R32: der 240PS Golf im Schafspelz
24.01.2003 (29.01.2003)
Pro:
riesige Kraft, gutes Fahrwerk
Kontra:
hoher Verbrauch, fast etwas zu hart gefedert, leise, Ledersitze, Preis
Empfehlenswert:
Ja
 HGast
Über sich:
Meine Interessen sind weit gefächert und ich habe schon viele Produkte benutzt, worüber ich hier sch...
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Wenn man bei einem Automobilzulieferer arbeitet, hat das den Vorteil, daß man häufig auch mal einen Erlkönig oder einen Prototypen für einige Zeit zur Verfügung gestellt bekommt. So bin ich in den letzten Wochen auch öfters mit dem VW Golf R32 unterwegs gewesen - natürlich nur für Erprobungen ;-). Wer jetzt anmerkt, daß es den ja schon serienmäßig beim Händler gibt, hat zwar recht. Aber nicht mit 6-Gang-Tipptronic-Automatik wie das Geschoß, daß in der Firma auf dem Hof steht! Ein fast reinrassiger Sportwagen mit Automatik ist zwar etwas seltsam, aber die Amerikaner wollen das so, und Porsches gibt es ja auch mit Tipptronic (also einer zweiten Schaltgasse zum manuellen, sequentiellen Hoch- oder Runterschalten). Doch dazu später mehr.
OPTIK - die erste Annäherung Auf den ersten Blick von der Seite sieht der R32 fast aus wie ein etwas verfeinerter Allerwelts-Serien-Golf. 18 Zoll Alufelgen mit Niederquerschnitts-Breitreifen haben manche ja schon auf 90PS Golfs. Und tiefergelegte Golf 4 sind auch nicht gerade selten. Auch die verbreiterten Radhäuser fallen kaum auf.
Doch dann sieht man schnell die Unterschiede. Unter den serienmäßigen Xenon-Scheinwerfern vorne am Grill (der nur durch ein dezentes R32 Symbol geschmückt wird) reicht die Frontschürze mit deutlich vergrößerten Kühllufteinlässen fast bis zum Boden. Hier hat sich VW klar an den AUDI S3 und an den Porsche Turbo angelehnt, ohne allerdings zu übertreiben. Im Rückspiegel wird dem Vordermann also nicht sofort auffallen, wer da angeprescht kommt. Markanter ist da schon das Heck, das die meisten Autos auf der Autobahn schnell sehen werden: ein dezenter Spoiler an der Heckklappe oben, dafür ein wuchtiger Stoßfänger mit eingebautem Diffusor unten für die Aerodynamik. Und dann die zwei armdicken Auspuff-Endrohre, die schon serienmäßig jedem getunten Manta Konkurrenz machen, ohne dabei nach Prolo auszusehen, dank Chrom.
INNENRAUM - fast alles drin Dieser Golf ist im Gegensatz zu den Einstiegsmodellen schon serienmäßig mit fast allem ausgestattet, was die VW Zubehörliste hergibt: Klimaanlage "Climatronic", elektrische Fensterheber, elektrische Spiegel, Regensensor, Sportlenkrad (mit R32 Schriftzug), zahlreichen Alu-Applikationen, Leder-Handbremsgriff, Leder-Schaltknauf, Geschwindigkeitsregelanlage, getönte Scheiben, Kopfairbagsystem für Front- und Fondpassagiere inkl. Seitenairbags vorn und vielem anderen mehr, wie auch bei Volkswagen.de im Internet nachzulesen ist. Selbst auf den Sitzen prangt der R32 Schriftzug.
Womit wir schon bei meiner Kritik wären: die Ledersitze kosten fast 2000 Euro Mehrpreis (wenn wir die hätten bezahlen müssen) und bieten dafür in meinen Augen keinen Mehrwert. Im Gegenteil, in flotten Kurven rutsche ich darauf herum und fühle mich nicht so sicher gehalten, wie es in einem Sportsitz eigentlich sein sollte. Außerdem sollte sich die serienmäßige Sitzhöhenverstellung noch tiefer stellen lassen, ich fühle mich mit einen 1,90 Metern da schon etwas beengt. Wer also diese Sitze erwägt, sollte genau die vorher mal testen! Erfreulicher dagegen die Instrumente. Klar gegliedert wie beim Seriengolf, aber dank Chromringen und R32 Schriftzug edler wirkend. Dazu serienmäßig der Bordcomputer (bei VW MFA genannt), der ständig über Außentemperatur, Verbrauch, Reichweite etc. informiert. Die in unserem R32 verbaute große Navigation mit CD Player und Farbdisplay kostet dagegen leider 2360.-€ Aufpreis, ebenso wie die Freisprechtelefonvorbereitung mit satten 375.-€ (ohne Telefon!) und das sinnvolle Glasschiebedach für fast 800 Euro. Wenn man dann noch die beheizten Scheibenwaschdüsen für 49.- Euro ordert, hat man aber wirklich fast alles was es ab Werk gibt drin!
Insgesamt fühlt man sich also im Innenraum schnell wohl, alles ist logisch angeordnet, wie beim Serien-Golf eben auch, und sieht eine Spur edler aus. Viele R32 Embleme und der Tacho bis 300km/h erinnern daran, daß man eben doch in einem besonderen Golf sitzt. MOTOR - Kraft im Überfluß
Endlich kommt der Moment, auf den man bei jedem Sportwagen wartet: Zündschlüssel rein und anlassen! Satt brabbelt der Motor im Leerlauf aus den beiden Endrohren, auch wenn man im Innenraum (leider) gar nicht so viel davon mitbekommt. Der dumpfe Klang läßt die Außenstehenden schnell merken, daß dieser Golf "etwas" mehr Hubraum hat (fast 3,2 Liter!). Also von Park auf Drive schalten und los geht’s! Bis 2500 Umdrehungen dreht der Motor noch leise vor sich hin, darüber prescht er brachial los und stellt erst kurz vor der Drehzahlgrenze seinen Schub zum Hochschalten der Automatik kurz ein. Doch schon nach Sekundenbruchteilen geht’s im nächsten Gang weiter. Bis auf den Kick des fulminanten Vortriebs kommt aber von der Kraft wenig rüber, der Sound ist schön, aber sehr dezent. Mir persönlich ist der etwas zu leise!
Ich muß ehrlich sagen, dieser Schub war mir bis dahin von VW unbekannt. Und das, obwohl ich schon den Passat W8 (der war lahm dagegen) und den Corrado G60 bzw. VR6 gefahren bin (auch die beiden kamen hier nicht ganz ran). Mehr Schub geht denke ich kaum, wenn man nicht einen reinrassigen Sportwagen a la Porsche oder Ferrari fährt! Das einzig negative bei diesem Motor ist der Verbrauch: selbst bei sparsamer Fahrweise (bei der ich in meinem 90 PS Passat unter 7l/100km brauche) zieht der Sechszylinder sich über 10 Liter gutes Super plus rein, wenn man der Verbrauchsanzeige glauben darf. Bei forscher Autobahnfahrt kommt der Verbrauch bis knapp an die 20 Liter heran. Das ist eben der Tribut, den man dem Sportmotor zollen muß.
Dafür hat man aber auch Beschleunigung ohne Ende, erst ab 230 km/h nach Tacho wird es langsamer schneller, und etwa bei 260 km/h ist mit der Automatik auch mit langem Anlauf in der Ebene Schluß. Das sollte auch alle Male ausreichend sein. FAHRWERK - sensibel, aber bretthart
So viel Kraft muß natürlich auf die Straße gebracht werden, und das schafft der Allradantrieb hervorragend. Dank ihm, den Breitreifen, der Automatik und ESP gibt es kein Durchdrehen der Räder mehr, sondern nur puren Vortrieb in allen Lagen. Der R32 ist so hart gefedert, daß man buchstäblich jeden Stein auf der Straße spürt und förmlich merkt, wie sich die Reifen in schnellen Kurven im Asphalt festkrallen. Ich bilde mir sogar ein, gemerkt zu haben, daß der Reifen hinten links beim starken Bremsen immer als erster kurzzeitig fast blockierte, so sensibel ist das Fahrwerk.
Auch die Lenkung arbeitet sehr direkt und wird vom Servo zwar leicht unterstützt, aber nur so, daß man stets die Fahrbahn im Lenkrad fühlt. Bravo, VW! Auch die Bremsen verzögern derart brachial, daß ich es wagen konnte, noch kurz vor der Autobahn-Abfahrt einen Lkw zu überholen, was ich mir in meinem Passat nie zutrauen würde. Auch hier kann ich mir kaum was besseres vorstellen, die 4 innenbelüfteten Scheiben mit den blauen Sätteln tun ihren Dienst optimal.
Ich liebe zwar diesen direkten Fahrbahnkontakt, doch auf Langstrecken kann man hier sicher nicht von Komfort sprechen, da wird es eher zur Tortur für die Wirbelsäule. AUTOMATIK - wie Formel 1
Ich weiß nicht, ob und wann es die 6-Gang Tipptronic im R32 geben wird, aber das ist die erste Automatikschaltung, die mir Spaß macht! Entweder locker ohne zu schalten auf "Drive" im Verkehr mitschwimmen, oder manuell die Gänge sehr schnell wie in der Formel 1 durchschalten. Die gewählte Gangstufe wird dabei im Tacho angezeigt. Schalten geht wirklich in Sekundenbruchteilen. Wobei die Automatik auch so schon sehr sportlich schaltet, so daß manuelles Schalten eigentlich unnötig ist. Entscheidet man sich nach langem Hinterherfahren mal zum Überholen, so läßt schon eine ganz leichte Druckerhöhung auf das Gaspedal den Drehzahlmesser von 2000 Umdrehungen im hohen Gang auf etwa 3000 Umdrehungen ansteigen. Blitzschnell und ohne Rucken wurde heruntergeschaltet, der Motor singt freudig in einer etwa höheren Tonlage. Kein Gegenverkehr! Ein brutaler Kickdown läßt die Drehzahl hochschnellen und die Automatik nochmal runterschalten, und in wenigen Sekunden ist man von 60 km/h auf 130 km/h, 3 Gänge höher und am Lkw vorbei.
Bei diesem Auto muß man sich wirklich selbst zügeln, bevor man sich versieht ist man auf Landstraßen jenseits der 150km/h unterwegs. Da der Motor so leise ist, werden nur die Windgeräusche lauter. FAZIT
Dieser Golf macht echt Freude! Leider ist nicht nur der Einstandspreis hoch (in dieser Variante mit Extras fast 40000 Euro), sondern auch der Verbrauch bei uns im Schnitt nie unter 15l/100km. Ansonsten ist der Motor einsame spitze, er könnte seinen Sound nur im Innenraum noch lauter abgeben. Das Fahrwerk ist kompromißlos sportlich, dadurch aber weniger für den Familienausflug geeignet ;-). Die Optik ist eher ein Schafspelz, wobei mir der dezente Auftritt zusagt. Nur sie Ledersitze kann ich nicht weiterempfehlen. Update 29.1.03: Meine Kollegen haben mich gerade darüber aufgeklärt, daß das eigentlich keine Automatik ist, sondern ein automatisch schaltendes 6-Gang Getriebe mit Doppelkupplung und ohne Drehmomentwandler, also ohne Leistungsverlust! Das Getriebe kann man natürlich über Tasten im Lenkrad schalten, das habe ich oben noch vergessen. Es bringt keinerlei Nachteile gegenüber Handschaltug, im Gegenteil, man muß nun kein Profi mehr sein, um den Spurt von 0 auf 100 in 6,6 sec. zu schaffen, einfach nur Gas treten! Genauere Infos zu diesem Getriebe gibt es unter http://www.caflisch.ch/Report/Volkswagen%20DSG.doc
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25.06.2007 14:16
Super Bericht aber hat der 4erGolf R32 nicht 241PS? xD Mein Bro baut sich grad einen in sein Corrado rein deshalb frage ich ;)
03.09.2006 13:20
Bodenständiger Bericht! Weiter so...
18.03.2006 12:52
Ein toller Bericht zu einem tollen Wagen. Danke.