Hinsetzen! Abschalten!
23.03.2011
Pro:
Jeder kann mitmachen !
Kontra:
Schade, daß die Blockaden wohl nötig sein werden !
Empfehlenswert:
Ja
 squarerigger
Über sich:
Besonders am Herzen liegt mir derzeit meine Meinung zur (Nicht-)Zukunft der Atomkraft. - Besucht me...
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Fast zwei Wochen sind seit dem Erdbeben und dem danach folgenden Tsunami in Japan vergangen. Seit fast zwei Wochen kämpft man auch einen verzweifelten und in meinen Augen schier aussichtslosen Kampf, um die außer Kontrolle geratenen Reaktoren im japanischen AKW Fukoshima 1 wieder unter Kontrolle zu bringen. Radioaktivität in hohem Ausmaß ist bereits ausgetreten; wie es dort weitergeht, ist nach wie vor unklar. Die dramatischen Ereignisse in Japan haben dazu geführt, dass auch hierzulande die Frage um die Zukunft der Kernenergie neu diskutiert wird. Der Wille für einen schnellstmöglichen Ausstieg scheint bei weiten Teilen der Bevölkerung da zu sein, weil man erkannt hat, dass eine nukleare Katastrophe nicht nur von alten russischen Schrott-Reaktoren ausgehen kann, sondern auch von Anlagen in einem High-Tech-Land wie Japan – oder eben auch wie in Deutschland, denn die dort außer Kontrolle geratenen Reaktoren sind denen in Deutschland technisch sehr ähnlich. Zwar haben wir hierzulande in der Regel keine Tsunamis und auch die Erdbeben fallen in unserem Land eher weniger stark aus (auch wenn z.B. die AKW Biblis und Philippsburg im Oberrheingraben, einem bekannten Erdbebengebiet, stehen), aber es kann auch andere Anlässe für das Außer-Kontrolle-Geraten von AKW geben, so z.B. Terroranschläge oder Flugzeugabstürze (beispielsweise liegt das AKW Biblis in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens).Auch die Verantwortlichen der Bundesregierung scheinen auf den ersten Blick die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Die erst im vergangenen Herbst von Schwarz-Gelb beschlossenen Laufzeitverlängerungen werden für drei Monate ausgesetzt, die ältesten, unsichersten und pannenanfälligsten deutschen AKW gehen für diese Zeit vom Netz. Diese drei Monate wolle man nutzen, um die Sicherheit der deutschen AKW noch mal zu prüfen, so die Bundesregierung. Gerade unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich noch im Herbst in Bezug auf die Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke dem Druck der vier großen Energiekonzerne EnBW, EOn, RWE und Vattenfall (auch bekannt als „Ugly Four“) gebeugt hat, versucht nun, sich als oberste Atomkraftgegnerin zu positionieren. Fast könnte man hoffen, dass ein rascher Ausstieg aus der Atomkraft tatsächlich greifbar nahe ist. Aber eben nur fast…Wirklich erklärbar wird dieser 180 Grad-Schwenk der Verantwortlichen in Berlin allerdings erst dann, wenn man bedenkt, dass am kommenden Wochenende Landtagswahlen in Baden-Württemberg (einem Bundesland, in dem die schon lange regierende CDU immer konsequent auf Atomkraft gesetzt hat) und Rheinland-Pfalz (wo die CDU hofft, die jahrelange SPD-Regierung ablösen zu können) Landtagswahlen stattfinden. Man könnte also den Eindruck gewinnen, dass sich Schwarz-Gelb mit dieser 3-Monats-Frist nur über die kommenden Landtagswahlen zu retten versucht. Dass danach irgendetwas in Bezug auf einen baldmöglichen Ausstieg aus der Kernenergie geschieht, davon kann man bei der derzeitigen Regierung kaum ausgehen – dafür werden im Zweifelsfall die „Ugly Four“ mit Druck und Spenden sorgen. Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass Merkel, Westerwelle, Brüderle oder Seehofer ihre Meinung zur Atomkraft auch nur ein klein wenig geändert haben? Ich zumindest nicht..Ein dreimonatiges Moratorium ist schlichtweg reiner Hohn! Die Minimalforderung muss jetzt eine andere sein: Ausstieg vom Ausstieg aus dem Ausstieg, d.h. zurück zum rot-grünen Atomkonsens mit seinen zeitlich absehbaren, verbindlichen Abschaltterminen für alle deutschen AKW – dies alles verbunden mit einem endgültigen und sofortigen Aus für die ältesten, unsichersten und störanfälligsten deutschen Reaktoren: Krümmel, Brunsbüttel, Biblis A, Biblis B, Philippsburg 1, Neckarwestheim 1 und Isar 1. Doch damit nicht genug. Ich persönlich würde als Ergänzung dazu folgende Maximalforderung erheben: Schnellstmögliche Abschaltung der restlichen AKW noch vor den im Atomkonsens genannten Terminen, d.h. Abschaltung schon dann, wenn die Strommengen dieser AKW nicht mehr benötigt werden, weil Alternativen hierzu zur Verfügung stehen.Wie viele andere Menschen, die wie ich seit Langem in der Anti-Atomkraft-Bewegung aktiv sind, glaube ich jedoch nicht daran, dass die Politiker hier wirklich aktiv werden. Also liegt es an uns allen, denen klar zu machen, dass der Schmusekurs gegenüber den „Ugly Four“ nun vorbei ist und dass wir einen schnellstmöglichen Ausstieg wollen. Dummerweise stehen in absehbarer Zeit keine Bundestagswahlen an, bei denen wir entsprechend wählen können. Lediglich die Bürger in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben die Chance, entsprechende Denkzettel zu verpassen. Alle anderen müssen dagegen ihren Wunsch zum Ausstieg aus der Atomkraft anderweitig artikulieren. Am kommenden Samstag, 26.03.2011, finden in mehreren Städten große Demos gegen Atomkraft statt, u.a. in Hamburg, Berlin und München. Die bisher größten Anti-Atomkraft-Demos in Deutschland hatten rund 100.000 Teilnehmer. Tragt alle dazu bei, dass wir diese Zahl überschreiten, denn nur der Druck der Straße wird unsere Politiker beeindrucken. Wenn sie merken, dass es nicht mehr nur die „üblichen Verdächtigen“ sind, die gegen Atomkraft mobil machen, werden sie es sich gründlich überlegen, ob sie zukünftig wirklich noch auf Atomkraft setzen wollen.Und sollte auch das nicht nützen, dann müssen wir die Daumenschrauben halt etwas fester anziehen. Die für ihren gewaltfreien Massenprotest bekannte Gruppierung „X-1000-mal-quer“ hat hierzu schon ganz konkrete Pläne: “Unsere Chancen stehen gut: je größer unser Widerstand gegen das Wiederanfahren wird, umso schneller wird Atomkraft in Deutschland Geschichte. So wollen wir die Energiewende beschleunigen: X-Tausende Menschen widersetzen sich gemeinsam dem Wiederanfahren der AKW mit großen, gewaltfreien Blockade-Aktionen direkt an den Kraftwerken. Unsere Botschaft an Regierung und Atomkonzerne: Wir wollen kein vorübergehendes Abschalten, sondern eine Stilllegung aller AKW! Wir werden nicht locker lassen, bis auch der letzte Reaktor endgültig vom Netz gegangen ist! Unser Widerstand wird genau am richtigen Ort stattfinden: direkt vor den Toren der AKW, denn jetzt gilt es, den Atomausstieg selbst in die Hand zu nehmen.“(Quelle: www.x1000malquer.de) Zu diesen Aktionen von X-1000-mal-quer möchte ich Euch alle ganz herzlich einladen. Zwar mag für „Otto Normalbürger“ die Vorstellung, sich an einer Sitzblockade zu beteiligen, zunächst erschreckend sein, aber genau deshalb möchte ich hierzu ein paar Infos geben.1. Sitzblockaden sind gewaltfrei Von Politik und Polizei wird ja immer wieder gerne auf die ach so gewalttätigen Proteste geben Atomkraft, vor allem bei den Atommülltransporten nach Gorleben, verwiesen. Dass es diese gewalttätigen Aktionen in Einzelfällen gibt, möchte ich gar nicht bestreiten, allerdings sind sie in den vergangenen Jahren zum Glück immer seltener geworden und sind nur noch eine Randerscheinung. Reine Sitzblockaden dagegen sind seitens der Demonstranten vollkommen gewaltfrei. Man setzt sich einfach irgendwo hin und tut nichts. Sollte die Polizei meinen, sie müsste uns wegräumen, so lassen wir uns das ohne Gegenwehr und ohne Beleidigungen gefallen. Damit befinden wir uns in bester Tradition, denn mit solchen Methoden gelang es Mahatma Gandhi, Indien von der britischen Herrschaft zu befreien.2. Sitzblockaden sind keine Straftaten Auch wenn die Verantwortlichen aus Politik und Polizei immer wieder das Gegenteil beteuern, sind Sitzblockaden keine Straftaten. Das Bundesverfassungsgericht hat schon vor vielen Jahren geurteilt, dass solche Blockaden nur Ordnungswidrigkeiten, vergleichbar also z.B. mit „Falsch Parken“, sind.3. Sitzblockaden sind Aktionen für jedermann Man muss kein Hardcore-Aktivist sein, um sich an einer Sitzblockade zu beteiligen. Nein, im Gegenteil, hier kann jeder mitmachen. Je größer die Gruppe, desto sicherer ist man als einzelne Person in der Gruppe, denn selbst wenn die Polizei meint, sie müsse die Blockade mit „unmittelbarem körperlichem Zwang“ (vulgo: Gewalt) auflösen, so bietet einem die Gruppe Schutz, denn es gibt immer Zeugen. Zudem sind bei großen Blockaden i.d.R. auch immer Vertreter von Presse, Funk und Fernsehen vor Ort, so dass sich die Polizei keine übertriebene Gewalt erlauben kann (schon gar nicht nach den desaströsen Bildern vom „schwarzen Donnerstag“ in Stuttgart).4. Sitzblockaden kann man üben Gruppen wie X-1000-mal-quer bieten im Vorfeld von Blockaden meisten sog. „Blockadetrainings“ an, in denen man das, was einen bei der Blockade erwartet, üben kann. Hier wird z.B. erklärt, wie man sich gegenüber der Polizei verhalten sollte, wie man sich hinsetzen muss, wenn man es der Polizei leicht oder schwer machen will, einen wegzutragen, etc. – kurz gesagt: solche Blockadetrainings sind für Einsteiger immer empfehlenswert.5. Die eigene Beteiligung ist dosierbar Jeder, der sich an einer Sitzblockade beteiligt, kann die Intensität seiner Teilnahme genau dosieren. Ehe die Polizei eine Sitzblockade räumt, gibt es eine klare, gesetzlich geregelte Dramaturgie. Zunächst wird die Versammlung seitens der Polizei für aufgelöst erklärt und man wird aufgefordert, die Blockade aufzulösen. Diese Aufforderung erfolgt i.d.R. drei Mal. Erst dann wird tatsächlich mittels „unmittelbarem körperlichem Zwang“ geräumt, wobei es hier klare gesetzliche bzw. juristische Regeln gibt, die u.a. besagen, dass die Polizei i.d.R. das „mildeste geeignete Mittel“ anwenden muss – und das ist, wenn keine Gefahr im Verzug ist, üblicherweise das Wegtragen. Wer also bei einer Blockade mitmacht, aber den Konflikt mit der Polizei scheut, der kann je nach persönlicher Neigung schon bei der ersten, aber auch erst bei der dritten und letzten Aufforderung die Blockade verlassen und wird dann im Regelfall unbehelligt den Ort der Blockade verlassen können. Wer sitzenbleibt, kann es der Polizei im Fall einer Räumung leicht oder schwer machen. Leicht macht man es, wenn man den ganzen Körper anspannt und steif macht, denn dann kann man ganz einfach weggetragen werden. Schwerer wird es dann, wenn man alle Gliedmaßen ganz schlaff macht. Aber auch dann schafft es die Polizei natürlich irgendwann, die Leute wegzutragen. Wer sich wegtragen lässt, muss natürlich damit rechnen, dass die Polizei die Personalien aufnimmt und ggf. ein Bußgeldverfahren oder so eingeleitet wird. Mehr aber in der Regel auch nicht…Ihr seht: Sitzblockaden sind gar nicht schlimm und tun im Regelfall auch gar nicht weh! Überlegt Euch doch mal, ob diese Form des Protests gegen Atomkraft nicht auch was für Euch wäre. Falls ja, dann könnt Ihr Euch unter www.x1000malquer.de weitergehend informieren und ggf. auch direkt in die Teilnehmer- oder Unterstützerliste eintragen. Auch ich stehe für Fragen gerne zur Verfügung. Vielleicht sehen wir uns demnächst ja vor irgendeinem AKW…P.S. Die fünf Sterne beziehen sich natürlich nicht auf die Politik der Bundesregierung, sondern auf die geplanten Blockaden von X-1000-mal-quer.
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20.07.2011 20:09
Ich habe zum 1 Juli zu Naturstrom gewechselt, ganz nebenbei spare ich noch gut 70 Euro im Jahr! Würden noch mehr zu einem (reinen) Ökostromanbieter wechseln und die Kunden EOn & Co weglaufen wäre wohl auch Einiges getan. Das Risiko einer Anzeige kann ich nicht eingehen, auch nicht eine Bußgeldverfahrens, sorry. Und mir fehlt auch das Geld zum Reisen. Aber hier in Würzburg gibts Unterschriftenlisten bie denns Biomarkt und es wurden nach gut 2 Jahrzehnten wieder friedliche Montagsdemos, diesmal für den Atomausstieg bis 2012, eingeführt. Die knapp 30 Kilometer nach Grafenrheinfeld sind nun wirklich nicht viel, in Würzburg käme man "vielleicht" noch rechtzeitig weg bei einem "Unfall", in Schweinfurt ganz sicher nicht. LG Judith
27.03.2011 09:08
Ich halte trotzdem nichts von Sitzblockaden - und ich denke ganz ohne AKWs wird es mittelfristig auch nicht gehen. Aber mit weniger.
26.03.2011 10:50
Nach den Äußerungen von Herrn Brüderle diese Woche dürfte wohl jedem noch so unbedarften Bundesbürger klar sein, was die Regierung wirklich plant. Wer bis jetzt nicht die Zeichen der Zeit erkannt hat, der sollte schleunigst die Augen aufmachen. Morgen ist Wahl, ich gehe hin und gebe meine Stimme ab. LG