Erfahrungsbericht über

Unter dem Moskitonetz / Elizabeth Dunkel

Gesamtbewertung (2): Gesamtbewertung Unter dem Moskitonetz / Elizabeth Dunkel

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Unterhaltsam, aber nicht überwältigend

3  09.10.2002 (15.07.2004)

Pro:
Buchcover, Buchtitel, Idee der Geschichte

Kontra:
das offene Ende gefiel mir nicht sehr gut, spanische Ausdrücke wurden nicht alle übersetzt

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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kroetenfieber

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Erfahrungsberichte:192

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Vor zehn Jahren schrieb die in Mexiko lebende Amerikanerin den Roman „Unter dem Moskitonetz“. In der Geschichte geht es weniger um Mücken als um ein Moskitonetz, unter das sie sich verkriecht – ob allein oder mit wem, möchte ich nicht erzählen. Schon ist dieses Buch wieder nur in Antiquariaten zu finden oder kann zum Beispiel bei Amazon noch gebraucht gekauft werden. Es ist schon wieder „passé“. Dieses Wort höre ich recht oft, wenn ich in eine Buchhandlung gehe und nach einem bestimmten Buch frage, auch wenn es noch gar nicht vor so langer Zeit erschienen ist. Unsere Welt ist kurzlebig und so leider auch das Verweilen vieler Bücher in Buchläden oder bei den Verlagen. „Unter dem Moskitonetz“ habe ich nicht gezielt gesucht, sondern bin darüber in einem Buch-Antiquariat gestolpert, da mir der Umschlag gut gefiel. In den letzten Wochen las ich die Geschichte durch, von dessen Ende ich ein wenig enttäuscht bin.


Elisabeth Dunkel
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Über die Autorin gibt es kaum etwas nachzulesen, so dass ich über sie nur wenig zu berichten weiß. Ihr erstes Buch „Der Fisch ohne Fahrrad“ soll ein Bestseller gewesen sein, jedoch habe ich davon noch nie etwas gehört oder gelesen. Ob dem Roman „Unter dem Moskitonetz“ noch ein weiterer folgte, ist mir nicht bekannt.

Elisabeth Dunkel lebte 1993 in dem mexikanischen Yucátan, ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Sie widmete sich während ihrer Zeit, in der sie zumindest die zwei erwähnten Bücher schrieb, ausschließlich der Schriftstellerei, nachdem sie ihren Beruf als Werbetexterin aufgegeben hatte.


Die Geschichte
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Der eigentliche Inhalt des Romans lässt sich kurz zusammenfassen: Es geht um eine amerikanische Karrierefrau namens Maia Rose, die es gewohnt ist, viel zu arbeiten, recht viel Geld zu verdienen und wenig Privatleben zu haben. Ihre Freizeit verbringt sie damit, sich mit Freunden aus der Modebranche zu treffen, in der sie tätig ist, und sich teure Edel-Kleidung und Luxus-Assecoires zu kaufen. Sie lebt in Manhattan und lebt seit Jahren an ihrem eigenen Leben mehr oder weniger vorbei, ohne es zu merken.

Maia Rose hat auch eine Vergangenheit: Sie war einst frisch verliebt, jung verheiratet und unglücklicherweise schon sehr bald darauf verwitwet. Als die Erzählung beginnt, liegt dies jedoch schon etliche Jahre zurück.

Nach etlichen Jahren Vor-sich-hin-Lebens oder eher Vor-sich-hin-Arbeitens (letzteres sehr erfolgreich) entschließt sich Maia, endlich einmal wieder Urlaub zu machen – im Ausland und ganz allein. Ihr Urlaubsland heißt Mexiko, wo sie einige Wochen ausspannen möchte. Sie landet durch widrige Umstände nicht in dem Ort, zu dem sie wollte, sondern gelangt durch eine Mitreisende in ein mexikanischen Dorf mit dem Namen Dolores. Dort leben einige Nicht-Mexikaner (Amerikaner und Europäer), die zum Teil schwierige Zeiten in der Vergangenheit erlebt haben und sich Mexiko als neue Heimat gewählt haben. Maia wird schnell in diesen Kreis mit einbezogen, sieht, wie diese Menschen sich ein neues Leben geschaffen haben, jeder seine Probleme hat, und wird schließlich durch eine Naturkatastrophe daran gehindert, pünktlich am Ende ihres Urlaubs nach Manhattan zurückzukehren. Jetzt nimmt ihr Schicksal seinen Lauf: Sie bleibt in Mexiko, lernt Männer kennen und verweilt sehr viel länger in Lateinamerika als geplant. Wie der weitere Verlauf von Maias Geschichte ist, lasse ich offen.


Die Erzählart
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Elizabeth Dunkel schreibt Maias Geschichte in der dritten Person. Es gibt viel Text mit und vielleicht genauso viel Text ohne direkte Rede zu lesen. Zwischendurch kommen einige Auszüge aus Maias Tagebuch, über deren Auftauchen ich mitten in der Geschichte zunächst gar nicht erbaut war. Die Tagebuch-Aufzeichnungen stören jedoch nicht, sondern passen gut in die Geschichte. Es sind keine Jung-Mädchen-Aufzeichnungen, sondern drücken lediglich Maias gegenwärtigen Gefühlszustand und ihre Lage aus. Auch Maias Liebesleben wird in dem Roman geschildert, sowohl gefühlsmäßig als auch die körperliche Liebe. Beides wird jedoch nicht übertrieben ausgeschmückt, sondern in einem „erträglichen“ Maß erzählt. Die folgenden kurzen Leseproben sollen Elizabeth Dunkels Stil verdeutlichen:


Leseproben
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* „normaler“ Text:
„Vernissagen in Dolores waren genauso wie Vernissagen in New York; der einzige Unterschied bestand in der Kleidung der Leute. Niemand trug Schwarz (außer Maia), und niemand hatte eine verrückte Frisur mit lila Strähnen. Die Leute plauderten miteinander, hielten Gläser mit wässrigem Cola-Rum und durchweichte Papierservietten in der Hand und warfen nur gelegentlich mal einen Blick auf die Bilder, während sie das Kommen und Gehen der anderen und die frage, wer da war und wer nicht, wesentlich mehr zu interessieren schien.“

* Tagebuch:
„Leticia ermahnt mich ständig, alles etwas langsamer anzugehen. ‚Cálmate, chula, cálmate’, sagt sie. In New York sausen die Tage in halsbrecherischem Tempo an mir vorbei, prall voll mit hektischer Aktivität, so dass für nichts genug Zeit bleibt. Hier dauern die Vormittage eine Ewigkeit, die Nachmittage scheinen endlos, die Abenddämmerung kommt und geht in eleganter Trägheit, und die Nächste dehnen sich lang und gemächlich bis in die Morgenröte hinein. (...) Die Gringos sind hier offenbar allesamt Aussteiger, ziemlich bescheidne Menschen, die sich in den eleganteren Gringo-Orten wie Puerto Escondido oder San Miguel de Allende nicht wohl fühlen würden.“
(„Gringos“ werden amerikanische Mitbürger von Mexikanern genannt. / Anmerkung von kroetenfieber)


Mein Eindruck
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Was mir recht bald auffiel, ist, dass die Autorin einige spanische Ausdrücke in den Roman mit einfließen lässt, die sie jedoch nicht übersetzt. Einige der spanischen Wörter kann man vielleicht aus dem Kontext herauslesen, aber bei allen Wörtern bin ich mir nicht so sicher. Da ich selbst einen Teil Mexikos kenne, verstehe ich die Wörter, kann mir jedoch vorstellen, dass jemand, der gar kein Spanisch versteht, darüber stolpern könnte.

Abgesehen von dieser Kleinigkeit ist der Roman recht flüssig geschrieben und im großen und ganzen unterhaltsam. Man erfährt einiges von der Art, wie man in Manhattan leben kann (aber nur aus der Sicht einer Frau, die voll im Berufleben steht und Geld hat) und wie es jemandem ergehen kann, der als Ausländer nach Mexiko kommt (aus der Sicht einer berufstätigen Amerikanerin).

Schnell wird deutlich, dass Elizabeth Dunkel nicht erst seit gestern einiges vom Leben Mexikos mitbekommen hat, doch wie die Mexikaner selbst leben, ist im Laufe der Geschichte nur angedeutet worden. Die Art jedoch, wie viele Menschen dort leben, wie sie ihre Existenz sichern müssen und wie das Gefühl ist, sich in Mexiko als „Außenstehender“ aufzuhalten, ist m. E. recht gut bei mir als Leserin angekommen.

Im wesentlichen geht es natürlich um Maias Geschichte, ihren vermeintlichen Neuanfang in Mexiko, ihr Liebesleben, ihre Gedanken über den Sinn ihres bisherigen Lebens, ihre Vorstellungen von der Zukunft, die ungewiss ist usw. usw. Maias Geschichte ist nicht uninteressant, aber auch nicht gerade hochinteressant. Vielleicht ist dies auch gar nicht so wichtig.

Wer eine Lösung bzw. eine überschaubare Zukunft Maias am Ende des Buches erwartet, wird sicherlich enttäuscht. Es ist auf der einen Seite ein „Happy End“, auf der anderen Seite kann sich der Leser nun selbst ausmalen, wie es weitergehen könnte. All dies finde ich in Ordnung und zum Denken anregend, jedoch missfiel mir das etwas Kitschige zum Schluss. Der Kitsch hätte für meinen Geschmack wegfallen können, es erinnert doch zu sehr an Hollywood-Filme. Ich hege bei dem offenen Ende etwas den Verdacht, dass die Autorin selbst nicht mehr wusste, wie die Geschichte nun weitergehen sollte. Ich hege diesen Verdacht deshalb, weil das offene Ende in diesem Roman nicht so ist, dass es richtig gut und gelungen ist.


Fazit
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„Unter dem Moskitonetz“ ist insgesamt lesenswert, da der recht flüssige Stil zum Weiterlesen anregt. Die Geschichte selbst stufe ich als mittelmäßig ein. Das nett gestaltete Buchcover hatte mir beim Kauf mehr versprochen. Auch den Buchtitel finde ich gut gewählt. Interessant ist es, neben der Geschichte etwas über die Art eines Lebens zu erfahren, das man in Manhattan und in als Ausländerin in Mexiko führen kann.


Unter dem Moskitonetz
Elizabeth Dunkel
Verlag Droemer Knauer
1993
330 Seiten

© kroetenfieber

Bilder von Unter dem Moskitonetz / Elizabeth Dunkel
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
V-Tina

V-Tina

12.07.2004 21:15

Hast wirklich sehr interessante Berichte hier, LG V-Tina

aquarius2

aquarius2

03.11.2003 03:03

Der Fisch ohne Fahrrad ist eindeutig besser und wohl auch noch erhältlich.

elektra2

elektra2

21.03.2003 19:03

Ich kann Fisch ohne Fahrrad nur empfehlen, dieses Buch kenne ich nicht.

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