My year in America ... bisschen geplaudert...

5  21.06.2001

Pro:
neue Lebenserfahrungen, neue Kulturen und Interessantes

Kontra:
nie ohne Organisation !  Heimweh?

Empfehlenswert: Ja 

Charlinchen

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:30

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Wie bei meinem GIJK-Bericht versprochen, nehme ich mir mal die Zeit, um in Ruhe etwas über ein Jahr “American Dream” zu erählen.

Ermöglicht wurde mir mein Jahr in den Vereinigten Staaten durch die GIJK (siehe Bericht). Ich will auch gar nicht viel zu den Formalitäten sagen. Gekostet hat mich der Aufenthalt im Vorfeld 1472,- DM.

Klar, das weiß ich noch so genau, weil ich es aufgeschrieben habe. Zusammensetzt sich dieser Betrag aus:
Fotos, Reisepaß, internationalen Führerschein, Führungszeugnis, Visum & Servisum, Versicherung, Kaution, Vermittlungsgebühr, Postgebühren und die Fahrt zum Flughafen.
Den Löwenanteil macht die Kaution aus, aber die bekommt man nach erfolgreichem Jahr als Bonusprämie wieder, somit kann man nicht sagen, es sei teuer.

Wie wird dann das Jahr finanziert?
Das Meiste tragen die Familien, sie zahlen genauso an die Vermittlungsagentur, welche bei mir die „Au Pair in America“ war, nur das diese ein wenig höher sind.

Im Land selber hat man keine weiteren Kosten durch Kost und Logis, man bekommt ja sogar noch ein Taschengeld von der Familie. Bei mir damals 139 $.

Soweit die Formalia.
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Aufgeregt war ich ohne Ende, vor allem als meine Familie das erste Mal anrief. Ich war nervös, brabbelte irgendwas vor mich hin und verstand nur die Hälfte. Nicht desto trotz, ich fand eine Familie in der Nähe von Chicago, mit einem Kind. Ein Baby!
Oh Schreck, das war so meine erste Reaktion. Aber im nachhinein beurteilt, hat jedes Alter seine Vorzüge. Ich war froh ein Baby gehabt zu haben.

Der Flug war der erste überhaupt in meinem Leben, und dann gleich über den „großen Teich“. Ich war ja sowas von aufgeregt, dass die Nächte davor kaum schlafen möglich war.
Und kaum in New York zwischengelandet, hatte man bereits einige neue Freundschaften mit anderen zukünftigen Au Pairs geknüpft.

New York war eine Zwischenstation, wo uns in 3 Tagen wahnsinnig viel erzählt wurde. Bereits Dienstag abend, nach etwa 8 Stunden Dauer-Englisch, konnte ich kaum noch. Der Jet-lag machte einem zu schaffen, vor lauter Mädels kennenlernen, blieb wenig Zeit zum schlafen und das Essen war scheusslich.
Trotzdem verging die Zeit bis zum Donnerstag Mittag schnell und dann hieß es Abschied nehmen von den Anderen, denn die Gruppe aus New York (wo übrigens sämtliche Nationen vertreten waren, angefangen bei Südafrika, Frankreich, Schweiz, Österreich, Ostblockstaaten, Deutschland, Länder Südamerikas etc.) zerstreute sich über die ganzen Staaten, Schwerpunkt der Norden und Ostküste.

Donnerstag Abend, nach einem weiteren Flug, Show down.
Wer wird am Flughafen sein? Wie werden sie mich empfangen? Oh je, war ich nervös.
[Anmerk: bin ich jetzt auch wieder, so wenn man das alles Revue passieren läßt. Schluchz]

Meine Gastmutter stand da, im Arm ein kleines Bündel, knatschig und sooo winzig.
Kurz darauf traf der Gastvater ein. Und es ging wie eine kleine Familie zum Auto.

Wie wird das sein? So wie in den amerikanischen Filmen? Groß? Breit?
Mitnichten, es war nicht nur groß, es war riesig! Ein Cadillac und ausgestattet wie manch einem sein Wohnzimmer. Unglaublich.

Es war dunkel als ich in Chicago ankam, so war mein erster Eindruck, Lichter über Lichter. Viele Autos, viel Verkehr, breite Straßen...

Mein Zuhause für die nächsten Monate wirkte recht normal (für deutsche Verhältnisse) von außen. Innen fand’ ich es recht geräumig, bekam eine kleine Tour und dann gab’s noch was zu essen. Vor lauter Aufregung brachte ich keinen Bissen runter. Gut, zugegeben, es lag auch am Essen selber.

Da ich schon fast im stehen einschlief, ging es bald zu Bett.
Eigenes Zimmer. Eigenes Bad. Bloß wo waren die Schränke?
In der Wand. Deswegen so viele Türen. Alles klar. Wie im Film, und ich dachte immer das ist nur im Film so.

Der nächste Morgen, ich sollte ausschlafen, begann sehr früh. Ich konnte nämlich gar nicht lange schlafen.
Ich musste mich erst nochmal überzeugen, dass ich nicht geträumt hatte, schlich durchs Haus und guckte mir alles an. Wahnsinn, bei Tageslicht wirkte alles noch größer.

Der Hammer kam ein paar Tage später, als mir dann auch mal der „Keller“ gezeigt wurde. Basement genannt, und eigentlich kein Keller wie bei uns, sondern auch bewohnbar. Nochmal so groß, wie die drei Wohnzimmer, Küche, meine beiden Zimmer, Büro und Eßzimmer in der ersten Etage. Unglaublich.

So, nun genug gestaunt.
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Nun zum Au Pair Leben selber.
[Anmerk: Es bezieht sich alles nur auf meine persönlichen Erfahrungen, und alles wie ich es erzähle, auch wenn es allgemein klingen mag, bitte nicht so auffassen, ich spreche ausschließlich für mich und meine Familie.]

Ich bekam 5 Tage die Woche morgens um 6 Uhr das Babyphon ins Zimmer, dann fuhren beide Eltern zur Arbeit nach Chicago. Ich hatte meist das Glück, das der Kleine noch schlief, und konnte aufstehen, duschen und das Frühstück vorbereiten. Anfangs waren es nur Babyflaschen. Später dann Breie und Früchte und noch später Sandwiches und so.

Meist meldete sich bis dahin der Kleine – oh vergaß – der Kleine war ein 3 Monate alter Junge namens Chandler – und ich ging hinauf in sein Zimmer, wickelte ihn und dann gab’s erstmal was zu trinken.

Umziehen, alle zwei bis drei Tage gab es auch ein Bad für Chandler.
Im Laufe des Tages gab es noch Spaziergänge in der Wohngegend, Schaukeln hinter dem Haus, singen, spielen, animieren und bisschen rumtragen und viel schlafen.
Na klar, und essen zwischendurch, wickeln, was halt alles dazugehört.

Am späten Nachmittag, meiste gegen 17 Uhr kamen die Eltern wieder von der Arbeit. Manchmal auch zeitiger und manchmal blieb sie daheim. Dann sind wir auch gemeinsam einkaufen gefahren. Lebensmittel, Babysachen etc.

Wo ich dann schon einmal beim EInkaufen bin, da hatte ich auch tolle "Eltern". Ich durfte mir immer aussuchen, was ich wollte. Kein Problem.

Dann habe ich erst einmal berichtet was am Tage gewesen ist, was Chandler neues kann, oder so. Das nahm natürlich im Laufe der Zeit zu, später lernte er krabbeln, war das aufregend!
Interessierte sich zunehmends mehr für vorgelesene Geschichten, das ging soweit, das er bei den ersten drei Zeilen seiner Lieblingsgeschichte angekrabbelt kam, nur um das Buch an zu gucken. Ab und zu gab es Treffen mit anderen Kindern.

In den Pausen, also wenn er schlief, nutze ich die Zeit, um Wäsche zu waschen.
Seine Wäsche und auch meine Eigene fielen in meinen Aufgabenbereich. Genauso wie das morgendliche Füttern des Hundes. Ein trolliges Kerlchen.

Ansonsten war man eben mit allem Möglichen noch beschäftigt. Ich half auch bei anderen Dingen im Haushalt aus. Wenn es sich ergab’, übernahm ich mla den Einkauf, oder kochte oder machte auch hier und da mal ein wenig sauber.

Zu Familienfeiern wurde ich mitgenommen. Lernte auf diesem Wege Richmond im Staat Virgina kennen. In die Kirche bin ich nur einmal mitgegangen und zu meinem Glück bestanden Sie auch nicht darauf, dass ich jeden Sonntag mitging.

Einmal kam es vor, dass meine Gastmutter geschäftlich in San Francisco zu tun hatte. Da sind der Chandler und ich auch mit. Und während sie ihren beruflichen Tätigkeiten nachging, ging ich durch San Francisco. Was für eine tolle Stadt.

Somit hatte ich in meinem Jahr nicht nur zu arbeiten.
Am Wochenende traf ich mich mit Au Pairs aus der Gegend, froh endlich mal wieder ein paar Brocken deutsch zu wechseln.
Bis ich mitgeteilt bekam, in einer bestimmten Region würden die Anrufe nichts kosten. Da konnte ich dann schon ab und an Freunde anrufen. Aber das ist nicht so einfach, vor allem, weil viele größere Kinder hatten, und genau immer dann Zeit, wenn ich arbeitete und umgekehrt.

Zeit für mich selber hatte ich ausreichend, ich konnte mich nicht beklagen, denn sollte ich mal lange gearbeitet haben, dann gab's sicher irgendwas, was es wieder gut machte.

Soviel dazu.
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Ich könnte ewig weiter erzählen, möchte aber jetzt noch einmal kurz auf meinen Gesamteindruck kommen, und später kann ich immer noch den Bericht erweitern.
Auf Fragen antworte ich gern. Und um den Rahmen nicht zu sprengen, eben bissel kurz. ;-)

Die ersten 3 Monate vergingen unwahrscheinlich schnell. Alles war neu, ungewohnt und spannend. Dann schlich sich der Alltag auch bei mir ein. Viele Fotos machte ich und bastelte nebenher gleich am Fotoalbum. Suchte neue Hobbies, entdeckte die Vielfalt der TV-Sender und sah Filme, die in Deutschland noch nicht im Kino anliefen. Ging mit Freunden aus, entdeckten die Nachtwelt von Chicago.

Im Frühjahr fingen dann meine Collegekurse an. Diese gehören übrigens zum Programm, da es ja ein Kulturaustausch ist, und der Besuch einer Schule/College zwingend ist.
So belegte ich einen Kurs in Englisch als zweiter Sprache und einen PC-Kurs. Beide lagen im Budget, welches die Gasteltern zur Verfügung stellen müssen. Bei GIJK sind es damals 500$ gewesen.

Mittlerweile war über die Hälfte des Jahres schon vorbei. Dann dachte man dann und wann schon ans heimreisen. Bald kommen die Rückflugdaten. Nun hiess es entscheiden, wann gehts wieder heim? Nachdem das klar war, und auch die Daten bestätigt wurden, waren es nur noch knapp 4 Monate. Uuuiii, wo war die Zeit nur hin?
Dann kam der Scheck mit der Bonusprämie. Ab da waren auch die letzten 3 Monate irre schnell vorbei und mittlerweile konnte ich das gar nicht fassen. Wenn der Kleine nicht schon fast laufen würde, dann hätte ich es nicht geglaubt, aber ein Jahr geht vorbei. Einmal mit dem Finger geschnipst, und schon ist das Jahr um.

Nun gut, so schnell geht es nicht.
Ich würde das Jahr auf jeden Fall wieder machen, wenn ich vor derselben Entscheidung stehen würde. Ich kann jedem empfehlen, der Gedanken an ein Au Pair Jahr hat, tue es! Dieses Jahr bringt einem nicht nur jede Menge neue Erfahrungen, Freunde und Einblicke – es bringt einen persönlich weiter. man lernt mit neuen Situationen klar zu kommen, vor allem in einer fremden Kultur. Mit einer fremden Sprache und fremden Gewohnheiten.
Sich darüber auszutauschen ist so spannend, und dann zu erzählen, wie es bei uns in Deutschland ist, erklären, dass nicht alle Ledehosen tragen und Jodeln....

Es gibt auch schlechte Zeiten, wo man nach hause möchte, alles eintönig wird, Ärger in der Familie gibt usw. Wir sind alle nur Menschen, mit den gleichen Bedürfnissen und oftmals gleichen Vorstellungen. Ich lernte vor allem die Launen meiner Gastmutter zu ertragen, und nicht immer sofort den Fehler bei mir zu suchen. Auch leichte Einschränkungen in persönlichen Dingen sollte man abkönnen, denn schließlich wohnt man mit der Familie. Und wenn man bedenkt, sie nehmen ein Mädel aus einer fremden Kultur/Nation, setzen von Anfang an das Vertrauen in einen und überlassen ihren größten Schatz der Welt dem Au Pair!

Ich hatte bei meinen Gasteltern auch das GLück, dass sie mich weniger wie eine Tochter betrachteten, sondern eher wie eine Freundin. Das machte vieles einfacher, und auch angenehmer.

Wer noch Fragen hat, ich freu’ mich diese zu beantworten, weil von diesem Jahr gibt es soviel zu berichten. Und jede die dies selber erlebt hat, kann sicher beipflichten.

Fazit: Ich tät es genauso wie ich es getan habe, jederzeit. Nur Mut!!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
meike07

meike07

19.09.2003 14:42

Ich hatte zwar nicht ganz so gute Erfahrungen in meinem Jahr als Au Pair, doch auch ich würde es jederzeit wieder machen. Wann warst Du denn Au Pair? Bye Meike

M_Coli

M_Coli

06.05.2003 10:52

Au Pair das wäre glaube ich auch etwas für mich. Mal sehen ob ich es wirklich mache, habe ja noch 2 Jahre bedenkzeit.

BugsBunni

BugsBunni

03.04.2002 13:56

schade das der bericht schon fertig ist,er ist so toll geschrieben da könnt ich noch Stunden weiterlesen.Liebe Grüße vom Häschen

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