Rav4 Fun, XA1 - geschundener Liebling
27.08.2009 (28.08.2009)
Pro:
überraschend spritzig, spurstabil, geländefest, zuverlässig
Kontra:
wenig Platz hinten, recht durstig, kleiner Kofferraum
Empfehlenswert:
Ja
 Schreibleser
Über sich:
Ich kann mich so wunderbar über schlechte Dinge aufregen, dass ich eigentlich schon viel eher mit Pr...
Mitglied seit:27.08.2009
Erfahrungsberichte:3
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Wo soll ich anfangen... wie wäre es mit dem Anfang? Tja, frisch aus der Fahrschule entlassen (um es mit den Worten meines Prüfers zu sagen: "Ich habe noch nie so einen defensiven Fahrer gesehen. Wenn sie mal aus der Parklücke rauskommen, ist das schon ein Erfolg!") war ich zusammen mit Mutti auf dem Weg, einen fahrbaren Untersatz für mich zu finden.
Nach langem Suchen stand er dann da... rot, klein, viel Bodenfreiheit, Reserverad hinten dran. Ich glaub, diesen deppernen Spruch hab ich in Transformers gehört, aber "das Auto sucht sich den Halter aus" scheint zumindest Ansatzweise einen wahren Kern zu haben. Jedenfalls war ich von dem Fahrzeug derart angetan, dass ich es haben musste. Nach einer Testfahrt mit Mutti und Omma war auch die restliche Familie beeindruckt. Zumindest die eher emotionalen weiblichen Bestandteile: das Auto war klein, rot, und süß. *hust* Und es hatte 128 PS *verschluck*
So viel zur wirtschafllich basierten, absolut objektiv Kaufentscheidung. Im Nachhinein betrachtet werde ich nie wieder ohne jemanden, der sich damit auskennt, ein Auto kaufen gehen. Die Motorhaube war neu (im Nachhinein ein Unfallwagen, aber das hab ich damals nicht bemerkt) und einer der zwei Vorbesitzer muss es wie einen Diesel gefahren haben. Es blubberte, es versoff übermäßig Benzin und es hatte einen unglaublich keinen Kofferraum. Glaubt mir, das war mir damals egal. Als Jungspund wird man sowieso von anderen Motiven geleitet, als ein erfahrener Fahrer. Damals hatte 89000 Kilometer runter und Allwetterreifen aufgezogen.
Heute hat er 110.000 Kilometer runter, eine neue Umlenkrolle, nebst Zahnriemen, neue Ölpumpe, neue Zündkerzen, einen Satz Winterreifen (wenn ich an den Preis denke, wird mir schwindlich) und... tja... ist ein wundervolles Auto geworden. Selbst für ein 96er Baujahr. Mit Abs, elektrischen Außenspiegeln, einer Differanzialsperre und 94kw Leistung - perfekt für das Erzgebirge - und einem uralten Kasettenradio mag er nicht mehr auf der Höhe der Zeit gelegen haben, was die Ausstattung betraf, aber es war durchaus annehmbar. Genug von subjektiven Berichten... auf zum Fahrbericht:
### Als permanenter Allrader mit einem Stadtverbrauch von >13 Litern und einem Landstraßenverbrauch von 10 Litern (Autobahn ebenso) ist er dennoch recht günstig im Unterhalt - vorausgesetzt, man muss nich öfters über die Autobahn quer durch Deutschland gurken. Das ist nun auch der Grund, weshalb ich mich alsbald von ihm trennen werde. Mit einer Tankfüllung 450 Kilometer weit zu kommen (sind knapp 45 Liter) ist... naja... unökonomisch. Für den Autobahngelegenheitsfahrer jedoch sicher zu verschmerzen. Interessant in dem Zusammenhang ist die Tankstandsanzeige, die sich stets dann leere, wenn man den Berg herabfuhr. Und: Das erste Viertel fasste 150 Kilometer, das zweite 100, das dritte 75 und das letzte nochmal 100 bei Rückenwind und abfallender Straße. Höchst interessant, nebenbei.
Stichwort Autobahn: Bis 140 kommt man mit 10l/100 Kilometer vorwärts, sehr spurstabil. Auch wenn die Lenkung etwas leichtgängig ist und man das Lenkrad gut festhalten sollte. Aber dennoch... fährt sich toll, überall, solange man nicht versucht, mit zu viel Geschwindigkeit in die Kurve zu gehen: Er untersteuert. Unheimlich. Mich hätte es einmal fast von der Straße getragen, als die sich überraschend nach unten gewandt hat. Mein Glück war, dass ich mit so viel Bodenfreiheit einfach über das Feld weiterfahren konnte. Und rasen kann man damit auch nicht. Aber schnell schneller weden. In der Stadt. Serienmäßige Fahrzeuge schauen in die Röhre (diverse Mazdas und Golfs, sogar einen alten X5 von BMW konnte ich am Berg bezwingen). Aber das waren meine wilden Jahre. Wer schnell sein will, soll sich ein anderes Auto kaufen. Der hier ist für Staatsstraßen und Feldwege, alte Landstraßen und hin und wieder ein Stück Autobahn. Das Fahrwerk ist überraschend hart, federt aber recht gut, wenn man entsprechend langsam fährt.
Das Auto ist mehfach geländegetestet (Eisesglätte im Winter, Matsch im Herbst, staubige Feldwege im Sommer und gefrohrende Dreckböden im Frühjahr) und hat mich nie im Stich gelassen. Der Allradantreib ist zuverlässig. Bis dato musste ich die Differenzialsperre nie nutzen und bin auf schneeglatten Straßen selbst dann vorwärts gekommen, wenn sich Fahrzeuge mit einachsigem Antrieb nur hilflos auf der Stelle gedreht haben. Aber auch hier gild: Langsam. Die Feld- und Waldwege gehörten zu der Gattung Pfad, die Fahrzeugen ohne Geländecharakter, selbst diese Crossdinger (Kombis mit Plastik unten rum), hätten versagen lassen. Es war Spaß pur, sich über solche Wege fortzubewegen, um dann an der Tanke heimlich über die tiefergelegten Golfs zu lachen, die schon beim kleinsten Bahnübergang aufsetzen. Ja, ich muss zugeben: ich mag keine Golf- und Corsafahrer ;-) Aber das gehört hier nicht rein.
Rost konnte ich bisher auch noch nirgendswo wirklich feststellen. Die Stahlfelgen haben ein bisschen daran gelitten, dass zum Teil mehr Streusalz als Asphalt auf der Straße war. ein Radkasten hat eine kleine Roststelle (nach 13 Jahren). Nur der Hebel für den Tankdeckel (der kleine, mit dem man ihn öffnet, im Auto drin) ist zerrostet. Und das nur, weil da die Fußmatte draufliegt und die Nässe nicht wegkommt. Aber der Unterboden ist noch perfekt erhalten! Die Fahrleistung des 2 Liter Benzin Aggregats ist, wie schon angesprochen, recht brauchbar. Mit 170 Spitze (jeder kmh mehr birgt die Gefahr, bei der nächsten Bodenwelle abzuheben) sollte man nicht fahren. 140 sind ideal. Um schnell vorwärts zu kommen, muss man die Gänge schon bis 4500 treten, aber dann schafft man die 100 in 13 Sekunden, was für solch ein Auto doch ganz brauchbar ist. Sprintstark ist er auch, sofern man zuvor herunterschaltet. Und jenseits der 4000 klingt der 5. Gang, als würde jeden Moment der Motor explodieren. Allerdings klingen die anderen Gänge angenehm kernig und befriedigen mein rudimentär ausgeprägtes Verlangen nach sportlichem Klang. Dummerweise sind die Verpuffungen in den Zylinderköpfen sehr laut, sodass es von außen sehr... seltsam klingt. Aber das scheint mir an den Vorbesitzern zu liegen (die bösen). Interessanterweise verbraucht er weniger, wenn man ihn gut bis 3000 (Stadt) und 4000 (Land/autobahn) tritt und es allgemein vermeidet, unter 2300 Umdrehungen zu fahren. Das lässt andere Autofahrer hinter vorgehaltener Hand über mich lachen, aber in der Praxis habe ich so die 9,9 Liter geknackt :-D.
Tja. Nur der Innenraum ist unpraktisch. Allein oder zu zweit kann man die hintern beiden Sitze umklappen und allerhand Zeug mit sich rumschleppen. Sonst fasst der Kofferraum zwei Kästen Bier. Dann ist er voll. Komplett. Und das geladene Stückgut neigt dazu, aus dem Kofferraum zu rutschen, wenn man es ausladen will. Hinten sitzt es sich auch nicht übermäßig bequem, und man sollte kurze Beine haben. Verarbeitet ist er... praktisch. Stoffbezüge und Plastik. Leicht zu reinigen. Sieht nicht hübsch aus, hält aber viel aus. Echt :-) Man sitzt auch ein bisschen wie auf einen Thron und sieht nach vorn sehr viel. Zwar ist es über lange Strecken ungemütlich, aber für den Feldeinsatz eignet es sich hervorragend. Nach hinten mag die Sicht nicht übermäßig gut sein, aber in den großen Seitenspiegeln sieht man alles, was man sehen will. Ausgenommen Gebüsch, das unterhalb des Reserverads wächst. Immerhin hat man so einen großen Gummipuffer hinten dran. Nun... einen Punkt arbeitet ich noch ab. Die Zuverlässigkeit. Das Auto selber neigt dazu, nach dem Anlassen auszugehen, wenn man ihn kurz hat stehen lassen. Das scheinen mir aber auch Altlasten von den unfähigen Vorbesitzern *hust* Dagegen spricht: Fährt immer, überall, bei jeder Temperatur und bei jeder Witterung. Ich habe ihn hier im Rekordwinter testen können: -27 Grad Celcius. Die Kupplung ging ein bisschen schwer, man musste kurz Nachgasen aber dann... ohne Probleme. Bis heute genieße ich die neidischen Blicke des Mercedes-Fahrers, dessen G mit einem Traktor-Starhilfekabel belebt werden musste. Das war dann auch das einzige Auto, dass an jemen Morgen auf die Straße gekommen war. Mehr wurden es nur innerhalb der Stadt, Garagenautos und bei Fahrzeugen mit Standheizung. Schummler. ;-)
Fazit: Ein perfektes Fahrzeug für all Diejenigen, die nicht so viel Geld für einen neuen SUV haben, aber ein Winter- und Geländefestes Fahrzeug brauchen. Man hat zwar nicht sooo viel Platz zum Verstauen von Kleinod innerhalb, aber für den Arbeitsweg eines Jägers oder Försters, eines Landwirts oder sonstigen ländlichen Gesellen ist er eigentlich perfekt. Wen der Verbrauch nicht stört und wer im Quartal 280€ übrig hat (SF 2, 85%), ist mit dem Auto gut beraten. Wer viel Autobahn fährt (wie ich es jetzt muss :( ) oder gern schnell unterwegs ist, sollte nach etwas anderem Ausschau halten Grüße, der Schreibleser
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27.10.2009 18:16
Ein richtig guter Bericht. Mit ein paar netten Fotos würde ich sogar ein BH springen lassen.