Februar 1945, Niederschlesien, irgendwo zwischen Breslau und Dresden. Die sechzehnjährige Gisela und ihre kleinen Brüder sind auf der Flucht vor der näher rückenden Ostfront. Ganz... mehr
Erfahrungsbericht von Bavaria123 über Überleben! / Gudrun Pausewang 25.03.2005
Produktbewertung des Autors:
Unterhaltungswert
durchschnittlich
Spannung
durchschnittlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
ergreifend
Niveau
anspruchsvoll
Pro:
sehr eindringlich und mit viel Gefühl geschrieben, ein immer wichtiges und leider auch aktuelles Thema
Kontra:
der Krieg und seine Folgen, fehlende Erklärungen für manche Worte oder Abkürzungen
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Was schenkt man einem Mädchen zum 16. Geburtstag.... wenn Rollerscates, Handy, coole Taschen und alles was sonst noch „In“ ist, bereits vorhanden ist? Diese Frage wird sicher einige Menschen täglich beschäftigen... und kaum jemand kommt auf die Idee, dem Geburtstagskind eine Geschichte zu schreiben. Eine ganz besondere Geschichte noch dazu ...die der eigenen Vergangenheit. Und auch ich habe mir Gedanken gemacht, was ich meiner Tochter zum Geburtstag schenken kann...und ein Bestandteil des Geschenkes war genau dieses Buch.
= Das Buch =
Wie es aussieht, kann man oben erkennen. Es fällt im Bücherregal allein schon durch die sicherlich beabsichtigte Schlichtheit auf. Es braucht kein buntes Cover. Die dominierenden Farben weiß und grau werden lediglich durch die blutrote Titelschrift aufgehellt. Vier junge mit Rucksäcken und Taschen bepackte Menschen gehen durch graue, kaltwirkende Landschaft. „Überleben!“ so ist eben der Titel des Werkes von Gudrun Pausewang, das im Jahr 2005 unter der ISBN 3- 473-35254-3 im Ravensburger Buchverlag (www.ravensburger.de) erschienen ist. Für 12,95 € ist es mit seinen 220 Seiten zu erwerben.
= Die Autorin =
Geschrieben wurde das Buch von Gudrun Pausewang. Sie wurde 1928 in Wichstadt, einem kleineren Ort in Ostböhmen geboren. Nachdem ihr Vater 1943 im zweiten Weltkrieg in Russland gefallen war, war sie als 17jährige mit ihren Geschwistern unter den Vertriebenen ihrer Heimat. Diese Vertreibung führte sie nach Hessen. In Wiesbaden führte sie ihre Schulbildung weiter bis sie 1948 ihr Abitur gemacht hatte. Nach einem erfolgreichen Studium am pädagogischen Institut arbeitete sie einige Jahre als Lehrerin in Wiesbaden. 1956 ging sie nach Chile und von dort aus fünf Jahre später nach Venezuela. Auch hier in Südamerika ist sie als Lehrerin tätig. 1965 schreibt sie ihren ersten Roman. Er richtet sich an eine erwachsene Leserschaft, trägt den Titel „Der Weg nach Tongay“ und spielt in Südamerika. Nachdem die Autorin noch einige Jahre in Kolumbien verbracht hat, lebt sie seit 1972 wieder in Hessen. In diesem Jahr erschien auch ihr erstes Kinderbuch (Hinterm Haus der Wassermann). Ihre mittlerweile mehrfach ausgezeichneten und prämierten Bücher handeln vor allem von Kriegserlebnissen, der Kindheit in den Ländern der „Dritten Welt“ oder auch von der Weltbedrohung durch atomare Unfälle.
= Der Inhalt des Buches =
Wie gesagt ist hier jemand im Februar 2005 am Überlegen, was man einer Sechzehnjährigen zum Geburtstag schenken kann. Die nachdenkende Frau ist die Großmutter der Jugendlichen und sie schreibt nun ihre eigene Geschichte für das Geburtstagskind Stefanie auf.
Die Geschichte beginnt im Februar 1945. Ein eben sechzehnjähriges Mädchen namens Gisela befindet sich mit ihrer Großmutter und ihren drei Geschwistern auf einem Bahnhof. Sie gehören zu der Gruppe der vielen Vertriebenen, die vor der näher rückenden Ostfront fliehen und versuchen wollen, zu Verwandten zu gelangen. Durch etwas Glück können sie in einen der überfüllten Züge einsteigen, der die erste Teilstrecke zum eigentlichen Ziel Dresden bewältigen soll. Aber schon nach einigen Stationen wird Giselas Mutter von Helferinnen des Roten Kreuzes aus dem Zug geholt, denn bei ihr haben die Wehen eingesetzt. Sie wird nach einem schnellen, knappen Abschied in ein Krankenhaus gebracht und die Großmutter verspricht, zuerst sie Kinder in Sicherheit zu bringen und dann die Mutter nachzuholen...denn der werdende Vater befindet sich als Soldat irgendwo an der Front. Als der Zug in einem nicht weiter benannten Bahnhof endet, kümmert sich Gisela um ihre drei jüngeren Brüder, während die Großmutter am Schalter Fahrkarten für die Weiterreise besorgen will. Doch plötzlich schrillen die Sirenen : Fliegeralarm. Es kommt zu einem fürchterlichen Durcheinander, bei dem Gisela einen ihrer Brüder verliert. Erst nach einigem Suchen taucht er wieder auf. Und noch ein kleines Mädchen namens Lotte begibt sich in Giselas Obhut, denn ihre Mutter ist bei dem Fliegerangriff ums Leben gekommen.
Was ist mit der Großmutter passiert? Schaffen es die Kinder, nach Dresden zu kommen? Was haben sie unterwegs noch auszustehen? Kommt die Mutter mit dem Neugeborenen wieder zu ihren Kindern? Welches Schicksal erwartet Lotte?= Leseprobe =
Seite 12
Im Treppenhaus unserer Schule hing eine große Europakarte. Auf ihr steckte der Hausmeister jeden Tag viele kleine Fähnchen um, die uns zeigen sollten, wie weit unsere Soldaten schon gekommen waren. Immer weiter hinaus rückten die Fähnchen. Wir fanden es toll, dass das Gebiet, das wir Deutschen erobert hatten, immer größer wurde. Halb Europa gehörte uns: Österreich, Polen, die Tschechoslowakei, ein großer Teil von Frankreich...! Und jetzt? Und jetzt? Jetzt sind die Feinde bei uns. Inzwischen haben die Feinde längst unsere alten Grenzen erreicht. Ja, an machen Stellen haben sie sie schon weit überschritten. Sie dringen von allen Seiten in unser Land ein, die Russen, Franzosen, Engländer, Amerikaner. Deutschland wird immer kleiner. In den letzten Wochen haben die Leute in unserem Dorf viel von irgendwelchen Wunderwaffen gesprochen. Waffen, die noch viel wirksamer sein sollen als die V1 und V2, diese unbemannten Raketen, die in Deutschland abgeschossen werden und bis nach England fliegen. Aber warum hat Hitler sie dann noch nicht eingesetzt? Wir sind doch am Verlieren! Das darf man nur nicht laut sagen. Denn wenn es jemand hört und meldet, ist man dran. Ich hab Großmutter erzählen hören, dass eine Friseuse irgendwo in Süddeutschland zu einer Kundin gesagt hat.“ Der Krieg ist doch längst verloren...“ Nur das, nicht mehr. Aber es war schon zu viel: Die Kundin hat`s gemeldet, und die Friseuse wurde zum Tod verurteilt und gehängt. Bei den Jungmädchen und später beim BDM haben sie uns immer wieder gesagt:“Wenn jemand an unserem Sieg zweifelt, müsst ihr ihn melden, egal, wer es ist. Das ist eure heilige Pflicht als deutsche Mädel gegenüber Volk und Führer.“ Seit wir von daheim fortmussten, glaub ich auch, dass wir den Krieg verlieren werden. Nur: Ich behalte es lieber für mich.= Meine Meinung =
Meine Tochter wird jedes Jahr mit dem zweiten Weltkrieg konfrontiert – denn mein Großvater hatte - entgegen den Willen meiner Oma, die sich um ihre vier Kinder sorgte, aber dann doch mit ihrer Unterstützung - eine jüdische Famile versteckt und einmal jährlich treffen sich die heutigen Mitglieder dieser Familie mit denen der heutigen Famile meines Großvaters. So ist das Thema für meine Tochter kein Neuland, schon vor ein paar Jahren hat sie das Tagebuch der Anne Frank gelesen. Zu ihrem diesjährigen 14. Geburtstag am 15. März habe ich ihr unter anderem das Buch „Überleben!“ von Gudrun Pausewang geschenkt.
Warum?
Gut, auch meine Tochter hat schon ein Handy, eine coole Tasche und vieles, was sonst noch „In“ ist. Aber das war nicht der Grund allein. Dadurch, dass wir jährlich diese Treffen haben, ist sie sehr interessiert an dem Thema „Zweiter Weltkrieg“... und ich denke, es ist sehr wichtig, dass Jugendliche in ihrem Alter – also zwischen 14 und 16 Jahren – Bescheid wissen, über die Vergangenheit ihrer eigenen Familien und der Vergangenheit des Landes, in dem sie leben. Denn auch von der Seite des Vaters meiner Kinder gibt es Erinnerungen an den Krieg... der Großvater konnte nur überleben, weil er ein begnadeter Zeichner gewesen ist, der zur Berichterstattung benötigt wurde und die Großmutter dieser Seite hat ebenfalls eine Flucht hinter sich gebracht...aus Masuren nach Niedersachsen. Somit ist es normal, dass meine Kinder eben ab und an mit diesem Kapitel der deutschen Geschichte Kontakt haben.
Leider ist aber auch die heutige Zeit, eine Zeit in der in verschiedenen Ländern Krieg mit allen seinen schlimmen Auswirkungen herrscht. Somit ist auch das Thema Flüchtlinge, zerrissene Familien und all die Nöte und Sorgen, die dabei entstehen immer wieder aktuell. Auch deshalb finde ich es wichtig, dass Bücher wie dieses geschrieben und gelesen werden.
Das Buch von Gudrun Pausewang ist ein sehr ehrlich und offen geschriebenes Werk, welches mich immens beeindruckt hat, wenn es auch kleine Schwächen aufweist.
Die Flucht aus einer niederschlesischen Kreisstadt beschreibt Gudrun Pausewang stets in der Gegenwartsform. Gisela erzählt zudem ihre ganze Geschichte aus ihrer persönlichen Sicht. Diese Kombination vermittelt eine unglaubliche Nähe zu den Geschehnissen und Schicksalen der Flüchtenden. Der Text erscheint dadurch noch um einiges ergreifender, als er schon ist. Wenn Gisela sich während der Flucht an die Tage vor dem Aufbruch oder auch an länger zurückliegendes erinnert, so wird in der Vergangenheitsform geschrieben. Durch den Wechsel der Zeitform wird eine Verwirrung des Lesers vermieden, denn sehr oft schwenkt Gisela vom gerade Erlebten zu ihren Erinnerungen an die Eltern, ihren Heimatort oder auch ihre Schule zurück. Diese Rückblenden scheinen ihr Halt und Kraft zu geben, um durchstehen zu können, was die Flucht ihr auferlegt.
Die Autorin schreibt mit sehr einfachen Worten. Worte, die ein 16jähriges Mädchen sicher genauso benutzen würde. Auf große Ausmalungen und verschachtelte Sätze wird verzichtet. Dadurch wirkt die Geschichte sehr authentisch. Die Schilderungen von Giselas Gefühlen, als sie ihre Mutter am Bahnhof verlassen muss, als sie auf dem Bahnhof auf ihre Großmutter wartet oder auch als sie verzweifelt nach ihrem Bruder sucht sind extrem beeindruckend beschrieben. Wobei Gudrun Pausewang im gesamten Buch nicht mitleidshaschend formuliert hat, sondern sehr einfach und sehr natürlich.
Es gibt nur eine Kleinigkeit, die ich an dem Buch zu kritisieren habe. Die Autorin bedient sich einger feststehender Begriffe der Zeit des Zweiten Weltkrieges. So wird beispielsweise vom BDM, von V1- und V2 - Waffen geschrieben, ohne dass diese Abkürzungen erklärt werden. Dieses Buch wurde aber für Kinder beziehungsweise Jugendliche verfasst. Deshalb hätte ich es sehr anstrebenswert gefunden, wenn es hier einen Anhang gegeben hätte, der eben diese Begriffe oder Abkürzungen erläutert. Wobei ich in dieser Hinsicht auch die Einstufung, es wäre ein Buch für 12-14jährige Leser ein wenig gewagt finde. Um alles zu verstehen und aufnehmen zu können sollte man doch eher ab 14 Jahren empfehlen.
Meine Tochter hat die 220 Seiten innerhalb von zwei Tagen gelesen. Es handelt sich hier aber nicht um ein Buch, dass man einfach so weglegen kann, sondern es ist eines, über das man sprechen kann, vielleicht sogar sprechen muss. Auch meine Tochter war von der Erzählung sehr beeindruckt. Ganz wichtig ist ihr und mir einer der letzten Sätze : Jeder Krieg ist ein Verbrechen.
Dieser Bericht ist ein Beitrag zum 3. Bücherfrühling (15.03. bis 30.04.2005). Mehr Informationen dazu bei Espionne auf der VK.
Danke für`s Lesen, Kommentieren und Bewerten, Bavaria
Pro: super geschrieben Kontra: es ist sehr traurig
..."Es blitze Grell auf und nichts war mehr wie früher!" Das ist ein Satz in diesem Buch indem es um Krieg, Leid, Zerstörung und um das nackte Überleben geht!
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Gudrun Pausewangs "Die letzten Kinder von Schewenborn" hatte ich das erstemal vor 3Jahren gelesen, da war ich 12, dieses Buch hat mich so schockiert weil es so lebensnah erzählt wurde.
Seit diesen 3 Jahren denke ich oft an dieses Buch und ich hab es nicht nur 1mal gelesen.
Wenn man einmal anfängt sich das Buch vorzunehmen kann man nichtmehr aufhören!
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Jetzt aber erstmal zu dem Buch,
es geht um eine Familie die in den Sommerferien ihre Großeltern besuchen will. Auf dem Weg nach Schewenborn, in der nähe Fulda wo die Großeltern...
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...Viele hatten es befürchtet, die meisten hatten den Gedanken daran einfach verdrängt: Über Deutschland explodieren Atombomben. Judith, Kerstin, Roland und ihre Familie gehören zu den Überlebenden. Für sie beginnt ein langer Leidensweg: Unheilbare Krankheiten, Todesangst und Kriminalität bestimmen den Alltag. Eine Zukunft scheint es nicht mehr zu geben...
Gudrun Pausewang ist für ihre Aufweckenden Bücher bekannt. Ihr wohl berühmtestes Buch ist "Die letzten Kinder von Schewenborn". Nach der Lektüre dieses 125-seitigen Romans war ich endlos schockiert und mir gingen tausende Gedanken durch den Kopf. Man sieht die Welt mit anderen Augen und betrachtet auch den Sinn und Zweck von Atombomben und anderen Massenvernichtungswaffen sehr skeptisch. Fazit: Das wohl beste Buch für Jugendliche!
ISBN: 3473540323...
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...Gudrun Pausewang spricht in ihrem Buch ein Thema an, das mich zum Nachdenken bewegt.
Die Fiktion des berüchtigten Atomkrieges, so grausam und doch möglich.
Ihr Buch handelt von einer Familie, die über die Ferien zu den Großeltern nach Schewenborn fährt.
Kurz vor ihrer Ankunft sehen sie am Horizont ein gleißendes Licht und
später den Atompilz.
Eine Stadt in der nähe wurde mit Nuklearwaffen bombardiert und im späteren Verlauf des Buches stellt sich heraus, das anscheinend ganz Deutschland "atomisiert wurde.
Die Familie muß nun, auf sich allein gestellt, in diesem Endzeitszenario überleben und mit den anderen Überlebenden auskommen.
Gudrun Pausewang weiß die Situation sehr spannend und dramatisch darzustellen. Wir lasen das Buch auch mit unserer Klasse in der Schule und es war sehr interessant.
Ich kann nur jedem empfehlen...
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