Erfahrungsbericht über

Underworld (DVD)

Gesamtbewertung (21): Gesamtbewertung Underworld (DVD)

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Mit Düstermiene und Latexanzug in den Krieg

5  18.03.2006 (19.03.2006)

Pro:
düster - edel, effektreich, klasse besetzt, Unterhaltung pur !

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

Eminencia

Über sich: Vielen lieben Dank für eure BHs zu meinem iPod Shuffle-Bericht. Ich freue mich sooo sehr! :)

Mitglied seit:06.08.2000

Erfahrungsberichte:578

Vertrauende:116

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 63 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

FILMKRITIK zu:


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UNDERWORLD

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"Mit Düstermiene und Latexanzug in den Krieg"

Zum vierten Mal habe ich "Underworld" mittlerweile schon gesehen und noch immer fällt es mir schwer, zu diesem modernen Dark-Horror-Märchen eine Kritik zu schreiben…
Das liegt aber nicht etwa daran, dass der Film schlecht sein könnte, sondern vielmehr an der auffällig komplexen Story und dem breit gefächerten, etwas unübersichtlichen Figurenensemble.
Und beides in einem Abriss zusammengefasst, klingt etwa so:

Die Vampirwelt liegt mit den Lykanern im Clinch. Die Lykaner sind übrigens Werwölfe und dass beide Spezien im Clinch liegen, ist eine bloße Untertreibung: Die beiden Rassen befinden sich seit Ewigkeiten in einem harten, permanent tobenden Vernichtungskrieg; jede Spezies ist darauf aus, der anderen ein für alle Male den Garaus zu machen - so scheint es zumindest zu Beginn des Filmes…
Während einer ihrer Kriegszüge gegen die Werwölfe entdeckt die Vampirkriegerin Selene (Kate Beckinsale), dass die Lykaner darauf aus sind, den Menschen Michael (Scott Speedman) einzufangen. Als sie die näheren Gründe dieser Bemühungen zu hinterfragen beginnt, tun sich nicht nur ungeahnte Abgründe in ihrem Herzen, sondern auch innerhalb der Vampir-Welt auf: Es kommt ans Tageslicht (haha!), dass der momentane, eher kriegsunlustige aber trotzdem herrschaftsgeile Vampir-Anführer Kraven (Shane Brolly) vor einiger Zeit einen Pakt mit dem Werwolf-Boss Lucian (Michael Sheen) geschlossen hat. Lucian schnitt Kraven hierzu ein Stück seiner Haut (mit einer eindeutigen Tätowierung) heraus, damit er dieses als Trophäe im Vampir-Schloss herumzeigen konnte. Als Gegenleistung verschaffte Kraven Lucian die Möglichkeit, als Totgeglaubter in die Unterwelt zu verschwinden und dort seinen Gen-Misch-Experimenten nachzugehen…
Selene kommt Kravens Missetat auf die Schliche und weiß sich in Anbetracht der scheinbar drohenden Katastrophe einer Werwolfsinvasion nicht anders zu helfen, als ihren Ziehvater, den im Vampirschlaf liegenden Fürsten Viktor, (Bill Nighy) frühzeitig aufzuwecken und ihn um Rat und Hilfe zu bitten.
Doch nicht nur, dass dieser höchst erzürnt auf die frühzeitige Auferstehung reagiert, nein, im Verlauf des Films stellt sich heraus, dass auch er Dreck am Stecken hat.
Und dem nicht genug: Zwischendurch muss Selene auch noch erfahren, dass es den Lykanern tatsächlich gelungen ist, Michael für einen Moment in ihre Gewalt zu bekommen, um aus ihm einen Werwolf zu machen.
Zerrissen von den zarten Gefühlen für Michael und der Loyalität zu Viktor, wird sie von Lucian schließlich auch noch in dessen Gen-Misch-Experimente hineingezogen…

Puh, ganz schön viel, nicht wahr?
Beim Lesen der Beschreibung und der Zuordnung ins Genregemisch "Horror-Action" hatte ich einen ollen Slasher mit fiesen Zähnen und affigen Masken-Gestalten vor Augen.
Niemand hatte mich vorgewarnt, dass sich mir eine komplexe, ja fast schon komplizierte Story mit dunkel-ästhetischen Bildern und wunderschönen Schauspielern eröffnen würde.

Ja, ich übertreibe nicht. Neben der oben bereits geschilderten Geschichte überraschte mich auch die düster-schöne Darstellung der Vampir-und-Werwolfswelt.
Alles spielt im Dunkeln, es ist niemals Tag in "Underworld". Das macht aber nichts: Auch im Düstern kann man Selenes superknackigen Latex-Ganzkörperanzug noch zur Genüge bewundern. Die entsprechende filmische Ausleuchtung sorgt schon für Glamour pur - in der entsprechenden cool dark version.

Oftmals minutenlange Kampfszenen mit tosendem Gewehrgeröll sind normalerweise nicht gerade das, was mich an Filmen begeistern kann - in "Underworld" aber passen sie perfekt ins innovative Vampir-Welt-Bild.
Denn hier regiert man nicht in einer staubigen Dracula-Vampirgruft, sondern in einer "dekadenten" Community, die ab und an wie ein exzentrisches Edelbordell erscheinen möchte. Dem nicht genug: Vampire fahren Stretchlimousinen, Vampire sehen sich im Spiegel, Vampire tippen auf Laptops herum - ja, Vampire züchten sich sogar extra geklontes Blut, um nicht über Menschen herfallen zu müssen.
Im Grunde sind sie zivilisierter als die verrottete Menschheit selbst (von der man in "Underworld" bis auf zwei schäbige Polizisten und einem rückgratlosen Arztkollegen von Michael nicht viel zu Gesicht bekommt) - wäre da nicht ihr Hass auf die Werwölfe.
Der lässt auch jeden noch so coolen Vampir in regelmäßigen Abständen ausflippen und zum radikalen Baller-Monster mutieren. Wie aber auch sonst sollen sie sich gegen die Lykaner wehren? Sobald jene sich nämlich in ihr tierisches Abbild verwandeln, scheint der Ofen für die Vampire aus zu sein - da nützt auch das Blaufärben der Augen und Ausfahren der Zähne nicht viel. Silbernitratkugeln werden also in Labors entwickelt, während die Vampirkrieger/innen in Schießanlagen das sichere Treffen üben und später in Geheimstätten alles geben, um Informationen aus den Feinden rauszufoltern.
Im Grunde kein Wunder: Nach dem, was Selene so alles über die Werwölfe zu erzählen hat und gemäß den wilden Kämpfen, die sich Lykaner-Männer untereinander liefern, müssen diese ja eine gemeingefährliche Rasse sein.
Aber Pustekuchen! Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Und während die Lykaner von Anfang an unter einem eher schlechten Licht standen, wendet sich dieses im Verlauf des Films mehr und mehr…

Doch was erzähle ich hier so viel über die komplizierten Inhalte des Films?
Bin ich tatsächlich so begeistert, dass es mal jemand (nämlich Regisseur Len Wisemann zusammen mit seinen Co-Drehbuchautoren Kevin Grevioux und Danny McBride) geschafft hat, die Dracula-Sparte komplett zu entstauben und ihr einen völlig innovativen dunkel-coolen Anstrich zu verleihen?
Ja, ich bin begeistert!
Und zwar bin ich nicht nur von der Story und den schönen düsteren Bildern begeistert, sondern auch von den Schauspielern:

Kate Beckinsale bezaubert wie bereits erwähnt durch das (fast) ständige Tragen ihres engen Latex-Ganzkörperanzuges. Ihr Blick ist melancholisch-düster, was ihr Auftreten sehr cool herüberkommen lässt. Sie ist elegant. Sie ist sexy. Sie scheint vor Kraft nur so zu strotzen. Wer also hätte die Vampirlady Selene besser spielen sollen als sie?

Scott Speedman war mir bis zu "Underworld" kein Begriff. Man kann nicht abstreiten, dass er ein einigermaßen wiedererkennbares Gesicht hat - also muss ich davon ausgehen, dass ich ihn noch nie in einem anderen Film gesehen habe. Am Beeindruckendsten war, für mich, seine ausgebildete Oberkörpermuskulatur, die dank des Tragens von engen T-Shirts und dieser und jenen notwendigen Entkleidungsszene sehr gut und protzig in Szene gerückt wurde.

Kraven-Darsteller Shane Brolly ist mir namentlich auch nicht bekannt, wenngleich mir sein Gesicht viel sagt. Jedenfalls spielt er den arroganten, jähzornigen Vampirchef ziemlich glaubwürdig, obwohl man einem Mann mit seinem strammen Körperbau durchaus mehr Kampfgeist und Ehrgefühl zutrauen würde. Vielleicht hätte man für diese doch recht niederträchtige Rolle einen etwas hässlicheren, dünneren Schauspieler nehmen sollen?

Doch wäre in einem solchen Fall die Rechnung wohl nicht aufgegangen, dass ihm die blonde Vampir-Tussie Erika (Sophia Myles) schmachtend zu Zähnen liegt… Die Darstellerin dieser Selene-Gegenspielerin ist mir übrigens auch völlig unbekannt, was ihre Leistung aber nicht mindert - dennoch: ich mag ihren penetranten Charakter überhaupt nicht.

Da gefällt mir Werwolf-Chef-Schauspieler Michael Sheen schon besser. Den kannte ich zuvor zwar ebenfalls noch nicht, doch hat er neben einer gehörigen Portion innewohnender Coolness auch noch einen gewissen, sexy machenden Leidens(chafts)-Charme an sich.

Erwin Leder, ein Österreicher (den so manche Deutsche aus der lächerlichen Arztserie "OP ruft Dr. Bruckner" kennen könnten), spielt übrigens auch mit. Er scheint der Arzt und Forscher der Lykaner zu sein. Es fühlt sich für mich etwas seltsam an, einen Mann, den ich bislang nur als homosexuellen Pathologen aus einer höchst affigen Abendserie kannte, für einen eiskalten, gefährlichen Werwolf zu halten… Zudem passt er mit seinem nicht ganz so schönen Gesicht nicht wirklich in das sonstige Beau-Ensemble des Films.

Als ich den Namen Bill Nighy las, dachte ich übrigens selbiges. Nighy kannte ich bisweilen nur aus der Friseurkomödie "Blow Dry", in der er den Konkurrenten von Alan Rickman spielt. In meiner Erinnerung sah er doch ziemlich unchic und dürr aus, ja geradezu uralt und eingefallen. Ich haderte mit seinem Namen und überlegte, wie solch ein alter Mann einen erhabenen Vampirfürsten darstellen sollte. Da Viktor aber sowieso erst einmal zur kompletten Regeneration schreiten muss, sitzt Nighy eh mehrere Szenen im unkenntlich machenden Ganzkörper-Kostüm herum. Dann jedoch ist Viktor plötzlich regeneriert - und was muss ich feststellen? Meine Güte, ich stelle fest, dass dieser Mann mit blauen Kontaktlinsen wie ein cooler, kraftstrotzender Vampirfürst aussieht - und die Rolle auch noch mit einer kalt-erhabenen Grazie verkörpert!

Nun war ich aber wirklich so sehr von Story, Darstellung und Schauspielern eingenommen, dass ich der Musik wenig Aufmerksamkeit spenden konnte. Ich möchte aber behaupten, dass keine großartigen Lieder oder Melodien ablaufen. Weil viel gekämpft und geschlachtet wird, hört man meistens sowieso nur Kugelgebrüll oder Schwertgeschlitze.

Ach ja, eine Sache gibt es noch, die mir an diesem Film sehr gut gefallen hat: Die EFFEKTE!
Wow, wow, wow! Ich habe selten derart gute Werwolf-Mutations-Szenen gesehen wie in "Underworld". Die Verwandlungen von Mensch zu Werwolf und wieder zurück laufen perfekt und ohne einen Grund zum Tadel ab. Und auch sonst bietet der Film mit einigen Sahnetrüffeln effektvoller Filmkunst auf.

Kurz und rund: Ich habe selten solch einen unterhaltsamen Dark-Horror-Actionfilm mit so vielen guten Ideen und schönen wie überzeugenden Schauspielern gesehen!

---

Hier noch ein paar Informationen zur DVD:
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Im Moment gibt es "Underworld" nur als FSK16-Version auf DVD. Die FSK18-DVD wird laut Amazon.de aber bald erhältlich sein.
Man kann den Film sowohl mit der synchronisierten deutschen als auch mit der originalen englischen Tonspur - jeweils in Dolby Digital 5.1 - anschauen (was ich ob Bill Nighys Originalstimme besonders prickelnd finde).
Die Special Features auf der DVD sind das Making-Of von Underworld, Informationen zu Cast & Crew (mit Bildern), Produktionsnotizen (mit Bildern), ein Kinotrailer (deutsch), ein Teaser (deutsch) sowie eine Fotogalerie.

Tipp: Die FSK 16-DVD ist im Moment bei Amazon.de für günstige 7,95 EUR erhältlich.

- - -

© Eminencia, 18.03.2006

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
HansGruber

HansGruber

23.03.2006 14:20

für mich bleibt die speerspitze des modernen vampir-films immer noch der erste "blade"-teil. darum sehe ich "underworld" eigentlich nur als trittbrettfahrer. mich hat der film überhaupt nicht begeister, das waren 90 minuten gepflegte langeweile. gruß ingo

EvilEye

EvilEye

19.03.2006 03:08

der erste teil war noch mehr oder minder gelungen ... aber ich finds traurig, wie vampire da dargestellt werden ... widerspricht JEDER guten literatur über vampirismus.. naja. . LG, Alex

Zari-Sa

Zari-Sa

19.03.2006 00:46

Effektvoll gelungener Filmbericht mit viel Begeisterung-doch sorry,der is nich mein Fall+die "Modernität"? der Vampis mit Porsche+Nokia! Handy ist für mich absolut nichts anderes als gezielt +genau platzierte Schleichwerbung!LG

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