Erfahrungsbericht über "Unsere Vogelsucht / Karin Herter"

veröffentlicht 30.11.2010 | mima17
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Über sich :
Nur noch 25 Titel in der Kategorie Hörspiel - Kahlschlag! +++ Bericht Nr. 4920 online : "HOBBIT-Chroniken 2" (Buch). +++ LG
Sehr gut
Pro sehr informativ, unterhaltsam, persönlich gehalten, FAQ, professionell fotografiert
Kontra gibt's noch nicht im Publikumsverlag, eine Falschschreibung ("Fehe" statt "Fähe"), kein Index
sehr hilfreich
Aufmachung
Niveau

"Fotogen und lehrreich: 53 Vogelarten in Bild und Wort"

Unsere Vogelsucht / Herter, Karin

Unsere Vogelsucht / Herter, Karin

Nach ihrem Buch „Unsere Insektensucht“ legt die Naturbeobachterin Karin Herter mit „Unsere Vogelsucht“ ihr zweites Buch vor. Wieder gibt ihr Buch einen kleinen Einblick in die Vogelwelt rings um Bensheim und seine Umgebung, darunter auch streng geschützte Arten, vom Sing- bis zum Greifvogel. Beeindruckende Nahaufnahmen unserer gefiederten Freunde machen das Buch optisch zu einem Leckerbissen.

Die Autorin
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Karin Herter wurde 1945 in Leipzig geboren. Seit über 50 Jahren lebt sie in Bensheim an der Bergstraße. Die Hausfrau ist verheiratet, hat zwei Kinder und vier Enkel. Seit 25 Jahren beobachtet sie die Natur um sie herum und hat darüber mit ihrer Tochter Christine Rettig bereits das Buch „Unsere Insektensucht“ veröffentlicht. Ihre weiteren Hobbys sind: Malen, Handarbeiten, Reisen und die Veröffentlichungen von Reiseberichten.

Inhalte
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Nach dem detaillierten Inhaltsverzeichnis, das alle beschriebenen Arten aufführt, folgt eine kleine Einführung ins Thema. Hier ist schon die Rede von den geheimnisvollen Landschaften rings um Bensheim, die den Vögel Schutz und Lebensraum bieten: „Erlache, Fürstenlager, Tongruben, Bensheimer Badesee“. Allerdings findet man die Beschreibung dieser Orte erst auf Seite 122.

Beschreibungen

Anhand eines Buntspechts erklärt die Autorin die verschiedenen Körperteile eines Vogels, so dass man weiß, wovon sie schreibt. Denn die Autorin legt in den nun einsetzenden Beschreibungen ein umfangreiches Fachwissen an den Tag, das von der Lebensweise und den Lebensräumen bis hin zu den geschlechterspezifischen Unterschieden der einzelnen Arten reicht.

Offensichtlich haben wir es mit einer extensiv belesenen Autorin zu tun. Sie erwähnt auch bei jeder Art, ob es sich um eine vom Naturschutzbund zum „Vogel des Jahres“ erklärte Vogelart handelt. So macht der Leser intime Bekanntschaft mit nicht weniger als 53 Vogelarten. Das sind über 20 Prozent der überhaupt in Deutschland brütenden Vogelarten. Wer hätte gedacht, dass es in Bensheim solchen einen Artenreichtum gibt!

Begegnungen

Der Beobachter gehört in diesem Buch mit zum Dargestellten. Wie sonst ließe sich der Zusatz „-sucht“ erklären? Es macht Spaß und ist zuweilen bewegend, wie die Autorin und ihre Tochter die Begegnung mit den Vögeln erleben. Christine Rettig lockte beispielsweise einen Buntspecht an, bis er sich daran gewöhnte, bei ihr seine Nüsse zu holen.

Aber die Natur ist kein Disneyland. Man darf sich nicht einmischen, wenn die Natur ihren eigenen Gesetzen folgt. Wenn die eine Art die Nester der anderen ausräumt, so ist dies bedauernd hinzunehmen. Zwar kann man einen verletzten Vogel – kostenfrei übrigens – zum Tierarzt bringen und dort pflegen lassen, doch sollte man sich nicht wundern, wenn er schon am nächsten Tag in die ewigen Jadgründe eingeht.

Auch Greifvögel wie den Habicht kann es mal böse erwischen. Doch man sich mit dessen scharfen Krallen nicht anlegen, wenn man ihn aus einem Maschendrahtzaun befreien will. Das Federvieh hat seine eigenen Methoden, sich zu befreien. Besser, man lässt die Finger darauf, korrigierend einzugreifen

Die Sache mit dem Fuchs begann, als eines Morgens das Vogelhaus auf dem Boden lag. Vögel sind im allgemeinen nicht stark genug, solch eine Konstruktion umzuwerfen. Der Übeltäter war ein Fuchs, genauer eine Füchsin oder Fähe. Sie kletterte sogar ganz frech in das wieder aufgestellte Vogelhäuschen hinein, um an den gefüllten Fressnapf zu gelangen.

Fotos

Einer der faszinierendsten Aspekte dieses Buches sind sicherlich die gestochen scharf aufgenommenen und reproduzierten Fotografien. Nicht nur hat die Fotografin Christine Rettig – in Ausnahmefällen auch die Autorin – in der Regel beide Geschlechter sowie den Jungvogel einer Art aufgenommen. Sie tut dies auch auf eine abwechslungsreiche Weise, indem sie Nah- und Fernaufnahmen mischt.

Mancher Vogel ist am Rande der Reichweite eines Teleobjektivs eingefangen worden, weil es sich um eine sehr scheue Art handelt, etwa die Nilgans. Andere Arten toben sich hingegen am heimischen Vogelhäuschen vor dem Haus aus, so etwa vorwitzige Krähen. Der Bildausschnitt verrät ein Auge für die Proportionen eines Bildes. Verblüffend etwa auch die Aufnahme eines Graureihers neben einem Schornstein.

Diese Fotos sind fürs Lehrbuch geeignet: In der jeweiligen Bildunterschrift ist neben der deutschen Bezeichnung stets auch die lateinische Bezeichnung der Ornithologen vermerkt. Nur ab und zu habe ich das entsprechende Foto für eine Vogelart, die im Text erwähnt wird, vermisst, so etwa vom Schwarzen Milan, einem eleganten Segler. Nach Auskunft der Autorin waren die entsprechenden Bilder der Fotografin allerdings nicht gut genug.

Anhang

Neben der obligatorischen Danksagung und einigen persönlichen Begründungen für das Schreiben dieses Buches findet der Leser auch eine Art FAQ vor: häufig gestellte Fragen. Es ist kein Glossar, sondern eine Reihe von allgemeinen Fragen, die die Autorin so einfach und so korrekt wie möglich beantwortet, allerdings ohne wissenschaftlichen Anspruch. Statt des fehlenden Stichwortregisters sollte der Leser das Inhaltsverzeichnis nutzen, um bestimmte Angaben zu finden.

Unterm Strich
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Die Autorin ist seit Jahrzehnten eine leidenschaftliche Naturbeobachterin, und das merkt man auch ihrem zweiten Buch an. Im Vordergrund steht die Beschreibung einer der 53 beobachteten Vogelarten, sachlich, tiefgehend und kundig, aber wie stets ohne wissenschaftlichen Anspruch. Die Beschreibungen werden in der Regel von einem oder mehreren ausnehmend gut gestalteten und reproduzierten Fotos begleitet.

Manchmal hat sich die Beobachterin hinreißen lassen, von ihren Erlebnissen und denen ihrer Familie zu erzählen. Dies sind die interessantesten Textstellen, denn sie erzählen stets eine besondere Geschichte und gewähren Einblick, warum die Naturbegegnung stets so abwechslungsreich und aufregend sein kann. So kann sich der Leser in die Lage dieser Entdeckerin versetzen und fühlt sich vielleicht angespornt, es ihr gleichzutun – oder der Leser infiziert seine Kinder mit dem Bazillus der Naturbeobachtung.

Ich hätte die Nebentexte wohl anders angeordnet, so etwa die Beschreibung der Locations von Seite 122 nach vorne gezogen (oder ist das etwa als langer Spannungsbogen gedacht?). Außerdem hätte ich Verzeichnis von weiteren Informationsquellen angelegt, wenn schon kein Stichwortverzeichnis das Buch abrundet. Der Leser ist auf das Inhaltsverzeichnis angewiesen, um bestimmte Angaben zu finden.

Genug gemäkelt! Für knapp 15 Euronen erhält der Leser ein kleines Entdeckerbuch, das nicht nur für die Gegend um Bensheim hilf- und lehrreich sein dürfte. Der Bezug dürfte durch die Autorin Karin Herter und den Hersteller Printlogistik Bensheim gesichert sein. In Bensheim findet man das Buch auch im Buchladen, wie mir ein Foto der Autorin zeigte.

Fazit: vier von fünf Punkten.

Michael Matzer © 2010ff

Info: 2010; 140 Seiten, Preis: 14,95 EU; keine ISBN. Herstellung: Printlogistik, Bensheim.

Community Bewertungen

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • t.schlumpf veröffentlicht 16.12.2010
    Eisige Wintergrüße!
  • Quasseltante veröffentlicht 11.12.2010
    BH & LG
  • Brandung veröffentlicht 09.12.2010
    sehr hilfreich
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Produktbeschreibung des Herstellers

Haupteigenschaften

Autor: Karin Herter

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