Trennung

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Letter to a friend [???]

1  25.02.2006

Pro:
Die Möglichkeit, Neues zu verwirklichen

Kontra:
Die Trennung [???]

Empfehlenswert: Nein 

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Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:1

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 11 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als hilfreich bewertet

2.14

Du leidest. Dein Leben ist zerstört, sagst Du. Du hast verloren, was Du immer wolltest. Die Aussicht auf ein Leben in einem netten Häuschen am Stadtrand, eine goldene Hochzeit, liebe, intelligente Kinder, die ebenso liebe und intelligente Enkel in die Welt setzen würden. Und natürlich allem voran: Die Liebe Deines Lebens. Friede, Freude, Eierkuchen bis ans Ende Deiner Tage, dieser Gedanke hat mit Deiner Zukunft nichts mehr zu tun.


Euer gemeinsamer Weg war immer klar. Ihr habt mehrere Jahre Zeit gehabt, Euch kennen zu lernen, habt zusammen gewohnt, ward füreinander bestimmt. Schon Euer erster Kuss oder vielmehr der Blick, der dazu führte, war eine Offenbarung, Magie, da seid ihr Euch einig. Schon wenige Tage später ward Ihr Euch in einem ebenso magischen Augenblick darüber im Klaren, dass Ihr miteinander Kinder haben werdet. Die Hochzeit nach ein paar Jahren war nur ein weiterer perfekter Schritt. Die Geburt des ersten Kindes das höchste Glück, das Ihr erleben durftet. Noch immer perfekt.

Schade nur, dass so ein Kind auch mit Arbeit verbunden ist. Mit Aufopferung, mit Verzicht. Dass man nachts mehrmals aufstehen muss, dass die Absolvierung des Tagesablaufs sich nur noch um das kleine Etwas dreht, und kaum Zeit für irgendetwas anderes bleibt. Schade auch, dass die Verantwortung, die Änderung der alltäglichen Lebensumstände, fast ausschließlich an ihr hängen blieb. Habt ihr früher so viel Zeit wie möglich miteinander verbracht, warst Du zu jenen Zeiten so oft und ausdauernd in der Uni, dass wenigstens ein Ende des Studiums innerhalb kürzester Zeit zu vermuten war, die Arbeit an der Familie hast Du jedoch weitgehend verweigert, abgesehen von Dingen, die für Dich selbst einen Vorteil brachten, hast Du Dich kaum beteiligt. So sehe ich das jedenfalls.

Auch die wenige Monate später beginnende zweite Schwangerschaft änderte hieran nichts. Sie, mit Baby und schwanger, hat den Abschluss ihres Studiums vorbereitet, Du bist weiter Deinen Interessen nachgegangen. Zwischen schriftlichen und mündlichen Prüfungen wird das zweite Kind geboren. Um überhaupt ein Familienleben erhalten zu können, finanzieren zu können, entscheidet sie sich gegen eine erneute Elternzeit, um die einzige berufliche Möglichkeit am Schopf zu packen, die sich ihr in ihrer persönlichen Situation bietet, noch immer im Glauben an eine gemeinsame, glückliche Zukunft. Das ist jetzt drei Jahre her.

Versuche, Dich in das Gelingen Eures Glücks einzubeziehen, scheitern. Der Stress, den die kleine Familie mit sich bringt, wächst, insbesondere, da nun auch mal abwechselnd die Kinder krank sind, die Zeit für Euch und uns [mich und sie] noch knapper ist. Selbst die Zeit aber, die ihr noch für Euch gehabt habt, verbringt ihr kaum gemeinsam, weil Du Dich am Abend entspannen willst von Deinem anstrengenden Tagesablauf, und Dich in Computerspielen verlierst. So sitzt ihr in einem Zimmer und habt dennoch keinen Kontakt zueinander. Schon Euren ersten Hochzeitstag hatte ich mit ihr - meiner besten Freundin - gefeiert, Du bist irgendwann ins Zimmer gekommen, während wir albern Fotos schossen, und hast danach gefragt ob wir nicht mehr alle Tassen im Schrank hätten. Ich kann Dir versichern, die Tassen waren alle noch da.

Die Bewältigung also des Familienlebens bringt cholerische Züge zum Vorschein, wahrscheinlich führte die Unzufriedenheit mit Dir selbst dazu, ihre Leistungen herunterzuspielen/ zu negieren/ in der Öffentlichkeit und im Freundeskreis gern auch abfällige Bemerkungen zu machen, wenn sie über ihren Job und die Verantwortung sprach, mit der sie zu kämpfen habe. Offene Wertschätzung, die ihr entgegen gebracht worden ist, hast Du mit abfälligen Bemerkungen kommentiert. Hast über ihren Hintern gemeckert, sie angeschnauzt, wenn sie sich die Haare abschneiden ließ, stets Unverständnis geäußert, wenn sie sich mit Freundinnen treffen und mal einen draufmachen wollte. Du hast immer nur vermutet, sie würde sich an irgendjemanden heranschmeißen wollen. Männliche Freunde, die ihr offen - gemäßigte - Avancen machten, auf die sie niemals eingegangen wäre und ist, hast Du als Gäste auf weiteren Partys ausgeschlossen, die Freundinnen, die Dir zugetan waren, kamen selbstverständlich wieder und durften den charmanten, schlagfertigen Mann erleben, der ihr nicht mehr zugänglich war, in den sie sich aber verliebt hatte.


Und ich sage Dir: Sie hat gelitten. Sie hat gelitten, wie ich es keiner Menschenseele je wünschen würde, nicht einmal Dir, der Du dafür verantwortlich warst, für dieses Leid. Du hast "Euch" mit ihr allein gelassen. Hast "Euch" durch sie managen lassen. Bist selbst stehen geblieben, als die Sache anfing, kompliziert zu werden, mit der Geburt der Kinder und steigendem Stress. Nicht dass Du wirklich Stress gehabt hättest. Den hatte sie. Und ist auch noch verhöhnt worden, wenn sie mit Dir darüber sprechen wollte. Sie hat nicht nur einmal gesagt, dass sie Dich verlassen würde, wenn sich nichts ändert. Sie hat mindestens drei Mal offen ausgesprochen, dass sie an einem bestimmten Tag ausgezogen wäre, wären die Kinder nicht. An einem Abend hast Du unser Gespräch mitgehört, wie, das wissen wir bis heute nicht. Die ehrlichsten Gedanken die es gibt - die unter Freundinnen - hast Du zwar akustisch aufgenommen, aber nicht auf andere Weise. Niemals hat sie sich vorstellen können, die beiden Kinder allein zu lassen mit Dir und einfach zu gehen. Vielleicht war das ein Fehler. Vielleicht aber auch nicht. Was ist daran nicht zu verstehen, wenn man sagt: "Ich wäre weg, wenn die Kinder nicht wären?" Ich verstehe nicht wie man das nicht verstehen kann, und sie versteht es ebenso wenig.


Nun ja, und irgendwann musste sie aufgeben. Musste sich arrangieren mit einem Leben, das sie nicht wollte. Musste sich weiter um Nichtigkeiten streiten und sich Beleidigungen anhören. Immer auf der Suche nach einer Alternative, nach Kompensation ihres alltäglichen Leids. Sie hat nach Möglichkeiten gesucht, die - für sie nie existente - Möglichkeit einer Trennung auf andere Art und Weise zu meistern. Hat sich verloren dabei. Hat eingesteckt, was sie nicht einstecken wollte, hat ertragen, was sie nicht ertragen wollte, war am Ende ebenso beschissen zu Dir gewesen wie Du zu ihr. Nein, stimmt nicht. Diese Perfektion hat sie nicht erreicht.

Nun ist es vorbei. Es gibt nichts mehr zu retten. Der Tag, an dem sie sagte, sie liebe Dich nicht mehr, und dies schon seit langem, war der Schock Deines Lebens. Du hast sie ausspioniert, hast ihren Computer mit Spyware ausgestattet, ihre Kontakte überprüft, die Wahlwiederholung gecheckt. Mich gefragt, wie sie empfindet, wer da sei, wer ihr was eingeredet habe, denn Du kennst sie so doch nicht, das kann sie doch nicht sein, da muss doch was nicht stimmen, sie war doch sonst immer ganz anders. Was Du tun kannst, für Euch, hast Du gefragt.


Und es wurde nur noch schlimmer. Verdächtigungen, vermuteter Verrat, Verzweiflung. Du fragtest, wie Du sie überzeugen könntest, es noch ein weiteres Mal zu versuchen. Du hast es auch nicht verstanden, als sie sagte, dass es schon lange vorbei gewesen wäre. Die letzte zweite Chance hattest Du vor ungefähr 1 ½ Jahren. Danach war nur noch Ertragen angesagt, ihr Versuch, sich mit Dir zu arrangieren, und die heile [ha!!!] Familie zu retten. Sie musste sich eingestehen, dass das nicht geht. Alternativen gab und gibt es nicht.

Und sie: Ist wiederum verzweifelt an dem Elend, dass Du jetzt mit Dir herum tragen musstest. Es ist nicht ihr Ding, sich zu verbergen, nicht ihre Sache, den Verlauf zu leeren, die temporären Dateien zu löschen, die Akkus rauszunehmen, wenn sie telefoniert hat, um den Speicher zu löschen. Sie will sich nicht einen zweiten Account einrichten, weil Du ein Programm geschrieben hast, was ihre und andere Online-Zeiten überwacht. Vor allem, da sie nichts zu verbergen hatte. Es ist auch für sie nicht einfach, nach Hause zu kommen, und da ist keiner. Es ist auch für sie nicht einfach, die Kinder nicht um sich zu haben. Es ist auch für sie nicht einfach, die Kinder 2 Minuten und 14 Sekunden am Tag zu hören, der Durchschnitt in der letzten Woche. Aber dennoch besser.

Mittlerweile habt ihr - denke ich - einen akzeptablen Weg gefunden. Weil ich diesen Brief aber schon lange angefangen habe, schreibe ich ihn nun auch zu Ende. Und hoffe, dass ich keine Fortsetzung schreiben muss. Auch wenn es mir spanisch vorkommt, wenn Du Emails mit Smileys an sie schreibst, weil ich denke: Das ist wieder nicht echt. Sie hat mich heute deswegen angerufen, aber ich musste dann auflegen, weil ich zu arbeiten hatte.

Ich hoffe, Du kannst ihr die Ruhe geben, die sie braucht.

Auch Deine beste Freundin bin ich, nicht nur ihre. Komm zu Dir, verwirkliche Dich - endlich - und: Lasse ihr ihre Ruhe. Das ist das, was sie braucht.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
dahmane

dahmane

26.10.2006 09:51

Verständlich, aber hilfreich allenfalls, um Galle und anderen Mageninhalt auszukotzen. Und jetzt?

grisupbg

grisupbg

28.02.2006 02:19

Sehr schön geschrieben. Liebe Grüße, Kati

bojorix

bojorix

26.02.2006 00:43

Do you remember chalk hearts melting on a playground wall? / By the way: Was geht das die beste Freundin an, in jedem Fall doch hoffentlich höchstens zweite Wahl? Eine Empfehlung, die ich sonst nicht aussprechen würde: den aktuelle Focus lesen.

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  2. Philosoph
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