Truman Show, Die

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"ALLEIN, ALLEIN..." - DIE EIGENE MATRIX!

5  21.10.2009

Pro:
Geniale Hauptdarsteller, unlogisches/surreales Szenario, zeitweise überzogen witzig

Kontra:
Wenn's wirklich so kranke Personen gibt? ! ? (Gesellschaftskritik), zeitweise klischeehaft

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


Darkhound

Über sich: Erst 7 Wochen Krankenhaus und nun noch wochenlang Reha irgendwo in der Pampa... tolle Wurst! ;-(

Mitglied seit:27.03.2001

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 84 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo liebe Leserinnen und Leser,
vor kurzem erst wurde ich durch die Werbung eines privaten Fernsehsenders an einen meiner Meinung nach grandiosen Film erinnert...
der Streifen „Die Truman-Show“ mit Jim Carrey sollte, sicher in einer irgendwie gekürzten oder zumindest hoffnungslos durch Werbung zerstückelten Fernsehfassung zur Prime-Time ausgestrahlt werden.
Da ich diesen Film selber noch wenigstens auf einer Originalen VHS-Kassette (ja, sowas gab es mal, sogar werbefrei! *g*) besitze, wollte ich also nicht erst auf den zerhäckselten Abend warten, sondern sah mir den 19xx entstandenen Film schon zur Mittagszeit mal wieder an.
Daher schreibe ich hier auch nur in der Kategorie der Filmdatenbank..., denn zu dieser Zeit und gerade bei dieser Art Medium stand immerhin noch der Hauptfilm im Vordergrund und es gab eben kein zahlreiches interaktives Bonusmaterial wie Videos, vergessene Szenen oder Interviews mit den Darstellern...


Zur Story:
Der etwa 30-jährige Truman Burbank führt ein kleines, beschauliches, aber irgendwie doch langweiliges und spießbürgerliches Leben in einem verschlafenen Nest an der Küste der USA.
Er hat einen gut bezahlten Job bei einer Versicherungsagentur, eine recht hübsche Frau, scheinbar nette Freunde – also all das, womit man im Normalfall glücklich und zufrieden sein könnte.


Doch leider reicht dieses „Leben“ Truman nicht wirklich... schon längere Zeit fühlt er sich zu Größerem verpflichtet und will nicht bis an sein Lebensende nur der kleine Langweiler Burbank im Küstendörfchen sein – nein, Truman möchte in die große, weite Welt hinaus, sein spießiges, bürgerliches Dorfleben ablegen und dem Abenteuerdrang nachkommen, dem schon sein angeblicher Vater vor Urzeiten unterlag.


Das Problem an der Sache: Truman Burbank ist in seinem kompletten Leben (bzw. das, was er selber bislang als Leben bezeichnete) lediglich eine rund um die Uhr gefilmte Marionette.
Seit seiner Geburt wuchs er als heimlich von allen Seiten gefilmter, wohl behüteter Star einer weltweit und rund um die Uhr ausgestrahlten Reality-Show auf... sein komplettes Leben, das scheinbar intakte Umfeld, all das spielte sich von anderen Schauspielern und etwa 5000 geheim gehaltenen Kameras umgeben in einer Scheinwelt innerhalb des größten Fernsehstudios der Welt ab.


Seine „Freunde“ - nichts als angeheuerte Schauspieler für die so genannte „Truman-Show“; seine Frau, die Nachbarn, selbst scheinbar unbekannte Passanten, denen Truman auf der Straße begegnet – all diese Menschen sind lediglich zum Schein „in seinem Leben“, damit sich Millionen begeisterter TV-Zuschauer in der realen Welt daran erfreuen können, eine Rund-um-die-Uhr Live-Show ohne Drehbuch ansehen zu können.
Truman bemerkt dies zunächst an kleinen Lappalien... als er morgens aus dem Haus geht, um zur Arbeit zu fahren, fällt ein Scheinwerfer „vom Himmel“ und erschlägt den Hauptdarsteller beinahe.
Im Radio hieß es dann, der Scheinwerfer stamme von einem herüber fliegenden, defekten Flugzeug...


Abends an einem regnerischen, stürmischen Tag, den der verzweifelte Burbank am Inselstrand verbringt, fängt es plötzlich an zu regnen – jedoch nicht quasi überall, wie es normal wäre, sondern der Regenguss scheint durch einen technischen Defekt in der Schaltzentrale nur Truman selbst zu verfolgen...
Als er sich seinem besten Freund, der ebenfalls nur ein Schauspieler ist, offenbart, dass eine Art Verschwörung gegen ihn vorliegt, sich sogar schon seine Frau seltsam verhält (so blendet sie gerne mal absichtlich platzierte Werbematerialien vor den Kameras ein und wirkt in den Momenten eindeutig neben sich...), will sein angeblicher Freund das als Paranoia abtun.
Alle am Set wissen, dass Truman nicht einfach so gehen darf und versuchen, das zu verhindern...; erstens hätten sie dann allesamt keinen Job als Schauspieler mehr und zweitens hat Truman die reale Welt seit seiner Geburt bisher gar nicht anders kennen gelernt. Er soll als Medienstar weiterhin dem Produzenten der Show, einem „Halbgott“ und Wahnsinnigen namens Christof, Millionen Dollar einspielen.


Je energischer und vorsichtiger Truman die Verschwörung wittert, desto mehr unerklärliche Zufälle scheinen in Trumans Leben zu passieren... zunächst versucht es seine Frau mit dem plötzlichen Kinderwunsch, dann kramt auch Truman's „Mutter“ (gespielt von Holland Taylor) ein gefälschtes Fotoalbum hervor und hofft auf Enkelkinder, sein „Freund“ möchte ihm einreden, dass Trumans geplante Reise auf die Fidschi-Inseln nur ein sinnloses Hirngespinst ist – und als Truman dann ernsthaft probiert, eigenständig von dieser kleinen Insel wegzukommen... da gibt’s im Hintergrund noch immer irre viele Schauspieler, die mit allen Mitteln versuchen, Truman die Flucht ins reale Leben zu vermiesen.
Durch einen „Pannen-Zufall“ lernt Truman die hübsche Lauren kennen; am Set eine Schauspielerin von vielen; aber im wahren Leben eine politisch sehr engagierte Verfechterin, die die Absetzung dieser Show einfordert.
Sie gibt Truman zu verstehen, dass sein gesamtes Leben eine einzige Reality-Rolle wäre und er dagegen ankämpfen müsse... doch da wird die Schauspielerin selber von der Leinwand entfernt...
Und dessen ist sich Truman nun auch mehr als sicher, denn ihm begegnet auf dem Weg in sein Büro sein ertrunken geglaubter Vater..., der jedoch ebenfalls schnellstens von der Kamerafläche verschwindet und in einem Bus entführt wird.


Truman dreht fast durch; aus dem gesamten Küstendörfchen scheint es ganz einfach kein Entkommen zu geben... mit der Fähre kann Truman nicht verreisen (ein Kindheitstrauma, er hat „seinen Vater“ bei einem Bootsunglück in jungen Jahren verloren...), der nächste Flieger würde erst in einem ganzen Monat abfliegen (bis dahin hätte man ja sicher eine Möglichkeit gefunden, das Drehbuch umzuschreiben!) , der Bus und der Zug verrecken vor Trumans Augen mit Motorschaden, als er schon drin sitzt und selbst alle Straßen, die er mit dem Auto befahren will, sind alle wie aus heiterem Himmel genau in dem Moment verstopft, als Truman über die Kreuzung fahren will.


In seinem Wahn kidnappt er seine eigene Frau und will seinen Plan durchsetzen... die einsame Brücke ganz einfach überqueren und nachsehen, was wohl dahinter zu finden wäre.
Beinahe wäre ihm die Flucht auch gelungen, da auch hier wieder zahlreiche Schergen des Produktionsteams eingreifen und einen Waldbrand, wie auch einen Reaktor-Kernkraftunfall vortäuschen, bestätigt sich Trumans Theorie der Verschwörung jedoch nur noch mehr.
Truman heckt einen Plan aus... kapselt sich von seiner Frau ab, zieht währenddessen in den Keller und täuscht dort vor, er würde ewig lange einfach nur schlafen.
In Wirklichkeit spürt er den hemmungslosen Tatendrang seines Vaters in den Adern, schnappt sich mitten in der Nacht trotz seiner Angst vor dem Wasser ein Segelboot und versucht, das Kaff auf eigene Faust zu verlassen.


Dies kann Christof, der Produzent der Show, natürlich nicht hinnehmen... Truman spielt für ihn Millionen Dollar ein, da kann der gute Junge doch nach 30 Jahren nicht so einfach fliehen...
Also „entwickelt“ Christof für den zur See fahrenden Truman eine letzte, beinahe tödliche Odyssee: Truman soll während seiner Bootstour gen Nirgendwo in ein schlimmes Unwetter geraten und daran kentern... „wenn er schon sein gesamtes Leben lang vor der Kamera stand und gefilmt wurde, so kann er auch vor der Kamera sterben!“ - so Christof's Argumentation.


Doch Truman kettet sich am Boot fest und überlebt den Sturm... bis er dann irgendwann bis an die Mauern des künstlichen Ozeans im Filmstudio stößt...


Wie's weitergeht? Nein, sorry..., jedes weitere Wort wäre eines zuviel!
Ich mag den Film sicher gerne, aber gerade deshalb möchte ich ja auch, dass ihr euch den Streifen trotz des Alters noch anseht! Würde ich haarklein alles verraten, wäre ja die Spannung dahin und es gäbe keinen Grund mehr, den Film zu schauen..


Technische Daten zum Film:
Name / Realer Name: Die Truman Show /The Truman Show
Produktion: 1998, USA
Regisseur: Peter Weir
Länge: 99 Minuten
FSK: 12


Darsteller:
Jim Carrey: Truman Burbank
Laura Linney: Meryl Burbank / Hannah Gill
Noah Emmerich: Marlon / Louis Coltrane
Natascha McElhone: Lauren / Sylvia Garland
Ed Harris: Christof
Holland Taylor: Trumans Mutter
Brian Delate: Trumans Vater
Peter Krause: Lawrence
Paul Giamatti: Control Room Director
Harry Shearer: Mike Michaelson
Philip Baker Hall: Network Executive
Philip Glass: Keyboarder


Meine Meinung:
Als ich den Film irgendwann Ende der 90'er Jahre das erste Mal sah, dachte ich anfangs echt „wie langweilig! Der muss doch raffen, dass irgendwas mit seinem gesamten Leben nicht stimmt!“ - irgendwie fand ich den Film damals etwas in die Länge gezogen mit zu vielen langatmigen Passagen.
Je häufiger ich mir den Film jedoch dann ansah (mittlerweile waren es bestimmt ca. 12 Mal), desto schneller bemerkte ich Truman's Engagement, die Wahrheit schnellstmöglich herauszufinden!
Er hatte ja sämtliche „Beweise“, teils eben auch selber am eigenen Leib zu spüren gekriegt, aber wird man da nicht wirklich irgendwann irre, wenn man meint, der einzig „Normale“ in einer Welt voller Irrer zu sein? Irre, die einem einerseits versichern, sie würden Dich hundertpro verstehen und würden Dir nie im Leben auch nur ein Haar krümmen, aber Dir dann ohne eine Mine zu ziehen dollargeil ins Gesicht lügen?
Ich meine..., irgendwann kommt man dann sicher selber mal zu der Erkenntnis, dass es mit der Liebe seiner Frau oder der doch so tollen Freundschaft zu seinem Kumpel nicht wirklich weit her ist. Nur müsste man genau dies eben auch noch beweisen können.


Genau das kann Truman in diesem Film jedoch nicht; denn wem sollte man schon trauen, wenn da draußen eh nur geldgeile Schauspieler um Dich herum heucheln? Da muss man doch zwangsläufig irgendwann irre werden... aber genau das wiederum darf Truman trotz aller Wut, Trauer und Verzweiflung ja nicht..., denn dann würde sein geheim geschmiedeter Fluchtplan ja auffallen und ruiniert werden...
Es ist wie eine „Ein-Mann-Armee gegen die ganze Welt“!
Wäre mein Leben 30 Jahre lang einfach nur ein millionenschweres Live-Spektakel und ich könnte mich nicht mal auf der Toilette unbeobachtet fühlen... also ich denke schon, dass auch mir dann das Leben „außerhalb“ nahezu egal wäre. Zu verlieren hätte ich weiterhin nur noch mich selbst... und den Gedanken an mich als eigene Persönlichkeit hätte ich dann eh schon vor vielen Jahren verloren... schlimmer als in einer Scheinwelt -in der ich nicht mal wirklich ich, sondern nur ein von kranken Wesen gedrilltes „Produkt“ bin - kann's außerhalb sicher auch nicht sein.
Daher kann ich die Motivation Trumans echt nur zu gut verstehen. Zigtausende schleppen sich in eine Talkshow für einen Vaterschaftstest... klar, muss auch ein wirklich übles Gefühl sein, auf diese Art und Weise seinen Ursprung zu erfahren, aber... wenn's wirklich gleich noch alles andere, wie gute und schlechte Zeiten, Liebe, Freundschaft, Partnerschaft, einfach alles mit hinab reißt? Grausige Vorstellung; sicher auch einer mit der Gründe, warum ich den Film so absolut genial finde...


Auf der einen Seite möchte man sagen „zu utopisch, um wahr sein zu können!“ oder „hey, das würde locker auffallen“ - aber in diesem Film fällt es eben kein Stück auf.
Truman ist 30 Jahre lang mit so ein paar für ein paar Dollar angeheuerten, eigentlich fremden Personen aufgewachsen. Diese Leute hatten indirekt alle einen Teil „Erziehung“ übernommen – aber Truman selber hat nur das aufnehmen und verinnerlichen können, was ihm vorgespielt wurde; konnte also nie wirklich zwischen Freund und Feind, Gut und Böse unterscheiden. Er hatte nur diese eine „Realität“ - die Falsche und Vorgespielte!
Habe gehört, dass gerade die ersten paar Lebensjahre einen Menschen am meisten prägen... nur wenn man 30 Jahre lang gelinde gesagt verarscht wurde von absolut jedem, dem man auch nur ein kleines bisschen aus Sympathie vertraut hat – welchen Wert hätte ein solches Leben denn dann noch? Und wer geht schon davon aus, dass es so etwas Inhumanes tatsächlich mal geben könnte?


Auch da habe ich meine Meinung... beim ersten Ansehen war ich recht überzeugt davon, dass ein jeder halbwegs normal gebildete Mensch die nachgespielte Szenerie hätte erkennen müssen... aber wenn das seit der Geburt zur Realität wurde, nimmt man sowas bestimmt irgendwann einfach hin, denke ich; da man ja nie die Chance hatte, etwas anderes kennen zu lernen.
Aber es muss ja solche Leute geben... wenigstens solche, die fantastisch-fanatisch genug sind, sich solche Horrorvorstellungen der absoluten Isolation auszudenken... erinnert mich immer ein bisschen an Leute, die im wahsten Sinne des Wortes „über Leichen“ gehen... sei es nun für Geld, Ruhm & Anerkennung, whatever... wo Macht ist, wird diese auch ausgenutzt – und das finde ich schrecklich!


Mr. Freudt wäre sicherlich angetan von diesem Herren namens Christof... ein echt mal krankes Objekt, ein „TV-Reality Vater“, welches man eher in diesen großen, real wirkenden BB-Container hätte stopfen sollen.


5/5 Sternen,
euer sich niemals aus der Matrix ausklinkender Darky

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Kleinnightwish

Kleinnightwish

11.11.2009 14:13

Ich liebe diesen Film UND deinen Bericht :)

GerhardReus

GerhardReus

30.10.2009 02:32

nachgereicht...

LSR_Online

LSR_Online

25.10.2009 10:13

Ein genialer Film, von dir ebenso in Szene gesetzt, daher BH - so surreal oder abwegig finde ich es ehrlich gesagt gar nicht, man braucht nur zu sehen, wieviel Reality TV es heutzutage schon gibt... LG

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