Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
tolle Idee mit absolut genialer Umsetzung, Plädoyer für mehr Toleranz |
| Kontra: |
?? |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Ich weiß heute, ehrlich gesagt, gar nicht so richtig, wie ich beginnen soll. Denn ich habe ein Buch gelesen, das mich so fasziniert, so beeindruckt hat, dass ich befürchte, nicht die richtigen Worte zu finden. Es nicht zu schaffen, euch die Klasse dieses Romans, den Zauber, das, was ihn ausmacht, zu überbringen.
Der Roman, von dem ich so ergriffen bin, heißt „Trapez“ und wurde von Marion Zimmer Bradley geschrieben. Er wurde mir nicht empfohlen oder so. Ich bin ganz zufällig auf ihn gestoßen, als ich meine Bibliothek nach Büchern von Marion Zimmer Bradley abgegrast habe. Diese Autorin ist ja für ihre Fantasy- und ScienceFiction-Literatur bekannt. Doch „Trapez“ ist anders. Es ist die Geschichte zweier Männer, die fast wie Brüder und doch unendlich viel mehr sind. Es ist beinahe eine Familiensaga um eine der großen Familien am fliegenden Trapez. Ein fliegendes Trapez müsst ihr euch so vorstellen: An einer an zwei Seilen aufgehängten Stange schwingt der Flieger. An einer anderen ähnlichen Stange schwingt der Fänger kopfüber. An einem bestimmten Punkt lässt der Flieger sein Trapez los. Er macht ein oder zwei Salti und landet mit seinen Händen in den Händen des Fängers. Sie schwingen kurz zusammen, bevor sich der Flieger wieder auf das Flugtrapez zukatapultiert. Wenn das alles gelingt, ohne dass der Flieger ins Sicherheitsnetz fällt, ist man schon ganz schön gut.
Und damit ihr den Inhalt versteht, muss ich euch einen Teil des Stammbaums, der auf einer der ersten Seiten des Buches aufgezeichnet ist, erklären:
Der Inhalt:
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DIE FAMILIE SANTELLI
Nachdem Marion und Isabella di Santalis in die USA gekommen waren, bauten sie eine der großen Fliegerfamilien auf. Ihr Sohn Antonio (im Buch nur Papa Tony genannt) heiratete eine andere große Fliegerin, Carla Fortunati und zeugte mit ihr 3 Kinder, von denen Lucia und Angelo mit ihm die „Flying Santellis“ bildeten. Als Lucia beim Fliegen einen schweren Unfall hatte und Wirbelsäulenverletzungen erlitt und deshalb nicht mehr fliegen konnte, gingen ihre Kinder Elissa, Matthew (im Buch Matt oder Mario) und Giambattista (im Roman einfach nur Johnny) mit auf Trapez. Schon von Kindheit an waren sie geflogen. Als Elissa heiratet und schwanger wird, steigt sie aus. Auch Johnny, dem die ständige Disziplin auf dem Trapez nicht gefällt, geht bald. Nun fliegen nur noch Papa Tony, Angelo und Mario.
Das ist der Ausgangspunkt des Romans. Kommen wir jetzt zum Inhalt, den ich genau wie im Buch in drei Teile unterteilen möchte.
DER FLIEGER (1944-1947)
Der 14jährige Tommy Zane lebt mit seinen Eltern (sein Vater ist Raubtierdompteur) in dem mittelgroßen Zirkus Lambeth, der im Sommer durch die Staaten des Mittelwestens der USA tingelt. Oft schaut er den Flying Santellis, die beim selben Zirkus sind, beim Üben am fliegenden Trapez zu. Mario, mit dem sich Tommy anfreundet, bringt ihm bald das Fliegen bei. So kann Tommy auch bald mit dem Santellis auftreten. Als diese an einen anderen Zirkus gehen, geht Tommy unter der Vormundschaft von Papa Tony mit. Auch der Rest der Familie Santelli akzeptiert ihn bald wie einen Sohn. Und nach dem plötzlichen Tod seiner Eltern werden die Santellis zur einzigen Familie, die Tommy noch hat. In den Winterpausen findet man sich im riesigen Haus der Familie in Los Angeles ein, wo die neuen Programme einstudiert werden. Hier bringt sich Mario auch den dreifachen Rückwärtssalto, genannt Salto mortale, bei, den er bald in sein Programm aufnimmt. Auch Johnny stößt mit seiner Frau Stella, die auch fliegt, wieder zur Familie.
Privat entwickelt sich zwischen, den immer eng befreundeten Mario und Tommy eine Liebe, die sie in der damaligen Zeit voller Vorurteile aber nicht öffentlich zeigen dürfen. Als dann auch noch Papa Tony in der Manege genau zu dem Zeitpunkt, als Angelo ihn fängt, an einem Herzanfall stirbt, beendet Angelo seine Karriere. Er war der einzige, der Mario je bei seinem Dreifachen gefangen hatte. Als dann auch noch jemand Tommys und Marios sexuelle Beziehung aufdeckt, scheint ihre Karriere zu Ende.
INTERMISSION (1947-1952)
Mario bekommt dennoch einen Job angeboten. Sein neuer Arbeitgeber ist bereit, gegen die Schwarze Liste anzukämpfen. Denn der Alptraum jedes Artisten ist eingetreten: Aufgrund seiner Homosexualität wird er quasi aus dem Artistenmilieu verbannt. Doch der riesige Zirkus Starr will ihn wegen der Einzigartigkeit seines Dreifachen unbedingt haben. Doch nur ohne Tommy. So trennen sich die beiden schließlich schweren Herzens.
DER FÄNGER (1952-1953)
Tommy ist jetzt erwachsen. Nachdem er 5 Jahre mit der Armee in Deutschland war, kommt er zurück in die USA. Auf der Suche nach Mario begibt er sich zu den Santellis. Doch die haben selbst jahrelang nichts von Mario gehört. Sie befürchten, dass er vielleicht sogar tot ist. Doch Tommy glaubt nicht an Marios Tod. Also sucht er in vielen der kleinen Zirkusse nach ihm und findet ihn schließlich ziemlich heruntergekommen in einem drittklassigen Zirkus. Mario hatte nach Tommys Verschwinden eine Zeitlang bei Starr gearbeitet und sogar geheiratet. Seine Tochter Suzy lebt jetzt bei ihrer Mutter. Tommy holt Mario aus seiner Isolation, baut ihn wieder auf. Mit Tommy als Fänger gelingt Mario auch wieder der Salto mortale, den zwar mittlerweile mehrere Flieger springen. Aber keiner kann ihn so ästhetisch perfekt wie Mario. Doch all das wird auch getrübt. Denn Angelo bemerkt Marios und Tommys wieder auflebende Beziehung und kommt damit gar nicht klar, er könnte sie verraten und damit ihre Karriere ein für alle Mal beenden...
Meine Meinung:
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Sorry, aber der Inhalt ist ziemlich lang geworden. Die Handlung ist aber auch so komplex, dass ich immer noch denke, dass ihr nicht das Wichtigste erfahren habt. Naja, wer mehr wissen will, muss den 860 Seiten dicken Wälzer halt lesen.
„Trapez“ ist absolut faszinierend. So einen Roman hätte ich von Marion Zimmer Bradley, einer bekannten und überaus anerkannten Fantasy-Autorin nie erwartet. Aber wie sie die Handlung in die gesellschaftlichen Umstände der 40er und 50er Jahre des letzten Jahrhunderts einbaut, ist einfach großartig. Auch das Zirkusumfeld wird toll beschrieben.
Ein Höhepunkt des Lesens sind die Flugbeschreibungen. Die unendliche Perfektion, die nötig ist, damit niemand irgendwie verletzt wird, die Ästhetik, das Gefühl beim Fliegen, die Erleichterung, wenn sich Hände und Handgelenke von Flieger und Fänger ineinander verschränken. Das alles wird so lebendig, so authentisch beschrieben, dass man beinah glaubt, es mit anzusehen, die Spannung, die in der Luft liegt, zu spüren. Vor seinem geistigen Auge glaubt man es zu sehen. Man fühlt das Entsetzen, wenn Mario ins Netz stürzt, und die Erleichterung, wenn ihm wieder einmal nichts Ernsthaftes passiert ist.
Auch die bei weitem nicht reibungslose Beziehung zwischen Tommy und Mario wird so natürlich, so echt dargestellt, dass ich es kaum beschreiben kann. Damals, Mitte des letzten Jahrhunderts, war Homosexualität eine Todsünde, abstoßend, weit davon entfernt auch nur von der Gesellschaft geduldet zu werden. Und auch 1979, als Marion Zimmer Bradley das Buch verfasste, war gleichgeschlechtliche Liebe nicht Normales oder Toleriertes. Auch heute ist es für viele Menschen immer noch kein Thema, über das man einfach so sprechen kann. Doch die Autorin schafft mit ihrer natürlichen Darstellung der (natürlich auch körperlichen) Liebe zwischen Tommy und Mario Platz für die neutrale Betrachtung der Homosexualität. Durch die Beschreibung alltäglicher Situationen erweckt sie Verständnis für die gleichgeschlechtliche Liebe, die abgesehen vom körperlichen Vollzug gar nicht anders als die Beziehungen heterosexueller Menschen ist.
Tommy, der den einzigen Halt für den ziemlich labilen Mario darstellt, ist die eigentliche Hauptperson des Romans. Aus seiner Sicht werden die Familienverhältnisse erläutert, wird der Leser über die Vorgänge ins Bild gesetzt.
„Trapez“ ist fast eine Familiensaga, denn eine so umfangreiche Beschreibung verdient diese Bezeichnung. Und doch ist es noch viel mehr. Es ist die einfühlsame Liebesgeschichte zwischen zwei Männer, die einander so viel bedeuten. Es ist ein Porträt des Zirkus, eine beeindruckende Darstellung der Trapezkunst. Ein absolutes Meisterstück!
Wer jetzt keine Lust mehr hat, auch noch eine Textstelle zu lesen (ich verstehe euch ja, ist ziemlich viel geworden), der muss nach unten scrollen.
Textauszug:
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Mario gab Tommy das Zeichen für den Dreifachen. [...] Mario war vom Brett abgesprungen und schwang sich hinaus, immer höher, und Tommy beschleunigte seinen eigenen Schwung, um sich genau Marios Rhythmus anzugleichen. Hinaus und zurück, und wieder hinaus... Präzise zusammen, vereint, eingeschlossen in einem doppelten Rhythmus. [...]
[Tommy denkt] Was wir zusammen sind, am Trapez – als wenn wir uns liebten – mitten in der Öffentlichkeit – es ist dieselbe Stelle in deinem Bauch. Salto mortale. Die perfekte, vorher bestimmte Form des Schicksals...
Er konnte Mario nicht genau sehen, er spürte ihn, das andere Trapez, wie verzahnt, ein einziger Herzschlag. Mario trieb seinen letzten Schwung höher, als ob sein gespannter Körper ausbrechen und nach oben wegfliegen wollte. Frei von Schwerkraft. Als wollte er niemals zurückkehren ... und zurück, über sie Halterungen hinaus. Er berührte fast die Sicherheitsseile. Tommy streckte seine Hände beim Rückschwung aus, noch bevor Mario von der Stange wie ein Kanonenschuss wegschnellte, sich drehte, unglaublich viel höher bei der zweiten Drehung – ihre Hände verschränkten sich mit einem Ruck durch das Gewicht, bevor das Jetzt! In Tommy Kopf bewusst wurde. Erst als sie an Händen und Handgelenken verschränkt zusammen in der Luft schwangen, bemerkte Tommy, dass er schon befürchtet hatte, Mario wie Papa Tony fallen zu sehen. Marios Augen unter ihm waren erfüllt mit dem Zauber und der Erregung von einst.
„Okay, Lucky? Okay“, flüsterte er.
Und er war wieder weg, schoss auf die Plattform zu, sprang neben Stella ab, gab ihr die Stange in die Hände, warf sorglos zur Stütze einen Arm um sie, hob seine Hand in einer übertriebenen, ausladenden Geste. Finale. Verbeugung ins Publikum.
Noch ein paar Informationen zum Buch:
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„Trapez“ von Marion Zimmer Bradley erschien als Taschenbuchausgabe 1998 unter der ISBN 3-453-13724-8 zum Preis von 16,90 DM im Heyne Verlag.
Die Originalausgabe mit dem Titel „The catch trab“ erschien 1979 bei Baror International. Die Übersetzung machten Gunther Angerstein und Robert Forst nach einer Vorlage von Gerhard Schulte.
| weitere Erfahrungsberichte |
Zum Heulen schön...
Bewertung für Trapez / Marion Zimmer Bradley von
Siberianchan
Pro: Bitte dazu Bericht lesen
Kontra: welche Kontras? Also bitte!
Es gibt nur ein, nur EIN einziges Buch, das mich regelmäßig zum Heulen bringt: TRAPEZ.
Und Warum? Es ist traumhaft schön, sehr sensibel und intensiv geschrieben, detaillreich und voller Kritik an einer Haltung, deren Restfragmente bis heute bestehen - le ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
19.05.2004
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Trapez
Bewertung für Trapez / Marion Zimmer Bradley von
UweZ66
Pro: einer der besten Liebesromane
Kontra: kein dagegen
Der Flieger 1944-1947
Die USA führen im Jahre 1944 Krieg gegen Japan. Viele Menschen sind eingezogen wurden. Überall fehlt es an Arbeitskräften. Auch der Zirkus Lamberth bekommt das zu spüren. Der 15jährige Tommy Zane ist im Zirkus so eine Art " Mädche ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
13.05.2001
(28.03.2002)
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Liebe, Freundschaft und die Kunst, zu fliegen
Bewertung für Trapez / Marion Zimmer Bradley von
TP
Pro: siehe Meinung
Kontra: nichts, aber auch gar nichts
Trapez von Marion Zimmer Bradley
Dieses Buch ist echt eines der besten die ich je gelesen habe. Zu erst haben mich die 861 Seiten des Buches ein bisschen abgeschreckt, da ich nicht sehr viel Zeit zum lesen habe und darum lieber dünnere Bücher lese, abe ...
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sehr hilfreich
15.05.2001
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ein muss für alle Zirkusfans
Bewertung für Trapez / Marion Zimmer Bradley von
Zwiebelchen
Pro: spannend geschriebene Geschichte im Zirkusmilleu
Kontra: untypischer Stil für MZB
Wir schreiben das Jahr 1944. Die Flying Santellis die Trapezakrobatik schon seit Generationen in der Familie weitergeben, gehören zu Stars der Zirkuswelt. Mario Santelli der jüngste Sproß ist einer von 3 en die am Salto Mortale ( dem 3 fachen Salto) arbei ...
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sehr hilfreich
11.11.2000
(14.11.2000)
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Weder Fantasy noch Science Fiction - aber toll!
Bewertung für Trapez / Marion Zimmer Bradley von
IQIQIQ
Pro: tolle Geschichte
Kontra: nicht typisch Marion Zimmer Bradley
Das einzige, was in "Trapez" an die anderen Bücher von Marion Zimmer-Bradley erinnert, ist die Tatsache, daß es um ein homosexuelles Paar geht, auch wenn der Leser das erst recht spät im Buch erfährt, und natürlich MZBs fesselnder Erzählstil.
Schade, daß ...
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sehr hilfreich
27.11.1999
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