Überholverbot für LKW

Überholverbot für LKW

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... Wäre es da nicht angebracht ein allgemeines Überholverbot für solche „Störenfriede“ einzuführen? Auf den ersten Blick, Ja! D i e T h e o r i e Gäbe es eine solche Beschränkung für Fahrzeuge ab einer gewissen Gewichtsklasse, die Fahrer kleiner Pkws hätten die Überholspur für sich alleine. ... Bericht lesen





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GIGANTEN
Erfahrungsbericht von gerkzeit über Überholverbot für LKW
30.07.2004


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Überholspur frei
Kontra: Keine wirkliche Besserung des Verkehrsflusses

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht

D a s P r o b l e m


Wer kennt ihn nicht, den Kampf der Giganten um Zeit und Lücken auf unseren Autobahnen. Da fährt der Sattelschlepper aus Polen seine Tiefkühl-Hühner zum Supermarkt nach Hannover. Ein Lastzug aus Travemünde karrt lebendige Schweine zum Schlachten nach Frankreich, und der Tieflader aus Lyon plagt sich mit den Einzelteilen des Airbus zum Zusammenbauen nach Hamburg. Da kommt es schon vor, dass die gefrorenen Hühnchen nach vorne wollen, nur weil die Schweine einen halben Kilometer langsamer vor sie her stinken. Und auch die Schweine sehen ihrer Schlachtung voller Ungeduld entgegen wenn sich ein französischer Schwertransport vor ihnen mit 60 km/h nach dem deutschen Norden quält. Zum Leidwesen der Autofahrer! Wie oft habe ich mir schon die Frage gestellt, warum diese täglichen „Elefantenrennen“ eigentlich stattfinden müssen. Zentimeter um Zentimeter quälen sich die Riesen aneinander vorbei und verärgern die Fahrer der sich hinter ihnen stauenden Autos. Wäre es da nicht angebracht ein allgemeines Überholverbot für solche „Störenfriede“ einzuführen? Auf den ersten Blick, Ja!


D i e T h e o r i e

Gäbe es eine solche Beschränkung für Fahrzeuge ab einer gewissen Gewichtsklasse, die Fahrer kleiner Pkws hätten die Überholspur für sich alleine. Kein Brummi würde die rasante Fahrt des Urlaubers aus Holland mehr bremsen. Und auch der Geschäftsmann, der zur Besprechung nach Berlin muss, kommt ungehindert in sein Kongresszentrum um dann mit einigen Abschlüssen die Autobahn mit noch mehr Transportern zu verstopfen. Die Autobahn würde ihrem Anspruch gerecht, einer der schnellsten und sichersten Strassen auf unseren Erdball zu sein. Was macht es da schon aus wenn die Sau 10 Minuten später beim Schlachthof ankommt? Wichtig ist doch nur, dass ich als Autofahrer pünktlich an mein Ziel komme.


D i e R e a l t ä t...

....sähe allerdings anders aus. Was passiert denn wenn unsere Bratwurst in Spe nicht rechtzeitig beim Metzger landet? Die Tür könnte verschlossen sein und schnell würden aus 10 Minuten Verspätung eine ganze Nacht. Acht Stunden dunkle Nacht, die der Schweinekutscher warten müsste, um seine quickenden Passagiere loszuwerden. Wer glaubt, dies geschehe aus reiner Menschenfreundlichkeit, nur damit sich der Passant in der Fußgängerzone einmal mehr den Magen mit einer Bockwurst voll schlagen könnte, der irrt. Nein! Jede einzelne Minute muss bezahlt werden und sei es nur die Zeit, die der Laster ungenutzt herumsteht. Dies kann auch dem Auftraggeber nicht gefallen, und er wird nicht lange auf die Nutzung seines sogenannten längeren Hebels warten lassen. Die Folge: der Kauf der deutschen Fast-Food-Variante, Bratwurst, wird teurer.

Okay, die 50 Cent mehr für ein totes Stück Fleisch, wäre mir ein Überholverbot für Lkws wert, wäre da nicht noch ein anderes Problem. Oft handelt es nicht nur um wenige Kilometer die ein Lastkraftwagen langsamer fährt als der andere, sondern es könnte vielmehr die kleinste Steigung den Airbustransfer dazu zwingen nicht schneller als Schrittgeschwindigkeit hinaufzukriechen. Und was wenn alle anderen hinten bleiben müssten? Bei der heutigen Verkehrsdichte wären LKW-Staus von 20 km und mehr möglich. Dann werden aus zehn Minuten Verspätung schnell einige Tage und aus 50 Cent Mehrkosten schnell 1 Euro! Warum? Es könnte beispielsweise passieren, dass ein Brummi-Lenker wegen Verspätung das Wochenendfahrverbot abwarten muss. Aber was interresiert mich das, ich esse sowieso keine Bratwurst und mit dem Flugzeug fliege ich nur einmal im Jahr. Die Überholspur ist frei und das ist das einzige was für mich zählt.

Einen Moment mal! Die Überholspur ist frei (ich denke nach). Und auf der rechten Spur staut sich der LKW-Verkehr. Ja wie komme ich dann eigentlich wieder runter? Die Ausfahrt ist doch bekanntlich rechts außen. Ich muss mir also eine Lücke suchen und mich zwischen die kriechenden Lkws drängen. Gelingt mir das nicht, bis ich die Ausfahrt erreiche, dann bleib ich auf der Überholspur stehen, wenn ich nicht 20 km weiter zur nächsten Ausfahrt fahren möchte und mit mir 1000 andere. Das Chaos wäre perfekt. Okay, auch die Tatsache, dass Lkws heute noch überholen dürfen verhindert keine Staus, ist aber immer noch das geringere Übel.

(Obiges Bild führt eindrucksvoll vor Augen, wie die rechte Spur permanent von LKW's verstopft wäre)

L ö s u n g e n

Lösungsvorschlag # 1

Man gebe die Standspur frei und mache die rechte Autobahnspur zur Überholspur für Lastkraftwagen. An einigen Steigungen wird diese Methode schon heute relativ erfolgreich praktiziert.

Vorteil:
Pkws können zum Überholen auf die linke Spur ausweichen.

Nachteil:
Die Standspur wird ihrer eigentlichen Aufgabe als Notspur nicht mehr gerecht. Das könnte im Pannenfall fatale Folgen haben.


Lösungsvorschlag # 2

Die beste und zugleich teuerste Lösung wäre der Ausbau aller Autobahnen zu dreispurigen Pisten. Dass diese Variante funktioniert beweisen die dreispurigen Bahnen zwischen München und Nürnberg. Auf der Fahrt von München nach Frankfurt wird es erst ab Nürnberg wieder dicht, nämlich dann, wenn die Autobahn wieder zu zwei Spuren schrumpft.

Vorteil:
Lkws hätten ihre eigene Überholspur, die Standspur behält ihren Zweck und Pkws nutzen die dritte Spur um zu überholen.

Nachteil:
Teurer. Großer Naturverbrauch. Die Realisierung würde noch Jahrzehnte dauern und durch Baustellen vorerst noch mehr Staus verursachen.

Lösungsvorschlag # 3

Schwerlastverkehr auf die Schiene. Das funktioniert auf langen Wegen, vor allem dann, wenn große Firmen direkt mit dem Schienennetz verbunden sind.

Vorteil:
Umweltfreundlich. Schnell. Keine Staus.

Nachteil:
Teuer und umständlich. Ist es der Zulieferfirma auch möglich die Güter auf dem Betriebsgelände zu verladen, so sind sie am Zielort noch lange nicht beim Verkäufer. Häufige Umladungen werden nötig und die Strassen dort sind wieder verstopft.


Lösungsvorschlag # 4

Wege verkürzen. Warum kann ein Schwein aus Travemünde nicht auch dort geschlachtet werden? Schmecken deutsche Erdbeeren nicht genauso gut wie die italienischen. Viele Wege sind ganz einfach unnötig.

Vorteil:
Kleinere Transportwege

Nachteil:
Schmälerung des Warenangebots


Fazit:

Man könnte noch 100 Lösungsvorschläge aufführen um „Elefantenrennen“ zu verhindern, es würden immer wieder Nachteile auftauchen. Eine hundertprozentige Lösung gibt es nicht. Natürlich ist es ärgerlich wenn man hinter einen überholenden Straßenfrachter herschleichen muss! Zu verhindern ist dies nicht! Auf Teilstrecken bestehen bereits Überholverbote und funktionieren wunderbar. Was aber auf bestimmten Strecken gilt, gilt noch lange nicht auf anderen. Auch temporäre Überholverbote, wie sie bereits auf Autobahnen bei Frankfurt für Lkws bestehen, arbeiten gut, aber eben nur temporär. Und trotzdem habe ich zum guten Schluss noch einen Lösungsvorschlag, der ohne jegliche Mehrkosten realisiert werden könnte. Übe dich in Geduld! Wir sind eben nicht allein auf dieser Welt und schon gar nicht auf der Autobahn. Ein bisschen gegenseitiges Verständnis machte die Autobahn zu einem besseren Ort. Vielleicht wäre es ja schon „besonders hilfreich“ als Lastkraftfahrer einmal auf einen Überholvorgang zu Gunsten des Verkehrsflusses zu verzichten. Und der Urlaubsreisende muss auch kein „Thema verfehlt“ für seine Erholung erwarten nur weil er mal für einen Laster abbremsen musste. Passe dich dem Verkehrsfluss an und vieles läuft besser.
   

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01.01.1970

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