Monster Classics: Der Unsichtbare
20.08.2005
Pro:
Ebenso gestörte wie geniale Darstellung des Unsichtbaren von Claude Rains, die Effekte wissen auch heute noch zu überzeugen
Kontra:
Ein paar Szenen wirken übertrieben und dadurch lächerlich, aber das ist nicht weiter wichtig
Empfehlenswert:
Ja
 Realjackass
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So, nun ist es endlich soweit! Gestern, dem 19 August kam endlich meine langerwartete "The Monster Legacy DVD Collection", die insgesamt 18 (!!) Horror und Gruselklassiker beinhaltet. Seit langem wiedermal habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind, denn alleine schon die Aufmachung dieser Collection macht verdammt viel her: Durch eine Art Guckloch an der Vorderseite kann man stabile und handbemalte Büsten der drei größten Horrorikonen bewundern: Dracula, Frankenstein und den Wolfmenschen. Alles wirklich sehr schön präsentiert und verpackt, so macht das vorsichtige Öffnen einer Box wie dieser Spaß! Folgende Filme sind in der Collection vorzufinden: Dracula (1931) mit Filmmusik von Philip Glass, Dracula (1931) in der spanischen Originalfassung, Draculas Tochter (1936), Draculas Sohn (1943), Draculas Haus (1945), Frankenstein (1931), Frankensteins Braut (1935), Frankensteins Sohn (1939), Frankenstein kehrt wieder (1942), Frankensteins Haus (1945), Der Wolfsmensch (1941), Frankenstein trifft den Wolfsmenschen (1943), Der Werwolf von London (1935), Die Werwölfin von London (1946), Der Schrecken des Amazonas (1954), Der Unsichtbare (1933), Phantom der Oper (1943), Die Mumie (1932).
Wer jetzt der Meinung ist, dass das nicht gerade wenig Filme sind, der hat natürlich Recht! Nichtsdestotrotz werde ich in den kommenden Tagen bzw. Wochen versuchen, keinen dieser Klassiker ohne einen Bericht dastehen zu lassen. Wünscht mir Glück, dass ich das schaffe. Den Anfang machen soll heute James Whale´s "Der Unsichtbare" aus dem Jahre 1933. Warum ich mir diesen Film von allen als erstes angesehen habe? Nun, seit ich "Hollow Man" mit Kevin Bacon kenne, hat es mir das Thema Unsichtbarkeit in Filmen sehr angetan. Ob dieser Film, der schon über 70 Jahre auf dem Buckel hat, den beinamen Horrorklassiker verdient, erfahrt ihr jetzt.
Story ----------------------- Der junge und brillante Wissenschaftler Jack Griffin (Claude Rains) arbeitet schon lange heimlich an einer Formel, die es ihm ermöglichen soll, unsichtbar zu werden. Nach vielen, vielen Tagen der Geheimniskrämerei hat Griffen es endlich geschafft, er ist unsichtbar! Doch eines hat selbst dieser intelligente Mann dabei vergessen - die Formel, die ihn wieder sichtbar macht. Um Doctor Cranley (Henry Travers), in dessen Haus er arbeitet und Flora Cranley (Gloria Stuart), die Tochter des Doctor´s und Jacks´s Geliebte, keine Schwierigkeiten zu machen, beschließt Jack, für ein paar Tage weg zu fahren, um irgendwo abgeschieden arbeiten zu können.
Allerdings gibt es da ein Problem: Durch Jack´s Unsichtbarkeit ist er genötigt, sich einen Kopfverband anzulegen und eine Sonnenbrille
Bilder von Unsichtbare, Der
aufzusetzen. Mit diesem Outfit erscheint er in irgend einer Kneipe in irgend einem abgelegenen Dorf und bittet um ein Zimmer, was ihm natürlich gleich das Misstrauen der dort trinkenden Gemeinschaft einbringt. Sofort kommt das Gerücht auch, der scheinbar entstellte Mann sei aus dem Gefängnis geflohen. Jenny Hall(Una O'Connor), Frau des Wirtes, die Geld aber immer gebrauchen kann, gibt Jack trotzdem ein Zimmer, der darum bittet, nicht gestört zu werden.Diese bitte zu erfüllen fällt der neugierigen Wirtsfrau allerdings nicht leicht, sie findet immer neue Gründe, in das Zimmer des Wissenschaftlers zu platzen, der dort seine Experimente in Ruhe durchzuführen versucht. Irgendwann reißt ihm dann der Geduldsfaden, er schreit die Wirtin an und schlägt ihr das Tablett mit Essen aus der Hand. Diese bittet daraufhin ihren Gatten Bill (Forrester Harvey), den wahnsinnigen rauzuschmeißen. Dieser versucht das zwar, bezahlt dies aber mit einem fast tödlichen Sturz von der Treppe.
Natürlich geht man sofort entsetzt zur Polizei, der "Mörder" müsse schließlich dingfest gemacht werden. Jack allerdings hat andere Pläne und rächt sich in unsichtbarer Gestalt erstmal an den Bürgern des Dorfes für ihr Misstrauen. Das hat eine große Suchaktion der Polizei zur Folge, die aber nicht verhindern können, dass der mittlerweile dem Wahnsinn verfallenen Jack immer mehr Menschen umbringt.. Kann er gestoppt werden?
Schauspieler -------------------------------- Der aus London stammende Claude Rains ist hier in seiner ersten, richtigen Hauptrolle zu sehen. Obwohl.. zu sehen? Mehr oder weniger. Den Schauspieler selbst sieht man nur für ein paar Sekunden, den Rest des Flms über steckt Rains in seiner Verkleidung. Gerade das überzeugt einen so von den Qualitäten dieses Mannes: Er konnte nicht auf Mimik, sondern nur auf seine Gestik und seine Stimme zurückgreifen, die einen, um es mal so zu sagen, erschaudern lassen kann (an dieser Stelle empfehle ich auch, mal kurz in die englische Tonspur reinzuhören.) Was mich an dem Charakter des Unsichtbaren überrascht hat, war sein gnadenloses Verhalten - er tötet ungefähr 120 Menschen (!). Natürlich sieht man das nicht und es wird auch nicht im Detaill darüber gesprochen, aber als ich das hörte, war ich schon verblüfft. Unerwartet auch die Szene, in der Jack einen Zug zum entgleisen bringt oder voller Schadenfreude einen ehemaligen Freund über die Klinge springen lässt. Die Begriffe Sadismus und Wahnsinn lassen sich onehin sehr gut mit dieser Person in einen Hut stecken was ich, ich kann es nur immer wiederholen, nicht erwartet hätte. Claude Rains, der später noch in Filmen wie "Casablanca" oder "Der Wolfsmensch" zu sehen war, liefert hier schlicht und einfach eine umwerfende Darstellung als wahnsinniger, der vor allem mit seiner Stimme zu arbeiten weiß. Alle anderen Schauspieler, wie etwa Gloria Stuart oder Henry Travers dienen nur dazu, die Handlung voranzutreiben, während William Harrigan als Doctor Kemp allerdings eine sehr wichtige Rolle hat. Er spielt den Wissenschaftler und ehemaligen Freund Jack´s, der sich seit dessen Verschwinden in Flora verliebt hat. Als Jack eines Abends vollkommen unvorbereitet in seinem Zimmer sitzt und ihn zwingt, mit ihm zusammen zu arbeiten, ist Kemp natürlich erst mal geschockt. Wer wäre das nicht? Denn der Unsichtbare hält sich in seinem Haus auf und sieht es als selbstverständlich an, dass Kemp mit ihm gemeinsame Sache machen wird - obwohl dieser das garnicht will. William Harrigan in der Rolle des Doctor Kemp schafft es sehr gut, eine gewisse Angst stets mit logischem Denken und Intelligenz zu verbinden, so dass er hervorragend in diese Rolle passt.
Daten zum Film ---------------------------------- Originaltitel: The Invisible Man Alternativtitel: El hombre invisible Land: USA (1933) Regie: James Whale Länge: ca. 68:07 Min. Freigabe: FSK 16 Indiziert: Nein @ Realjackass
Die beste Version ----------------------------------- "Der Unsichtbare" gibt es sowohl als Einzel DVD und zudem in der "Classic Monster Collection", die wiederum in der "Monster Legacy DVD Collection" enthalten ist. Letztgenannte Scheibe bietet im Gegensatz zur Single Disc Dolby Digital, das Bonusmaterial ist dafür auf beiden DVDs in etwa gleich.
Kritik ----------------------- Wie schon erwähnt, ist James Whale´s "The Invisible Man" der erste Film der Collection, den ich mir angesehen habe und deshalb war ich im Voraus auch etwas besorgt, dass mir der Film vielleicht nicht gefallen würde, weil ich mich erst noch an das Alter gewöhnen müsste. Dem war aber nicht so! Ich kann sogar mit Fug und Recht behaupten, dass mich dieser Klassiker weitaus besser unterhalten hat, als viele neuartige Filme. Auch "Hollow Man" aus dem Jahr 2000 wird von diesem klar geschlagen!
Es macht einfach Spaß mit anzusehen, wie der vermummte Professor, dessen Geheimnis man als Zuschauer natürlich kennt, in das Dorflokal kommt und gleich von allen komisch angestart wird. Man ahnt natürlich, dass das bald eskalieren wird und freut sich schon darauf. Als der Wirt dann von Jack Griffin angeschrien und die Treppe runtergestoßen wird, hat das einen höheren Unterhaltungswert, als ihn viele heutige Produktionen vorweisen können und das ist keinesfalls übertrieben! So geht das ganze auch lustig weiter: Nachdem Jack sich seiner Kleider entledigt hat, ist er für alle anderen unsichtbar und kann deshalb seine Späße mit ihnen treiben: Ein Fahrrad fährt scheinbar alleine davon, einem alten Mann wird sein Hut vom Kopf gerissen und in einen nahegelegenen Teich geworfen und viele solcher Dinge mehr. Dass Jack aber auch andere Pläne hat, als Streiche zu spielen, wird klar, als er ohne gewissensbisse einen Mann erwürgt und einen anderen mit einem Stuhl erschlägt. Zudem lässt er einen Zug entgleisen, wodurch über 100 Menschen ums Leben kommen. Ein Punkt der mich zudem zu überzeugen wusste, war, dass Jack viele Dinge als unsichtbarer Berücksichtigen muss. Nachdem er zum Beispiel eine Mahlzeit zu sich genommen hat, muss er zuerst eine Stunde warten, bis dass gegessene verdaut wurde, da es ihn sonst verraten würde. Außerdem kann er von Ruß verraten werden, der sich in besonders schmutzigen Städten auf ihm absetzt, was natürlich auch für Schnee und Regen gilt. Das wurde in "Hollow Man" zwar auch berücksichtigt, aber bei weitem nicht so sehr wie hier.
Was mich persönlich auch des öfteren zum Erstaunen gebracht hat, waren die Special Effects, die locker noch mit einigen heutigen Produktionen mithalten können. Für den Unsichtbarkeits-Effect wurde jede Stelle, die später nicht mehr zu sehen sein sollte, mit schwarzem Samt bedeckt und anschließend drehte man vor schwarzem Hintergrund. Einfach, möchte man meinen, aber definitiv effizient! Nie könnte man meinen, dass der Film schon 70 Jahre alt ist. Da rennt ein Hemd alleine durch die Gegend, wird ein Fahrrad von einem unsichtbaren Gefahren, bewegen sich Zigarren von alleine durch die Luft und viele solcher Dinge mehr. Was sich für heutige Verhältnisse so selbstverständlich anhört, war für die damalige Zeit revolutionär und weiß auch heute noch zu begeistern! Was manche Leute vielleicht stören könnte, ist die total verrückte Art und Weise wie der Unsichtbare von Claude Rains gespielt wird. Sein ständiges, absolut geisteskrankes Lachen und seine Schreianfälle ist aber gerade das, was diesen Charakter für mich ausmacht. Man muss bedenken, dass Rains nicht viele Möglichkeiten hatte, eine Person ohne Gesicht zu spielen, deshalb war diese Überdrehtheit die denkbar beste Alternative, auch wenn dadurch, zugegeben, ein oder zwei Szenen etwas ZU lächerlich daherkommen.
Fazit ---------------------- Es dürfte absolut klar sein, dass dieser Film heutzutage niemanden mehr gruseln oder schockieren wird. Das ändert aber nichts daran, dass die wirklich sehr gut gemachten Effekte auch nach über 70 Jahren ihre Wirkung nicht verfehlen und einen vor allem in Anbetracht des Alters von "Der Unsichtbare" mehr als nur staunen lassen. Hinzu kommt eine konsequent erzählte Geschichte, die durch ihre geringe Gesamtlaufzeit keine einzige Länge aufweist, d.h nicht langweilig wird. Ein absolut geisteskrank spielender Claude Rains rundet das klassische Filmerlebnis ab, dass von keinem verpasst werden darf, der sich für ältere Grusel und Horrorfilme interessiert! Sollte jeder Film aus der "Monster Legacy DVD Collection" so überzeugen wie es "Der Unsichtbare" tut, darf ich mich in der nächsten Zeit auf jede Menge super Filme freuen!
Eindeutige 9/10 Punkte und eine Empfehlung! Mfg Realjackass
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09.09.2005 12:22
Diese Kollektion muss ich haben!
31.08.2005 22:36
Die Monster Legacy Collection steht bei mir auch schon länger auf meiner Wunschliste, is ja aber auch wirklich n edles Teil :-) Aber muss hier bei mir zuerst mal richtig ausmisten, damit die auch nen würdigen Platz kriegt, will ja auch die Büsten nicht irgendwo verstauben lassen :-) Dein Bericht motiviert mich jetzt gleich wieder etwas, endlich mal das ganze anzugehen^^ Gruss, Beat
23.08.2005 10:16
Die Vorlage von H.G. Wells ist für mich eine Studie in Terrorismus - siehe meinen Bericht dazu. Der Film kommt nur stellenweise daran heran, z.B. durch die Zugentgleisung. +++ Sehr gute Beschreibung. VG, mima