Der schnellste Rentner

5  28.10.2003

Pro:
Erfolgserlebniss, man tut was für seinen Körper, preiswert

Kontra:
Erfordert wie fast alles, Selbstdisziplin

Empfehlenswert: Ja 

ET

Über sich: Unabhängiger Versicherungsmakler und ehrenamtlich tätig. Hier findet ihr Tipps zu allen möglichen...

Mitglied seit:05.12.1999

Erfahrungsberichte:322

Vertrauende:70

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 94 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es ist doch irgendwie merkwürdig. Früher, ja früher hast Du Dich oft viel bewegt. Aber dann hat sich etwas eingeschlichen, dass man grob mit dem Begriff Faulheit umschreiben kann.

Man müsste ja, wenn man denn Zeit hätte, wenn das Wetter schön wäre, wenn....wenn....jede Menge "wenns".

Die billigste Ausrede keinen Sport zu treiben ist dabei die Zeit. Die amerikanischen Präsidenten treiben täglich Sport, unser Aussenminister, die Top Manager....und was macht Ihr beruflich ?

Dabei macht es Sinn regelmässig Sport zu treiben. Gesundheitlich und auch in der Arbeit fühlt man sich einfach elanvoller. Mit der Zeit !

Doch der Reihe nach. Auch ich habe meine kleine persönliche Story und möchte damit ein paar Tipps verbinden, die vor allem die Neueinsteiger vielleicht ein wenig helfen.

Ausgangsposition:
==================
Da stand er nun der Frank, schaute in den Spiegel und musste feststellen, dass 11 Jahre Bürodienst, 0% körperliche Aktivitäten, 0% Fitness nicht spurlos an seinem Körper vorbeigegangen sind.

Ok, dieser Frank bin ich und ich steh dazu. Heute!
Man glaubt nicht welche Trägheiten sich einschleichen. Man tut einfach nichts. Nicht von heute auf Morgen, sondern im Laufe der Jahre bewegt man sich immer weniger.

Mein Vorteil war, dass ich nie richtig dick wurde, da ich immer wieder Phasen hatte in denen ich mich gesund ernährte und auf übermässig Fett verzichtete.

Aber auch 86KG können bei 1,84m Grösse einen Bauch verursachen und insgesamt blässlich schwabbelig wirken.

Meine Blutwerte waren stets im grünen Bereich doch erschreckte mich, dass meine Cholesterinwerte auf einmal zwar absolut im Normbereich aber nicht mehr im Idealbereich waren. Keiner, schon gar nicht mein Arzt machte sich darüber Gedanken, doch für mich war es mit meinem Spiegelbild vor Augen der Grund etwas zu tun.


Der Einstieg:
=============

Anfänglich stellte ich meine Ernährung um. Ich reduzierte den Fettanteil und lernte kontrollierter zu essen. Sprich, ich wartete nicht bis ich den grossen Hunger hatte um dann reinzustopfen, sondern aß was, sobald ich ein wenig Hunger verspürte. Meist ne Banane.

McDoof und BurgerKing waren tabu und Süssigkeiten gabs auch nicht mehr.


TIPP
Ca. alle 10 Tage ereilte mich eine Fressatacke, die ich die Suchtphase nenne. An diesem Tag hab ich mir reingehauen was geht. Egal wie viele Kalorien es hat. So hatte ich in den anderen Tagen die nötige Disziplin und nie wirklich das Gefühl etwas zu vermissen. Ich hab mich dann schon immer gefreut wenn ich mal wieder einen Tag länger ohne Fressanfall ausgekommen bin.


Innerhalb der nächsten 3 Monate nahm ich 7kg ab. Der Bauch schrumpfte und ich bekam auf einmal den ungewohnten Drang körperlich etwas zu tun. Hej, mit 34 schob ich das erst auf die ersten Probleme mit dem Alter und versuchte dieses Gefühl zu verdrängen.


Phase 2
========

Ganz verhindern konnte ich nicht, dass ich anfing mich zu bewegen. Ein wenig Bauchtraining da, ein wenig Liegestütze dort und ab und an einmal eine Runde walken.
So fand ich zugegeben langsam aber doch sicher ein positives Gefühl für die Bewegung.

Tipp:
Fangt langsam an etwas zu machen. Und wenn es nur wenige Minuten sind.
Walken war für mich der richtige Einstieg zum Laufen. Ich habe dabei das Gefühl gewonnen zumindest schon einmal etwas für meinen Körper zu tun und man gewöhnt sich schon an die Bewegung als solches.


Phase 3
========

Mitlerweile waren 4 Monate vergangen und ich spürte wie ich mich wohler, im Altag leistungsfähiger fühlte.

Den Begriff Sport vermied ich in meiner Umgebung, da ich meine geringen Aktivitäten nicht als solche betrachtete.

Eine Bergwandertour auf der ich locker von Personen die hätten meine Eltern sein können überrundet wurde gab mir den letzten Kick Ehrgeiz.

Auf einer Grillfeier unter Nachbarn sprachen wir dann wieder über den evtl., möglichen, man müsste doch Einstieg zum Laufen. Diesmal jedoch bildete sich eine minimalistische Läufergruppe aus 2 Personen, wobei 1 Person davon ich war.

Der erste Lauf stand also an. Terminlich exakt fixiert, Ausreden gelten nicht mehr.

Mein Nachbar war konditionell, ähm, ich sag mal astronomisch weit von mir entfernt. Allerdings entpuppte er sich als sehr einfühlsamer Mitläufer und nahm sehr viel Rücksicht auf meine antrainierte Unsportlichkeit.

Am Samstag ging es dann los. Streckenlänge 5km, hätt ich das vorher gewusst. Voll motiviert ging mir nach 600m die Luft aus und ich hing in den Seilen wie Dariuz nach seinem letzten Boxkampf. Nach 48 Minuten waren die 5km endlich vorüber.
2 Minuten langsam laufen, 1 Minute gehen. Anders ging es nicht. Und die Strecke habe ich dann auch noch verkürzt.


TIPP
=====
Bevor Ihr loslegt überprüft einige Punkte. Habt Ihr starkes Übergewicht, reduziert dies vor Beginn und sprecht mit einem Arzt !!! Ihr macht Euch sonst die Gelenke kaputt. Oder besser, meist gebt Ihr aufgrund von Schmerzen auf bevor ihr was kaputt macht.

Wenn ihr schon beim Arzt seid, kontrolliert Blutdruck und Eure Blutwerte !

Zum Laufen braucht ihr Schuhe. Aber bitte nicht die ausgelatschten alten Dinger oder gar irgendwelche Leinenschuhe. Es müssen schon Laufschuhe sein.
Die Zehen müssen genug Platz haben und sie müssen bequem aber fest sitzen. Ein gutes Fussbett ist wichtig. Die Schuhe solltet Ihr ganz in Ruhe aussuchen. Dabei bieten mitlerweile sogar Sporthäuser wie Karstadt Laufbänder zum testen an. Diese werden aber irgendwie leider so gut wie nie von Käufern benutzt.
Bei den Schuhen solltet Ihr Euch beraten lassen. Wo wollt Ihr überwiegend laufen ? Asphalt, Wald ? Wie schaut es mit dem Körpergewicht aus ?

Geht es dann endlich mit dem Laufen los, so fangt ganz langsam an! 2 Minuten langsam laufen, 1 Minute gehen. Vielleicht seid Ihr die Langsamsten, vielleicht kommt Ihr Euch blöd vor, doch spätestens nach 3 Monaten gehört Ihr zu der anderen Seite. Und lustig macht sich keiner. Im Gegenteil: Ich hab gemerkt, dass Jogger gegenseitigen Respekt zeigen. Egal wie schnell man ist.


Phase 4
========
Bereits in meinen ersten Tagen überholte ich gleich mal 1-2 Personen pro Lauf. Gut, die waren doppelt so schwer, doppelt so alt wie ich, aber ich überholte. *g*
Die Zeit war mir völlig wurscht. Ich war einfach stolz über jeden Meter den ich weiter am Stück laufen konnte.
Nach 1 Monat waren es so 4km und an einem Samstag schaffte ich die 5km bereits in 43 statt 48 Minuten.

TIPP
Trainiert nicht zu oft! Der Körper benötigt gerade anfänglich längere Erholungsphasen um sich umzustellen. Wer 4-6x die Woche läuft verliert schnell die Lust. Sicher, die Erfolge sind in den ersten Wochen grösser, aber sie sind nicht von Dauer. Nach 3 Monaten ist dann bei fast allen Schluss. Ok, wenn ihr 16-24 seid, dann ist der Körper noch anders drauf. Auch wenn ihr in der Arbeit körperliche Belastungen gewohnt seid. Nicht aber wenn ihr wie ich 10 Jahre nix getan habt und nen Bürojob habt.

Wichtig ist auch die richtige Lauffrequenz. Da sehe ich Läufer die verausgaben sich bis zur Erschöpfung, krebsrotes Gesicht und kippen bald um. Auch diese sind grundsätzlich (!) nach 3 Monaten wieder verschwunden. Überhaupt bleiben nach 3 Monaten von 10 Beginnern vielleicht 1-2 über.

Die Geschwindigkeit und auch die Intervalle (Laufen/Pause) helfen anfangs auch Seitenstiche zu vermeiden, die viele bekommen. Denn auch richtiges Atmen muss man lernen. Noch heute hasse ich Schulsport, bei dem man mit schlechten Schuhen, 3 Minuten warmlaufen und dann voll loslegen musste. Das ist nicht nur unsinnig sondern auch gesundheitlich risikobehaftet.

Wer ein wenig Kohle investiert kauft sich nen Pulsmesser. In der Anleitung steht dort eigentlich immer gut beschrieben wie man seinen Idealpuls ermittelt.

Wer diese Investition noch nicht tätigen möchte sollte blos nicht mit der alten Formel Grösse - Alter anfangen. Das ist zu grob.
Etwas besser, als Übergangslösung, ist es beim Joggen noch reden zu können ohne dabei vor Anstrengung röcheln zu müssen.


Phase 5
========

Im zweiten Monat erlebte ich einen Erfolg nach dem anderen. Ich schaffte die 5km am Stück und ärgerte mich die 40 Minuten Marke knapp überschritten zu haben. Hätt ich mich doch mehr verausgabt dachte ich mir. Anders herum : Warum sollte ich ?

TIPP:
Nicht übertreiben. Jetzt ist Disziplin gefordert. Man will mehr. Die Ziele sollten ganz klein sein. Dann hagelt es Erfolge.


Phase 6
========

Die Monate 3-4 sind wohl bei jeder Sportart die kritische Phase. Es kommt der Punkt an dem sich der Körper plötzlich komplett umstellt. Er scheint zu rebellieren und hier verfällt man leicht dem alten Trott, macht erst weniger und dann nichts mehr.
Oder man macht zu viel und ist demotiviert. Ich hab gerade noch die Kurve gekratzt. Meinte ich doch 4x die Woche zu laufen und schwups, bekam glatt Gelenkschmerzen, so dass ich 1 Woche pausieren musste.
Der 4. Monat war somit verschenkt und ich fing im 5. da an, wo ich am Ende des 3. Monats aufhörte.


Phase 7
========

Die kritische Phase überwandt ich und ich hatte ein Ziel vor Augen. Da gibt es alljährlich im Frühjahr einen tollen 13km Lauf. Da will ich nächstes Jahr teilnehmen.

3x die Woche Laufen war nun Standart und gehörte einfach mit dazu. Es war fest eingeplant. Basta !
Samstags nutzte ich die bessere Kondition meines Nachbarn um selbst zu erfahren wie ich denn konditionell so stehe.

Nach Ablauf des 5. Monats schaffte ich 8km am Stück und lief die 5km in bereits 35 Minuten.


TIPP:
Neue Ziele stecken! Auch diese sollten realistisch sein. Nicht an irgendwelchen Statistiken von Volksläufen orientieren. Meistens sind in der Ergebnisliste nur die ersten aufgeführt. Und es ist wirklich demotivierend zu sehen wie weit man noch von Platz 20 oder 40 ist. Selbst Platz 200 ist manchmal noch weit weit weg.


Phase 8
=========

Mein 6. und damit mein aktueller Monat, der nun langsam zuende geht.
Ich habe feststellen müssen, dass die Luft mitlerweile für lange Strecken reicht. Probleme bereitet die Muskulatur, die dieser Entwicklung nicht so schnell folgen kann. Bodybuilder z.B. bekommen in der Phase oft Probleme wenn sie zu viel Gewicht stemmen und vielleicht noch gedopt sind. Der Körper recht sich dann.
Beim Laufen kommt die Problematik schleichender. Ich habe daher gelernt sehr bewusst zu laufen.
Merke ich, dass ich härter auftrete, da die Muskulatur die Schritte nicht mehr so weich abfedern kann, ist meine Grenze erreicht.

Auf der anderen Seite ist es nun schwierig seine Geschwindigkeit zu erhöhen. Man hat sich irgendwie an eine Geschwindigkeit gewöhnt.

Ich habe daher mein Training angepasst. Jetzt laufe ich 2x die Woche längere Etappen mit kurzen schnelleren Einlagen die ich mit der Zeit erweiter. Jede Strecke hat so 10-12km.
Hinzu kommen 2x die Woche eine kürzere Trainingseinheit mit ca. 6km und durchweg erhöhter Geschwindigkeit.

TIPP:
Ab und an Geschwindigkeit erhöhen. Intervallmässig. Dabei immer an den richtigen Puls denken, denn sonst baut der Körper nicht auf. Weder wenn dieser unterschritten noch überschritten wird.
2x lange Strecke, 2x kürzere Strecke und nach jeder langen Strecke mind. 1 Tag Pause.


Fazit bisher:
===============

Vielleicht schreibe ich ja noch öfters an diesem Bericht. Wenn es jemanden interessiert.
Nach knapp 6 Monaten gehört Laufen einfach für mich dazu.
10km laufe ich im Training in 1 Stunde. Vielleicht werde ich in 1 Woche zum neuen Monatsbeginn mal testen was geht. Die Stunde dürfte ich dann knapp unterschreiten.
5km bewältige ich im Verhältnis auch nicht viel schneller *g*. 28 Minuten sind aber ganz ok.

Und nun viel Spass beim Laufen !!

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
AlaMoana

AlaMoana

13.05.2004 16:57

ich will auch :( ich bin jemand, der meint nicht laufen zu können... ich krach meistens nach 500 m schon ab! ich glaub ich sollte einfach lernen, langsam anzufangen. ich denke, ich bin viel zu schnell. habe im grunde das gleich eproblem wie du, nur dass ich erst seit 4 jahren im büro arbeite. aber seit diesen vier jahren nehme ich konzequent zu... nach 8 kilo reicht s mir jetzt. mag wieder mein idealgewicht haben :( ich muss mir in den arsch treten. ich glaube ich fahr erst mal n bissl inliner um mir n bissl luft zu holen und dann fang ich an zu laufen... oder was meinst du zu der technik? lg monja

ciao2002

ciao2002

02.11.2003 11:23

SUPER BERICHT!! LG, Daniela

illi1

illi1

29.10.2003 18:15

"Ja wo laufen sie denn?" Lass Dich nicht ärgern *g* LG Iris

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 486 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (100%):
  1. AlaMoana
  2. Beanchen
  3. Beata24
und weiteren 92 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.