Dieser Erfahrungsbericht wurde von 25 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo zukünftige Aupairs,
hier folgt meine Geschichte:
Kurz nach meinem Fachabitur im Jahr 2000 beschloss ich, dass ich Aupair werden möchte. Ein Aupair ist wie ein Kindermädchen, nur dass es bei der Familie lebt und aus dem Ausland kommt. Ich griff also zum Infomaterial, das ich in der Schulbibliothek gefunden hatte, und habe mich beworben. Natürlich ist es viel schneller und einfacher die Agenturen im Internet zu vergleichen.
Es ging alles sehr schnell - und es war bisher die beste Entscheidung meines Lebens.
Die Vermittlung der Stelle übernahm die "EurAupair"-Agentur. Ich musste 200 Stunden Kinderbetreuung nachweisen, was für mich als ewiger Babysitter ganz einfach war. Ferner ein polizeiliches Führungszeugnis, was auch kein Problem darstellte. Und einen Führerschein sollte man haben. Hinzu kamen damals noch 500 DM als Kaution, die ich aber nach meinem Aufenthalt sofort wieder bekam. Ein Visum wurde von der Agentur besorgt und eine Bewerbungsmappe auf Englisch mit einem Begleitschreiben an meine Gastfamilie habe ich erstellt.
Ich wurde von einer Familie angerufen, die gleich Interesse zeigte. Drei Kinder (1, 3 und 4) ein Vater aus Irland und eine Mutter, die von zu Hause aus arbeitet. Das alles in New Jersey, Maplewood. Telefonisch wurde ein Gespräch mit der Gastfamilie vereinbart und schon kurze Zeit später - Juli 2000 - flog ich voller Hoffnungen in die USA, um die Ersatzmutti für drei Kinder zu werden. Was ich nicht wusste war, dass das Aupair vor mir aufgegeben hat, weil es ihr zu chaotisch und zu schwierig geworden ist. Ich sollte schnell erfahren, weshalb. Ein weiteres Aupair wurde in der "Zwischenzeit" eingestellt.
Als ich am Flughafen ankam, musste ich erst einmal ein Shuttle bestellen, welches mich zum Hotel in New York brachte. Dort angekommen, fand ein Treffen der angereisten Aupairs aus aller Welt statt. Wir wurden eine Woche lang belehrt, dass man ein Baby "niemals schütteln" darf ;0) usw. Wir übernachteten eine Woche lang im New Yorker Hotel. Nach dieser Woche wurde ich von meiner Gastmutter abgeholt. Das erste, was ich von ²meinem Kind" zu hören bekam: "I´dont like you!" Wow, tolle Begrüßung.
Um es kurz zu machen: Es war die Hölle. Schnell begriff ich, weshalb das Aupair vor mir die Flucht ergriffen hat. Die Kinder schrien, schlugen sich und mich und hatten vor nichts und niemanden Respekt. Es war chaotisch und ich wurde nur ausgenutzt (zu viel gearbeitet - bis zu 60 Stunden in der Woche) Außerdem wurde ich mit den Kinder für eine Woche allein gelassen, was damals nicht erlaubt war. Es ging soweit, dass ich meiner Gastmutter sagen musste, dass ich gehen möchte.
Ich hatte Glück, denn es gab parallel eine Familie, die Interesse zeigte. Eine deutsche Mutter, ein amerikanischer Vater und drei Kinder. Diesmal in Connecticut, Darien. Nach Vermittlungen mit der Agentur hat der Wechsel gut geklappt und ich wurde von meiner neuen Gastmutter mit dem Auto abgeholt.
New Jersey und Connecticut ist wie Tag und Nacht. Während in NJ die Armut herrscht, lebt man in Connecticut mit Millionären in der Nachbarschaft. Ich war sehr dankbar für diesen Wechsel, d. h. ich habe beide Seiten des American Way of Life gesehen.
Bei der zweiten Familie hat alles sehr gut geklappt. Die Kinder (Baby, 2 und 3 - ein Mädchen, zwei Jungs) waren sehr aufgeweckt, gut erzogen und ich wurde sehr schnell in der Familie aufgenommen. Wir haben viel zusammen unternommen und ich habe viele neue Dinge ausprobiert. (Wer kann schon sagen, dass er/sie in der David Letterman-Show war, oder dass Jerry Springer gar nicht so ein schlechter Kerl ist?)
Nach weiteren 7 Monaten in Connecticut musste ich wieder zurück nach Deutschland, obwohl ich das gar nicht wollte. Seit jeher war ich jedes Jahr mindestens einmal in den Staaten, um meine zweite Familie zu besuchen. Vorletzes Jahr haben sie es auch geschafft, mich in Deutschland zu besuchen. Es war toll.
Um das Ganze hier etwas abzukürzen:
Wer immer noch überlegt, ob er eine Auszeit nehmen will, sollte es unbedingt machen. Man muss aber wirklich Interesse an dem Job haben, denn er ist nicht einfach. Aber dafür erlebt man so viele tolle neue Sachen. Ich z. B. war während meiner Zeit dort in Connecticut, NJ, NY (was nur eine Stunde von Ct und eine halbe von NJ entfernt ist) in Maine, Arizona, Washington D. C., Florida, Californien usw. Und das, obwohl man zu der Zeit nur ca. 135 $ die Woche bekam (für 40 Stunden). (Nach 12 Monaten hat man noch einen zusätzlichen Monat zum Reisen) Dafür musste man keine Miete zahlen und für das Essen wurde auch gesorgt. Man lebt wirklich wie ein Familienmitglied in der Familie.
Die Krankeversicherung muss von den Gasteltern abgeschlossen werden. Ferner mussten die Gasteltern einen Sprachkurs bezahlen bzw. man durfte Kurse an einer Schule belegen. Der Flug wurde auch von der Gastfamilie bezahlt.
Ich will hier nicht über Finanzen oder Fakten sprechen, dafür ist mein Aufenthalt zu lang her und zu viele Sachen haben sich verändert. Meine Absicht ist es die zu ermuntern, die noch zweifeln. Auch wenn es dort drüben nicht klappen sollte, hat man die Möglichkeit Familien zu wechseln, denn nicht immer stimmt die Chemie zwischen Menschen, wie man bei mir gesehen hat. Die Agenturen helfen einem wirklich weiter, denn deren Interesse ist ja, neue Aupairs an zufriedene Familien zu vermitteln.
Also: Packt die Koffer und seht euch die Welt an.
Sollte es Fragen geben... Vielleicht kann ich ja helfen ;0)
Noch ein Tip: Vielleicht nicht gerade eine Familie wählen, in der die Mutter zu Hause ist bzw. von zu Hause aus arbeitet. Das kann nicht gut gehen! Warum braucht man dann ein Aupair? ;0)
07.08.2010 00:34
Super! 2012 mache ich auch ein Aupair Jahr in den USA! Ich freu mich schon riesig!
07.09.2008 03:02
Super interessant!! Finde vorallem den Mut sehr bemerkenswert...
13.08.2008 15:56
sehr schöner erfahrungsbericht, bei au pair aufenthalten sind erfahrungen von anderen immer am wertvollsten und interessantesten.