Erfahrungsbericht über

Toyota Aygo 1.0 City

Gesamtbewertung (23): Gesamtbewertung Toyota Aygo 1.0 City

 

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kleiner Öko-Flitzer mit Schwächen

3  26.12.2007

Pro:
Verbrauch, Kosten, Motor

Kontra:
Qualität, Kofferraum

Empfehlenswert: Ja 

maxim2002

Über sich:

Mitglied seit:03.02.2002

Erfahrungsberichte:2

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 22 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Seit nunmehr 17 Monaten und ca. 15.000km fahre ich den Toyota Aygo Black 1.0 mit 5 Türen.
Die Entscheidung mir dieses Auto zu kaufen fiel nach reiflicher Überlegung und gründlicher Recherche im letzten Jahr. Das Trio Citroen C1 Toyota, Aygo und Peugeot 107, der Smart, der Fiat Panda, der alte Renault Twingo und der VW Fox standen noch zur Auswahl. Vor allem die Optik und die Ausstattungsmerkmale mit einer kompletten serienmäßigen Sicherheitsausstattung (6 Airbags, ABS, Servolekung) und einer 3-Jahres-Garantie haben mir die Entscheidung erleichtert.

Die Hauptgründe für ein Auto in dieser Wagenklasse waren vor allem die sehr kleinen Außenabmessungen und die vergleichsweise niedrigen Unterhaltskosten. Ursprünglich wollte ich mir einen Smart kaufen da in meiner Wohngegend so gut wie kein Parkraum vorhanden ist. Allerdings konnte dieser in allen relevanten Punkten gegenüber dem Aygo nicht überzeugen:
Bei den Platzverhältnissen, Verbrauch, Kosten, Fahrleistungen, Fahreigenschaften und im Komfort hat der Smart keine Chance! Da konnte ich dann den knappen Meter mehr an Außenlänge gut verkraften.

Die Festkosten beim Aygo sind sehr niedrig, Versicherung (200€ Jahresbeitrag bei 35% SF mit Vollkasko und einer Selbstbeteiligung von 300€) und Steuer (68€) sowie Kundendienstpreise (klein: ca. 100€ alle 15.000km / groß: ca. 200€ alle 30.000km) können sich sehen lassen. Der Verbrauch schlägt mit insgesamt 5,4 Liter auf 100km über meine gesamte Laufleistung zudem mit relativ geringen Ausgaben zu Buche.

Doch nun zum Auto selbst:

#Karosserie#

Der Aygo empfiehlt sich als 5-Türer, da hier das Manko des extrem kleinen und zudem sehr schlecht zu beladenden Kofferraums nicht so ins Gewicht fällt. Die kleinen Türen ermöglichen auf allen Plätzen einen menschenwürdigen Einstieg ins Innere des Fahrzeugs. An den Türen hinten lassen sich allerdings die Scheiben nicht herunterkurbeln; sie bieten lediglich die Möglichkeit um ca. 5cm ausgestellt zu werden. Wer lange Arme hat (ich bin ca. 180cm groß) kann aber sogar vom Fahrerplatz aus während der Fahrt die Fenster hinten ausstellen. Schon daran kann man erkennen wie klein das Auto ist.
Der Kofferraum allerdings ist als solcher kaum zu gebrauchen und durch die sehr hohe Ladekannte und der kleinen Öffnung auch bei umgelegten Rücksitzen kaum Umzugstauglich! Zudem ist er nicht beleuchtet und bietet keinerlei Verstaumöglichkeiten für Warndreieck oder Verbandskasten. Unter dem mehr als billig wirkenden und ständig verrutschenden Kofferraumboden verbirgt sich allerdings ein vollwertiges Ersatzrad was inzwischen nicht nur in dieser Wagenklasse mehr als außergewöhnlich ist. Der billige Kofferraumboden kann dann allerdings nur noch getoppt werden durch die fast schon frech anmutende Kofferraumabdeckung. Das labbrige Etwas ist eines der größten täglichen Ärgernisse am gesamten Fahrzeug. Sie verhindert durch die liederliche Konstruktion höchst erfolgreich das Einladen selbst von kleineren Gegenständen in den Wagen, so dass ich inzwischen kapituliert und das Ding schlicht aus dem Auto entfernt habe.
Erfreulicher geht es im Wageninneren zu. Die Platzverhältnisse sind für vier Passagiere sehr passabel. Wenn die vorne sitzenden Passagiere kleine (keinesfalls unerträgliche) Zugeständnisse machen, können Leute bis 180m Größe auch hinten durchaus längere Strecken problemlos ertragen. Der Sitzkomfort ist hinten auch wegen der serienmäßigen Kopfstützen vollkommen in Ordnung. Eine echte Überraschung waren für mich allerdings die Sitze vorne. Die sehr einfachen und relativ dünn bezogenen Sitze bieten kaum eine vielfältige Sitzeinstellung (selbst die Kopfstütze ist fest!), allerdings sind sie straff genug für eine längere Etappe und bietet sogar ein gewisses Maß an Seitenhalt.
Lediglich eine Sitzhöhenverstellung wäre für größer gewachsene (über 175cm) sehr wünschenswert. Die hohe Sitzposition ermöglicht einerseits einen guten Überblick andererseits kann der Rückspiegel nur noch unzureichend eingestellt werden, da hier die nach hinten abfallende Karosserie den direkten Blick nach hinten erschwert. Auch eine Gurthöhenverstellung ist leider nicht vorhanden.
Die Bedienung des Aygo ist dafür kinderleicht. Und das Motto lautet vor allem hier: wo nichts ist, kann auch nichts kaputt gehen oder ablenken. Man erfreut sich an der manuellen Einstellung der Außenspiegel, die Bedienung des serienmäßigen (und leider auch nicht gerade hochwertigen) Radios ist klar und lenkt auch beim Fahren nicht ab. Man vermisst nichts. Die Klimatisierung ist intuitiv einzustellen und die Fensterheberschalter findet man sogar in der Nacht obwohl sie nicht beleuchtet sind. Man erfreut sich an der fast schon in Vergessenheit geratenen Einfachheit des Autofahrens. Ablagen findet man rings um den Fahrersitz. Lediglich ein Handschuhfach mit Deckel wäre wünschenswert. Die Tankanzeige ist vielleicht ein Tick zu schlicht geraden, ein genauer Füllstand ist besonders bei mir nicht auszumachen. Sechs digital angezeigte Balken sollen den Füllstand des Tanks symbolisieren, bei mir jedoch bleiben die letzten beiden Balken ungewöhnlich lange bestehen bis diese völlig ohne Vorwarnung plötzlich verschwinden und ein penetranter Piepston für leichte Panik im Auto sorgt, schließlich bin ich gerade auf der Autobahn an einer Tankstelle vorbeigefahren und sehe dass die nächste erst nach 30 km kommt. Erfahrungsgemäß passen dann nach sehr gemäßigter Weiterfahrt 34,5 Liter Benzin in den 35 Liter Tank. Die Werksatt war trotz mehrerer Versuche nicht in der Lage etwas an diesem Zustand zu verbessern. Ich jedenfalls habe jetzt immer einen 5 Liter Kanister in meinem kleinen Kofferraum.
Auch sehr schade ist, dass die verwendeten Materialien im Innenraum etwas billig wirken und diese teilweise auch nicht sehr passgenau eingesetzt wurden; das kann die Konkurrenz besser. Das beherzte Schließen der ganz aus Glas bestehenden Heckklappe lässt einen ehrfürchtig zusammenzucken. Ein vorsichtiger Blick danach zur Klappe bestätigte bis jetzt noch keinen Schaden, was man von dem leicht verkratzbaren und nur sehr dünn aufgetragenen Lack nicht behaupten kann. Die Durchfahrt durch eine Waschstraße verewigte sich im Lack mit deutlich sichtbaren Striemen. Meinem alten Golf jedenfalls hat die selbe Waschanlage nicht so zugesetzt.
Ein Blick unter das Auto ließ noch ein Entsetzten ganz anderer Art aufkommen: Eine Unterbodenkonservierung sowie eine Radhausinnenauskleidung fehlen fast ganz! Die Frage bei meinem Händler warum denn bereits nach einem Jahr schon die vordere Radaufhängung und die Antriebswellen komplett verrostet sind löste bei ihm ein fragendes Achselzucken aus. Sehr vertrauenserweckend....
Er gab mir die hilfreich gemeinte Empfehlung mit auf den Weg wohl besonders im Winter besser ab und zu mal eine Unterbodenwäsche machen zu lassen, mein Lack freut sich schon darauf!
Längere Standzeiten, vor allem bei Regen lassen auch die Bremsscheiben schnell rosten. Das sorgt dann immer für merkwürdige Geräusche bei den ersten Bremsversuchen. Sparen sichtbar gemacht haben die Entwickler auch bei der Zentralverriegelung die mit dem Schlüssel nur auf der Fahrerseite funktioniert und den Tankdeckel grundsätzlich nicht einbezieht. Auch das Innenlicht schaltet sich ausschließlich beim Öffnen der Fahrertüre ein. Etwas lästig, aber man kann damit leben. Dafür kann man die Türen mit einem Minimum an Kraftaufwand schießen, bei den ersten Versuchen war ich sogar etwas verunsichert ob die Türen auch wirklich zu sind und vor allem bleiben.
Im Großen und Ganzen gibt es noch ein paar Dinge an der Karosserie die verbesserungswürdig sind und die man auch bei dieser Preisklasse erwarten darf, allerdings steige auch ich heute noch gerne in das Auto. Warum? Im Alltag kann man recht gut mit den bisher angeführten Schwächen leben und ich habe ja auch die Gewissheit, dass ich spätestens nach dem Ablaufen der Garantie in einer Wohngegend wohnen werde wo ich mir ein größeres Auto leisten kann.

#Antrieb#
Der Dreizylinder ist wohl eines der erfreulichen Kapitel dieses Autos. Durchaus lebendig und alles andere als überfordert zieht der kleine 1 Liter Motor an. Begleitet von einem sonoren aber selten aufdringlichen knurren macht er sogar richtig Spaß. Man lässt den Motor gerne drehen und für ein flottes Vorankommen ist das auch durchaus empfehlenswert. Überraschend flott schieb man sich dann besonders bei Ampelstarts an deutlich potenteren Fahrzeugen vorbei. Aber selbst auf der Autobahn geht es keineswegs untermotorisiert voran. Das leichte Fahrzeuggewicht lässt dem kleinen Floh bei fleißigem schalten sogar eine gewisse sportliche Note entlocken. Auf Landstraßen lassen sich mit den 68PS auch mal LKWs überhohlen und auf Autobahnen ist man mit 140-150Km/h durchaus noch entspannt unterwegs. In diesem Fall sollte man allerdings mit einem Verbrauch nahe der 7 Liter auf 100Km rechnen.
Ein bisschen schade ist, dass der Motor ein nur sehr bescheidenes Anfahrmoment bietet. Besonders bei flotter Gangart muss beim Anfahren mit erhöhter Drehzahl eingekuppelt werden, was sicher nicht zu einer langen Haltbarkeit der Kupplung beiträgt. Aus dem Leerlauf anzufahren ist jedenfalls so gut wie nicht möglich.
Die lange Übersetzung aller Gänge lässt wider Erwarten eine relativ schaltfaule Fahrweise zu. Ab 60Km/h kann man getrost den 5. Gang einlegen. Grundsätzlich ist dann jegliche sportliche Gangart erstickt aber dafür sind die ermittelten Verbräuche besonders auf Landstraßentempo sensationell. Mit deutlich unter 5 Liter kann man gemütlich dahinfahren. So was kennt man dann nur von einem Diesel.

#Fahrwerk#
Die recht einfache Konstruktion des Fahrwerks (Verbundlenker hinten / McPherson vorne) lässt vermuten, dass die Handlichkeit eines new Mini wohl nicht erreicht werden kann. Das bestätigt sich dann auch beim ersten Einlenken. Allerdings ist hierfür wohl eher die etwas indirekt ausgelegte Lenkung verantwortlich. Leichtgängig aber eben auch mit viel Kurbelarbeit zirkelt man dann durch die Innenstadt. Einparken geht leicht von der Hand nicht zuletzt auch wegen der Außenabmessung des Aygo und des sehr kleinen Wendekreises. Ich bin immer wieder verblüfft.
Der Komfort des Fahrwerks lässt leider in der Stadt etwas zu wünschen übrig. Auf Kanaldeckel, Bodenwellen oder Kopfsteinpflaster, das Ansprechverhalten der Federung lässt konzeptionsbedingt das Auto hüpfen, trampeln und wanken. Vor allem auf kurzen Wellen fängt der gesamte Vorbau aufgrund einer weichen Motorlagerung an zu schwingen und stuckern. Schade eigentlich, denn ein Renault Twingo kann das viel besser.
Auf Landstraßen kehrt sich das Bild allerdings und der Federungskomfort nimmt zu. Hier würde man sich nun eine etwas direktere Lenkung wünschen um zusammen mit dem quirligen Motor flott um die Kurven zu fegen. So erstickt das eher träge Handling und das etwas schaukelnde Fahrwerk zusammen mit der Lenkung bei flotter Fahrweise aufkommende Sportlichkeit des Motors wieder im Keim. Aber wer darauf keinen Wert legt wird mit dem sehr sicheren Fahrwerk vollauf zufrieden sein.

#Zusammenfassung#
Zusammenfassend kann man sagen, ist der Aygo eine mehr als ernste Konkurrenz zum Smart. Wer dann noch was für sein Gutes Gewissen tun möchte und dennoch nicht auf sein Auto verzichten will, der kommt mit dem Aygo sehr ökologisch daher. Als Mann ein solches Auto zu fahren sorgt bei der ersten Konfrontation für etwas Irritierung aber spätestens nachdem man die CO2-Diskussion angestoßen hat wird klar, dass man es wohl mit einem der politisch korrektesten Fahrzeuge überhaupt zu tun hat.
Wenn da nur nicht diese vielen kleinen Unannehmlichkeiten wären die man auch bei einem Auto für 10.000€ nicht erwarten sollte; die Richtung allerdings stimmt in jedem Fall. Heute jedenfalls wäre meine Alternative der neue Renault Twingo.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
hasiilii

hasiilii

13.03.2008 12:25

Ich hätte es nicht besser beschreiben können! Sehr sehr gut gelungen mit vielen Details... da fehlt es an nichts!

Mungi60

Mungi60

26.12.2007 19:27

Ein sehr gelungener Einstand hier! Herzlich Willkommen! Gruß Achim

Bewerter1

Bewerter1

26.12.2007 19:24

Lang aber gut :-)

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