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Film, Fiktion und kein happy End

3  23.06.2006

Pro:
-

Kontra:
-

Empfehlenswert: Nein 

SSanni

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Mitglied seit:02.07.2000

Erfahrungsberichte:178

Vertrauende:227

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 44 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Im Film ist alles immer ganz leicht. Was aber, wenn der Anspruch ans eigene Leben dem nicht standhält? Wo bleibt der persönliche Drehbuchschreiber?

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Dieses Schweigen. Dein Blick, unsicher, rastlos. Kein Wort von Dir. Deine blauen Augen sagen soviel, aber dein Mund bleibt still. Es zermürbt mich, dieses Schweigen. Deine Unsicherheit lastet auf mir. Macht mich unfähig, dem etwas entgegenzusetzen.

Dein Zimmer ist unaufgeräumt wie immer. Kleidung liegt herum, eine Schachtel Ferrero Küsschen - halb leer - steht auf die Schreibtisch, daneben die leere Flasche Wein, die wir gestern nacht getrunken haben. Der Fernseher läuft, wie immer. Irgendein Film. Einer der zahllosen, die Du siehst. Ablenkung. Ablenkung und Verdrängung - ja, darin bist Du meisterlich. Mit Filmen kennst Du Dich aus. Namen von Schauspielern, deren Lebensläufe - das Lexikon dazu bist du. Fremde Szenen aus Kinofilmen werden zu den deinen. Sie machen Dich handlungsunfähig. Die Berieselung ist ja auch einfacher - nicht wahr?

Ich seufze. - Registrierst Du es überhaupt? Nein. Du liegst neben mir, halbnackt. Deine Augen haben sich von mir abgewandt, blicken nun geradeaus in die Bildröhre. Robert de Niro sagt gerade die üblichen gestylten Sätze. Ist ja auch einfach, er hat ein Drehbuch. Zu schade, dass Du nicht an deinem arbeiten magst.

Ich mustere Dich von der Seite. Zärtlichkeit und Hilflosigkeit überrollen mich, vermischen sich. Wie Du so daliegst, den rechten Arm wie zur Abwehr zurechtgelegt, die Bettdecke zurückgeschlagen, so dass ich sehen kann, wie sich deine Bauchdecke beim atmen hebt und senkt. Ein wundervoller Bauch, nebenbei bemerkt. Du hast neben den Filmen noch genug Zeit zu schwimmen und trainierst außerdem. Der schönste Körper, der je neben mir geruht hat, schweißnass auf mir lag und Ekstase mit mir teilte... Der erregendste Geruch, der je meine Nase kitzelte. Soviele Küsse, die mich fast wahnsinnig machten, dein so zärtlicher Mund - und doch, Du bliebst mir so seltsam fremd. Allein dieser Moment, in dem ich nur deinen Geruch atmend deine Nähe auskoste macht mich fast irre.

Ich liebe Dich so sehr. Es schmerzt mich so, dich nah zu wissen und gleichzeitig unerreichbar. Sprich doch mit mir, verdammt! Dein Blick hat soviel Gefühl, warum findest Du keine Worte? Warum scheine ich so an Dir abzuprallen? Sind sie nicht kinofilmtauglich genug, um für dich mehr als eine Nebenhandlung auszumachen? Kann ich denn keine Hauptrolle in deinem Leben haben?

Robert de Niro hat seinen Monolog beendet. Du schaust noch immer wie gebannt zum TV.
Natürlich, auch wenn der Film gleich zuende ist - der nächste kommt -bestimmt.

Mich fröstelt. Langsam stehe ich auf, gehe durch dein zu kleines Zimmer und öffne meinen Koffer. Kleide mich langsam, fast bedächtig an. Meine Jeans muss ich erst suchen. Im Gefecht der letzten Nacht ist sie neben dem Sessel gelandet, unter einer Menge anderer Sachen. Deiner Sachen. Ich ziehe sie darunter hervor und registriere selbst an ihr deinen Geruch. Die Socken bleiben verschollen, ich gebe die Suche auf - macht in dem Halbdunkel deines Raumes wenig Sinn. Nur das Geflacker des Fernsehers und die kleine Bettlampe spenden etwas Licht. Du rührst Dich noch immer nicht, liegst in derselben Pose da und starrst in die Bildröhre. Selbige zeigt gerade, wie ein paar böse Jungs vermöbelt werden -natürlich von den Guten - die mit den coolen Sprüchen. Von Robert de Niro ist nichts zu sehen.

Ich fische neue Socken aus meinen Koffer und dazu den hellen Pulli, den Du so magst. Das Ankleiden ist geschafft, jetzt naht der schwerere Part. Das Gehen.

Es schnürt mir das Herz ab. Ich will nicht fort von dir und doch - ich muss. Ich sehe zu Dir hinüber, suche Deinen Blick. Du wendest den Blick vom Fernseher ab, schaust mich an. Bis ins Mark trifft mich das Blau deiner Augen.

"Du musst los?" fragst Du. « Ja.» sage ich. "Ich muss gehen." - "Na denn. Warte, ich bring Dich noch zum Bahnhof." - "Nein, lass. Bleib ruhig liegen." Ein letzter Kuss. Nun stehst Du doch auf, packst Du mich und hebst mich hoch - über deinen Kopf. Ich berühre fast die Decke. Das machst Du immer - immer dann, wenn ich gedanklich schon fast fort bin, kommt eine solche Aktion, die mich aus dem Grübeln reißt und zum Lachen bringt. Ein letztes Mal.

Du lachst, küsst mich - noch einmal. Dann kehrst Du zurück ins Bett, den Arm wie zum Schutz angewickelt, wie immer. Dein Blick geradeaus. Der Abspann läuft, der Film ist zuende. Nicht schlimm. Der nächste fängt sicher gleich an.

In deiner Welt habe ich keinen Platz. In deinem Film gibt es zwar eine Hauptrolle zu besetzen, aber die wird nicht die meine sein.

Als die Tür ins Schloss fällt, laufen die Tränen. Ich gehe die Treppen hinunter, im Gepäck die Erinnerung an deinen letzten Kuss. Ich dreh mich nicht noch einmal um. Nur kurz durchzuckt mich die Frage: wo bleibt mein Happy End?

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
HexeDD

HexeDD

10.08.2007 19:44

So ist das Leben... liebe Grüße Hexana :-)))

neverfree

neverfree

05.04.2007 19:50

voll schön geschreiben, wie im Film, so richtig zum mitfiebern. Auch dein Happy End wird kommen. Versprochen!

Sunshine78963

Sunshine78963

05.08.2006 17:32

ein sehr rührender Bericht, klares BH

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