfach, dass das Baby muss“), obwohl auch sie auf Timing und Zeichen eingeht.

Das Buch liest sich sehr leicht und angenehm. Laurie Boucke spricht den Leser bzw. die Leserin direkt mit „du“ an. Das ist auf dem ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig, aber so entsteht gleich eine nette Atmosphäre. Die Texte enthalten kaum wissenschaftliche Fremdwörter, alles ist sehr verständlich für den Laien erklärt (gerade im Bereich „Anatomie“). Allgemein ist das Buch sehr übersichtlich aufgebaut – durch die Kapitel und Einteilung in Fragen/Antworten. So kann man schnell nachschlagen, wenn man später noch etwas noch mal lesen möchte.

Viele Fotos lockern das Buch auf und veranschaulichen auch die verschiedenen Abhaltepositionen. Die Fotos sind schwarz-weiß und von „rund um den Globus“.

Laurie Boucke beschreibt ihre Erfahrungen mit einer für unseren Kulturkreis recht merkwürdig anmutenden Tätigkeit: Dem „Sauberbleiben“ von Geburt an. Wie schon gesagt, bei uns gehören Windeln einfach zu Babys dazu – die Windelhersteller machen Werbung für ihre Produkte, oft bekommt man als frischgebackene oder werdende Eltern Probewindeln ins Haus. In anderen Kulturen (wie z. B. in Afrika, Indien, China...) wird die „TopfFit“-Methode schon immer angewandt – und die Babys und Mütter sind sauber (bzw. deren Kleidung). Die Autorin schreibt nun nicht mit erhobenem Zeigefinger, so nach dem Motto: „Die Methode ist die einzig Wahre – alle, die ihre Babys wickeln, sind Rabeneltern“, sondern betont immer, dass es sich bei der „TopfFit“-Methode um eine Alternative zum Wickeln handelt, die nicht für jeden geeignet ist. Auch bei der „TopfFit“-Methode kann und darf gewickelt werden – nichts geschieht aus Zwang oder einem „Muss“.

Ich hätte mir allerdings noch ausführlichere Hilfestellungen und Erfahrungswerte im Bereich „Nachts“, „Unterwegs/Draußen“ und „Wenn das Kind krank ist“ erwünscht. Diese Themenbereiche werden – für meinen „Geschmack“ etwas kurz abgehandelt. Gerade „Unterwegs/Draußen“ schreckt viele ab – wenn ich unterwegs bin, hat Imogen auch immer eine Windel an (zu Hause liegt bzw. trage ich sie ohne).

Da das Buch von einer Amerikanerin im Original geschrieben wurde, sind viele Studien aus den USA. Das macht auf mich etwas den Eindruck von „Ja ja, die Amerikaner mal wieder... die haben vielleicht Ideen!“ – es kommt etwas „fern“ herüber. Da ich aber viele Mütter bzw. Eltern kenne (aus dieser Newsgroup aus dem Internet), die hier in Deutschland leben und „TopfFit“ praktizieren, kann ich dieses „amerikanisch Angehauchte“ vergessen. Aber als Leser bzw. Leserin sollte man wissen, dass das Buch nicht hauptsächlich auf Deutschland bzw. Europa bezogen ist.

Was mir noch besonders gut gefällt: Wenn man das Buch aufschlägt, ist auf der rechten Seite stets oben in der Ecke das „Oberkapitel“ erwähnt. So weiß man immer auf einem Blick, in welchem Bereich des Buches man sich gerade befindet.

Laurie Boucke gibt ihre Erfahrungen sehr überzeugend wieder, ohne – wie schon gesagt – darauf zu pochen, dass „TopfFit“ das einzig Wahre sei. Sie regt zum Nachdenken an, aber im Endeffekt muss jede Mutter/jeder Vater für sich entscheiden, ob sie „TopfFit“ anwenden möchten. Einen Versuch ist es meiner Meinung nach auf jeden Fall wert!


>>> Die Autorin:
Laurie Boucke lebt in Colorado, USA. Sie hat drei Kinder (beim letzten hat sie “TopfFit” angewandt, weil sie der Windeln überdrüssig war und eine Alternative suchte). Über „TopfFit“ hat sie drei Bücher geschrieben: „Trickle Treat: Diaperless Infant Toilet Training“ (1991 erschienen, wird nicht mehr verlegt) beruht auf ihren eigenen Erfahrungen. „Infant Potty Training: A Gentle and Primeval Method Adapted to Modern Living“ (1. Auflage 2000) wurde im Jahr 2002 noch mal “runderneuert”, mit vielen Erfahrungsberichten und ausführlichen Forschungen – das Buch ist 500 Seiten stark. Das Buch, auf dem „TopfFit! – Der natürliche Weg mit oder ohne Windeln“ basiert, erschien im Jahr 2003 unter dem Namen „Infant Potty Basics“ und ist eine Zusammenfassung von „Infant Potty Training“.

Laurie Boucke spricht mehrere Sprachen, sie arbeitet als Maschinendolmetscherin für taube Menschen. Außerdem fördert sie die Zeichensprache als Verständigungsmittel mit Babys (auch hörenden Säuglingen). Sie ist viel gereist und hat in vielen Ländern gelebt. Dadurch hat sie auch viele Kulturen und deren Bräuche kennengelernt.


>>> Buch-Infos:
Verlag: Anahita (www.anahita-verlag.de), Königslutter
Aus dem Amerikanischen von Julia Dibbern
Preis: 15,50 Euro
ISBN: 3-937797-01-7


>>> Fazit:
Wer sich mit der Alternative „TopfFit“ zum Gebrauch von Windeln auseinandersetzen möchte, dem empfehle ich dieses Buch. Es gibt sehr hilfreiche Tipps und erklärt die Thematik für jeden leicht und verständlich.

Vier Sterne von mir und ein „empfehlenswert“!

Viele Grüße von
Beavi

Bremen, 16.06.04 


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
unicorn1976

unicorn1976

14.04.2007 16:50

eine interessante Methode, von der ich auch schon gehört habe... allerdings muss ich gestehen, dass ich zu bequem dafür bin und deshalb doch lieber auf die Windeln zurückgreife... Liebe Grüße Birte

Spuddl

Spuddl

12.12.2004 12:18

Sehr guter informativer und detailerter Bericht. Ich als Mutter von zwei Kleinkindern denke, dass diese Methode (zumindest in unserem Lebesraum und mit zwei Wickelkindern) nicht durchführbar ist. LG Anke

mafiaschlumpfine

mafiaschlumpfine

11.08.2004 20:42

ich sehe gerade auf dem cover, dass da ein mädchen gehalten wird .. ich hoffe doch, dass der sand nicht auch die scheide berührt, denn das ist leider nicht gerade gesund und kann entzündungen mit sich bringen, wenn der sand dort reinkommt.

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