Franz Ferdinand frißt seine Freunde
09.01.2006
Pro:
Spaßfaktor, man lernt eine Menge
Kontra:
Tierquäleraquarium, teuer, kann man nur einmal machen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Spaßfaktor
Design
Stabilität
 julietta20
Über sich:
CIS-Pause...Arbeitsstreß. Wird nachgeholt!
Mitglied seit:20.07.2003
Erfahrungsberichte:36
Vertrauende:13
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 75 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vorgeplänkel Obwohl ich schon 25 bin, habe ich einen ausgeprägten Hang zu ausgefallenen Geschenken und den unbegrochenen Wunsch, immer noch mehr Tiere zu haben. Da meine Wohnung keinen Hund verträgt, wurde ich mit dem Komplettset zur Triops-Aufzucht von der Firma Kosmos beschenkt. Was kostet und was kann? Da es sich um ein Geschenk gehandelt hat, wurde mir kein Preis genannt. Im Internet findet man den Kasten ab 20€ bis ca. 40€. Bei Ebay wird er auch angeboten, allerdings sollte man da vorsichtig sein: die enthaltenen Eier gelten als Lebewesen und dürfen nicht verkauft werden. Also riskiert man entweder den Rauswurf bei Ebay oder man erhält einen Kasten ohne die Eier.Das Set enthält alles für die einmalige Aufzucht von Triopsen (bitte fragt mich nicht nach der korrekten Mehrzahl...Triopsiden? Triopae? Trioposaurus???): - das Becken mit Babystation, Strandbad etc. - bunter Sand - normaler Sand - Leuchtsteine - Löffel - Thermometer - Tore zum Trennen der Stationen - Lupe - Anleitung - Triops Eier, Futter und Conditioner - Flasche zum Reinigen Warum kostet dieser Kasten so viel? Das liegt wahrscheinlich an dem spacigen Plastik"aquarium" mit Deckel. Es hat 4 "Arme", die etwa Babystation oder Strandbad heißen und durch Plastiktore abgetrennt werden können. Der Behälter hat einen Deckel mit Löchern über den Kammern, in die man die Lupe legen kann. Sehr unpraktisch. Durch die große Oberfläche sollen die Tiere ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Nach ein paar Tagen bildet sich ekliger Schlierenschleim im Becken, denn man mit einer kleinen Flasche raussaugen soll. Ich mußte das nicht machen, da Fran Ferdinand vorher starb. Aber ich habe es danach versucht und keinen Erfolg gehabt.das "Aquarium" ist zwar meines Erachtens nicht tiergerecht, unhandlich und schwer sauber zu halten, sieht aber witzig aus. Wers billiger haben will bestellt über Kosmos die Einzelteile. Dort kostet etwa das Paket mit Triops, Eier und Conditioner nicht mal 4€ (plus Porto). Die bunten Steine, den Löffel usw. braucht man sicher nicht, eine große Glasschüssel ist absolut ausreichend. Was bitte ist ein Triops? Triops sind Urzeitkrebse, die schon zur Zeit der Dinos auf der Erde gelebt haben und zu den wenigen Tieren gehören, die es seither immer noch gibt. Sie leben auch bei uns, etwa in Pfützen. Sie sind ungefährlich für den Menschen, fressen sich aber gerne gegenseitig auf. Es gibt verschiedenste Arten von Triopsen, Kosmos liefert aber nur eine Sorte mit. Welche das ist, konnte ich nicht feststellen. Nette Fotos mit Klassifizierung und Nachkaufmöglichkeit gibt es bei aquaristika.de.Triopse werden ca. 6 Wochen alt, heißt es. Methusaleme werden angeblich 4 Monate alt. Groß werden sie ca. 4cm, die Riesen unter ihnen bis zu 7cm. Wohl aber nicht in dem Miniaquarium von Kosmos! Wie macht man einen Triops? Die Anleitung ist der Kindersprache angepaßt, allerdings nicht unbedingt kindgerecht. Ich habe ja schon mein nicht mehr kindliches Alter erwähnt, und ich habe nicht alles gecheckt. Erklärt wird u.a. was Triopse sind, wo sie leben und dann wie man sie züchtet.Kurz und gut Das Aquarium muß beklebt werden und mit destilliertem Wasser gefüllt werden. Dann legt man den Conditioner hinein und wartet 2 Tage. Danach schließt man die Tore und schüttet Eier in die Babystation. Man braucht nicht knickerig sein - das Futter reicht für eine Armada und man kann kein zweites Mal züchten ohne Nachzukaufen, weil ja nur ein Conditioner dabei ist. Ich habe die Triopse unter eine Lampe gestellt und eingeheizt, denn sie mögen es warm. Das sollte man mit dem enthaltenen Thermometer kontrollieren. Nach 2 Tagen sind die ersten winzigen Wusler geschlüpft. Man kann sie mit der Lupe gut betrachten, wie sie ihre Kreise ziehen. Wenn es nach Plan geht, wachsen mehrere Triopse heran, die man am 2. Tag erstmals füttert. Sie werden immer und immer größer, wuseln herum und machen Spaß zu beobachten. Nach ein paar Tagen muß man das Schälchen erstmals sauber machen, dazu ist die kleine Flasche da. Danach kann man die verschiedenen Sandarten einfüllen. Die Anleitung gibt auch Tips, was man bei seinen Tierchen alles beobachten kann. Wenn es ihnen gut geht, pflanzen sie sich auch fort und legen ihre Eier in der Babystation ab. Dann hat man viele Generationen lang Spaß mit den Krebsen. Franz Ferdinand macht alles falsch Auch bei mir schlüpften Triopse, winzig, interessant und wuselig. Der erste Schlüpfling war der größte von allen. Er erhielt den Namen Franz Ferdinand. Ja, ich hatte dabei durchaus die Band im Sinn, denn sie haben einen zentralen Punkt gemeinsam: schön und angenehem sind sie wirklich nicht. Aber wegschauen/hören geht halt eben auch nicht.Leider war FF mit dem Nahrungsangebot nicht zufrieden oder er ist ganz einfach ein Eremit: alle Schlüpflinge nach ihm hat er gefressen. Erst ist mir das gar nicht aufgefallen, nur als er rasantest wuchs und immer weniger neue Triopse schwammen, hatte ich ihn stark im Verdacht. Nach 3 Tagen war FF von einem winzigen Punkt zur Größe meines Fingernagels angewachsen und alle Mitschwimmer bis auf einen vertilgt. Sissi taucht auf Dieser letzte Mitschwimmer war Sissi. Ein deutliches Stück kleiner als FF war er doch so klug, sich vor FF immer hinter dem Conditioner-Teebeutel zu verstecken. DAS, dachte ich mir, ist weibliche Intelligenz und nannte sie Sissi. Ob es sich um Männchen oder Weibchen handelt, läßt sich nicht feststellen. Triopse brauchen übrigens auch zur Fortpflanzung keinen Zweiten. Öde, ne? Eine ganze Weile schwammen also FF und Sissi im gleichen Becken. Auf einmal war sie allerdings weg und FF wieder ein Stück gewachsen. Das angebotene Futter interessierte ihn nicht, logisch, wenn es zartes Fleisch gibt....Stirb, elendiger, stirb! Nachdem FF keine Mitschwimmer mehr zum Fressen hatte und er das Kosmosfutter nicht essen wollte, lag er am nächsten Tag mit dem Bauch nach oben und weiß statt gelblich auf dem Grund. Schade fand ich es schon, aber diesem alten Kannibalen geschieht das auch irgendwo recht. Also habe ich ihm ein würdiges Seegrab im Klo beschert und die Triops City abgewaschen. Vielleicht wage ich mal einen neuen Versuch. FFs schneller Tod ist wohl kein Einzelschicksal. Normalerweise überleben nur 1-3 Tiere die ersten Tage und sie können einfach so jederzeit sterben. Sind Triopse interessant? Ich fand meine 5-Tages-Erfahrung mit Franz Ferdinand sehr interessant. Ich habe jeden Tag sicher 20 Mal über dem Becken gehangen und ihm beim Schwimmen und Fressen beobachtet. Er hat sich mehrmals gehäutet (sehr eklig) und ist von einem kleinen Punkt zu einem großen Tier herangewachsen. Nach 3 Tagen hatte er dunkle Punkte am Kopf, die ich für Augen halte. Auch sein Verhalten hat sich geändert. Als Miniknopf ist er nonstop durchs Wasser geschossen und Purzelbäume geschwommen. Als Großer ist er dann mit dem Rüssel den Grund entlanggeschnorchelt auf Futtersuche.Ideal für Kinder? Weiß nicht. Ich hatte als Kind keine Krebschen, aber viele meiner Freunde. Sie berichten von Teils traumatischen Erlebnissen, als sie aus der Schule heimkamen und alle tot oder von Mama ins Klo entsorgt wurden. Außerdem ist das Becken alles andere als Tierfreundlich. Wenn da wirklich 2 4cm-Tiere rumschwimmen würden, wäre das so eng wie eine Legebatterie. Zum beobachten sind sie auch für Erwachsene sehr interessant. Wer die schicke Verpackung und die Leuchtsteine nicht braucht, sei auf die billige Variante des Einzelteilkaufens hingewiesen. Für den Spaßfaktor würde ich 5 Sterne geben, aber für den Preis, den Tierquälerfaktor und weil man es nur einmal ohne Nachkaufen machen kann, ziehe ich aber 3 Sterne wieder ab und sage, daß es gerade noch empfehlenswert ist.Diesen Artikel widme ich der liebevollen Erinnerung an die kluge Sissi und Franf Ferdinand, dem Schächter von Triops City.
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03.08.2009 12:06
Interessant, beschäftige mich auch seit 1 Tag mit den Triops, bin im Herzen auch noch ein Spielkind, finde die Natur sehr interessant. 3 Liter sind für junge Triops eigentlich voll ok, aber ausgewachsene ist es in der tat schon zu klein, aber in der Natur kommt es ja auch oft vor das die Triops in Fützen schlüpfen, sogar in Schlammfützen. Interessante Tierchen. Die Tiere können bei Eiweißhaltiger Nahrung (deiner war wohl ein Kanibale, die EU Art also Triops-cancriformis ist es nicht, ich schätze du hattest die Triops cancriformis die Ami Art die auch sehr oft zu Kannibalismus übergeht) Die EU Art hat den Vorteil, das man keine Lampe benötigt, im Internet gibt es einige Shops die Triops verkaufen, sehr interessant und günstig. Am besten Destilliertes Wasser für die jungtiere (Nauplien) und später dann nachdem sie gewachsen sind, etwas volvic naturell, das soll gut sein. Am besten ist es, wenn man sich ein 10 Liter gefäß kauft aber AUF KEINEN FALL mit Spüllmittel auswaschen, sondern nur mit Wasser (warmen). Hoffe das hilft einigen, das Set hier ist überteuert, wenn man sich alles zusammen kauft, zahlt man in der Regel 20 Euro für ein Artgerechtes Gefäß mit Zubehör (10Liter, am anfang bitte nur 3 Liter befüllen!), Aquarium Sand, pflanzen wie Wasserpest, Nixkraut, füttern kann man sie mit fischfutter, für die Jungtiere bitte zerkleinern, es gehen angeblich sogar gekochte mören. SH
26.03.2006 22:07
hm. Triopsiden könnte der Plural sein *g* wäre so schön urzeitlich.
26.03.2006 22:06
also eigentlich wollte ich ja nur das Pflicht-sh wegen dem alliterativen Titel geben, und natürlich wegen: "Franz Ferdinand. Ja, ich hatte dabei durchaus die Band im Sinn, denn sie haben einen zentralen Punkt gemeinsam: schön und angenehem sind sie wirklich nicht." Aber beim Schlächter von Triops City hats mich vom Stuhl gehauen. Lachend, natürlich.