Auf geht's in ein Jahr mit viel Verantwortung und Spaß!

5  05.03.2009

Pro:
super Familie, super Organisation !  !  !

Kontra:
der Erfolg des Jahres ist zu 100% von der Gastfamilie abhängig !  !  !

Empfehlenswert: Ja 

blutigetraene

Über sich:

Mitglied seit:05.11.2003

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Die Idee Au Pair zu sein hatte ich bereits in der 8. Klasse im Alter 14. Das Leben als Kindermädchen in einem anderen Land erschien als aufregend! Meine Pläne wurden nie beiseite gelegt und so habe ich mich 2007 bei AIFS als Au Pair beworben. Die Antwort teilte mir mit, dass ich einen Führerschein brauche um ins Programm aufgenommen zu werden. Dies fand ich hinderlich, denn die Zeit einen Führerschein zu machen hatte ich während meines Abis und dem Entwurf einer Abi-Zeitung wahrlich nicht gefunden. So hat sich mein ganzes Au Pair Jahr nach hinten verschoben, ich musste meinen Führerschein machen und dann bin ich ins Programm aufgenommen worden.
Mittlerweile wurde diese Regelung von AIFS geändert. So lang man den Führerschein hat, wenn man in die Staaten fliegt, ist das ausreichend.
Nachdem mein Führerschein dann vorhanden war, konnte es losgehen. Praktika im Kindergarten, Charaktereinschätzungen und Kinterbetreuungseinschätzungen einholen und alles einscannen, hochladen und warten, dass sich was tut. Mir wurde ein deutscher Betreuer zugeordnet, die sich nach kompletter Bewerbungseinreichung mit mir getroffen hat. Mein Englisch wurde unter die Lupe genommen und ein Psychetest wurde abgelegt.
Nun sollte meinem Weg in die Staaten nichts mehr in die Wege kommen und ich könnte wahrscheinlich bis Dezember 2007 spätestens ausreisen, hieß es im September.
Nur leider schien keine amerikanische Familie wirkliches Interesse in mir zu haben, denn die erste ernsthafte Anfrage kam erst Anfang Dezember. Eine Familie mit einem 5 jährigen Jungen, die der Zeit ein malaysisches Au Pair haben. Sie bräuchten mich im März 2008 und alles klang sehr viel versprechend. Nach Weihnachten haben wir gematcht. Das heißt, dass ich habe mein Einverständnis gegeben, in diese Familie zu gehen und die Familie hat den Papierkrieg mit der Organisation geklärt.
Das Programm an dem ich teil genommen habe heißt " Au Pair in America". Ein Termin bei der amerikanischen Botschaft musste gemacht werden, ich musste mich für ein Visum bewerben. Die Bearbeitungsgebühr für mein Visum betrug 92 Euro, die 34 Euro für das eigentliche Visum wurde von meiner Organisation bezahlt.
Je näher es meinem Flug in die Staaten ging um so aufgeregter wurde ich. Au Pair in America hat mir jede Broschüren geschickt und Unterlagen, was als erstes in Amerika passieren wird und Infos über meine Gastfamilie.

Mein Flug nach Amerika ging am 10. März 2008. Ich glaub ich war noch nie in meinem Leben so traurig. Ich hab sogar Abschied von unserem Garten genommen, obwohl ich mit ihm nie so viel in Verbindung hatte außer Rasen mähen ;) Es war sehr schwer von meiner Familie, meinem Freund und meinen tapferen Freunden am Flughafen Abschied zu nehmen. Aber kaum in Frankfurt angekommen hat man schon anderen Mädels in diesen Au Pair in America T-Shirt rumlaufen sehen und das Heimweh war vorerst vorbei.
Der Flug nach New York City war ok, es waren sehr viele Mädchen aus sämtlichen Gegenden Europas im Flugzeug anzutreffen. In New York verlief alles stressig. Zu erst in der Schlange anstehen und warten, dass man mit einem Officer sprechen darf, der die Ein- und Ausreisepapiere in den Pass tackert, Fingerabdrücke nimmt und einen schließlich durchwinkt. Gepäck einsammeln und schließlich die Angestellte von meiner Organisation finden. Die Fahrt durch New York ins Hotel habe ich verschlafen.
In Stamford war unser Hotel und hier wurden alle zukünftigen Au Pairs geschult. Die Zimmer wurden mit 2 oder 3 anderen Mädels geteilt und es waren 3 teils langweilige und manchmal spannende Tage.
Am 13. März ging es zu meiner neuen Gastfamilie, nach Kansas. Immer noch total müde wurde ich mit Umarmungen am Flughafen empfangen. In meinem neuem zu Hause angekommen hatte alles so etwas Entgültiges, dass ich mich in den Schlaf geweint habe.
Meine ersten Tage in Kansas war das alte Au Pair der Familie noch da und es war grauenhaft. Das einzige Kind der Familie hat sich auf das alte Au Pair konzentriert und ich bin mir wie das dritte Rad am Wagen vorgekommen!
Kaum war sie weg, hat sich mein Leben in der Familie normalisiert und ich bin heute immer noch da.
Mein Leben mit meiner Gastfamilie war unkompliziert. Sogar das Abfahren eines Spiegels am Auto wurde mir nicht übel genommen, es kann ja schließlich jedem Mal passieren.
Während es mir sehr gut ging hab ich meine Au Pair Genossen gesehen, die teilweise überarbeitet waren und die anderen wurden ungerecht behandeln. Freunde sind gekommen und gegangen und es ist nicht leicht, von der neuen besten Freundin Abschied zu nehmen.

Mit meinem kleinen Schützling habe ich die Erfahrung gemacht, dass Geduld die meisten Probleme löst. Es ist nicht leicht als 19- bzw. 20 jährige die kleinen Probleme eines Kindes nachzuvollziehen wenn man selbst das jüngste Kind der Eltern ist und nur für Kinder im Kindergarten oder den kleinen Cousin mal aufgepasst hat. Den Eltern ist es wichtig, dass er sich wohl fühlt und das Geld war Ihnen egal. Haben sie doch gerne pro Woche bis zu 40 Dollar ausgegeben, damit der Sohnemann ins Kino kann oder ins Kindermuseum.
Die Sommerferien sind drei Monate lang und keinesfalls leicht zu meistern. In den meisten Teilen Amerikas kann es unerträglich heiß werden und es braucht ein bisschen Zeit sich an das neue Klima anzupassen und auch mit der täglichen Hitze klarzukommen.
Im nicht Sommer ist der kleine in der Schule. Im Moment noch halbtags aber mit 6 wird er dann in die First Grade gehen und dann auch den ganzen Tag in der Schule sein.

Als Au Pair habe ich 180 Dollar verdient. Im Sommer 2008 gab es eine Lohnerhöhung von 160 auf 180. Im Sommer 2009 wird es eine erneute geben, auf 195 Dollar pro Woche. Es ist viel Geld wenn man nahezu keine Ausgaben hat. Die Familie hat für meine Autoversicherung bezahlt, mein Essen und Strom- und Wasserrechnungen wurden auch beglichen. Aber wie kam es, dass ich trotzdem nie Geld hatte? Kleidung ist in Amerika billig und gut. So habe ich meine Löhne nur für Sachen ausgegeben und meine Spontankäufe bereue ich bis heute nicht!

Auch für Reisen habe ich gespart, ich war in Florida und Californien. An die Ostküste werde ich noch reisen, dies wird wohl aber vorerst die letzte Reise in den Staaten sein.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich ein super Jahr hier verbracht habe. Es hatte sicherlich Höhen und Tiefen, ich hatte wirklich viel mit Heimweh nach meinem Freund und meiner Familie zu tun. Meine Familie ist einsame spitze gewesen, obwohl es auch hier Tiefpunkte gab. Meine Hostmum war schwanger und manchmal war sie sehr anstrengend. Seit dem das Baby auf der Welt ist, ist der Umgang mit ihr sehr viel leichter.
Meine Freizeit verbringe ich viel mit Scrapbooken. Eigentlich nichts anderes als ein Fotoalbum zu gestalten, nur ansehlicher und teurer. Im Sommer war ich oft mit anderen Mädels an den Nachbarpools, im Kino oder in den Parks.
Mein Jahr ist bald zu Ende und ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, wie das Leben in Deutschland wieder sein wird. Amerika ist einfach, entspricht größtenteils seinen Vorurteilen, aber die Menschen sind freundlicher und aufgeschlossener als in Deutschland. Das Einkaufen am Sonntag ist selbstverständlich für mich, selbst nachts um 2 muss ich nicht auf meine M&M's verzichten!

Für werdene Au Pairs empfehle ich, dass ihr euch bei eurer Wahl der Gastfamilie 100 %ig sicher seid, denn diese Entscheidung bestimmt drüber, ob euer Jahr ein Erfolg wird oder nicht. Die Möglichkeit des re-matches besteht und die solltet ihr nutzen wenn ihr euch nicht wohlfühlt.
Unterschätzt eure Gefühle nicht, irgendwann hat jeder mal ein Tief wegen Heimweh. Sich ein paar Tage im Haus zu vergraben ist ok, aber irgendwann muss man mal wieder raus und sich unter die Leute mischen!!!

Ich hoffe ich hab euch einen kleinen Einblick in mein Jahr geben können, für Fragen steh ich gern bereit! Was ich von Bewertungen halte, solltet ihr selber wissen :)
blutigetraene
Bilder von USA, Au-Pair
USA, Au-Pair Alkatraz
Ich in San Francisco, Alkatraz, einem stillgelegten Hochsicherheitsgefängnis!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
GerhardReus

GerhardReus

17.11.2009 01:36

Grossartiger Bericht und sicher eine lohnenswerte Erfahrung... Von mir ein bh dafür... alles Liebe

LoloMay

LoloMay

27.03.2009 21:07

Sehr beeindruckend und interessant Deine Erfahrungen. Vielen Dank für's Erzählen! :)

noname_6032

noname_6032

25.03.2009 18:35

Sehr interessantes und informativer Bericht.

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