Schwarzer Peter ...

5  26.06.2001

Pro:
.  .  .  alles was für den Umweltschutz getan wird, ist sehr positiv  .  .  .

Kontra:
.  .  .  nur leider wird dieses Thema oft für andere Zwecke missbraucht  .  .  .

Empfehlenswert: Ja 

Waldkauz

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... ein Spiel nicht nur für Kinder.

Ich erinnere mich an die 90er Jahre als beinahe überall in den Medien, an den Stammtischen und an den Mittagstischen ein Thema favorisiert wurde ...

... das Waldsterben.

Das Sterben der grünen Lunge, die Zerstörung der wohl lebenswichtigsten Lebewesen überhaupt. Dramatische Bilder von toten und halbtoten Bäumen, die flächige Vernichtung von Wäldern wurden gezeigt, Fonds wurden eingerichtet um dem unvermeidbaren Fiasko entgegenzutreten, Abkommen internationaler und regionaler Art getroffen, Studien erstellt, Gesetze geändert, und ... und ... und

... ein paar Jahre später, ich machte zu dieser Zeit die Ausbildung zum Forstingenieur ... stellte ich, zunächst mir selber, dann auch nach außen hin die Frage ... ist denn nun das Waldsterben besiegt. Wenn nicht ... warum hört man nichts mehr davon.

Ähnlich geht es mir auch bei dem Thema Umweltschutz, zudem das Waldsterben hierbei nicht nur ein Teilbereich darstellt sondern ganz ähnlich behandelt wird.

Wie und warum, das möchte ich Euch anhand des Beispieles des Waldsterbens zeigen.

Irgendwann, irgendwo, irgendwer ... sehr wahrscheinlich kurz vor einer wichtigen politischen Wahl, in einem Bundesland oder einem Staat in dem zwei Parteien um die Vormacht kämpften und ganz sicherlich mit Unterstützung einer grünorientierten Partei ... wurde zumal entdeckt, dass der Wald stirbt.

Die Symptome wurden vorgelegt ... Nadelverluste, Ausfall von besonders empfindlichen Baumarten, Luftgütemessungsergebnisse, ...

Das Volk wurde aufgerüttelt, es wurden Bewegungen gegründet (Rettet den Wald), Pflanzensetzaktionen ins Leben gerufen, Bäume verschenkt, Baumpatenschaften angeboten, usw, usw ...

Die Medien haben sich überschlagen, ganze Seiten diesem Thema gewidmet ... Szenarien entwickelt die bis hin zum nahen Weltuntergang alle möglichen Schlusspunkte hatten.

... und dann, nur einige Jahre später, war nichts mehr von all diesen so dramatischen Dinge zu hören.

Der Wald war gerettet?

In keinster Weise!

Aus meiner Arbeit heraus (ich war Förster in der öffentlichen Verwaltung) erhielt ich jährlich die aktuellen Daten des Waldzustandes ... und diese Daten waren jedes Jahr mit einer fast beängstigenden Gleichmäßigkeit stets schlechter werdend.

Aus Gesprächen mit Fachleuten wurde mir der Grund dieses nunmehrigen Verschweigens der immer noch bestehenden Krankheit unseres Waldes klar.

Der Schwarze Peter konnte nicht eindeutig zugesteckt werden. Denn bei all diesen komplexen Umweltthemen gibt es einige, unabänderliche Fakten:

... es gab (gibt) kaum ausreichende Zustandsdaten von früher
... die Herkunft der Emissionen ist beinahe unbestimmbar
... die Emissionsarten sind kaum zu differenzieren (erkennbar sind lediglich die einzelnen Stoffe nicht aber die Zusammensetzung die für die Identifizierung des Verursachers nötig wären)
... es gab (gibt) keine Möglichkeiten staatsübergreifend Maßnahmen zu treffen (schönstes Beispiel sind hier die massiven Waldschäden im Riesengebirge (Tschechien) die ganz klar von polnischen Industriegebieten ausgelöst wurden, aber gesetzlich keine Handhabe gegeben war)
... die Schuldzuweisung, auch auf nationaler Ebene ist nicht möglich
... die meisten Umweltverschmutzer sind gleichzeitig auch die größten Arbeitgeber und vor allem auch finanztechnisch von großer Bedeutung
... die Abgrenzung der Anteile von emissionierenden Großbetrieben und dem privaten Luftverschmutzer (durch Hausbrand, Autoabgase, ...) ist so gut wie unmöglich


... in Summe, die notwendige Schuldzuweisung sowie die Einstellung der entscheidenden Komponenten (Industrie) war nicht möglich. Der schwarze Peter wurde hin und her geschoben ... aber er wurde eben stets erfolgreich weitergegeben. Die Folge ... eine Lösung ... eine wirklich effiziente Lösung, konnte nicht gefunden werden.
Das Volk wurde, angesichts der Hilflosigkeit der Verantwortlichen, über Informationsunterbindung ruhig gestellt. Das Thema Waldsterben somit in, vielleicht sogar ... zumindest hätten das viele gerne ... ewiges Eis ... gepackt.
Dass das Waldsterben damit gestoppt ist, ist selbstverständlich ein Irrtum ... den aber, geschickt von Politik und Wirtschaft versteckt ... der Großteil des Volkes nicht erkennt.

Aber irgendwann, vielleicht beim nächsten entscheidenden Wahlkampf, wird dieses Thema oder ein ähnliches wieder aufgewärmt ... für ein paar Wochen ... um dann, nach der Schlacht wieder eingepackt zu werden, bereit gehalten fürs nächste Mal, wenn man es wieder braucht.

Euer Waldkauz, der dieses Spiel durchschaut hat ... aber nicht wirklich erwartet, dass hier eine greifende Lösung gefunden wird ...

Wie war das doch gleich ...

Erst wenn der letzte Baum gefällt ....


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Winfried Koelsch

Winfried Koelsch

06.10.2001 22:05

Ein wunderbar engagierter Bericht, zu einem mir sehr wichtigen Thema, nur warum verdammt noch mal gibt es den deutschen Wald noch immer ???

surround999

surround999

15.07.2001 00:33

Hauptsächlich die "Westliche-Industrie", aber auch die Dritte-Weltländer haben es spätestens seit den 60` ger Jahren verschlafen, Filteranlagen einzusetzen. Mittlerweile hat sich schon etwas getan. Ganz zu schweigen von den KFZ - Abgasen. Ein sehr ergreifendes Thema, was Du hier zurecht, angeschnitten hast. Nur leider zählte bisher, für einige Industrielle, nur der Profit!!!! Traurig, traurig. Ein schönes Wochenende und bis demnächst mal wieder, wünscht Dir surround999

LoMei

LoMei

30.06.2001 00:50

Während meiner aktiven Zeit als Betriebsingenieur in einer Karlsruher Raffinerie wurde vor Kommunalwahlen regelmäßig über Geruchsbelästigungen geklagt und die Presse bemüht. Nach den Wahlen war die Welt wieder heil. Ich muss sagen, wir haben echt was für gute Luft getan. Gruß, LoMei.

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