Truman Show, Die

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Truman Show, Die

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Irgendwie gar nicht komisch...

5  28.02.2001

Pro:
s . o .

Kontra:
s . o .

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

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ThomasV

Über sich:

Mitglied seit:25.02.2000

Erfahrungsberichte:97

Vertrauende:39

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 58 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Jim Carrey geht mir tierisch auf den Geist - eigentlich dachte ich, diese Art grimassenziehender, verkrampfter Komik sei seit Jerry Louis und Louis de Funes, also seit den 60ern, endgültig out. Aber Jim hat es geschafft, diesem Zirkusclown-Minenspiel wieder Respekt zu verschaffen. Vielleicht nicht ganz unverdient: Versucht er doch seinen Filmen den Hauch eines Hintersinns beizumischen.

Mein 12 jähriger Sohn fährt total auf Carry ab, daher bin ich seit 3 Jahren gezwungen, mir fast jeden Streifen mit diesem Blödeltalent reinzuziehen. Da mich wie angedeutet, Jim Carrey nicht sonderlich interessiert, hatte ich Gelegenheit, meinen Sohn beim Schauen der Filme zu beobachten und bei der TrumenShow fiel mir auf, das er kaum lacht... und tatsächlich: die Trumanshow ist keine Komödie im herkömmlichen Sinne: Ein dreißigjähriger Mann stellt fest, dass die Welt, in der er lebt aus Pappmasche besteht und die Bezugspersonen um ihn herum nicht mehr als schlechte Schauspieler und Statisten sind; seine bisherige Lebensgeschichte ist nach Drehbuch inszeniert und selbst der Tod seines Vaters ein dramaturgischer Geniestreich des Regisseurs.

Wenn man durch die Faxen und Capriolen von Carrey hindurch auf den nackten Plott blickt, handelt es sich um die philosophische Frage „Was ist echtes Leben?“ oder „Gibt es eigentlich eine Realität?“. Jeder Zuschauer müsste sich fragen: „wie authentisch bin ich?“ oder „spiele ich nur eine Rolle in einer drittklassigen DailySoap?“

Es geht auch um Religion, schließlich sitz der Regisseur (Ed Harris) treffender Weise im Mond und lenkt „von oben“ die Geschicke der Menschen in seinem riesigen Studio und einem selbstgerechtem, zynisch mildtätigen Lächeln – Das Zerrbild eines Gottes, der – frei nach Goethes „Faust“ - stets das Gute erstrebt und nur das Böse schafft...

Und mit Truman müssen auch wir uns gegen Ende des Films fragen: Woran haben wir bisher geglaubt? Ich weiß: in unserer westlichen Welt ist es seit Jahrzehnten in, zu sagen „ich glaube nicht an Gott, wie ihn die Kirche uns verkaufen will“. Doch die meisten von uns haben die Abteilung „Glauben“ in ihrem Herzen nicht einfach konsequent geschlossen sondern leer stehen lassen und so haben sich dort einige Ersatz-Credos eingeschlichen: wir glauben an Busfahrpläne, Krebsvorsorge, Lebensversicherungen, Nettikette oder daran, dass alles gut wird, weil Greenpeace dank unserer 5-DM-Spende ja die Wale rettet...

Und spätestens bei Greenpeace sind wir bei inszenierter Wirklichkeit, denn wer von den mildtätigen Spendern hat schon selbst mit dem Schlauchboot einen Fischtrawler blockiert. Wäre doch möglich, dass alle Bilder manipuliert und Dokumente gefaket sind und ein giwitzter Käpten Ahap einfach nur eine viel lukrativere Geldquelle als Lebertran gefunden hat...

Ich könnte noch einige Beispiele zu Stichwörtern wie Golfkrieg, Einheitskanzler und Ehrenwortbeschwörern bringen, aber ich denke, was ich sagen will ist klar: unser Ersatzglaube taugt auch nicht viel! In Stephen Kings „Das letzte Gefecht“ bekommt der Held der Geschichte, nachdem er beteuert, nicht an Gott zu glauben, von einer alten Frau zu hören „dann musst Du ja einen sehr starken Glauben haben...“

Wir wollen ständig an irgendwas glauben – mindestens an „das Gute im Menschen“ oder die Naturgesetze oder die pharmazeutische Industrie und halten jeden Morgen ängstlich unsere frische Tageszeitung zitternd in den Händen: Welche Illusion wird uns heute gestohlen? Welcher Götze unseres kleinen Universums entpuppt sich heute als miserabler Laiendarsteller? Also gesellt sich zu dem halbseidenen Ich-Glaub-Eigentlich-Nicht-Glauben der ständige Zweifel, den wir nur mir Zynismus notdürftig zupflastern.

In solchen Momenten wünschen wir uns manchmal, wie Trumann am Ende des Films, den Ausgang in der Kulisse zu finden um uns mit Blick in die Kamera und den Worten „…und falls wir uns nicht mehr sehen: einen guten Tag, einen guten Abend und eine gute Nacht!“ zu verabschieden.

>>>>>Meine Güte, was ist das für eine Predigt geworden... dabei wollte ich ganz locker über einen komischen kleinen Film palavern und wo bin ich gelandet? Bei Gott und der Welt! Vielleicht liegt es an mir vielleicht aber auch an dieser dramatischen Komödie und diesem scheinbar so harmlos komischen Jim Carrey, der uns, ohne das wir es merken sollen, dazu bringt, nach langer Zeit mal wieder über den alten Mann im Mond nachzudenken...<<<<<<
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Daverigger

Daverigger

03.08.2002 15:45

Tut mir jetzt arg leid um die Bewertung, die den Bericht nach unten ziehen wird, da Deine Ausführungen sehr interessant und auch stichhaltig sind, aber Du schweifst ein wenig stark vom eigentlich Thema ab, so daß die Meinung fast schon mehr "Predigt" als Infos zum Film und eigener Meinung dazu enthält. Lass Dir gesagt sein, die Bewertung ist nicht böse gemeint, denn das, was Du über den Film geschrieben hast, ist wirklich gut, und der Rest für sich auch, nur hat er recht wenig Bezug zur Kategorie. Ich hoffe Du nimmst es mir nicht allzu übel.

consons

consons

28.11.2001 15:23

ich bin ganz deiner meinung! achja, super bericht! les auch mal meine! mein erster ist auch granicht mal so übel! ciao consons

Schattenrose

Schattenrose

04.11.2001 21:49

Ich bin begeistert von deinem Bericht. Du sprichst genau das an, was der Film uns deutlich machen sollte. Wenn jeder so denken würde, wie du es tust, wären wir in der menschlichen Evolution endlich mal wieder einen großen Schritt nach vorne gekommen. Gruß Die Schattenrose

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  1. Nanooky
  2. consons
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  1. Daverigger

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