U-Turn - Kein Weg zurück

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--Thomas Hammerl
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1-6 von 25 Erfahrungsberichten    
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Ein Unglück kommt selten allein
Erfahrungsbericht von Cephei über U-Turn - Kein Weg zurück
16.03.2001


Produktbewertung des Autors:   

Humor ziemlich humorvoll 
Spannung sehr spannend 
Anspruch geht so 
Action: viel 
Romantik: wenig 

Pro: siehe unten
Kontra: siehe unten

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht


Oder kurz: Rien ne va plus.

Kaum bekannt und nichts für zarte Gemüter ist der aus dem Jahr 1997 stammende und mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor inszenierte Thriller "U Turn - Kein Weg zurück": Gnadenlos wird Sean Penn als kleiner Gelegenheitszocker in Oliver Stones düsterem Reißer vom Pech verfolgt. Nachdem sein Ford Mustang den Geist aufgegeben hat, landet er in einem kleinen Wüstenkaff.

Tja, es gibt Filme, an denen scheiden sich die Geister, und "U Turn" gehört sicherlich dazu. Entweder man liebt ihn, oder man hasst ihn. Die Reifenpanne ist nur der Auftakt für ein Desaster, beim dem ihm sämtliche Bewohner gemeinsam das Leben zur Hölle machen. Die Besetzungsliste ist grandios, es macht einfach nur Spaß bis in die Nebenrollen hinein zu raten, welcher Darsteller gerade auftritt. Eine furiose Collage aus durchgedrehten Szenen...


Zum Film:
**********

Bobby Cooper (Sean Penn, "Dead Man Walking") hat es eilig, als er bei sengender Hitze über eine verlassene Landstraße in Arizona fährt - mit einer Tasche voller Geld im Kofferraum: Der Kleinganove ist unterwegs nach Las Vegas, um seine Spielschulden zu bezahlen. Und die Warnung der russischen Geldgeber war deutlich genug: Bobby fehlen bereits zwei Finger an der linken Hand.

Aber Bobby hat das Schlimmste erst noch vor sich. Mit einem geplatzten Kühlerschlauch strandet er in dem kleinen Wüstenkaff 'Superior'. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Während sich der heruntergekommene Tankwart Darrel um den Ford Mustang kümmert und für die Routinereparatur erst einmal Zeit läßt, flirtet Bobby im Ort mit der geheimnisvollen Schönheit Grace (Jennifer Lopez, "Out of Sight", "The Cell" ).

Als Bobby sie nach Hause begleitet, wird er von ihrem wesentlich älteren Mann Jake McKenna (Nick Nolte) niedergeschlagen. Dann jedoch fährt dieser ihn zurück in den Ort - und bittet ihn, für 20.000 Dollar seine Frau zu töten. Als Bobby schließlich auch noch in einen Überfall schlittert, sitzt er in der Falle. Die resolute Laden-Besitzerin erschießt die Täter und von seinem Geld bleiben nur blutverschmierte Papierfetzen übrig. So gerät Bobby auch noch ins Blickfeld des etwas zwielichtigen Sheriffs von Superior (Powers Boothe).

Er kann weder seine Schulden noch den Wagen bezahlen, wobei der gerissene Darrel alle paar Stunden den Betrag erhöht. Zu allem Überfluss hängt sich dann auch noch die blutjunge und naive Jenny (Claire Danes, "Romeo & Julia") an ihn und macht Bobby damit zur Zielscheibe ihres eifersüchtigen Freundes Toby (Joaquim Phoenix, "Gladiator"). Verzweifelt läßt sich Bobby doch auf McKennas Mordplan ein. Aber er kann Grace nicht töten, und diese hat schon längst eigene Pläne: Nun soll der böse Ehemann weg...


Rund um die Kulissen:
*******************

"U-Turn" basiert auf dem packenden Roman von John Ridley, der für den Film auch höchstpersönlich das Drehbuch schrieb. Oliver Stone wäre nicht Oliver Stone, hätte er nicht mit seiner unverwechselbaren Handschrift einen ungewöhnlichen, mit viel Witz und Spannung ausgestatteten Thriller auf die Leinwand gezaubert. Dabei erinnert dieser filmische Geniestreich in meinen Augen weniger an so bekannte Werke wie "Platoon" (1986), "JFK - Tatort Dallas" (1991) oder "Natural Born Killers" (1994), die Oliver Stone mehr den Ruf eines politischen Regisseurs einbrachten.

In dem ganz bewußt mit kleinem Budget gedrehten Movie "U-Turn - Kein Weg zurück" verlässt Regisseur Oliver Stone sein angestammtes Gebiet von Kriegsfilmen und Verschwörungsszenarien und kommt eher unpolitisch daher. Das Wüstenkaff Superior dient als Müllkippe der Zivilisation, wobei Stone sich genüsslich über den amerikanischen Kleinstadtmief auslässt.

Auf der anderen Seite ist es ganz unverkennbar ein Oliver-Stone-Film, der von der Machart und Kameraführung stark an sein wohl umstrittenstes Projekt Natural Born Killers erinnert. Ein wilder Mix aus rasanten Schnitten, farbigen und schwarzweißen Videobildern und schrägen Blickwinkeln lassen das Auge nicht zur Ruhe kommen und scheinen die verschiedenen Charaktere in Nahaufnahmen zu durchdringen. Zu verdanken haben wir das Robert Richardson - Stones Hauskameramann - der genau weiß, wie man den Zuschauer mit bunten, impulsiven Bildern fesselt.


Der Pechvogel:
*************

Ein paar spezielle Worte noch zu Bobby Cooper alias Sean Penn: Er scheint als ewiger Verlierer durch die Welt zu wandeln, und gerät dabei zu allem Überfluss auch noch an die schrägen Bewohner des wohl verrücktesten Fleckchens dieser Erde. Eigentlich kann der Zuschauer mit diesem absoluten Loosertypen, der wirklich unerbittlich vom Pech verfolgt wird, nur Mitleid haben - wäre er nicht oft genug einfach so blöde, sich immer wieder selbst in katastrophale Situationen zu bringen. So läßt sich ein Schmunzeln nicht verhindern, während man als Zuschauer in Gedanken hin- und herspringt zwischen Kommentaren wie "selber Schuld." und "Der arme Tropf".

"U-Turn" ist sicherlich ein harter Film - bizarr, albtraumhaft, surreal, intensiv. Ein Film voller Loser, die ihr desolates Dasein nur noch verschlimmern. Hoffnung gibt es nicht, Glück schon gar nicht. Es ist wie in einem bösen Traum, alles, was schief gehen kann, geht auch schief. Unmoralische Angebote von allen Seiten, und als Bobby nur noch heraus will aus dem Kaff, weil es ihm langsam zu bunt wird, setzt das Schicksal noch einen drauf.

Sean Penn stellt für mich zumindest in diesem Fall die Idealbesetzung dar, die bunte Vielfalt seiner verblüfften, weinerlichen, ängstlichen, wütenden Gesichtsausdrücke ist einfach göttlich, und das Beste kommt ganz zum Schluß: Die Kamera fängt Bobby's Gesicht ein, wild grinsend, mit ausgeschlagenen Zähnen vor sich hin nuschelnd ("mmfff... Bobby... du hascht's einfach drauf.") und... nein - keine Angst, zuviel verrate ich damit nicht.


Das Fazit:
*********

Ich war doch recht positiv überrascht von Stones neuestem Streich, der allerdings in einigen Szenen - wie man es schon aus so manch anderem Oliver Stone-Film gewohnt ist (erneute Anlehnung an "Natural Born Killers") - auch nicht auf Gewalt verzichtet. Nichts für schwache Nerven ist "U-Turn - Kein Weg zurück" auf jeden Fall: Die Besetzungsliste kann sich mehr als sehen lassen. Jennifer Lopez (eine ihrer ersten Rollen) als Dorfsirene Grace, Nick Nolte als ihr gewalttätiger Mann Jack und Powers Boothe in einer klasse Rolle als durchgeknallter Sheriff.

Aber neben den hervorragenden Stars machen auch noch eine ganze Reihe skurriler Nebenfiguren Sean Penn das Leben zur Hölle, allein das ist den Kinoabend wert. Ob nun Oscarpreisträger Billy Bob Thornton als äußerst debil wirkender Tankwart Darrel, Jon Voight als blinder Indianer oder Liv Tyler - der ganze Ort scheint aus gerissenen Hinterwäldlern zu bestehen. Ebenso bemerkenswert die Musik: Der Altmeister der Filmmusik persönlich, Ennio Morricone, sorgt in jeder Szene für die passende Stimmung.

Wie gesagt, ein Film, bei dem die Geschmäcker wohl sehr auseinandergehen. Ich denke, "U-Turn - Kein Weg zurück" sollte man einmal gesehen haben, schon allein aus dem Grunde, um sich ein eigenes Urteil zu bilden. In meinen Augen absolut eine Empfehlung wert!


U-Turn, USA 1997 - Regie: Oliver Stone
Darsteller u.a.: Sean Penn, Jennifer Lopez, Nick Nolte, Powers Boothe,
Billy Bob Thornton, Claire Danes, Joaquin Phoenix, Jon Voight, Liv Tyler;


© Cephei 21.03.2002

   

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