... Wahrscheinlich ist es genau das, was die amerikanische Bestseller-Autorin Karin Slaughter mit Undone (ins Deutsche übersetzt heißt „Undone“ = „ungeschehen“) meint. Undone ist einigen vielleicht aus einem Robbie-Williams-Song bekannt ist. Mir war die ganz genaue Übersetzung lange unklar. Soweit ... Bericht lesen
position in the realm of tough and persuasive crime thrillers. In Genesis we are again in the company of medical examiner Sara Linton, who several years previously had ...
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Undone - Karin Slaughter
Even those who know Karin Slaughters books only by reputation are aware of her pole ... mehr
position in the realm of tough and persuasive crime thrillers. In Genesis we are again in the company of medical examiner Sara Linton, who several years previously had left Grant County for Atlanta to heal the psychological wounds of her troubled past. Holding down a job in Atlantas Grady Hospital, she is slowly finding a kind of equilibrium again. But then a seriously wounded young woman is delivered to the hospital, and Sara finds herself once again in a familiar world of brutality and evil. Although the young women is the victim of a car accident, its evident that she has also been at the mercy of a sadistic killer. Working on the case is Will Trent, an agent of the Criminal Investigation Team, and at the scene of the accident, he discovers a grim subterranean secret: a room laid out like a torture chamber with instruments of mutilation. And the psychotic individual responsible will soon be plying his grisly trade again, unless Sara Linton and Will Trent can assume responsibility for the investigation (the local police chief being unable to cope). The clock is ticking This is Karin Slaughter firing on all cylinders showing, as ever, that she would never be happy trading on past glories. Each new book represents a move forward for her, and Genesis pushes all the right buttons. Particularly impressive here (along with the customarily compelling and gruesome narrative) is the foregrounding of the emotional problems of both protagonists, handled with real assurance. --Barry Forshaw
Undone - Karin Slaughter
Even those who know Karin Slaughters books only by reputation are aware of her pole ... mehr
position in the realm of tough and persuasive crime thrillers. In Genesis we are again in the company of medical examiner Sara Linton, who several years previously had left Grant County for Atlanta to heal the psychological wounds of her troubled past. Holding down a job in Atlantas Grady Hospital, she is slowly finding a kind of equilibrium again. But then a seriously wounded young woman is delivered to the hospital, and Sara finds herself once again in a familiar world of brutality and evil. Although the young women is the victim of a car accident, its evident that she has also been at the mercy of a sadistic killer. Working on the case is Will Trent, an agent of the Criminal Investigation Team, and at the scene of the accident, he discovers a grim subterranean secret: a room laid out like a torture chamber with instruments of mutilation. And the psychotic individual responsible will soon be plying his grisly trade again, unless Sara Linton and Will Trent can assume responsibility for the investigation (the local police chief being unable to cope). The clock is ticking This is Karin Slaughter firing on all cylinders showing, as ever, that she would never be happy trading on past glories. Each new book represents a move forward for her, and Genesis pushes all the right buttons. Particularly impressive here (along with the customarily compelling and gruesome narrative) is the foregrounding of the emotional problems of both protagonists, handled with real assurance. --Barry Forshaw
Erfahrungsbericht von SiebenteS über Undone / Slaughter, Karin 1. September 2009
Produktbewertung des Autors:
Niveau:
anspruchsvoll
Unterhaltungswert:
hoch
Spannung:
ziemlich spannend
Humor:
durchschnittlich humorvoll
Aufmachung:
ok
Pro:
Aufeinandertreffen Linton/Trent/Mitchell, Weiterentwicklung der Figuren, interessant zu lesen
Kontra:
?
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Jeder hat Momente in seinem Leben, die er gerne ungeschehen machen möchte. Manchmal sind es nur kleine Dinge, ein falsches Wort, das man gesagt hat und mit dem man ins Fettnäpfchen getreten ist bzw. jemand anderen verletzt hat. Manchmal würde man auch gerne Schicksalsschläge ungeschehen machen. Wahrscheinlich ist es genau das, was die amerikanische Bestseller-Autorin Karin Slaughter mit Undone (ins Deutsche übersetzt heißt „Undone“ = „ungeschehen“) meint. Undone ist einigen vielleicht aus einem Robbie-Williams-Song bekannt ist. Mir war die ganz genaue Übersetzung lange unklar. Soweit ein kleiner Schlenker, ein kleiner Randgedanke. Klar ist auf alle Fälle: Karin Slaughter gehörte bisher zu meinen Lieblingsautorinnen, da sie spannende Krimi-Thriller schreibt. „Undone“, ihr neuestes Werk aus dem Juli 2009, verspricht einen besonderen Reiz: Slaughter führt eine der Hauptdarstellerinnen ihrer überaus erfolgreichen „Grant-County“-Reihe mit den Ermittlern aus ihren jüngsten Romanen zusammen. Eiligen Lesern kann ich wie immer empfehlen, sich anhand des Inhaltsverzeichnisses die gewünschten Punkte schnell heraus zu suchen oder auch nur das Fazit zu lesen. Allen (anderen) viel Spaß beim langen Weg und danke für die Geduld.
Inhaltsverzeichnis ************************* 1. Die Autorin: Karin Slaughter 2. Ort und Zeit der Handlung 3. Die Hauptfiguren ***a) Sara Linton ***b) Will Trent ***c) Faith Mitchell 4. Die Geschichte 5. Themen ***a) Fertigwerden mit der Vergangenheit ***b) Wut ***c) Beziehungen ***d) Familienverhältnisse 6. Erzählweise 7. Lesbarkeit der englischen Fassung 8. Zielgruppe 9. Daten zum Buch 10. Pro & Contra 11. Fazit
1. Die Autorin: Karin Slaughter ***************************************** Wer ist eigentlich diese Karin Slaughter? Wenn man auf www.karinslaughter.com, ihrer offiziellen Homepage, mehr über die Autorin erfahren will, wird man erst einmal enttäuscht. Der kleine Textabsatz neben ihrem Bild sagt nämlich fast nichts darüber aus, mit wem man es zu tun hat. Ein paar zusätzliche Infos erfährt man dann, wenn man FAQ anklickt, die Freequently Asked Questions bzw. häufig gestellten Fragen. Doch da hat man es dann tatsächlich eher mit einer Art Interview zu tun. Also eins nach dem anderen: Slaughter, so ist dann doch im Internet zu erfahren, wurde am 06. Januar 1971 in einer kleinen Stadt im US-Bundesstaat Georgia geboren. Sie lebt heute in der Olympiastadt von 2000, in Atlanta. Das ist (abgesehen von einer Liste ihrer Romane) aber leider schon alles, was man über Slaughter z.B. bei Wikipedia findet. Bereits der Erstling der Amerikanerin (Blindsighted/Belladonna) wurde 2001 zum Bestseller. Es war der Auftakt von bisher sieben Romanen einer Reihe, die in Grant County spielt und in denen die Ärztin Sara Linton und ihr (Ex-) Mann, der Ermittler Jeffrey Tolliver, im Mittelpunkt stehen. Danach startete die Autorin neu, mit einem neuen Doppel von Hauptfiguren, mit Will Trent und seine Kollegin Faith Mitchell. Die beiden standen in Triptych/Verstummt und Fractured (offenbar noch nicht in deutscher Fassung erschienen) im Mittelpunkt. Ich war überrascht: Mein erster Slaughter-Roman hatte mich nur mäßig gepackt. Die weiteren Bücher aus der Grant-County-Reihe fand ich dann zunehmend spannender. Aber mit Triptych (und ihrer neuen Hauptfigur Will Trent) übertraf Slaughter sich und sie übertraf meine Erwartungen. Und Undone? Dieser Roman zählt offiziell zur Grant County Reihe. Doch tatsächlich spielt er (wie Triptych und Fractured) in Atlanta – im Mittelpunkt steht Sara Linton aus Grant County ebenso wie Will Trent. Die Romane der Amerikanerin sind inzwischen in 15 Sprachen übersetzt worden. In dem erwähnten Interview gibt es dann noch ein paar interessante Randnotizen über Slaughter. So wird man zum Beispiel zu einem Brief (von Slaughter an die Leser) geleitet, in dem ein Spoiler steckt. Slaughter erklärt sich darin zum vorläufigen Ende der Grant County Reihe in der Folge Skin Privilege/Beyond Reach (deutscher Titel „Zerstört). Dieser Brief ist aber nur dann zu empfehlen, wenn man entweder das Buch schon kennt oder aber wenn man ganz klar ein Geheimnis vorab erfahren möchte. Auf alle Fälle ist dieser Brief http://www.karinslaughter.com/spoiler.shtml interessant. Interessant finde ich auch die Tatsache, dass man sich über die Internetseite ein Autogramm von Slaughter bestellen kann – und das kostenlos. http://www.karinslaughter.com/bookplates.shtml
2. Ort und Zeit der Handlung ************************************** Ich habe es ja schon angedeutet: Der Schauplatz von Undone ist Atlanta im Bundesstaat Georgia/USA. Theoretisch könnte es aber genauso auch eine andere amerikansiche (oder deutsche) Großstadt sein. Die Zeit der Handlung ist einerseits klar nach der der anderen Slaughter-Romane. Andererseits ist (abgesehen von der Tatsache, dass die Figuren Blackberrys und iPhones nutzen, die sich ja erst in den vergangenen drei Jahren richtig ausgebreitet haben) der genaue Zeitpunkt der Handlung nicht klar. Zu vermuten ist, dass es die Gegenwart ist, in der Slaughter den Roman geschrieben hat, also in etwa Anfang 2009.
3. Die Hauptfiguren **************************** ***a) Sara Linton Aus der Grant-County-Reihe kennen manche Leser Sara Linton als engagierte Kinderärztin und als Pathologin. Sie war/ist mit dem Sherrif Jeffrey Tolliver verheiratet, beide sind zunächst glücklich, doch dann betrügt er sie, sie trennen sich, kommen schließlich wieder zusammen. Eigentlich würde Sara gerne eigene Kinder haben. Doch nach einer Vergewaltigung ist das nicht mehr möglich. Sara leidet darunter, ist aber mit Jeffrey schließlich entschlossen, ein Kind zu adoptieren. Autorin Karin Slaughter sagt auf ihrer Homepage, dass es ihr wichtig war, die Beziehung der beiden so zu schildern. 50 % der Ehen gehen in die Brüche, mit der Versöhnung zwischen Jeffrey und Sara will sie zeigen, dass es dennoch die Chance auf ein glückliches Ende geben kann. Doch so ganz ist das Glück der beiden nicht von Dauer. Mehr verrate ich an dieser Stelle nicht über die Gründe dafür. In „Undone“ lebt Sara nun seit inzwischen drei Jahren in Atlanta in einer sehr schönen, sehr teuer eingerichteten Wohnung. Doch dort verbringt sie eigentlich kaum Zeit, denn eigentlich arbeitet sie rund um die Ihr in der Notaufnahme des Grady Krankenhauses. Dort passt die Ärztin, die inzwischen über 40 ist, eigentlich nicht hin. Denn die meisten ihrer Kollegen sind Berufsanfänger, die sich auf dem harten Pflaster der Notfallambulanz erste Sporen verdienen wollen und müssen. Sara ist, wie man sie aus Grant County kennt: Engagiert, gewissenhaft, sympathisch. Und sie leidet.
***b) Will Trent Für mich war der Ermittler des GBI (Georgia Bureau of Investigation – sozusagen das FBI auf Ebene des Bundesstaates) von Anfang an (bereits bei Triptych) eine reizvolle Figur. Das liegt für mich vor allem daran, dass er ein Man mit „Brüchen“ ist: Als Kind wuchs er in Heimen auf, zwischendurch war er in Pflegefamilien, wurde misshandelt. Trotzdem ist er dabei nicht ganz zerbrochen, hat es geschafft, beim GBI einen Job und Respekt zu finden. Doch die Vergangenheit ist nicht das einzige Handicap von Will Trent. Er ist kann nicht lesen und schreiben, für einen erfolgreichen Ermittler ein besonderes Hindernis. Rückendeckung bekommt Will dann von verschiedenen Seiten: Da ist zum einen Angie Polaski, die er seit seiner Kindheit kennt, die sein Schicksal als Heimkind geteilt hat, die von seinen körperlichen Narben und von seiner Lese- und Schreibschwäche weiß. Einerseits wirkt sie als eine Art große Schwester von Will, andererseits nutzt sie seine Abhängigkeit aus. Die beiden sind verheiratet, leben aber getrennt, Angie meldet sich oft monatelang nicht und taucht dann plötzlich wieder in Wills Leben auf und schwächt dadurch sein Selbstbewusstsein weiter. Er braucht sie, will aber auch von ihr los kommen. Dann sind da noch Wills Chefin Amanda (sehr stark, sehr dominant) und seine Kollegin Faith. Beide wissen, dass er nicht lesen und schreiben kann. Doch immer mal wieder stellen sie ihn mit diesem Wissen auch bloß, demütigen ihn.
***c) Faith Mitchell Gerade habe ich Faith Mitchell schon kurz erwähnt. Sie ist 33, hat aber schon einen erwachsenen Sohn. Mit 15 wurde Faith Mutter, jetzt ist Jeremy volljährig und aus dem gröbsten raus. Faith Beziehung zu dem Hochschulrektor Victor ist in die Brüche gegangen, doch von ihm ist sie nun schwanger. Und sie hat Diabetes. Insofern ist sie als starke, zielorientierte Ermittlerin ebenfalls doppelt gehandicapt: Sie muss sich regelmäßig Insulin spritzen und auf ihr ungeborenes Kind Rücksicht nehmen. Faith, die aus Selbstschutz Stärke demonstrieren will, fällt das extrem schwer.
4. Die Geschichte ************************** Ein älteres Ehepaar ist mit dem Auto unterwegs. Plötzlich: Ein lauter Knall, so als wäre ein Reh vor den Wagen gelaufen. Die älteren Leute sind schockiert. Doch dann kommt es schlimmer: Es war kein Wild, dass sie da getroffen haben, es war eine nackte Frau, die nun fast leblos auf der Straße liegt. Das ältere Paar ist in der Gegend noch nicht so heimisch, es ist nach Atlanta gezogen, um in der Nähe des Sohnes (der für die Flugüberwachung arbeitet) und in der Nähe von dessen Familie zu sein. In der Notaufnahme im Grady Krankenhaus in Atlanta bekommt die Ärztin Sara Linton mit der GBI-Ermittlerin Faith Mitchell zu tun. Faith hatte einen Schwächeanfall, Will Trent hat sie in die Klinik gebracht. Sara hällt den gut aussehenden Mann im dreiteiligen Anzug zunächst für Faiths Ehemann. Sie untersucht ihre neue Patientin und stellt zwei für Faith schockierende Diagnosen: Faith Mitchell hat Diabetes und sie ist schwanger. Beide Frauen finden scheinbar direkt einen Draht zueinander. Die eigentlich aufbrausende Faith fast zu der Ärztin Vertrauen. Und auch Sara erzählt erstmals seit Jahren einigermaßen freimütig von Jeffrey. Doch dann wird das nackte Unfallopfer eingeliefert. Sara erkennt sofort, in was für einem schlimmen Zustand die Frau ist. Sie kann sie nicht einmal umdrehen, ohne dass die schwer Verletzte vor Schmerzen fast wahnsinnig wird. Mit der Zeit stellt sich heraus: Der Frau wurde eine Rippe entfernt, außerdem wurde ihr offenbar das Augenlicht genommen. Nur eins erfahrenen Sara und Will: Die Verletzte heißt Anna. Will fährt mit Faith Mini zur Unfallstelle und stößt auf Widerstand: Die örtliche Polizei will dem GBI-Mann Trent keinen Einblick in die Ermittlungen geben. Doch Will macht sich selber auf den Weg, findet eine Höhle und klettert hinein. In der Dunkelheit entdeckt er eine Liege. Offenbar wurden hier zwei Frauen gefangen gehalten, eine unter, eine auf dem notdürftigen Bett. Außerdem gibt es in der Höhle Ratten, die Will auch anfallen. Er ist froh, endlich wieder ans Tageslicht zu kommen. Und er weiß, dass die zweite Frau wahrscheinlich noch in der Nähe sein muss. Er sucht weiter und findet sie tatsächlich – aufgehängt an einem Baum. Will macht sich Vorwürfe, doch nach und nach kommt heraus, dass sich die Tote selber das Leben genommen hat. Sie und Anna ähneln sich äußerlich. Eine weitere Frau verschwindet. Pauline kauft in der Frühe mit ihrem Sohn Felix ein, zunächst verschwindet der Junge. Als sie ihn wieder sieht, wird Pauline überwältigt und verschleppt. Felix landet im Krankenhaus. Dort wird er liebevoll von Sara versorgt. Faith und Mitchell merken, dass es Parallelen zwischen Pauline und den beiden anderen Opfern gibt: Sie ähneln einander nicht nur optisch, sie waren offenbar alle beruflich erfolgreich, privat aber äußerst unbeliebt. Und noch eine vierte Frau wird vermisst. Auch auf sie treffen die gerade beschriebenen Eigenschaften zu. An den Orten ihres Verschwindens finden die Ermittler Spezialmunition und eine spezielle Biersorte. Sie fühlen sich im Verdacht bestätigt, dass hier wohl ein Täter in allen vier Fällen verantwortlich ist. Ihre Ermittlungen werden immer wieder ausgebremst: Durch die örtlichen Kollegen, die keine Konkurrenz vom GBI haben wollen und auch ein Stück weit durch Wills Leseschwäche und Faith Diabetes. Faith reagiert aggressiv, weil auch Sara an den Ermittlungen beteiligt werden will. Will fühlt sich zu ihr hingezogen – und Sara sich zu ihm. Wenn man es hier mit einem Roman von Karen Rose zu tun hätte, wäre klar, was nun kommt. Doch bei Karin Slaughter, so viel verrate ich hier, gibt es kein klares Happy End in diesem Fall. Angie Poloaski, Will Trents Frau, kehrt auf die Bildfläche zurück. Sie bzw. einer ihrer Schützlinge gibt einen Tipp, der auf die Spur von Annas vollständiger Identität führt. Will und Faith suchen eine Wohnung auf, die als Drogenumschlagplatz missbraucht wurde. In einem Abstellraum findet Will ein fast verhungertes und verdurstetes Baby. Der kleine Junge ist der Sohn von Anna. Die nimmt es als selbstverständlich hin, dass ihr Kind zurück kehrt. Drogenhandel und Fast-Tod des kleinen Jungen – all das konnte unter den Augen eines Wachmanns passieren. Will, der ebenfalls als Kind fast in einem Mülleimer gestorben wäre, platzt die Hutschnur. Er schlägt den Wachmann zusammen. Eigentlich wäre mit dieser Gewalttat auch seine Karriere zu Ende. Doch Faith und die Kollegen vertuschen die Tat.
5. Themen ****************** ***a) Fertigwerden mit der Vergangenheit Alle drei genannten Hauptfiguren und auch so einige der weiteren Charaktere haben ihre Probleme in der und mit der Vergangenheit. Sara Linton hat Grant County verlassen, um mit den Ereignissen, die sie vor mehr als drei Jahren aufs Schwerste erschüttert haben, abzuschließen – soweit man so etwas überhaupt kann. Doch trotz neuer Wohnung, neuer Wohnung, eines neuen Berufs, neuer Menschen kann sie mit der Vergangenheit nicht vollständig fertig werden. Für sie sind diese Erlebnisse immer noch präsent, sie schmerzen. Am ehesten kann sie sich gegen diesen Schmerz mit Arbeit betäuben. Und sie lenkt sich ab, indem sie an dem Schicksal anderer Teil hat, indem sie (wie sie es früher in Grant County auch getan hat) versucht, bei den Ermittlungen zu helfen. Auch Will Trent hat schwere seelische Narben. Die meisten davon rühren aus der frühen Vergangenheit, aus seiner Kindheit. Er war nicht nur ein Heimkind, er ist auch immer wieder geschlagen, misshandelt worden. Während die eigentlichen Schmerzen natürlich längst vorbei sind, wirken die körperlichen und seelischen Narben nach, beeinträchtigen das Selbstbewusstsein des auf den ersten Blick gut aussehenden, intelligenten und erfolgreichen Mannes. Darüber hinaus hat er noch mit seiner Unfähigkeit, zu lesen und zu schreiben, ein zweites extremes Handicap, das ihn vor seinen Kolleginnen angreifbar macht. Bei Faith Mitchell ist die Vergangenheit ebenfalls mit Belastungen verbunden: Zum einen ist da ihre Mutter, die eine überaus erfolgreiche Polizeikarriere gemacht hat und deren Fußstapfen für Faith daher extrem groß sind. Die Tochter muss sich mit der Mutter messen lassen. Doch auf dem Weg zu einer eigenen erfolgreichen Laufbahn bei der Polizei hat Faith erst einmal mit gerade erst 15 ein eigenes Kind bekommen und den Jungen neben ihrem schweren Berufsweg groß gezogen. Als so junge Mutter hatte sie es nicht leicht. Nun ist sie erneut schwanger, wieder fehlt ihr der Mann ihrer Seite, mit dem die Freude aber auch Belastung teilen kann. Auch die Opfer in diesem Kriminalfall haben eine schwere Kindheit hinter sich. Doch bei ihnen hat die in der Regel in Ehrgeiz und gleichzeitig aber auch Menschenfeindlichkeit umgeschlagen. Alle vier Frauen werden als „Hexen“ beschrieben, die wegen ihrer Durchsetzungskraft zwar Karriere gemacht haben, die aber gleichzeitig in ihrem jeweiligen Umfeld äußerst unbeliebt waren und sind.
***b) Wut Auffällig ist, dass sowohl Will Trent als auch Faith Mitchell Probleme haben, ihre Wut unter Kontrolle zu halten. Wenn man erst einmal nur den Anfang von „Undone“ liest, mag man das bei Fiath gar nicht vermuten. Denn sie ist da zunächst einmal eine Frau, die gerade einen Schwächeanfall erlitten hat und dann erfährt, dass sie (kurz nach der Trennung von ihrem Freund Victor) schwanger ist und Diabetes hat. Beides ist für sie als erfolgsorientierte GBI-Beamtin hinderlich. Vielleicht sorgen diese beiden nicht gerade guten Nachrichten erst recht dafür, dass Sie aus der Haut fährt. Denn sie weiß: Ihre Karriere als erfolgreiche Ermittlerin ist durch die Krankheit und das neue Kind doppelt in Gefahr. Nur durch Stärke (die sie mit ihrer Wut vielleicht auch unterstreichen will) kann sie in der Männerwelt von knallharten Ermittlern und noch härteren Mördern bestehen. Faiths Wut kommt aber auch zum Vorschein, weil sie ihren Partner Will Trent für einen Schwächling hält. Während ein Polizist der örtlichen Polizei Will und Faith munter den größten Unsinn erzählt, sitzt Will fast wie ein Weichling mit Faiths Handtasche im Schoß da und lässt sich die Hucke voll lügen. Genau das bringt Faith zur Weißglut. Wenig später rastet jedoch auch Will aus. Im Wohnhaus eines der Opfers stellt sich der Wachmann quer. Er ist den Ermittlern nicht behilflich. Und Will wird klar, dass der Wachmann vor seinen Augen Verbrechen (Drogenhandel, aber auch fast den Hungertod eines Babys) geduldet hat. Genau das Schicksal des sechs Monate alten Kindes bringt Will zum Explodieren. Er findet den kleinen Jungen fast verhungert und verdurstet in einem Papierkorb. Das Schicksal des Babys erinnert Will an sein eigenes – auch er wurde als Kind in einen Papierkorb gesteckt, seine Mutter wollte den kleinen Will damals retten. Blind vor Zorn schlägt Will nun den Wachmann fast tot. Wut findet man auch auf der Ebene eines der Opfer, eine Wut, die durch Überlebenswillen gekennzeichnet ist. Mehr verrate ich dazu an dieser Stelle nicht.
***c) Beziehungen Beziehungen und vor allem ihr Scheitern sind auch Thema dieses Romans. Nein, nein, vor allem die männlichen Leser dieses Berichtes kann ich beruhigen: Es gibt keine süßlichen Romanzen. Karin Slaughter betrachtet die Beziehungen ihrer Figuren eher nüchtern, realistisch. Sara Linton hat Grant County verlassen, weil Jeffrey nicht mehr an ihrer Seite ist. Im Laufe von drei Jahren hatte sie zwei flüchtige Anläufe, wieder etwas mit Männern anzufangen. Doch in beiden Fällen war das Ende schnell gekommen. Will Trent ist auch ein ganz eigener Fall: Er hatte nur eine wirkliche Beziehung, die zu seiner Frau Angie Polaski. Das hat unter anderem damit zu tun, dass er sich wegen seiner körperlichen Narben, aber auch wegen seiner Lese- und Schreibschwäche Minderwertigkeitsgefühle hat und sich keiner anderen Frau öffnen konnte und wollte. Doch Angie macht auf mich eher den Eindruck einer großen Schwester als den einer echten (Ehe-) Frau an Wills Seite: Sie kennt ihn zwar in- und auswendig, weiß, wie sie ihm helfen kann, sie tut ihm aber auch immer wieder weh, denn ihre Freiheit ist ihr wichtiger als Will. Insofern ist er eigentlich alleine. Grundsätzlich imponiert ihm jemand wie Sara. Doch Will glaubt nicht, dass sie sich für ihn interessieren könnte (damit liegt er allerdings falsch!). Bei Faith Mitchell liegt die Sache wieder anders: Als Jugendliche hatte sie eine Affäre, verlor den Vater ihres Sohnes aber aus den Augen. Jahre später kam sie mit dem Uni-Dekan Victor zusammen. Ihre Beziehung klingt irgendwie typisch: Die beiden zogen zusammen, er ließ sich immer mehr gehen, wollte am liebsten, dass sie stets hinter ihm herräumt. Faith zog einen Schlussstrich – und bemerkte, dass sie schwanger von Victor war. Doch das änderte für sie nichts an der Trennung. Nun entdeckt sie wieder Gefühle für den Reporter Sam, mit dem sie schon einmal zusammen war, der aber verheiratet ist und lange Zeit Alkoholiker war. Die vier weiblichen Opfer in „Undone“ haben andere Arten von Beziehungsproblemen. Sie sind (z.T. wegen Missbrauchs) so aggressiv und zickig geworden, dass sie alle Menschen in ihrer Umgebung vergraulen.
***d) Familienverhältnisse Ein wenig fließen die beiden Themenbereiche „Beziehung“ und „Familienverhältnisse“ ineinander über. Für Will und auch für Angie gilt: Sie hatten nie eine eigene Familie, hatten nie Vater und Mutter, hatten nie lustige und auch mal ärgerliche Geburtstags- und sonstige Feiern mit Onkeln und Tanten, Großeltern, Cousinen und Cousins. Ihre „Familien“ boten ihnen immer nur für kurze Zeit ein zuhause, schnell war klar: Sie konnten nicht bleiben, kamen zurück ins Heim. Nun, als Erwachsene, haben die beiden anscheinend unterschiedliche Bedürfnisse: Angie scheint in allererster Linie ihre Freiheit zu suchen, Will dagegen würde sich an sich nach einer Familie sehnen, sieht aber seine Vergangenheit und seine Lese- und Schreibschwäche als unüberwindbare Hindernisse, um sich einer anderen Frau als Angie zu öffnen. Bei Sara sind die Familienverhältnisse im Grund genommen anders: Sie hat liebevolle Eltern und eine Schwester, die ihr gleichzeitig beste Freundin ist. Doch aufgrund der schlimmen Erlebnisse in Grant County liegt nun eine große räumliche Distanz zwischen Sara und ihrer Familie. Auch sie würde sich, ähnlich wie wohl Will, eine eigene Familie wünschen: Doch sie kann – nachdem sie vor Jahren vergewaltigt worden war – keine Kinder mehr bekommen. Und Faith? Auch bei ihr gibt es keine Familie im klassischen Sinne: Sie hat ihren Sohn weitgehend allein (zumindest ohne Partner) aufgezogen. Und für ihr zweites Kind sieht es ganz ähnlich aus. Mütter sind auch zwei der weiblichen Opfer in der Geschichte. Doch auch für sie , für alle vier Frauen, gilt ähnliches wie für Faith: Keine hat einen Partner, keine hat eine Familie, die ihr Geborgenheit gibt.
6. Erzählweise ************************ Slaughter hat eine ähnliche Erzählweise wie viele Krimi- bzw. Thriller-Autoren: Sie beginnt „Undone“ zunächst an der Seite des älteren Ehepaars, das Anna anfährt. Man hat es also mit einem Paukenschlag zu tun, bei dem man gleich eines der Opfer kennen lernt. Im weiteren Verlauf der Geschichte bleibt die Autorin meistens an der Seite einer ihrer drei Hauptfiguren (Sara, Will und Faith). Zwischenzeitlich begleitet man aber auch Pauline, eines der Opfer. Insgesamt ist die Art, wie Slaughter ihre Geschichte aufbaut und erzählt gut, aber aus meiner Sicht nicht optimal. Ich mag es grundsätzlich lieber, wenn ich an der Seite meiner Lieblingsfiguren bleiben kann. Wenn ich ihr Schicksal mitverfolge, übt das auf mich eine Sogwirkung aus, wenn ich dagegen an der Seite von eher uninteressanteren Charakteren (z.B. Pauline) bin, bremst das meinen persönlichen Lesefluss aus.
7. Lesbarkeit der englischen Fassung ************************************************* Meine Stammleser wissen es ja: ich lese recht oft und gerne englischsprachige Bücher. Im Fall von „Undone“ ging es mir so, dass ich gar nicht richtig bemerkt habe, dass es in einer anderen Sprache geschrieben ist. Das spricht für den Schreibstil von Slaughter. Die Sprache, ihre Art, die Geschichte zu erzählen, ist auch für deutsche Leser (mit guten Englischkenntnissen) sehr flüssig und eingängig. Meine einzige Schwierigkeit war der Titel, ansonsten habe ich kein einziges Mal ein Lexikon zur Hand genommen. Grundsätzlich gilt: Es ist natürlich immer eine Frage des persönlichen Gefühls, ob man sich an Bücher in anderen Sprachen heran traut. Ich persönlich würde jedem, der ordentliche Sprachkenntnisse (aus der Schule, durch Aufenthalte in englischsprachigen Ländern, durch Freunde, die Englisch als Muttersprache haben) besitzt, empfehlen, immer mal wieder auch Bücher auf Englisch zu lesen. Karin Slaughters „Undone“ eignet sich da wirklich gut.
8. Zielgruppe ********************** „Undone“ ist natürlich ein Buch n für Fans von Karin Slaughters Romanen. Für die ist es sicher sogar ein muss. Ich kann diese Geschichte aber auch allen empfehlen, die einfach nur gerne gute Krimis bzw. Thriller lesen und es mögen, wenn neben dem eigentlichen Kriminalfall auch die Geschichte der Ermittler weiter erzählt wird. Wer noch keine Slaughter-Romane kennt, sollte meiner Meinung nach zwar am besten mit den frühen Werken, sprich mit Blindsighted (deutscher Titel Belladonna) anfangen. Wer keinen großen Wert auf Reihenfolge legt, kann natürlich auch direkt mit „Undone“ starten. Vom Alter und Geschlecht würde ich die Leserschaft nicht eingrenzen. „Undone“ ist weniger brutal als manche Folgen aus der Grant-County-Reihe, insofern können auch jüngere Leser meiner Meinung nach einigermaßen bedenkenlos diesen Roman verschlingen.
9. Daten zum Buch ********************* Karin Slaughter – Undone (laut Verlag Teil der Grant-County-Reihe, auch wenn der Roman in Atlanta spielt und nur einer der Grant-County-Charaktere wieder auftaucht) Gebundene Ausgabe: 448 Seiten, Verlag: Delacorte Press (14. Juli 2009), ISBN-10: 0385341962, ISBN-13: 978-0385341967 Noch zwei Anmerkungen: 1. Die Ausgabe: Es handelt sich hier um ein gebundenes Buch. Doch die Qualität ist meiner Meinung nach schlechter als bei vielen deutschen Hardcover-Ausgaben. Das Papier erscheint mir billiger (es wellt schneller), der Druck weniger gut und klar. 2. Der Preis: Englischsprachige Romane unterliegen ja nicht der deutschen Buchpreisbindung, ein Preisvergleich lohnt daher. Lange Zeit habe ich zu den Leuten gehört, die Amazon einigermaßen blind vertraut haben. Das lag daran, dass ich Gutscheine für Amazon hatte und daran, dass Amazon vorübergehend eine Tiefpreisgarantie bot. Inzwischen kaufe ich meist bei Amazon. Dort kostete dieser Roman 16.46 Euro, bei Amazon war er für 18,29 Euro zu haben.
10. Pro & Contra ************************* Pro: - Aufeinandertreffen von Linton und Trent/Mitchell - Weiterentwicklung der Figuren - Slaughter erspart den Figuren keine Schicksalsschläge - interessant zu lesen
Contra: ?
11. Fazit ****************** Für Fans der amerikanischen Autorin Karin Slaughter ist „Undone“ wahrscheinlich ein Muss, für alle anderen ist es ein durchaus empfehlenswerter Krimi-Thriller. Interessant ist, dass Slaughter die Figuren ihrer Erfolgsserien aufeinandertreffen lässt: Sara Linton aus der Grant-County-Reihe bekommt es mit dem Ermittlerduo Will Trent und Faith Mitchell aus Atlanta zu tun. Alle drei zentralen Charaktere haben sich weiter entwickelt. Gut und realistisch ist dabei, dass Slaughter ihren Figuren keine Schicksalsschläge erspart. In einem „Brief an die Leser“ schriebt sie auf ihrer Internetseite, wie sie selber manchmal mit den Dingen hadert, die sie als Autorin ihren Figuren „antut“. Doch gerade weil auch Sara, Will und Faith Rückschläge aushalten müssen, wirken sie lebendig. Der Kriminalfall in „Undone“ ist für mich eher zweitrangig. Und er fällt vielleicht etwas weniger gewaltig aus als manche anderen Mordfälle in den Slaughter-Romanen. Doch das ist kein wirkliches Manko. Ich kann „Undone“ empfehlen und vergebe alle fünf Sterne.
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