Über sich:Wow, ein Klunker für meinen Jubiläumsbericht, ich freu mich wie Sau! +++ Gerade jetzt zeigt sich, wi...
Mitglied seit:14.10.2000
Erfahrungsberichte:3024
Produktvideos:28
Vertrauende:1019
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 136 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo liebe Leserinnen und Leser!
Heute wird es wieder einmal Zeit für einen weiteren Bericht aus meiner Reihe über die "Classic Monster Collection". Diesmal handelt es sich um den Streifen "Der Unsichtbare" aus dem Jahre 1933, viel Spaß bei den folgenden Zeilen...
| ° Story |____________________
In das kleine Gasthaus "The Lion's Head" kommt im tiefsten Winter ein bis unter die Hutkrempe vermummter Mann, der Wissenschaftler Jack Griffin (Claude Rains) und bittet um ein Zimmer. Nichts an ihm ist erkennbar, selbst im Gesicht ist er bandagiert, er trägt einen langen Mantel und Handschuhe. Die Wirtsleute Jenny Hall (Una O'Connor) und ihr Mann Herbert (Forrester Harvey) nehmen ihn dennoch auf, sind aber von seinem arroganten und überheblichen Auftreten alles andere als begeistert. Als er nach einer Woche immer noch nicht für sein Zimmer gezahlt hat und am liebsten den ganzen Tag abgeschieden in seinem Zimmer an einem wissenschaftlichen Experiment sitzen würde, wird es den Wirtsleuten zu unheimlich und sie möchten ihren Gast bitten zu gehen.
Doch die Situation eskaliert und man ruft die Polizei, doch auch diese kann nicht viel ausrichten, denn Griffin ist durch seine Experimente unsichtbar geworden. Hat er sich entkleidet und die Bandagen vom Gesicht genommen, kann er von niemandem mehr gesehen werden. So kann er auch aus dem Wirtshaus entkommen und findet Zuflucht bei Dr. Kemp (William Harrigan), seinem Kollegen und Forschungsassisten beim Wissenschaflter Dr. Cranley (Henry Travers). Ihm offenbart Griffin das Geheimnis seiner Unsichtbarkeit und dass er bislang noch kein Gegenmittel gefunden hat.
Er hat große Pläne und strebt die Weltherrschaft an, die er mit Hilfe seiner Unsichtbarkeit erlangen möchte. Zudem hat Griffin schon einige Verbrechen begangen und schreckt auch vor weiteren Gewalttaten nicht zurück. Diese irren Pläne jedoch ängstigen Kemp, da Griffins Geist offenbar verwirrt ist und so ruft er die Polizei. Doch wie kann man einen Unsichtbaren fangen?
| ° Umsetzung |____________________
Zu Grunde lag der Verfilmung von "The invisible Man" aus dem Jahre 1933 der gleichnamige Roman von H.G. Wells, der als dessen zweiter Roman ursprünglich 1897 veröffentlicht wurde. Universal erwarb die Rechte an der Verfilmung, Wells bestand jedoch darauf einen gewissen Einfluss auf das Projekt zu haben, da die erste Verfilmung eines seiner Werke (Die Insel der verlorenen Seelen) nicht so ganz seinen Vorstellungen entsprach und sich auch inhaltlich zu sehr von der Vorlage entfernte. Aus
Bilder von Unsichtbare, Der
Das Kinoplakat
diesem Grund wurden für das Drehbuch zu "Der Unsichtbare" etliche Drehbuchautoren von Universal hinzugezogen die alle ihr eigenes Script zu dem Film ablieferten, letztlich entschied man sich für die Variante von R.C. Sherriff, die dem Original am nähesten war. Regie führte wie auch schon beim Kassenschlager "Frankenstein" kein geringerer als James Whale und so war es nicht verwunderlich, dass man eigentlich Frankenstein-Darsteller Boris Karloff für die Rolle des Unsichtbaren im Hinterkopf hatte. Doch dieser sagte ab und so entschied man sich nach langen Überlegungen für den bislang unbekannten Claude Rains. Dieser stammte aus London und hatte zuvor erst einen einzigen Film abgedreht, die UK-Produktion "Build thy House" aus dem Jahre 1920. Obwohl er zuvor schon Testaufnahmen Universal absolviert hatte, kritisierte man den ehemaligen Bühnendarsteller immer für seine übertriebene Art und Weise des Spielens. Jedoch war es seine hypnotisierende Stimme, die James Whale auf Rains aufmerksam werden ließ, immerhin war der Unsichtbare ja alleine schon dem Namen nach einen Großteil des Films unsichtbar und sollte nur durch seine Stimme präsent sein.
Und in der Tat, Rains ist zwar nehazu den kompletten Streifen über entweder gar nicht oder nur in Bandagen gehüllt zu sehen, doch er drückt "The invisible Man" gerade mit seiner markanten Stimme seinen eigenen Stempel auf. Dabei mag sein Spiel in der Tat etwas übertrieben wirken, aber man muss auch bedenken, dass er einen durch den Einsatz von Drogen langsam verrückt werdenden Wissenschaftler darstellt und genau aus diesem Grund passt auch seine wilde Gestik und seine laute Artikulation nahezu perfekt zu seiner Rolle. Da im Prinzip jeder Horrorstreifen der damaligen Zeit eine hübsche Frau erforderte, wurde dem Wissenschaftler Griffin übrigens Gloria Stuart (u.a. "The old dark House") als seine Verlobte Flora an die Seite geschrieben, die als "alte Rose" in James Cameron's "Titanic" 1997 sogar noch eine Oscar-Nominierung einheimsen konnte. Neben Claude Rains verblasst sie aber und stellt eher ein hübsches Beiwerk als einen wirklich essentiellen Beitrag zum Film dar, wenngleich ihre Rolle dem Unsichtbaren mehr Leben und Dramatik verleihen soll.
Als Dr. Kemp spielt William Harrigan überzeugend Griffin's Gegenpart, auch Henry Travers gibt einen mehr als passablen Wissenschaftler ab. Herausragend aber eine andere Rolle, der leider nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird: Unna O'Connor als die Wirtsfrau Janny Hall. Die 1880 in Belfast geborene Irin bringt den Zuschauer mit ihrem überzogenen und oftmals nahezu hysterischen Spiel immer wieder zum Schmunzeln und genau das war es, was Regisseur Whale so an O'Connor mochte. Leider durfte sie oft nur Nebenrollen bekleiden, wie die der Minnie in "Frankenstein's Braut" oder als Zofe der Maid Marian in "The Adventure of Robin Hood" (wo übrigens auch Claude Rains mitwirkte, hier als "Prince John"), ihre letzte Rolle war zwei Jahre vor ihrem Tod die der Janet McKenzie in dem Billy Wilder-Streifen "Witness for the Prosecution" mit Marlene Dietrich aus dem Jahre 1957. In einer kleinen Rolle als Reporter ist übrigens auch Dracula-Gehilfe "Renfield" Dwight Frye zu sehen.
Aber es waren weder die Schauspieler noch die an sich recht simple gestrickte Geschichte, die "Der Unsichtbare" zu einem derart wegweisenden (und heute leider oft vergessenen) Klassiker machten, sondern in erster Linie die zur damaligen Zeit schier unglaublichen Special Effects. In etlichen Szenen sieht man den Unsichtbaren, wie er sich die Bandagen vom Kopf wickelt und tatsächlich einfach "nichts" darunter ist, wie er vor dem Auge des Zuschauers verschwindet. Er legt den Mantel ab, zieht die Hosen aus, in der nächsten Szene sehen wir sein Hemd ohne Hände, später nur noch das Hemd oder ein anderes Mal eine einsame Hose die Straße entlang laufen. Bücher schweben auf das Fensterbrett, ein Fahrrad wird von unsichtbarer Hand nach der aufgebrachten Menge geworfen, ein scheinbar schwebender Hocker kracht auf einen Polizisten nieder - auch wenn sie mit heutiger Computertechnik nicht ganz mithalten können, so sind die Effekte auch heute noch überzeugend und sehen einfach gut aus.
Hinzu kommen Fußstapfen im Schnee, umherwirbelndes Heu und Rauch - man muss den Film einfach gesehen haben, um sich von der 1933 revolutionären Technik zu überzeugen. Vor allem die Szene, in der sich Griffin vor dem Spiegel sitzend die Bandagen abnimmt ist schlicht und ergreifend phänomenal! Nicht nur deswegen ist der Streifen auch aus heutiger Sicht noch unterhaltsam, auch wurden im Vergleich zum Buch von Wells teils recht böse und satirische Züge in das Script mit eingebaut. Immerhin war es damals bislang nicht üblich gewesen, dass am Ende keiner der Protagonisten die schöne Lady bekommt, aber ich möchte ja nicht zuviel von der Story verraten. Und selbst manch aufkommende Frage (Was ist, wenn der Unsichtbare etwas isst?) wird für den Zuschauer logisch erklärt (was man ja in modernen Filmen gerne mal außer acht lässt).
In jedem Fall bietet "Der Unsichtbare" ein kurzweiliges Filmvergnügen, wenngleich (oder gerade weil?) er eben kein typischer Horrorstreifen ist, sondern meiner Meinung nach eher in die Science Fiction-Richtung gehört. Gesehen haben sollte man ihn aber auf jeden Fall.
| ° Infos |____________________
Titel: The invisible Man Originaltitel: Der Unsichtbare Regie: James Whale Drehbuch: R.C. Sherriff Darsteller: Claude Rains, Gloria Stuart, William Harrigan, Henry Travers, Una O'Connor, Forrester Harvey, Dwight Frye, etc. Land: USA, 1933 Länge: 71 min. FSK: 16
| ° DVD |____________________
- Bildformat: 4:3 - Format: Dolby, HiFi Sound, PAL - Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0) Englisch (Dolby Digital 2.0)
Die DVD selbst ist zu einem Preis von etwa 12,99 € einzeln zu erwerben oder als eine von sieben weiteren in der sogenannten "Classic Monster Collection", eine Art Box-Set in Sargform (mittlerweile vergriffen). Sie bietet den Film mit restauriertem Bild und Ton, was sich gerade im Vergleich zu anderen Filmen aus dieser Zeit auch deutlich bemerkbar macht. Leider fehlen auf dieser DVD jedoch der Original-Kinotrailer, der bei den anderen Streifen der "Classic Monster Collection" stets enthalten war. Das ist zwar an sich nur ein kleiner Kritikpunkt, schade ist es aber trotzdem.
Wir müssen uns deswegen mit den in der Fotogalerie enthaltenen Kinoplakaten zufrieden geben, die dort neben einigen Bildern aus dem Film selbst zu sehen sind. Desweiteren beinhaltet der Silberling noch einen Audio-Kommentar des Filmhistorikers Rudy Behlmer. Dieser führt uns auch in die 35-minütige Dokumentation "Jetzt siehst Du ihn - Der Unsichtbare wird enthüllt" ein. Hier wird dem Zuschauer vor allem ein umfassender Einblick in die Arbeit von James Whale erlaubt, bei der auch "Gandalf" Ian McKellan zu Wort kommt, der in dem Streifen "Gods and Monsters" den Regisseur mimte. Auch das Leben und Schaffen von Claude Rains wird beleuchtet und die Dokumentation ist mehr als interessant. Zudem rundet sie den Silberling passend ab.
| ° Fazit |____________________
Es ist schade, dass "Der Unsichtbare" in der heutigen Zeit fast in Vergessenheit geraten ist, denn wir haben es hier mit einem wahren Klassiker zu tun. Die Effekte sind für damalige Verhältnisse revolutionär, die schauspielerischen Leistungen sind überzeugend und man wird während des gesamten Streifens gut unterhalten. Zudem überzeugt das Bonusmaterial nicht zuletzt wegen der gelungenen Dokumentation und somit gibt es von meiner Seite aus volle fünf Sterne.
In diesem Sinne...
Stay Dark!
The-Invisible-Master
PS: Alle Freunde des schnellen Klicks sollen von einem schwebenden Hocker erschlagen werden... ;)
Ich sehe gerade, da ist ja auch ein Bericht zu der Serie, die ich schon in meinem "Hollow Man" Kommentar ansprach. Ich wußte aber nicht, daß die schon sooo alt ist. LG
01.09.2007 23:17
Schöner Bericht. Ich wünsche Dir ein erholsames Wochenende. GLG von Nadine :-)
15.03.2005 21:32
Ich sehe gerade, da ist ja auch ein Bericht zu der Serie, die ich schon in meinem "Hollow Man" Kommentar ansprach. Ich wußte aber nicht, daß die schon sooo alt ist. LG
09.03.2005 03:45
1933 gab es schon Fernsehen? *frechlach* LG Asmodina