== Plow - der König der usbekischen Küche ==
03.07.2008
Pro:
lecker
Kontra:
nichts
Empfehlenswert:
Ja
 lenchen_196
Über sich:
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Mitglied seit:24.03.2008
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Wir haben ein paar Dutzend Jahre in Usbekistan verbracht und natürlich ganz viel über das Land, seine Sitten, Bräuche und Gewohnheiten erfahren. Die usbekische Küche ist dabei keine Ausnahme. Ich habe viele Gerichte ausprobiert und alle, die mir gefallen haben, lernte ich selber zu kochen. Jetzt möchte ich über die leckersten Speisen berichten. Es folgen ein paar gesonderte Berichte, jeweils über ein Gericht. Insgesamt ist die usbekische Küche sehr lecker, aber auch sehr fettig, deftig und herzhaft. Also nicht für jemand auf Diät *gg*. Das Hauptgericht der Usbeken ist selbstverständlich der Plow. Und den kann ich ganz gut machen. Er kommt bei uns einmal pro Woche auf den Tisch und wird immer restlos gegessen. Darum beginne ich meine "usbekische" Serie mit dem PLOW.
Was ist eigentlich der Plow? Plow (türkisch: Pilav) ist ein ursprünglich orientalisches Gericht, dessen Hauptzutat Reis ist. Er wird in einem Schmortopf aus Langkornreis, Zwiebeln, Fleisch und Gemüse zubereitet. Das Besondere ist, dass der Reis mit wenig Wasser in einem offenen Topf aufgesetzt und dann nach dem Verkochen des Wassers schonend auf kleiner Flamme gedämpft wird. Die gekochten Reiskörner kleben nicht zusammen. So sagt uns wikipedia.de und das stimmt. In Zentralasien (wo auch Usbekistan liegt) wird für einen Plow zunächst ein Eintopf gekocht. Am Ende der Garzeit wird darüber Reis gestreut, mit etwas Wasser bedeckt, gekocht und dann gedämpft. Der Eintopf enthält Fleisch, Zwiebeln und Rüben sowie weiteres Gemüse und teilweise Trockenfrüchte (als Festvariante).Plow ist nicht nur einfach ein Gericht, sondern die ganze nationale Tradition. Es gibt in Usbekistan viele Sitten, die mit dem Plow fest verbunden sind. So zum Beispiel wird er traditionell von Männern gekocht. Bei den großen nationalen Feiertagen kocht man den Plow überall auf den großen Plätzen und verteilt ihn sogar kostenlos an die Bevölkerung. Der Hochzeits-Plow wird von einem Plow-Meister in einem riesigen Topf zubereitet, mit Trockenfrüchte (Aprikose, Sultaninen) und Quitte. Noch eine alte Tradition - so genannter Morgen-Plow. Er wird in der Nacht zu besonderen Anlässen zubereitet und nur die Männer dürfen ihn verspeisen. Es geht um 5 Uhr morgens los. Gott sei dank, wurde ich meines Geschlechts wegen niemals zum Morgen-Plow eingeladen, weil es für mich unzumutbar wäre, sich durch die ganze 2-Millionen-Stadt um 3 Uhr nachts zu Fuß zu schleppen, da es selbstverständlich in dieser Zeit kein Transportmittel gibt. Mein Mann hat es immer mitgemacht. Große Ehre zum Morgen-Plow eingeladen zu sein - und noch größere Beleidigung, wenn man da nicht erscheint. Es gibt viele abgewandelte und angepasste Rezepte, je nach Region unterschiedlich. Ich koche meinen Plow so, wie es in Gebiet Taschkent gemacht wird.
Was braucht man für einen Plow? * GeschirrKASAN - Ein spezieller Eisengusstopf mit dem Deckel. Je nach Anzahl der Essenden muss er richtig groß sein und Hauptsache - mit einem richtig dicken Boden. Es gibt die Legenden, dass der Tamerlan, auf den die Usbeken ganz stolz sind, einen Riesentopf mit 40 Griffen für seine Armee hatte, um bei den Kriegszügen eine Riesenmenge des Plows auf offenem Feuer zubereiten zu können. So einen Riesen braucht man jetzt wohl nicht und eigentlich, wenn man sich nicht so fest an die Traditionen hält, kann man auch eine Großraumpfanne mit dickem Boden dafür verwenden. Nicht Original, aber trotzdem... LJAGAN - Ein flacher sehr großer Teller, auf den man das fertigen Gericht hügelförmig anrichtet. Die echten Usbeken essen dann den Plow von diesem Ljagan mit den bloßen Fingern, rund um den kleinen Tisch oder gar auf dem Boden sitzend. Wir nehmen unsere Portionen mit Hilfe des Löffels von dem Ljagan und essen natürlich mit der Gabel. Wir sind aber auch keine Usbeken!* Zutaten FLEISCH. Wie ihr vielleicht wisst, dürfen die Moslems kein Schweinefleisch essen. Und Usbeken sind nämlich Moslems. Also nehmen sie für Plow normalerweise Hammel, Lamm, Rind oder Kalb. Mir gefällt das Schweinefleisch besser. Und soweit keine Moslems zu meinem Plow zu erwarten sind (und die sind in unserer ländlichen bayerischer Umgebung selten), nehme ich immer ein gutes Stück Fleisch vom Schwein, aber ohne Speck. Und wieder mal - wenn man sich nicht so fest an die Traditionen hält, kann man auch Hähnchenschenkel nehmen, besonders bei Kindern kommt es gut an.ÖL. Zum Anbraten braucht man Pflanzenöl. In Usbekistan wird das Baumwollöl am liebsten und reichlich verwendet, das aus Baumwollsamen gewonnen wird. Hier in Deutschland haben wir es nicht. Ich nehme einfach das übliche Pflanzenöl. REIS - am besten langkörnig.GEMÜSE - nur Zwiebel und Möhren. KEIN Paprika oder anderes Gemüse! GEWÜRZE - ganz spezifisch: Kreuzkümmel (gibt's z.B. in türkischen Läden unter dem Namen Cumin), Koriander (nicht gemahlen, sondern nur zwischen den Fingern zerdrückt). Salz. Auf Wunsch - Safran, der dem Plow eine gelbliche Farbe verleiht, oder scharfes rotes Paprikapulver, das man beim Anbraten zum Fleisch dazugeben kann und der fertige Reis wird dann auch gelb-gold. Berberitzen (von lat. Barbaris - kleine säuerliche Gewürzbeeren) gehören auch dazu, wenn man sie findet.
Wie wird es gemacht? Für 4 Personen: 500 g Fleisch 500 g Reis 300 g Möhren 300 g Zwiebeln 70-100 g Öl Gewürze, Salz Wasser Fleisch in ca. 3-4 cm große Würfel schneiden. Öl im Topf erhitzen und das Fleisch kräftig anbraten. Zwiebeln und Möhren in Streifen schneiden und beides mit dem Fleisch anbraten. Gewürze dazu geben. Mit ein bisschen Wasser aufgießen, sodass alles bedeckt ist, und einige Minuten köcheln lassen. Den ungekochten Reis darauf geben, nicht umrühren. Kochendes Wasser auffüllen, so dass der Reis ca. 2,5 cm hoch mit Wasser überdeckt ist. Salzen und bei kleiner Hitze ca. 35-40 Min. unter dem Deckel fertig garen (zwischendurch nicht umrühren). Die Flüssigkeit muss komplett vom Reis aufgesogen werden. Das fertige Gericht vorsichtig mit einer Schaumkelle umrühren und auf dem oben genannten Ljagan anrichten.Zum Plow schmeckt traditionell ein frischer Tomaten-Salat (Tomaten, Gurken, Paprika, Zwiebeln, Dill und Petersilie) und fein geschnittener Rettich (auch mit Zwiebeln und Grün). Zum Rettich muss ich sagen, dass es hier in Deutschland keinen richtigen usbekischen grünen Rettich gibt, der da immer zum Plow gehört. Aber man kann ihn ruhig durch den handelsüblichen weißen Rettich oder Kohlrabi ersetzen. Beide Salate mit Salz würzen und mit Pflanzenöl begießen. WICHTIG: Bitte kein Ketchup zum Plow servieren! Unmögliche Kombination!
Fazit Ich empfehle jedem den Plow auf jeden Fall ausprobieren. Es schmeckt ganz gut, ist lecker, sättigend und nicht besonders kompliziert bei Zubereitung. Für eine große Party ist der Plow immer ein Hammer. So habe ich ihn für die Geburtstag-Party meines 16-Jährigen Sohnes gemacht, wo 15 Jungs eingeladen wurden. Einfach den zweiten Kasan bei meiner Mutter ausgeliehen und beide voll mit dem Plow gestopft. So schnell konnte ich die Ljagans nicht nachfüllen, wie sie immer wieder leer wurden. Voller Erfolg! Aber auch als Alltagsgericht ist der Plow ganz gut.Guten Appetit!P.S. Das Bild von meinem richtigen Plow kommt nächste Woche. Heute nur vom Plow mit Hähnchenschenkel.
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02.12.2009 00:51
Ist gespeichert :-)) !! Habe 8 Jahre in der Türkei gelebt und kenne dieses Gericht ... ein leckeres BH und LG
11.11.2009 16:03
hört sich lecker an. probier ich vllt mal aus
04.11.2009 17:31
Perfekt. P.S. Ich glabe, du hast eine wichtige Tatsache verheimlicht: Der Plow wird ja von den Usbeken eigentlich mit den Fingern gegessen, so wie die Manty auch!:-) Oder habe ich es überlesen... Liebe Grüße. Andr