Erfahrungsbericht über

VW Golf II CL

Gesamtbewertung (146): Gesamtbewertung VW Golf II CL

 

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Die Zeit außerhalb der Werkstatt war schön

2  25.10.2004

Pro:
Fahrspaß light

Kontra:
recht reparaturanfällig, heute hohe KFZ - Steuer

Empfehlenswert: Nein 

Roger2

Über sich:

Mitglied seit:26.04.2004

Erfahrungsberichte:63

Vertrauende:22

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 40 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Abgesehen von den paar Monaten die ich einen Audi 80 besaß, war der Golf II CL mit 72PS und 3 Türen (2 Türen + Heckklappe) mein erster Wagen. Diesen erblickte ich kurz nachdem bei meinem Audi 80 auf der Beifahrerseite das Hinterrad aus der Aufhängung gebrochen war bei meinem VW-Händler. Der Wagen war von 1987 und damals 5 Jahre alt, hatte mittlerweile 3 Vorbesitzer gehabt und etwa 111.000km auf dem Buckel. Da der Wagen noch vor September ´87 (Facelift) gebaut worden war hatte er die Außenspiegel noch etwas weiter hinten an der Fahrertür befestigt. Das Aussehen dieses Wagens entsprach somit dem Modell älterer Baujahre, hatte es mir aber direkt angetan, so dass der Wagen für 3900DM den Besitzer wechselte. Dazu gab es natürlich eine Garantie für ein Jahr, die bei VW entsprechend der Kilometerleistung gestaffelt wurde. Je mehr Kilometer ein Wagen auf dem Tacho hatte, desto höher war die zu zahlende Selbstbeteiligung bei einer Reparatur. Wenn ich mich richtig erinnere sollte sie damals in meinem Fall bei 40% liegen.

Innenausstattung

Bei meinem Modell handelte es sich um die CL-Version, die etwas von den Vorbesitzern aufgepeppt worden war. Dazu gehörten:
% ein 4-Speichen-Sportlenkrad, welches gegenüber
der 2-Speichen-Serienvariante stabiler wirkte
% Sportsitze, welche einen optimalen Seitenhalt
gewährten
% und ein Stahlschiebedach.

Elektrische Helferlein waren in dem Wagen natürlich nicht zu finden. Sowohl Fenster als auch Schiebedach wurden manuell bedient. Das mitgelieferte Radio stammte nicht von VW und wurde trotzdem direkt ersetzt. Ebenfalls mussten aus meiner Sicht die vorderen Lautsprecher durch Boxen in der „Hutablage“ ergänzt werden. Ansonsten gibt es nur noch über die bescheidene Innenausstattung dieses Wagens zu berichten, dass die Instrumente übersichtlich und praktisch angeordnet waren. Insbesondere die Position des Radios ist/war bei dieser Modellreihe, genauso wie beim 3-er Golf, besser als bei den neueren Modellen (vgl. Golf IV). Es liegt/lag bei diesen Modellen recht weit oben in der Mittelkonsole. Ein Blick auf das Radio während der Fahrt (oder bei der Suche eines Diebes nach einem neuen Radio) war dadurch wesentlich einfacher als bei den neueren Modellen (vgl. Golf IV und Bora).

Die Verarbeitung und Verwendung von Materialien machte einen guten Eindruck und wirkte für die damaligen Verhältnisse nicht billig sondern solide. Der Innenraum bot gegenüber dem Nachfolger bedeutend weniger Platz. Das habe ich allerdings erst im Nachhinein als etwas störend empfunden. Während meiner ganzen Golf II-Phase kam es mir eher gemütlich vor. Während vorne das Platzangebot für meine 1,89m voll ausreichte, ging es auf der Rücksitzbank wesentlich beengter zu. Dort hätte ich meine Touren nicht verbringen wollen. Ebenso der Einstieg war für Personen meiner Größe etwas umständlich (3-Türer).

Der Kofferraum erfüllte für mein Reisegepäck (2 bis 3 Reisetaschen) die Anforderungen war aber selbst bei umgelegter Rücksitzbank aus meiner heutigen Sicht aber kein richtiges Raumwunder.

Karosserie/Lack/zusätzliche Extras gegenüber der Serienausstattung

Mein 2-er Golf war anfangs weiß, welches nach und nach immer mehr ins beige überging. Zuletzt sah der Lack einfach nur noch schlecht aus. Zu den Verfärbungen gesellten sich dann auch ein paar deutlich sichtbare Rostflecken, die bis zum Ende meiner Golf II-Zeit nicht bedrohlich wurden. Es waren keine tragenden Teile vom Rost betroffen. Beide sichtbaren Mängel waren sicherlich zu einem großen Teil auf mangelnde Pflege meinerseits zurückzuführen.

Äußerlich war mein 2-er Golf zudem von meinen Vorbesitzern durch ein paar weitere Extras aufgepeppt worden. Dazu gehörten:

% eine Tieferlegung um 4cm
% ein Spoiler an der Heckklappe (in schwarz)
% ein Doppelscheinwerfergrill, der allerdings nicht
der VW-übliche mit großen
Scheinwerfern außen und kleinen Scheinwerfern
innen war. Die inneren und äußeren
Scheinwerfer waren gleich groß, so dass mir die
Anbringung einer „Zierleiste“ an der
Motorhaube nicht möglich war.

Fahrwerk

Während der Spoiler und der Doppelscheinwerfergrill lediglich die Optik verbesserten zahlte sich die Tieferlegung richtig aus. Der niedrigere Schwerpunkt des Fahrzeugs bot mit den mitgelieferten Alufelgen (195-er) richtig Fahrspaß und machte den Kleinen zu einem richtigen Kurvenfresser. Zwar war der Federweg durch die Tieferlegung eingeschränkt und somit auch die Federung, aber die kleinen Schläge an den Fahrer nahm ich gerne in Kauf. Was ich allerdings nach etwa 170.000km nicht gerne in Kauf nahm, waren die laut Angaben der Werkstatt ausgeschlagenen Radlager vorne, an die in jeder Kurve mit einem deutlichen „Klopfen“ erinnert wurde. Aus Kostengründen verzichtete ich auf eine Behebung des Schadens. Die guten Fahreindrücke durch das Fahrwerk wurden zudem durch die aus meiner Sicht geniale Gewichtverteilung des Wagens verstärkt. Besonders auf Schnee und Eis machte der 2-er Golf eine gute Figur. Selbst das Anfahren am Berg auf Schnee gelang mit diesem Wagen auch mit Sommerreifen ohne Probleme.

Lenkung und Bremsen

Eine Servolenkung hat dieser Wagen natürlich nicht geboten. Das Einparken, welches bei den 155-er Reifen noch keine Probleme bereitet hätte, wurde mit den 185-er Reifen zu einer kleinen Leibesertüchtigung. Aus heutiger Sicht würde ich so was als unzumutbar bezeichnen. Sowohl die Lenkung als auch die Bremsen haben mich bei diesem Wagen nie im Stich gelassen (sonst könnte ich das hier und heute auch nicht schreiben ;-)). Letztere fand ich in ihrer Wirkung für die Leistung von 72PS voll angemessen.

Motor/Gebtriebe/Verbrauch

Der Motor mit 72PS verfügte lediglich über einen ungeregelten Katalysator. An die Abgasnormeinstufung kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Auch eine Recherche im Internet hat mir diese Auskunft nicht liefern können. Die Leistung wurde aus der 1,6l-Maschine geholt, welche mir damals recht angenehm erschien. Während die ersten 4 Gänge eine passable Beschleunigung erlaubten war der 5.Gang, bzw. der E-Gang nur zum Spritsparen geeignet. Eine richtige Beschleunigung war im 5.Gang nicht möglich. Genutzt habe ich ihn trotzdem gerne, weil nur seine Verwendung auf der Autobahn einen passablen Verbrauch ermöglichte. Weiterhin wurde mein Erfolg im Spritsparen maßgeblich durch das Vorhandensein des Drehzahlmessers bestimmt. Die genaue Kontrolle und Berücksichtigung der Drehzahl ermöglichte es mir den Wagen mit etwa 6,5l Benzin bleifrei zu fahren. Dies ging allerdings nur bei strikter Einhaltung der 3000U/min-Grenze. Dabei half der sehr lang übersetze 5.Gang ungemein. Jede Überschreitung dieser Grenze bestrafte der Vergasermotor mit einem gewaltigen Durst. Auf Autobahnfahrten mit 180km/h (laut Tacho) reagierte der Wagen mit einem Verbrauch jenseits der 10l Marke. Selbst gemütliche Fahrten mit 150/160km/h wurden umgehend mit bis zu 9l quittiert. Da half lediglich die Einhaltung der 3000-er Regel bei etwa 120km/h um dem Verbrauch des Vergasermotors Einhalt zu gebieten.

Positiv kann ich den Ölverbrauch meines Wagens bewerten. Während der ganzen 4 Jahre, in denen ich etwa 90.000km zurückgelegt habe, hat er keinen nennenswerten Ölverbrauch an den Tag gelegt. Alle 15.000km wurde etwa die gleiche Menge Altöl entsorgt wie neues Öl nachgeschüttet wurde.

Versicherung und Steuern

Der Wagen war für mich damals recht teuer, was einmal auf meine damals hohen Prozentwerte und die hohen Zulassungs- und Unfallzahlen dieses Modells zurückzuführen war, ist heute jedoch recht günstig in der Versicherung eingestuft (Haftpflicht 18, Teilkasko 14). An die Schadstoffklasseneinstufung dieses Motors mit U-Kat kann ich mich leider nicht erinnern. Ich denke jedoch, dass sich gerade die Motorisierung aufgrund der zu zahlenden Steuern heute nicht mehr lohnt.

Reparaturen

Das ist ein weniger erfreuliches Kapitel bei meinem 2-er Golf, da es sehr früh nach dem Kauf begann.

Gleich am dritten Tag nach Erwerb hatte ich das Problem, dass mein Wagen in kaltem Zustand im Leerlauf immer ausging. Der Wagen wurde zum Händler in die Werkstatt gebracht und dort ein defekter Vergaser festgestellt. Dieser wurde dann auf Kulanz erneuert (eigentlich hätte ich laut Garantievertrag ja einen Anteil zuzahlen müssen). Dieser Vergaser war jedoch nicht der letzte. Insgesamt wurden meinem 2-er Golf in 4 Jahren 3 neue Vergaser spendiert. Während der erste auf Kulanz ausgewechselt wurde, galt für die anderen Vergaser die Garantie des Herstellers. Finanziell hatte ich dadurch also keine Nachteile. Lediglich die Zeit ging verloren.

Wenige Wochen nach dem Kauf bemerkte ich dann auch zufällig, dass es im hinteren Bereich des Wagens recht nass war. Bei mir lief also Wasser ins Auto. Darauf folgten dann ebenfalls mehrere Werkstattbesuche, in denen nach einem Leck gesucht wurde. Die Eintrittsstelle wurde nach einigen Versuchen auch gefunden und lag nach den Auskünften der Werkstatt im Radkasten. Die Behebung dieses Makels kostete mich glücklicherweise wieder nichts, weil mir der Händler nicht nachweisen konnten, dass der Mängel erst nach dem Kauf eingetreten war.

Bei etwa 130.000km folgte dann ein Zahnriemenwechsel, der damals nur schlappe 230DM kostete. Kurz darauf kamen noch neue Federn (vorne und hinten) hinzu, an deren Preis ich mich allerdings nicht mehr erinnere. Ebenso wurde für etwa 70DM noch ein neues Kupplungsseil eingebaut, nach dem ich plötzlich während einer Tour erst nur den 1. und dann etwa 200km später auch kaum noch den 2.Gang einlegen konnte. Hätte ich keinen guten Bekannten gehabt, der mir permanent den Auspuff schweißte, wäre zudem noch ein neuer Auspuff innerhalb der 4 Jahre fällig geworden. Der Türöffner auf der Fahrerseite war nach einem Einbruch leider auch nicht mehr okay (genauso wie mein Radio, meine Schuhe, mein Sweatshirt und CDs, die waren nämlich weg). Lediglich durch heftiges Ziehen, Rütteln und Liedchensingen ging die Tür noch auf. Da es sich allerdings mehr um die Folgen einer Fremdeinwirkung handelte möchte ich es dem Wagen nicht so stark ankreuzen.


Richtig „lustig“ wurde es dann jedoch ab etwa 170.000km. Je nach Witterung spielte das bisschen Elektronik dieses Wagens total verrückt. Hauptsächlich bei Regen, Schnee oder auch schon bei Nebel kam es vor, dass der Wagen erst normal lief und dann urplötzlich nicht mehr aufs Gas reagierte. Darauf folgten dann gewaltige Drehzahlschwankungen im Leerlauf und manchmal auch ein „Absabbern“ des Motors. Nach mehrmaligen Ein- und Ausschalten und Vollgasgeben behob sich das Problem dann von alleine und der Wagen lief normal weiter. Während ein solcher Vorfall im Stadtbereich noch keine großartigen Probleme bereitet ist es auf der Autobahn richtig gefährlich. Mit diesem Problem ging ich mehrmals in die Werkstatt, doch behoben werden konnte es nicht. Laut deren Angaben gab es zu viele mögliche
Fehlerquellen und der Austausch aller möglichen Bauteile hätte bis zu 2000DM kosten können. Die Fehlersuche wurde dadurch erschwert, dass es bei diesem älteren Modell keine Anschlussmöglichkeiten für einen Check mittels Computer gab. Somit fand ich mich dem Fehler erst mal ab und suchte parallel nach einem neuen Wagen. Nach ein paar Monaten und ein paar tausend Kilometer später fand ich ihn auch, einen Golf III Variant. Meinen alten 2-er Golf gab ich in Zahlung und erhielt bei einem Kilometerstand kurz vor den 200.000 noch einen Satz Winterreifen für meinen „neuen“ Wagen.

Fazit

Der 2-er Golf ist ein schnuckeliger Wagen, der nach einem kleinen optischen Feintuning auch etwas hermachen kann. Zeitgemäß ist der Wagen allerdings nicht. Aufgrund der bei mir aufgetretenen Mängel kann ich den Wagen nur für Tüftler empfehlen. Für den, der sich selber helfen kann mag sich die Anschaffung noch lohnen. Jeder Werkstattaufenthalt entspricht heute jedoch einem finanziellen Totalschaden. Eine Ausnahme bilden da vielleicht noch ein paar getunte Varianten des 2-er Golfs, deren Marktwert noch etwas höher ist. Mein Fall wäre es aber nicht.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
hedgehock

hedgehock

15.02.2005 19:05

Cool, ein Auto gegen Winterreifen eintauschen!

Schnelli

Schnelli

22.12.2004 10:47

Nach meiner Erfahrung ist der Golf II so ziemlich der langlebigste und zuverlässigste Golf, den es bisher gab. Es fragt sich natürlich, wie der Vorbesitzer Deines Golfs mit dem Fahrzeug umgegangen ist. Tiefergelegte und optisch aufgemachte Gebrauchtfahrzeuge betrachte ich immer mit tiefer Skepsis. Mein Grossvater hat sich im Oktober 1984 einen IIer aus der ersten Baureihe gekauft. Ein CL mit 75PS, moosgrün mit beiger Innenausstattung und braunem (!) Armaturenbrett. Er hat den Wagen nach 6 Jahren und satten 30.000km verkauft. Ich hätte ihn behalten und einmotten sollen. Er sah aus wie neu (nur die Kupplung war verraucht) und wäre heute schon fast ein "Youngtimer".

koeter1097

koeter1097

26.10.2004 09:18

Mal wieder sehr informativ und unterhaltsam. Die ständig defekten Vergaser sind natürlich ungewöhnlich, sonst erkenne ich aber viel typischen Verschleiß und ein paar Elektronikzicken nach 170.000 km. Finde ich jetzt nicht *so* tragisch. Gruß Thomas

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